mini|Haus Wielandstraße 5 Ecke Glockseestraße, um 1900 Sitz von Hartmann & Hauers
Hartmann & Hauers war eine 1868 gegründete Chemiefabrik mit Sitz in Hannover.Otto Wenzel (Hrsg.): Adressbuch und Waarenverzeichnis der chemischen Industrie des Deutschen Reichs. 3. Jahrgang, Verlag von Rudolf Mückenberger, Berlin 1892, S. 149 (Google-Books). Das Unternehmen zählte zu den ältesten der HolzverkohlungsindustrieChemiker-Zeitung. 43 Jahrgang, 1919, S. 47 (books.google.de Vorschau). und war unter anderem spezialisiert auf die Herstellung von Essigsäure und essigsauren Salzen sowie Zinnober, Kreosot und Guajacol.
Geschichte und Beschreibung Die Fabrik chemischer Produkte und Farbewaaren Hartmann & Hauers stellte ab 1869 zunächst im Haus Holzmarkt 4 in Hannover Backpulver für den Großhandel her nach der Rezeptur des Chemikers Justus von Liebig. Einer der frühen Abnehmer wurde das hannoversche Unternehmen Meine & Liebig.Backpulverfabriken. In: Ludwig Hoerner: Agenten, Bader und Copisten. Hannoversches Gewerbe-ABC 1800–1900. Reichold, Hannover 1995, ISBN 3-930459-09-4, S. 23 f.
Wenige Jahre nach der Reichsgründung pachteten Hartmann & Hauers,Sabine Paehr: Die Entwicklung der sozialen Fürsorge im 19. Jahrhundert am Beispiel der Johann-Jobst-Wagener’schen Stiftung in Hannover. Magisterarbeit 2007 am Historischen Seminar der Universität Hannover, S. 101, 103 (wagenersche-stiftung.de Digitalisat). Inhaber Fritz Eberhard Bernhard Hartmann und der Chemiker Johannes Rudolf Hauers,Adreßbuch. Stadt- und Geschäfts-Handbuch der Königlichen Haupt- und Residenzstadt Hannover und der Stadt Linden, Abtheilung I, Teil 3: Alphabetisches Verzeichniß der Behörden und Anstalten, der Einwohner und Handelsfirmen, Hannover: Klindworths Verlag, 1894, S. 592; Digitalisat der Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek – Niedersächsische Landesbibliothek über den Viewer der Deutschen Forschungsgemeinschaft. im Jahr 1873 von der Johann-Jobst-Wagenerschen Stiftung die Grundstücke Nummer 39 und 40 in der Glocksee mit der zeitgleich erteilten Erlaubnis, die dort noch stehenden Gebäude auf eigene Rechnung abzureißen. Nach dem Abriss 1875 und dem Erwerb der Grundstücke im Jahr 1877 ließen die beiden Unternehmer neben der Fabrik auch ein Kontorhaus errichten, das heute das älteste erhaltene Gebäude in der Wielandstraße Ecke Glockseestraße darstellt.
Nachdem noch Mitte der 1870er Jahre das „echte Kreosot“ aufgrund mangelnder Anbieter nur selten und oftmals nicht in ausreichender Menge erhältlich war, wurde Hartmann & Hauers einer der ersten Hersteller des aus dem Teer des Buchenholzes gewonnenen Stoffes gegen die Fäulnis von Fleisch.Kreosotum / Kreosot. Buchenholztheerkreosot. Kreosōtum fagĭnum. Créosote. Creasote, in: Hermann Hager (Hrsg.): Commentar zur Pharmacopoea Germanica, Band 2, Springer Verlag Berlin Heidelberg GmbH, 1884; Neudruck, ISBN 978-3-642-51793-8, S. 181 f., hier: S. 182 (google.de).
mini|„Linden-Hannover. Blick von der Ihmenbrücke“ auf die Fabrikschlote an der Glockseestraße, an der die chemische Fabrik Hartmann & Hauers zur Holzverkohlungs-Industrie zählte;sogenannte „Mondscheinkarte“, Nr. 128 von F. Astholz jun., um 1898
Insbesondere mit der Produktion des Ende des 19. Jahrhunderts erfundenen und durch das Kaiserliche Patentamt geschützte Testalin, ein „Schutzmittel für Stein- und Cement-Arbeiten gegen Witterungseinflüsse“, hatte das Unternehmen großen Erfolg.D.R.-P. Nummer 78 607; Zentralblatt der Bauverwaltung. Band 17, 1897, S. 495 und passim (Google-Books). Zusammen mit einem von Hartmann & Hauers entwickelten Verfahren erhielt die um Jahrhundertwende prosperierende Bauwirtschaft Textdigitalisate des Polytechnischen Journals stehen unter der Lizenz Creative Commons by-nc-sa 3.0. Rechteinhaber: Humboldt-Universität zu Berlin, Institut für Kulturwissenschaft. sowie die Kunstgewerbe-Industrie ein langanhaltendes Mittel gegen Erosion und Verschmutzungen wie etwa Ruß insbesondere von Sandstein, Tonelementen, Kalk- und Tuffstein-Formen und ähnlichem. Schon 1897 hatte die Firmeninhaber zahlreiche Lizenznehmer in den größeren Städten des Deutschen Reichs wie etwa in Bremen, Hamburg, Magdeburg oder Leipzig.
mini|Dankschreiben aus „Con(stantin)ople“ vom Dezember 1914 an die „Herren Hartmann + Hauers G.m.b.H“ für deren Bericht über den Ersten Weltkrieg
Nach dem Ersten Weltkrieg befand sich das in der Wielandstraße 5 ansässige Unternehmen Ende 1919 in Liquidation.Adressbuch. Stadt- und Geschäfts-Handbuch Hannover Linden. Abteilung III: Alphabetisches Verzeichnis der Einwohner und Handelsfirmen (Redaktionsschluss 10. Oktober 1919). Druck und Verlag von Berthold Pokrantz (Wagenerstraße 17), Hannover 1920, S. 220 (dfg-viewer.de Digitalisat).
Wielandstraße 5 mini|Haustür mit Haustein im angeschrägten Sockelgeschoss, Sandsteinbogen, darüber Klinker mit Zierband; Tür mit geschnitzten Blüten und schmiedeeisernem Ziergittern
Nach der Umfunktionierung des auch schlicht die „Villa“ genannten Gebäudes in der Wielandstraße 5 durch die Niedersächsischen Studieninstitut für kommunale Verwaltung (NSI) zu Bildungszwecken stellte ein Architekt im September 2018 fest, dass wohl eine Baugenehmigung als Wohnraum vorliege, eine Nutzung als Büro- oder gar Hörsaalgebäude jedoch nicht genehmigt sei. So soll in den Plänen zwar von einer Bibliothek im ersten Stock die Rede sein, das Stockwerk jedoch als Seminarraum für rund 60 Studenten genutzt werden. Für diese Umwandlung sei nicht überprüft worden, ob möglicherweise tragende Wände entfernt wurden. Ein Sachverständiger für Brandschutz habe sieben baurechtswidrige Fakten festgestellt. Da die der Geschäftsführer und der Präsident der privat geführten NSI die Stellungnahme der Sachverständigen ignoriert hätten, sollen Mitarbeiter des NSI die Papiere dem Bauamt Hannover überreicht haben.Thomas Nagel: Bauen ohne Genehmigung? / Gutachten spricht von fehlenden Rettungswegen und sofortigem Handlungsbedarf. In: Neue Presse. 4. Dezember 2018, S. 9.
Bereits zuvor hatte das städtische Bauamt in Braunschweig im März 2015 dem NSI große Teile der Nutzung eines Gebäudes in der Braunschweiger Wendenstraße „mit sofortiger Wirkung“ untersagt.
Literatur Thomas Nagel: Bauen ohne Genehmigung? / Gutachten spricht von fehlenden Rettungswegen und sofortigem Handlungsbedarf, in: Neue Presse (NP) vom 4. Dezember 2018, S. 9 Thomas Nagel: Das Lehrgebäude: „Eine latente Gefahr“ / Bauantrag für ungenehmigte „Villa“ an Wielandstraße soll folgen, in: NP vom 5. Dezember 2018, S. 18
Archivalien mini|Ganzsache der Osmanischen Post, 1914 adressiert an die Herren Hartmann & Hauers G.m.b.H.
Archivalien von und über Hartmann & Hauers finden sich beispielsweise in der Stiftung Niedersächsisches Wirtschaftsarchiv als Firmenbriefbogen des Unternehmens, datiert 1898 und versandt an Tebbenhoff in Fürstenau; Archivsignatur WirtA BS NWA 38 Zg. 2010/022 Nr. 218Angaben über das Archivinformationssystem Arcinsys Niedersachsen Bremen
Weblinks
Einzelnachweise
Kategorie:Chemieunternehmen (Deutschland) Kategorie:Bauchemieunternehmen Kategorie:Hersteller von Beschichtungswerkstoffen Kategorie:Hersteller von Kohleerzeugnissen Kategorie:Pharmazieunternehmen Kategorie:Calenberger Neustadt Kategorie:Ehemaliges Unternehmen (Hannover) Kategorie:Unternehmensgründung 1868 Kategorie:Aufgelöst 1919