mini|Karl Schneider 1925, zu diesem Zeitpunkt Sektionschef in der Landestopografie Karl Schneider (* 21. Juli 1886 in Madretsch; † 28. Februar 1979 in Bern) von Diessbach bei Büren und Bern war ein Schweizer Vermessungsingenieur.

Leben Karl Schneider kam als Bürger von Diessbach bei Büren am 21. Juli 1886 in Madretsch zur Welt, einer Ortschaft, die 1920 in Biel eingemeindet wurde. Er verlor seine Eltern in früher Kindheit: 1888 starb der Vater, Bauunternehmer und alt Grossrat» Friedrich Schneider, 1895 seine Mutter. Die Kindheit verbrachte er bei der älteren Schwester und seinem Schwager in Biel. Schneider besuchte die Primarschule und das Progymnasium in Biel, trat 1902 in die Realschule des städtischen Gymnasiums in Bern ein und legte die Maturitätsprüfung im Jahre 1905 ab. Anschliessend studierte er von 1905 bis 1909 am Eidgenössischen Polytechnikum in Zürich und schloss als diplomierter Bauingenieur ab. Nach kaum einem Jahr Praxis als Statiker in der Firma Bosshard & Co. in Näfels trat er im Jahr 1910 in den Dienst der Abteilung für Landestopographie des Eidgenössischen Militärdepartementes. Die Erstellung neuer schweizerischer Vermessungsgrundlagen und neuer Kartenwerke wurde zu seiner Lebensaufgabe. Er war ein begeisterter Bergsteiger, klar denkender Ingenieur und später hoher Offizier.

Schneider verheiratete sich am 11. November 1910 mit Martha Schaffner. Von den zwei Kindern starb die Tochter in jungen Jahren, der Sohn Walter (1912–1991) schloss 1935 an der ETH Zürich als diplomierter Vermessungsingenieur ab.

Schneider war in den Jahren 1910 bis 1920 zunächst als Ingenieur dritter und später als Ingenieur zweiter Klasse in der Sektion Geodäsie der Abteilung für Landestopographie massgeblich an der Erstellung der Vermessungsgrundlagen beteiligt. Er arbeitete an den Triangulationsnetzen der Kantone Thurgau und Graubünden. Am 1. Juni 1920 erfolgte seine Beförderung zum Sektionschef unter gleichzeitiger Übertragung der Leitung der Sektion für Topographie, einschliesslich Photogrammetrie. Nach der 1927 erfolgten Nichtwiederwahl von Ingenieur Wilhelm Schüle als Chef der Sektion für Kartographie leitete Schneider auch diese Sektion, unter teilweiser Entlastung durch den Chef der Sektion für Geodäsie Hans Zölly. Am 30. Mai 1929, mit Amtsantritt auf den 1. Juni 1929, erfolgte die Wahl von Schneider durch den schweizerischen Bundesrat zum Direktor der Eidgenössischen Landestopographie.

mini|Direktor Karl Schneider (Mitte) im Gespräch mit den Bundesräten Philipp Etter und Karl Kobelt an der Einweihungsfeier des Neubaus der Landestopografie in Wabern am 7. Mai 1941 Unter seiner Leitung wurden Erprobung und Einführung erd- und luftphotogrammetrischer Verfahren zur topographischen Landesvermessung, das Armeekartenprojekt 1933 sowie Vorarbeiten zum Bundesgesetz über die Erstellung neuer Landeskarten der Schweiz durchgeführt. Sein Name würde insbesondere mit dem Kartenwerk 1:50'000 verknüpft bleiben. Über der Hundertjahrfeier, die die Landestopographie 1939 hätte begehen könnenHundert Jahre Eidg. Landestopographie : ehemaliges eidg. topographisches Bureau, 1838–1938 : Erinnerungsmappe, standen die Schatten des Krieges, der eine Fülle von Massnahmen und Vorbereitungen zur Sicherstellung der Armee-Kartenproduktion für den Heeresbeschaffungsdienst im Kriegsfall erforderte. Dazu musste die gesamte Planung zum Bau des neuen Verwaltungs- und Betriebsgebäudes der Landestopographie in Wabern bewältigt werden, ein Neubau, der 1940 bezogen und 1941 eingeweiht wurde.

mini|375px|links|Grenzkommission Plenarkonferenz vom 17. März 1943, Morcote, Direktor Karl Schneider ist der 4. von rechts Neben seiner Tätigkeit als Direktor der Landestopographie hatte sich Schneider als Chef schweizerischer Delegationen von gemischtstaatlichen Kommissionen zur Bereinigung und Erhaltung der Landesgrenze Italien–Schweiz, Liechtenstein–Schweiz, Frankreich–Schweiz und Österreich–Schweiz zu betätigen, ferner als Präsident der Kommission des Eidgenössischen Militärdepartements für «Gelände und Karte», die die Herausgabe des gleichnamigen Buches von Eduard Imhof unterstützte. Dazu kam die Teilnahme an internationalen wissenschaftlichen Kongressen im In- und Ausland, wie zum Beispiel 1938 am internationalen Kongress für Geographie in Amsterdam und 1949 in Lissabon sowie 1947 an der Ausstellung und Konferenz für Kartographie und OptikMostra nazionale e convegno di cartografia e di ottica, Firenze, 27 – 31 Ottobre 1947 [Nationale Ausstellung und Konferenz für Kartographie und Optik, Florenz, 27. bis 31. Oktober 1947]. in Florenz usw.

Nach Sparexpertisen von Alfred Walther und Eduard Imhof sowie auf Druck von Bundesrat Karl Kobelt habe Schneider nur widerwillig organisatorische Reformen eingeleitet, weshalb vom Eidgenössischen Militärdepartement 1949/50 seine Entlassung erwogen wurde.Schneiders vorzeitiges Ausscheiden aus dem Bundesdienst wurde in diversen Briefen und Aktennotizen «erwogen» (vgl. insbesondere Schweizerisches Bundesarchiv: BAR E27/19983, Bd. 1). Schneider blieb bis zur ordentlichen Pensionierung im Amt. Im Mai 1949 äusserte sich Fritz Baeschlin gegenüber Bundesrat Kobelt zu den Verhältnissen in der Landestopographie. 1951 trat Schneider als Direktor der Eidgenössischen Landestopographie zurück, da er nach 41 Jahren die gesetzlich festgelegte Altersgrenze erreicht hatte. Als Nachfolger wählte der schweizerische Bundesrat Simon BertschmannProtokoll der 79. Sitzung des Schweizerischen Bundesrates vom Dienstag, 13. November 1951, [Nr.] 2165:

«Als neuer Direktor der Eidg. Landestopographie wird mit Amtsantritt auf den 1. Januar 1952 und mit Dienstort in Wabern gewählt: Professor Dr. h. c. Bertschmann Simon, geb. 1893, von Zürich und Bettingen, dipl. Ing., bisher Stadtgeometer von Zürich und Professor an der Eidg. Technischen Hochschule […]», der von 1952 bis 1958 Direktor der Eidgenössischen Landestopographie wurde.

Die militärische Laufbahn von Schneider begann bei den Pontonieren, 1906 mit der Rekrutenschule bei der Kriegsbrückenabteilung 1/2, er war dann 1909 als Leutnant im Pontonier-Bataillon 2, 1918 Kommandant der Pontonier-Kompagnie IV/2, um dann nach vier Jahren Dienst im Generalstab auf den 31. Dezember 1926 das Kommando des Pontonier-Bataillons 1 zu übernehmen. Als Oberstleutnant wurde er wieder dem Generalstab zugeteilt; er kam 1931 in den Armeestab. 1941 wurde ihm der Titel Brigadier erteilt, und 1950 erfolgte seine Beförderung zum Oberstbrigadier als Abteilungschef beim Eidgenössischen. Militärdepartement. Schneider entwickelte auch ausserdienstlich eine grosse Wirksamkeit.

Von 1922 bis 1936 war Schneider Mitglied der Schulkommission des Städtischen Gymnasiums Bern. 1928 gehörte er zu den Mitbegründern der Schweizerischen Gesellschaft für Photogrammetrie. Von 1933 bis 1956 wirkte er als Vorstandsmitglied der Gesellschaft ehemaliger ETH-Studenten (GEP). Als Ingenieur trat Schneider 1941 der Sektion Bern des Schweizerischen Ingenieur- und Architektenvereins bei und war deren langjähriges Vorstandsmitglied. Seit 1947 war er Mitglied der Naturforschenden Gesellschaft Bern.

Karl Schneider verstarb am 28. Februar 1979, ein halbes Jahr nach seiner Ehegefährtin, welche er bis zu ihrem Tod betreut hatte, im 93. Lebensjahr in Bern. Die Trauerfeier fand am 5. März 1979 im Krematorium des Bremgartenfriedhofes in Bern statt.

Veröffentlichungen Zahlreiche Abhandlungen berufstechnischer, zivil- und militärkartographischer sowie alpinistischer Art,1. Progymnasium Biel, Gymnasium Bern, 1905–1909 Studium Bauingenieur ETH Zürich, 1909 dipl. Bauingenieur ETH.

2. 1909/10 in Konstruktionsbüro E.A.G. Boßhard in Näfels tätig.

3. 1909 Lt, 1918 Hptm, 1924 Major, 1936 Oberst, 1.7.1941 Titel Brigadier, 1950 Grad Brigadier. – Ab 1923 Gst Of. – 1918–1923 Kdt Pont Kp IV/12, 1927–1930 Kdt Pont Bat 1.

4. Ab 15.3.1910 bei Abteilung für Landestopographie tätig: 1910–1920 als Ingenieur für Geodäsie, 1920–1929 Chef Sektion für Topographie und (ab 1928) Kartographie, 1.6.1929–1951 Direktor Abteilung für Landestopographie.

6. Zahlreiche Abhandlungen berufstechnischer, zivil- und militärkartographischer sowie alpinistischer Art. die zum Teil in der Liste der Mitarbeitendenpublikationen der swisstopo aufgeführt werden. Die Landeskarte der Schweiz 1:50'000. In: Geographica Helvetica. Vol. 1, 1946, 1, S. 17–19. Die Kartennomenklatur neuer Landeskarten der Schweiz. In: Schweizerische Bauzeitung. 126, 1945, 4, S. 35–36. Neueste Walliser Hochgebirgsblätter der Landeskarte der Schweiz im Maßstab 1:50'000. In: Der Schweizer Geograph. 20, 1943, 3, S. 68–69. Die neuen Landeskarten der Schweiz. In: Vermessung, Grundbuch und Karte. Festschrift zur Schweizerischen Landesausstellung in Zürich 1939. 1941, S. 133–145. Die Eidgenössische Landestopographie. In: Vermessung, Grundbuch und Karte. Festschrift zur Schweizerischen Landesausstellung in Zürich. 1939–1941, S. 235–244. Geschichtlicher Streifzug durch die ersten hundert Jahre Eidgenössische Landestopographie 1838–1938. In: Erinnerungsmappe 100 Jahre Eidg. Landestopographie. 1938. Der Ausführungsplan für die Erstellung neuer Landeskarten. In: Schweizerische Zeitschrift für Vermessungswesen und Kulturtechnik. 35, 1937, 3, S. 53–60. Durchführung und Ergebnisse militärkartographischer Vorarbeiten zum Bundesgesetz und Ausführungsplan betreffend die Erstellung neuer Landeskarten. In: Schweizerische Monatsschrift für Offiziere aller Waffen. 49, 1937, 3, S. 81–91. Bestrebungen und Vorarbeiten zur Neugestaltung des Kartenwesens unserer Armee. In: Allgemeine Schweizerische Militärzeitung. 83, 103, 1937, 2, S. 69–82. Schweizer Alpenclub und neue Landeskarten. In: Die Alpen. 1937. Die Photogrammetrie in der Schweiz. In: Schweizerische Bauzeitung. 96, 1930, 14, S. 167–171. Fliegeraufnahmen für Kartenzwecke. In: Schweizerische Bauzeitung. 95, 1930, 14, S. 187–189. «Zur Maßstabsfrage des neuen schweizerischen Kartenwerkes» mit einem Nachtrag und Anhang: «Zur Kurvendarstellung auf topographischen Karten.» Von Wilhelm Schüle. In: Allgemeine Schweizerische Militärzeitung. 76, 96, 1930, 11, S. 580–586 (Buchbesprechung). Zwei geodätische Kampagnen am Piz Bernina. In: Jahrbuch des S.A.C. 51, 1916, S. 19–29.

Literatur Martin Rickenbacher, Felix Frey: Photographie an der Landestopographie. In: Cartographica Helvetica. 59, 2019. Martin Rickenbacher: Kartenbefliegung als Vorwand? In: 17. Kartographiehistorisches Colloquium Eichstätt 9.–11. Oktober 2014. 1917, S. 167–187. Martin Rickenbacher: Die Standorte des Eidgenössischen topographischen Bureaus und der Landestopographie von 1838 bis heute. In: Cartographica Helvetica. 2013, 48, S. 3–14. Markus Oehrli: Karl Schneider. In: Historisches Lexikon der Schweiz. 2011. Martin Rickenbacher: Festungskarten – Karten für die schweizerische Landesverteidigung. In: Cartographica Helvetica. 2004, 29, S. 17–26. Daniel Anker: Piz Bernina – König der Ostalpen. 1999. Walter Blättler: Aufhebung unserer Betriebsschutzorganisation BSO. In: Topo – Personalzeitschrift des Bundesamtes für Landestopographie. 1994, 79, S. 24–25. Rudolf Jaun: Der Schweizerische Generalstab. In: Das schweizerische Generalstabskorps 1875–1945. Eine kollektiv-biographische Studie. 1991, S. 322.Nr. 1661

Schneider Karl von Diessbach b. Büren (BE), * 21. Juli 1886, † 28. Februar 1979.

Grade: Lt 1909, Oblt 1913, Hptm 1917, Major 1923, Oberstlt 1929, Oberst 1935, Br 1941

Gst: Ein: 1923; Aus: 1937

Trp/Kdo: G; Pont Kp IV/2, Pont Bat 1

Vater: Friedrich S.-Laubscher 1840–1888; Baumeister

Ehefrau: Martha, T. des Heinrich Schaffner-Steffen

Bildung: Matura an der Realschule in Bern 1905; Studium als Bauingenieur an der ETH Zürich 1905–1909, dipl. Ing. 1909

Beruf: Ingenieur im Konstruktionsbüro E. A. G. Bosshard in Näfels 1909–1910; Laufbahn in der Eidg. Landestopographie: Ingenieur-Geodät 1910–1920, Sektionschef 1920–1929, Direktor 1929–1951

Werke: Verschiedene Beiträge in technischen Zeitschriften, speziell zum Vermessungswesen.