mini|Titelblatt einer Ausgabe von Health and efficiency (dt. Sonnen Fans) von 1925 Im deutschen Sprachraum entstanden Anfang des 20. Jahrhunderts diverse FKK-Zeitschriften.Dem Inhalt nach sollten sie der Förderung der Freikörperkultur dienen, die insbesondere auch die Volksgesundheit in den Vordergrund stellte, etwa durch den bewussten Verzicht auf Alkohol, Tabakprodukte und Fleisch. Vielerorts dürften allerdings insbesondere die enthaltenen, für damalige Verhältnisse qualitativ hochstehenden, freizügigen Bilder den Verkauf angekurbelt haben. In vielen der Publikationen konnte man dann auch drei Schichten erkennen: Redaktionelle Texte, die sich inhaltlich mit der Freikörperkultur und ihrer ursprünglichen Lehre auseinandersetzten (Freiheit, gesunde Ernährung, Verzicht auf Genussmittel wie Tabak oder Alkohol), die Aktbilder, sowie die Kleinanzeigen – wobei Kontaktanzeigen wohl der treffendere Ausdruck wäre.
Teilweise war bei diesen Zeitschriften das naturistische Ideal der Freikörperkultur nur ein Vorwand, um erotische Nacktphotographien insbesondere von Frauen oder Kindern zu präsentieren. 1996 wurden deswegen Ausgaben von Jung und frei und Sonnenfreunde von der Bundeszentrale für Kinder- und Jugendmedienschutz als jugendgefährdend indiziert.Wilfried Schneider: Kinderpornografie im Internet – Recht, Strafverfolgung und Sensibilisierung. In: Deutsches Jugendinstitut (Hrsg.): Sexueller Missbrauch von Kindern: Dokumentation der Nationalen Nachfolgekonferenz „Kommerzielle sexuelle Ausbeutung von Kindern“ vom 14./15. März 2001 in Berlin. leske + Budrich, Opladen 2002, S. 270.FKK-Museum, Darstellung der Hefte; abgerufen am 29. März 2024.
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Vor dem 2. Weltkrieg Der Robert-Laurer-Verlag, weltweit größter FKK-Verlag,Nackt, frei, vegetarisch: Visionen vom radikal anderen Leben, Abschnitt Weltweit größter FKK-Verlag im niedersächsischen Egestorf; abgerufen am 29. März 2024. Egestorf druckte und vertrieb ab 1926 bis vermutlich 1933 diverse Lektüre, unter anderem:Laurers Wirken in Egestorf
Die Freude – Monatshefte für freie Lebensgestaltung Lachendes Leben – Zeitschrift für gesunde Weltanschauung; monatliche Illustrierte, deutschlandweit rund 42.000 Exemplare pro Ausgabe Licht-Land – Blätter für Körperkultur und Lebensform; zweiwöchentliches Blatt Tempo – Magazin für Fortschritt und Kultur Ideale Körperschönheit – Eine Sammlung ausgewählter künstlerischer Naturaufnahmen Das Lichtschulheim Lüneburger Land gab das Heft Soma ab 1929 heraus Die Schönheit – Monatsschrift für Kunst und Leben von Karl Vanselow, 1902/1903 bis 1931/1932
Von den Nationalsozialisten instrumentiert Nach der Machtübernahme versuchten die Nationalsozialisten zunächst, die Freikörperkultur zu unterbinden: „Eine der größten Gefahren für die deutsche Kultur und Sittlichkeit ist die sogenannte Nacktkulturbewegung“ stand in einem Runderlass für die preussischen Polizeibehörden.Ernst Horst, Seite 33f Es wurde jetzt nur noch ein Magazin herausgegeben, das mehrmals den Namen wechselte:
Deutsche Freikörperkultur – Zeitschrift für Rassenpflege, naturgemäße Lebensweise und Leibesübungen – Offizielles Organ des Kampfringes für völkische Freikörperkultur, Verlag Emil Wernitz, Berlin, 1933–1934, Nationalsozialistisches Propagandablatt unter dem Deckmantel der FreikörperkulturBeispiel: Heft 4 – Ostermond (April) 1934 Gesetz und Freiheit (1934–1936) Deutsche Leibeszucht (1937–1943)
Trotz dieser grundsätzlichen Ablehnung der Freikörperkultur wurde im Jahr 1942 die „Polizeiverordnung zur Regelung des Badewesens“ von Wilhelm Frick erlassen, die das Nacktbaden explizit erlaubte, sofern es an Orten, die nicht allgemein einsehbar waren, praktiziert wurde. Sogar das gemischtgeschlechtliche Baden wurde ausdrücklich erlaubt.
Nach dem 2. Weltkrieg Die folgende Liste enthält die bekannten deutschsprachigen FKK-Zeitschriften, die nach dem Zweiten Weltkrieg (wieder) erschienen. Die meisten davon wurden vor Ende des 20. Jahrhunderts eingestellt. +Name(n)ErscheinungszeitraumErscheinungsweiseVerlagBemerkungenFKK-Reisen / Der Naturist / FreiKörperKultur1952–MonatlichGemäß Die Nackten & die Tobenden, 2024 anscheinend nur noch 6x im Jahr (FreiKörperKultur im Wechsel mit FKK-Reisen). Quelle: https://www.dfk.org/publikationen/freikoerperkulturDFKVerbandszeitschrift des Deutschen Verbandes für Freikörperkultur (DFK)Unser Leben in der FKK – Ausgewählte Beiträge zu Fragen der Lebensgestaltung im Sinne der FreikörperkulturOktober 1961-Dezember 1963ZweimonatlichDFKAbleger der DFK-Verbandszeitschrift, später in diese integriertSonnenfreundeca. Oktober 1949-Dezember 1997MonatlichVerschiedeneDiverse Sonderhefte, die wegen sehr freizügiger Bilder (auch von Kindern) in die Kritik geraten warenNaturist + reisen / naturist & reisen4/1997-4/5/1998Hanseatic-Verlag, später Berendt-VerlagSonnenstrahl / HeliosOktober 1949-Mai 1970zunächst monatlich, später seltenerRudolf ZitzmannEOSSeptember 1959–1969zunächst monatlich, später unregelmäßigEos-Verlag, später wegen Namensrechts-Streitigkeiten umbenannt in Neos-VerlagDiente dazu, die (zweideutigen) Kleinanzeigen aus dem Helios auszulagern, um dessen Ruf wiederherzustellenDer Sonnenmensch, Helios (in Österreich)Juli 1949–1974monatlich oder öfterDer Sonnenmensch, LinzFreies Leben (erste Serie)1949–1953unregelmäßigVerschiedeneUnser Dasein/Freies Leben (zweite Serie)1949–1958/1959–1980unregelmäßig, später monatlichZuerst verschiedene, ab Mitte 1950er-Jahre Rudolf Hofmann-VerlagFreies Leben war eine klassische FKK-Zeitschrift, die gute Beziehungen mit dem DFK (und damit den „offiziellen“ Zielen der FKK) hatte, später reines Sexheft.Der Naturist1958–1968monatlichRudolf Pitrovsky, dann Rudolf Hofmann.Deutsche Ausgabe von Sol og Sundhed/Sun and HealthNaturist und Welt1968–1980monatlichRudolf-Hofmann-VerlagUnmittelbare Fortsetzung von der Naturist. Schwesterzeitschrift von Freies Leben, sich dem FKK widmend, nachdem jenes zum Sexheft geworden war.Paradies1950–1968monatlichParadies-Verlag, ab Nr 120 Rudolv-Hofmann-Verlag.Lebensfreude1949- ca 1958unregelmäßigZuerst Eigenverlag, dann Karl-Langhelm-VerlagZeitweise deutsche Übersetzung von International Sun and HealthMensch und Natur1949-ca 1950monatlichZuerst Eigenverlag, dann Walter-Lehning-Verlag, schließlich Rudolf-Zitzmann-VerlagAbgelöst durch Licht und SchönheitLicht und Schönheit1950–1968monatlich oder seltenerWalter-Lehning-VerlagSonnige WeltDezember 1951, nur 7 AusgabenAstra Verlag, ab Nr 6 EigenverlagOlymp1950–1952unregelmäßigOlymp-VerlagZuerst in Farbe, dann nur noch Schwarz-WeissFreikörperkultur-Taschenbücher1951vierzehntäglichOlymp-VerlagKein Taschenbuch, sondern dünnes Heftchen. Nur 4 Ausgaben.die neue zeit1928–2001wechselnddie neue zeitDie einzige bekannte FKK-Zeitschrift, die vom Krieg praktisch unbehelligt blieb. Da sie in der Schweiz erschien, hat sie die größte Kontinuität aller Einträge in dieser Liste.Solis1956/1957–1960monatlichWahrscheinlich in Basel oder Birsfelden, später in KopenhagenDieses ebenfalls in der Schweiz erschienene Heft war zwar genauso bieder wie die anderen Hefte, machte aber ein großes Geheimnis um Redaktion und AutorenHorst vermutet, dass das Heft von einem Pornokonzern produziert wurdeHumana1966–1972monatlich, lückenhaftHorst Schroeder VerlagSonnen Fans1975–1996kompliziertdiverseDeutsche Ausgabe von Health and Efficiency, mit diversen unterschiedlich benannten Sonderheften.Das im Vereinigten Königreich erscheinende Magazin H&E naturist nennt sich selbst das älteste Naturisten-Magazin überhaupt und existiert seit 1902. Quelle: https://www.henaturist.net/Sonne und Leben1978–1979zweimonatlichNature EditionsDeutsche Ausgabe von la vie au soleil.Auch hier existiert die französische Ausgabe noch. Sie erscheint in Sète.
Anmerkungen
Weblinks
Literatur
Kategorie:Liste (Zeitschriften) Kategorie:Freikörperkultur Kategorie:Geschichte (20. Jahrhundert)