Patrioten für Europa (, , ) ist eine rechtsextreme Fraktion im Europäischen Parlament in der zehnten Wahlperiode ab 2024. Ihre Mitglieder gehören rechtspopulistischen, rechtsextremen und EU-skeptischen Parteien an.Sebastian Chwala: Der Front national – Einblicke in eine „rechtspopulistische“ Partei. (PDF) In: sopos, Nr. 12/2015.Eckhard Jesse, Tom Thieme: Extremismus in den EU-Staaten. Theoretische und konzeptionelle Grundlagen. In: Ders. (Hrsg.): Extremismus in den EU-Staaten. VS Verlag, Wiesbaden 2011, ISBN 978-3-531-17065-7, S. 24.Valerio Alfonso Bruno, James F. Downes: The Radicalisation of the Italian Mainstream. Populist Radical Right Parties and Extreme Right-Wing Movements in Italy (2012–2022). In: Katherine Kondor, Mark Littler (Hrsg.): The Routledge Handbook of Far-Right Extremism in Europe. S. 129–144.Anton Pelinka: Die FPÖ im internationalen Vergleich. Zwischen Rechtspopulismus, Deutschnationalismus und Österreich-Patriotismus. 2002 (PDF; 126 kB).Marija Davidović, u. a. (Hrsg.): Het extreemrechtse en discriminatoire gehalte van de PVV. In: J. Donselaar, P.R. Rodriques (Hrsg.): Monitor Racisme & Extremisme, achtste rapportage Monitor Racisme, Amsterdam 2008, S. 167–199. (Englische Fassung: Racism and Extremism Monitor Eight Report, Leiden 2008, Sektion 8)
„Rechtsextremismus“ wurde in dieser Studie definiert wird als: „eine Orientierung auf das Eigene und eine Abkehr vom Fremden sowie einen Hang zu autoritären Strukturen“. Diese Einordnung der PVV wurde aus unterschiedlichen Gründen kritisiert: Universität Münster: Geert Wilders. II. Forschungsstand
Die Folgestudie von 2010 (Englische Fassung: Racism and Extremism Monitor Ninth Report, Leiden 2010, Sektion 4) ging dezidierter auf einen Unterschied zwischen „klassischem“ und „neuem“ Rechtsextremismus ein, bei dem die PVV letzterem zugeordnet werden müsse.Vgl. Karin Priester: Rechter und linker Populismus: Annäherung an ein Chamäleon. Campus Verlag, Frankfurt am Main 2012, ISBN 978-3-593-39793-1, S. 107 Mit 84 Mitgliedern ist die Fraktion Stand 9. Juli 2024 die drittgrößte Fraktion des Europäischen Parlaments. Sie folgt weitgehend der Fraktion Identität und Demokratie, die von 2019 bis 2024 bestand.
Gründungsphase
Ankündigung Die Gründung der Fraktion wurde bei einer Pressekonferenz in Wien am 30. Juni 2024 von Herbert Kickl (FPÖ), Viktor Orbán (Fidesz) und Andrej Babiš (ANO) angekündigt. Die drei Parteiführer unterzeichneten ein „patriotisches Manifest für die Zukunft Europas“, das die Ziele der Gruppe festlegt. Dazu gehören die Verteidigung der Souveränität der Länder, der Kampf gegen illegale Migration und die Revision des „Green Deal“.
Gründung Voraussetzung für die Gründung einer Fraktion im Europäischen Parlament ist die Mitgliedschaft von mindestens 23 Abgeordneten aus mindestens sieben Ländern. Die drei Gründungsparteien stellen nach der Europawahl 2024 vom 6. bis. 9. Juni 2024 zusammen 23 Abgeordnete.
Die Abgeordneten der rechtspopulistischen Fidesz gehörten zuletzt keiner EU-Fraktion an, seit sie im März 2021 die christdemokratische EVP-Fraktion verlassen hatten.Vgl. Karin Priester: Rechter und linker Populismus: Annäherung an ein Chamäleon. Campus Verlag, Frankfurt am Main 2012, ISBN 978-3-593-39793-1, S. 107 Die Abgeordneten der populistischen Partei ANO 2011 hatten bis zur Wahl 2024 der liberal-zentristischen Fraktion Renew Europe angehört. Die rechtsextreme FPÖ gehörte in der Wahlperiode 2019 bis 2024 der Fraktion Identität und Demokratie an. Die portugiesische rechtspopulistische Chega (neu im Parlament, aber Mitglied der ID-Partei) beschloss am 2. Juli 2024, sich der geplanten Fraktion anzuschließen. Santiago Abascal, Vorsitzender der spanischen Vox, gab am 5. Juli 2024 bekannt, dass die Europaabgeordneten seiner Partei die EKR-Fraktion verlassen und sich den Patrioten für Europa anschließen. Auch die sechs niederländischen PVV-Abgeordneten, die drei belgischen Abgeordnete des Vlaams Belang und der Abgeordnete der Dänischen Volkspartei schlossen sich der neuen Fraktion an bzw. wechselten von der bisherigen ID-Fraktion. Schließlich folgten auch die Abgeordneten des französischen RN und der italienischen Lega. Damit ging die bisherige ID-Fraktion fast vollständig in der PfE auf. Nach Recherchen der italienischen Zeitung Domani war die Gründung der Fraktion vorab mit Matteo Salvini, Vorsitzender der Lega, und Marine Le Pen, Parteiführerin des RN, abgesprochen.
Die Konstituierung der Fraktion erfolgte am 8. Juli 2024. Neben den zuvor bekannten Mitgliedern schlossen sich die zwei Abgeordneten der tschechischen Přísaha, sowie die einzigen Abgeordneten der lettischen LPV sowie der griechischen FL an.
Die deutsche AfD wurde hingegen nicht in die Fraktion aufgenommen, nachdem entsprechende Gespräche gescheitert waren. Die AfD-Abgeordneten waren auf Betreiben der RN-Parteichefin Le Pen kurz vor der Europawahl aus der ID-Fraktion ausgeschlossen worden. Zwei Tage nach der Gründung der PfE gründete die AfD eine weitere rechte Fraktion.
Seit Februar 2025 besitzt die israelische Likud um den amtierenden Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu Beobachterstatus in der Fraktion.
+Abgeordnete der PfE nach vorheriger FraktionVorherige Fraktion (2019–2024)EuropaparteiAbgeordnete neuNationale ParteienIdentität und DemokratieIDP53 Freiheitliche Partei Österreichs Lega Partij voor de Vrijheid Rassemblement National Vlaams Belang –1 Dansk Folkepartifraktionslos –10 Renew EuropeALDE7 ANO 2011Europäische Konservative und ReformerEKR6 VoxFraktion der Europäischen VolksparteiEVP1 Kereszténydemokrata Néppártnicht im Parlament vertretenIDP2 ChegaECPM1 Latvija pirmajā vietā–5 Přísaha občanské hnutí Foni Logikis Ruch Narodowy
Vorsitz Vorsitzender der Gruppe ist Jordan Bardella, Parteivorsitzender des RN. Erster Stellvertreter ist Kinga Gál (Fidesz). Weitere Stellvertreter sind Klára Dostálová (ANO), Sebastiaan Stöteler (PVV), António Tânger Corrêa (Chega), Hermann Tertsch (VOX) und Harald Vilimsky (FPÖ).
Abgeordnete mini|Länder mit Abgeordneten in der PfE-Fraktion (Dunkelviolett: mehr als 1 Abgeordneter, Hellviolett: 1 Abgeordneter, Braun: kein Abgeordneter) LandParteiEuropaparteiAbgeordneteAnzahlMitgliederVlaams BelangP.euTom Vandendriessche, Barbara Bonte, Gerolf Annemans Dansk Folkeparti P.euAnders Vistisen (bis 13. April 2026), Majbritt Birkholm (seit 16. April 2026) Rassemblement NationalP.euMathilde Androuët, Jordan Bardella, Marie-Luce Brasier-Clain, Marie Dauchy, Valérie Deloge, Mélanie Disdier, Gaëtan Dussausaye (bis 26. September 2024), Anne-Sophie Frigout, Angéline Furet, Jean-Paul Garraud, Catherine Griset, France Jamet, Virginie Joron, Sylvie Josserand (bis 26. September 2024), Julien Leonardelli, Thierry Mariani, Aleksandar Nikolic, Philippe Olivier, Gilles Pennelle, Pierre Pimpie, Julie Rechagneux, André Rougé, Julien Sanchez, Pierre-Romain Thionnet, Rody Tolassy, Matthieu Valet, Alexandre Varaut, Christophe Bay (seit 27. September 2024), Séverine Werbrouck (seit 27. September 2024) – P.euFabrice Leggeri, Pascale Piera, Malika Sorel (bis 18. April 2025)Union des droites pour la République –Laurent Castillo (seit 21. Januar 2026)Foni LogikisP.euAfroditi LatinopoulouLega per Salvini PremierP.euPaolo Borchia, Susanna Ceccardi, Anna Maria Cisint, Aldo Patriciello, Silvia Sardone, Raffaele StancanelliLega NordP.euIsabella Tovaglieri––Roberto Vannacci (bis 3. Februar 2026)Latvija pirmajā vietāP.euVilis KrištopansPartij voor de VrijheidP.euRachel Blom, Ton Diepeveen, Marieke Ehlers, Sebastian Kruis, Sebastiaan Stöteler (bis 11. November 2025), Auke Zijlstra, Mieke Andriese (seit 20. November 2025)Freiheitliche Partei ÖsterreichsP.euElisabeth Dieringer-Granza, Roman Haider, Gerald Hauser, Georg Mayer, Petra Steger, Harald VilimskyChegaP.euTiago Moreira de Sá, António Tânger CorrêaRuch NarodowyP.euAnna Bryłka, Tomasz Buczek –Ewa Zajączkowska-Hernik (seit 25. März 2026)VoxP.euMireia Borrás, Jorge Buxadé, Juan Carlos Girauta, Jorge Martín Frías, Margarita de la Pisa Carrión, Hermann Tertsch ANO 2011 P.eu Jaroslav Bžoch, Klára Dostálová, Martin Hlaváček (bis 31. Juli 2024), Ondřej Knotek, Ondřej Kovařík (bis 30. Juli 2025), Jana Nagyová, Jaroslava Pokorná Jermanová, Tomáš Kubín (seit 1. August 2024)––Jaroslav Knot (seit 31. Juli 2025)Přísaha občanské hnutíP.euNikola Bartůšek (bis 9. Februar 2026), Antonín Staněk (seit 4. Oktober 2025)Motoristé soběP.euFilip Turek (bis 3. Oktober 2025)Kereszténydemokrata Néppárt P.eu György Hölvényi P.euTamás Deutsch, Kinga Gál, Balázs Győrffy (bis 1. September 2024), Enikő Győri, András Gyürk, András László, Ernő Schaller-Baross, Csaba Dömötör (seit 22. September 2024), Balázs Orbán (seit 18. September 2026)– P.eu Viktória Ferenc, Pál Szekeres (bis 13. September 2026) – Annamária Vicsek Summe
Weblinks
tagesschau.de (7. Juli 2024): Orbans Rechtsaußen-Bündnis nimmt Form an
Einzelnachweise
Kategorie:Nationalistische Organisation Kategorie:Organisation (Rechtspopulismus) Kategorie:Fraktion im Europäischen Parlament Kategorie:Gründung einer politischen Organisation 2024 Kategorie:Patriots.eu