Das Hôtel de Blossac ist ein Hôtel particulier aus dem 18. Jahrhundert im historischen Zentrum der bretonischen Regionalhauptstadt Rennes in Frankreich.

Das Bauwerk besteht aus zwei aneinandergefügten Hauptflügeln und wurde, zusammenen mit den Nutzgebäuden, 1728 nach dem Stadtbrand von Rennes des Jahres 1720 errichtet. Der Entwurf stammte mutmaßlich von Jacques Gabriel. Es präsentiert sich in einem klassizistischen Architekturstil, der in der Bretagne einzigartig ist, insbesondere im Hinblick auf seine Grundfläche, die Höhe des Gebäudes, die architektonische Verbindung mehrerer Gebäudeteile und seines Treppenhauses.

Obwohl es sich im Besitz der Familie La Bourdonnaye, Grafen von Blossac, befindet, wurde es seit annähernd 200 Jahren von der Stadt Rennes vermietet und diente zunächst als Amtssitz des Oberbefehlshabers in der Provinz Bretagne. Seine Ausstattung erinnert daher an den Prunk des französischen Hofes. Nach den Ereignissen der französischen Revolution wurde es im 19. Jahrhundert in Wohnungen aufgeteilt und verwandelte sich somit zu einem Mietshaus, in dem der Schriftsteller Paul Féval geboren wurde.

Nachdem es 1947 als Monument historique klassifiziert wurde, wurde es einer vollständigen äußeren Renovierung unterzogen, welche sich über 30 Jahre erstreckte. In dieser Zeit machten die Wohnungen Platz für Büroräume. Seit 1982 gehört die Immobilie komplett dem französischen Staat und beherbergt in restaurierten Räumen die Regionaldirektion für kulturelle Angelegenheiten der Bretagne sowie in den früheren Nutzgebäuden die Dienststelle für Architektur und Denkmalerbe des Départements Ille-et-Vilaine.

Beschreibung der Örtlichkeiten Das Hôtel de Blossac innerhalb von Rennes Das Hôtel de Blossac liegt im Nordwesten des Stadtzentrums von Rennes in der unter Schutz gestellten Zone der Altstadt. Sein Haupteingang, der von einem Torbogen gebildet wird, liegt bei der Hausnummer 6 der Rue du Chapitre im Süden des Komplexes. Es blickt außerdem im Osten teilweise auf die Rue de Montfort und im Norden auf die Rue Saint-Sauveur. Zwei Türen, eine davon zugemauert und die andere, die von den Angestellten der im Gebäude untergebrachten Dienststellen benutzt wird, sind in die Gartenmauer eingefügtDiese Tür trägt die Hausnummer 1 der Rue Saint-Sauveur, wobei diese Nummerierung aus der Zeit stammt, als das Gebäude in Wohnungen aufgeteilt war.. Der westliche Teil des Hôtels mit dem Hof für die Dienstleistungen ist an andere Gebäude angebaut oder öffnet sich auf private Innenhöfe. Der Garten des Hôtels de Blossac bietet einen Ausblick auf die südliche Fassade der Basilika Saint-Sauveur und von den oberen Stockwerken des Hôtels ist es möglich, im Westen auf die recht nahe gelegene Kathedrale von Rennes zu blicken.mini|319x319px|Das Hôtel de Blossac im Jahr 2010D'après les références cadastrales prises sur cadastre.gouv.fr.: Anlage des Hôtels Das Hôtel de Blossac besteht aus einem Hauptgebäude, das von der Rue du Chapitre zur Rue Saint-Sauveur verläuft. Dessen großer Baukörper ist in zwei Teile gegliedert: den Gartenbau im Norden und den Bau entlang der Höfe im Süden. Der Gartenbau präsentiert sich mit einer Freitreppe und einer gegliederten Fassade, während das Hofgebäude sich nüchterner zeigt, aber im Süden das große Treppenhaus mit einschließt. Gegenüber dem Hofgebäude befinden sich die ehemaligen Stallungen und daran rechtwinklig angebaut die Galerie mit Blick auf den Garten. An der Rückseite des Hofgebäudes befindet sich der Hof für die Dienstleistungen, der durch die Passage des großen Treppenhauses erreicht wird. Dieser Hof stößt im Osten an eine fensterlose Mauer und im Süden ans Hôtel de Brie. Dieses Hôtel ist älter als das Hôtel de Blossac (1624) und wurde bei der Errichtung des Gebäudes miteinbezogen.

Da das Hôtel heute ein öffentliches Gebäude istWie jedes Monument historique, das sich im Besitz des Ministeriums für Kultur befindet, wird sein Unterhalt durch die regionale Denkmalbehörde sichergestellt, die im Erdgeschoss und im Hochparterre des Gartenbaus ihren Sitz hat., ist es möglich, die Außenanlagen (Höfe und Garten) sowie das große Treppenhaus zu den Bürozeiten zu besichtigen, insbesondere um das Dokumentationszentrum der Einrichtung zu erreichen. Die gleichen Außenanlagen sind üblicherweise für die European Heritage Days geöffnet.

Geschichte mini|links|400x400px|Panaromaaufnahme vom Garten aus: im Vordergrund links die Galerie und die Ecke der Stallungen; im Hintergrund rechts der Gartenbau des Hôtel mit der Freitreppe und dem vorspringenden Mittelteil der Fassade; im Hintergrund links der Hofbau des Hôtel

Vor dem Hôtel de Blossac: das Hôtel de Brie Das Hôtel de Brie (oder auch Hôtel du Bois de la Motte) besteht um 1720 aus einer Kombination verschiedener Bauten, die das vorherige Herrenhaus du petit Fontenay bildeten. Das Hôtel de Brie im eigentlichen Sinne wurde 1624 an der Rue du Chapitre erbaut,Zu dieser Zeit hieß sie Rue du Four du Chapitre. und zwar von der Familie des Präsidenten des Parlaments der Bretagne, Loysel de Brie. Dieser Bau ersetzte einige Holzhäuser, die man durchschreiten musste, um ins petit Fontenay zu gelangenDiesen Bauplan findet man noch bei einigen Hôtels der Rue Saint-Georges in Rennes, wo ein Vorderhaus den Hof und das Hôtel dahinter gleichsam maskiert (nach Rioult, L'Hôtel de Blossac à Rennes: Résidence du commandant en chef pour la Bretagne, 1991, S. 293).. Dieses Hôtel wurde 1692 zur Residenz des Intendanten des Königs in der Bretagne bestimmt und diente als solche bis 1725. Das Hôtel de Brie ging von der Familie Loysel de Brie an die Familie de Cahideuc über, die das Gebäude im Tausch 1727 an Louis Gabriel de la Bourdonnaye, Graf von Blossac abtrat.

Sein Aufbau ist der eines klassischen Gebäudes von Rennes : zwei Wohngebäude, von denen eines Zugang zur Straße hat und die durch einen Hof voneinander getrennt sind; solche Gebäude existieren auch heute noch. Der Zugang zum Hof erfolgt durch einen Durchgang unter dem ersten Wohngebäude, sowohl für die Wagen als auch für Fußgänger, von welchem auch das Treppenhaus den Zugang zu den Obergeschossen eröffnet. Eine Galerie und Nutzgebäude verbanden die beiden Wohnhäuser an der Ostseite des Hofes. Stallungen vervollständigten östlich der Nutzgebäude das Ensemble. Abgesehen von den hölzernen Stallgebäuden konnte das Hôtel de Brie aufgrund seiner Bauweise aus Stein und dank der Willensstärke seines Besitzers, der sich nicht der Passivität der Umgebung anschloss, den Stadtbrand von Rennes 1720 aufhalten und so den Westteil der Stadt schützen. Das Hôtel de Brie stand wahrscheinlich mit dem Nachbargebäude, de la Psalette genannt, in Verbindung und in gleicher Weise an der Rue Saint-Sauveur mit dem petit Fontenay. Von diesen Verbindungsgängen ist keine Spur erhalten geblieben, außer einem Bauzeichen des Hauses de la Psalette im Dienstleistungshof. Das Hôtel de Brie ist das einzige Beispiel einer Fassade aus weißem Stein des 16. Jahrhunderts in der Stadt Rennes.

Im Januar 2014 wurden Arbeiten geplant, damit das Hôtel de Brie ein Haus der Architektur behergen kann.

Die Erbauung des Hôtel de Blossac

Der Bedarf und die örtlichen Gegebenheiten mini|319x319px|Verfügbarer Bauplatz nach dem Stadtbrand. mini|links|320x320px|Blick vom Place du Calvaire. In der Rue du Chapitre (links) sieht man den Torbogen am Eingang zum Hôtel de Blossac; in der Rue de Montfort (rechts) die aus dem Garten ragenden Bäume vor der Basilika.

Das Hôtel de Blossac wurde 1728 auf Initiative von Louis Gabriel de La Bourdonnaye, Graf von Blossac und Président à mortier des Parlaments der Bretagne, als seine zukünftige Residenz errichtet. François Huguet überwachte die Bauarbeiten.

Der Bau wurde auf einem Stück Brachland errichtet, das vom Stadtbrand von 1720 herrührte. Dabei wurde teilweise im Westen das vorherige Hôtel de Brie einbezogen, während der übrige Bau im Osten das vom Brandschutt freigeräumte Grundstück nutzte. Die neue Parzelle wird im Süden von der Rue du Chapitre und im Nord von der Rue Saint-Sauveur (und der Basilika) begrenzt, die das Feuer überdauerten. Im Osten wird die Grundstücksgrenze von der Rue de la Mitterie gebildet, die in rechtwinkliger Gestalt neu angelegt und Rue de Montfort getauft wurde. Die Südostecke ist die einzige, welche von anderen Bauten eingenommen wird, die ab 1723 in dem Stil errichtet wurden, der in der Neustadt vielfach verwendet wurde. Der vom Ingenieur Isaac Robelin, der mit dem Wiederaufbau der Stadt beauftragt worden war, 1722 gezeichnete Plan, schreibt der Familie de La Bourdonnaye ein seltsam geformtes Grundstück zu, wo 1728 der Bau des "Hôtel de La Bourdonnaye de Blossac" begann.

Das Hôtel de Blossac Das Hôtel de Blossac nimmt also die gesamte Breite der zur Verfügung stehenden Parzelle ein und nutzt das Maximum der gebotenen Möglichkeiten hinsichtlich der Fläche aus : das Hauptgebäude teilt sich in zwei getrennte Baukörper (Hofflügel im Süden und Gartenflügel im Norden), die der Länge nach aneinander gereiht sind.

Die Aufteilung der Räume ist im Erdgeschoss und im 1. Obergeschoss jeweils identisch. Dieser Grundriss kann bereits zu Beginn der Bauarbeiten so geplant worden sein, um dem Intendanten der Provinz, der bis dahin im Hôtel de Brie residierte, einen Wohnsitz zu erstellen, der seiner Funktion würdig war. Dem Vorbild anderer großer Wohnsitze folgend, handelt es sich um die fluchtende Zimmeranordnung einer Enfilade: nach dem Durchschreiten des großen Treppenhauses werden die Besucher in einem Vorzimmer empfangen. Dieses steht über den Gardesaal mit einem weiteren sehr großen Saal in Verbindung. Dieser große Saal war gepflastert und bis zum Bau der Galerie entlang des Gartens für Empfänge und die Mahlzeiten vorgesehen. In dessen Folge bediente auf der früheren Hofseite eine hölzerne Treppe die verschiedenen Geschosse und im Rückgebäude die Zimmer. Im Gartenflügel nahm ein Gesellschaftssalon das Vorderhaus ein, gefolgt zur Rue Saint-Sauveur hin von einem Arbeitszimmer.

Das Kellergeschoss ist der Hauswirtschaft vorbehalten: mit dem Ziel, Mahlzeiten mit vier Gängen liefern zu können, wurde eine große, gewölbte Küche im Rückgebäude eingebaut, die durch mehrere Spezialküchen (Suppen und Gemüse, Vorspeisen, BratenkücheDiese diente zweifellos dem privaten Gebrauch und nicht für Empfänge. In einem solchen Fall wurde die außenliegende Bratenküche für die Zubereitung eingesetzt. und Pâtisserie) ergänzt wurde, die sich die Fläche unter dem größten Teil des Hôtels aufteilten. Die Küchen waren mit fixen Arbeitsplätzen ausgestattet und ebenso mit großen eisernen Herden. Zwei Kessel zum Spülen des Geschirrs, Vorläufer einer Geschirrspülmaschine, wurden im Hinterhof installiert und zwei Trockenschränke im Hauswirtschaftstrakt eingerichtet. Die Ausstattung wurde komplettiert durch zwei Teile in den Nebengebäuden: eine Kaffeeküche und einen Eiskeller. Der Zugang zum Kellergeschoss erfolgte zum einen über die Innentreppe und zum anderen über eine Treppe im großen Treppenhaus, die sich links vom Zugang zum Erdgeschoss befand.Dieses Bauelement ist heute verschwunden.

Des Weiteren war der Zugang zum Erdgeschoss über eine Treppe in der Nähe der Brunnen in der Nordostecke des Dienstleistungshofs möglich und über zwei Treppen, die sich an den jeweiligen Enden des Gartenflügels befanden. Der Zugang zum Hôtel de Brie erfolgte über eine Treppe, die sich in der Südostecke des Dienstleistungshofs befand und an die Lagerschuppen angebaut war. Die Räume im Dachgeschoss im Mansardenstil waren dem Personal vorbehalten, mit Ausnahme des "Goldenen Salons", der im 2. Obergeschoss eingerichtet wurde und Zugang zu einem 1750 angebauten Balkon hatte.

Der Barockgarten umfasste eine zentrale Rasenfläche mit vier Statuen an den vier Ecken, ein mit Lorbeer bewachsenes Turmgerüst im Hintergrund und Obstbäume entlang der Mauer zur Rue Saint-Sauveur hin.