Die Kroatisch-serbischen Beziehungen sind das zwischenstaatliche Verhältnis zwischen Kroatien und Serbien. Beide Länder waren zwischen 1918 und 1991 Teil des Staates Jugoslawien. Die Ereignisse während des Zweiten Weltkriegs und der Jugoslawienkriege, als es zu ethnischen Säuberungen und kriegerischen Auseinandersetzungen kam, überschatten die Beziehungen zwischen beiden Staaten jedoch bis heute. Diplomatische Beziehungen zwischen beiden Seiten wurden nach dem Abkommen von Dayton im Jahre 1996 aufgenommen, waren danach allerdings durch eine Reihe von Streitigkeiten getrübt. Vor dem Internationalen Gerichtshof bezichtigten sich beide Staaten gegenseitig des Völkermords. Diese gegenseitigen Vorwürfe wurden 2015 durch den Internationalen Strafgerichtshof für das ehemalige Jugoslawien abgewiesen. Die 241 Kilometer lange gemeinsame Grenze zwischen den beiden Staaten ist weiterhin an mehreren Stellen umstritten, darunter an der Donau und auf den Inseln Šarengrad und Vukovar.

Es gibt zahlreiche Gemeinsamkeiten zwischen den südslawischen Kroaten und Serben. Die Sprachen Kroatisch und Serbisch, die in Kroatien bzw. Serbien Amtssprache sind, sind gegenseitig verständliche Standardvarietäten der serbokroatischen Sprache. Es leben 186.633 Serben in Kroatien und 57.900 Kroaten in Serbien (Stand 2011). Nach 2000 wurden verstärkte Bemühungen unternommen, die wirtschaftliche und politische Zusammenarbeit der Staaten auf dem Westbalkan zu stärken, was auch von den EU-Staaten unterstützt wurde. Kroatien trat 2013 der EU bei und spricht sich auch für einen EU-Beitritt Serbiens aus.

Geschichte

Vorgeschichte mini|Serbisches Reich um 1350 Die heutigen Südslawen gingen aus der Landnahme der Slawen auf dem Balkan im 6. und 7. Jahrhundert hervor. Das Morgenländische Schisma von 1054 und die Gründung der Serbisch-Orthodoxen Kirche durch Sava I. im 13. Jahrhundert wurde zu einem wichtigen Faktor für die Trennung zwischen Kroaten und Serben, da die Gebiete Kroatiens der römischen Kirche treu blieben, während die serbische Stämme begannen sich zum byzantinisch-orthodoxen Glauben zu bekennen. Das Serbische Reich konnte zu einer Großmacht auf dem Balkan aufsteigen, wurde jedoch bis zum 15. Jahrhundert von den Osmanen zerschlagen und fiel an das osmanische Großreich. Kroatien dagegen befand sich ab dem 12. Jahrhundert in einer Personalunion mit dem Königreich Ungarn und fiel später an die Habsburger, während die Republik Venedig die Adriaküste dominierte. Im Grenzland zwischen den Habsburgern und den Osmanen wurden im 16. Jahrhundert die Krajina-Serben als „Bollwerk“ gegen die Türken in der Militärgrenze angesiedelt.

Im 19. Jahrhundert entstanden moderne Nationalbewegungen auf dem Balkan. Die intendierte Magyarisierung der Kroaten durch die Ungarn verschaffte dem kroatischen Nationalismus Auftrieb. Während der Revolutionen von 1848/1849 kam es zu einer Kooperation zwischen Serben und Kroaten, jedoch zeichneten sich schon damals Konflikte über die Zugehörigkeit von ethnisch gemischten Gebieten wie Bosnien und Herzegowina ab. Der kroatische Autor und Politiker Ante Starčević, ein Verfechter der kroatischen Einheit und Unabhängigkeit, der sowohl gegen die Habsburger als auch gegen die Serben eingestellt war, plante die Schaffung eines Großkroatiens, das die von Bosniaken, Serben und Slowenen bewohnten Gebiete umfassen sollte, wobei er Bosniaken und Serben als zum Islam bzw. zum orthodoxen Christentum konvertierte Kroaten und die Slowenen als „Bergkroaten“ betrachtete. Dagegen stand die Vision von Großserbien, das von dem serbischen Staatsmann Ilija Garašanin vertreten wurde. Der serbische Linguist Vuk Karadžić betrachtete die Kroaten, die den schtokavischen Dialekt sprachen, als „katholische Serben“. Auch auf die von Bosniaken („muslimische Serben“) und von anderen Völkern bewohnten Gebiete auf dem Westbalkan wurde Anspruch erhoben.

Eine friedliche Vereinigung der Südslawen sah der in Kroatien im 19. Jahrhundert an Popularität gewinnende Illyrismus vor, der die Südslawen als Nachkommen der antiken Illyrer betrachtet und eine Föderation aller Balkanvölker gegen den habsburgischen und osmanischen Einfluss befürwortete.

Nachdem Österreich-Ungarn 1878 Bosnien und Herzegowina besetzt und Serbien seine Unabhängigkeit vom Osmanischen Reich erlangt hatte, verschlechterten sich die Beziehungen zwischen Kroatien und Serbien, da beide Seiten Ansprüche auf Bosnien erhoben. In der Folgezeit konkurrierten der Austroslawismus mit der Idee einer Vereinigung der Südslawen unter serbischer Vorherrschaft, dem Jugoslawismus. Die Ermordung des österreichischen Kronprinzen Franz Ferdinand in Sarajevo führte zu einem politischen Konflikt zwischen Serbien und Österreich, der im Ausbruch des Ersten Weltkriegs gipfelte. In diesem Krieg kämpften ethnische Kroaten in der österreichisch-ungarischen Armee gegen das Königreich Serbien, während der kroatische General Johann Ulrich von Salis-Seewis Militärgouverneur im besetzten Serbien wurde. Zahlreiche Kroaten desertierten allerdings, um der Herrschaft der Habsburger zu entkommen. 1915 wurde das Jugoslawische Komitee gebildet und mit der Deklaration von Korfu 1917 die Gründung eines Staates der Südslawen unter der Herrschaft der serbischen Karađorđević-Dynasty angekündigt, was von der Entente-Staaten unterstützt wurde. Am 29. Oktober 1918 erklärte das kroatische Parlament (Sabor) seine Unabhängigkeit von Österreich-Ungarn und beschloss, sich dem neu gegründeten Staat der Slowenen, Kroaten und Serben anzuschließen, der am 1. Dezember 1918 eine Union mit dem Königreich Serbien einging und zum Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen wurde.

Königreich Jugoslawien mini|Gliederung des Königreichs Jugoslawien Das neue Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen war von Anfang an von politischen Spannungen geprägt. Die neue Staatsverfassung sah einen zentralistischen Staatsaufbau vor, der den Serben de facto die Vorherrschaft sicherte. Auch wurden bestehende Provinzen aufgelöst und eine Verwaltungsgliederung geschaffen, welche die Serben begünstigte. Dies sorgte besonders unter den Kroaten für großen Unmut. Zur dominanten politischen Vertretung der Kroaten stieg in Folge die Kroatische Bauernpartei unter ihrem Führer Stjepan Radić auf, der eine Autonomie der Kroaten forderte. Am 20. Juni 1928 wurden Stjepan Radić und weitere kroatische Politiker (die von einer großen Mehrheit der Kroaten unterstützt wurden) in der Nationalversammlung in Belgrad von dem serbischen Abgeordneten Puniša Račić erschossen. In Reaktion darauf errichtete der jugoslawische König Alexander I. eine Königsdiktatur über Jugoslawien. Die Diktatur endete formell im Jahr 1931, als der König eine neue Verfassung einführte und den Namen des Landes in Jugoslawien änderte. Ein Jahr zuvor war die militante kroatische Ustascha-Bewegung von Ante Pavelić gegründet worden, die die Unabhängigkeit Kroatiens und die Errichtung von Großkroatien mit gewaltsamen Mitteln anstrebte. Sie wurden von Italien unter Benito Mussolini unterstützt, der territoriale Ansprüche gegenüber Jugoslawien hatte. Der italienische Geheimdienst unterstützte deshalb auch die Ermordung von König Alexander I. am 9. Oktober 1934 in Marseille durch einen Ustascha-Attentäter, in der Hoffnung, einen Bürgerkrieg in Jugoslawien auszulösen. Das Land erwies sich allerdings als stabiler, als die Italiener vermutet hatten. Der jugoslawische Ministerpräsident Milan Stojadinović verhandelte danach mit den Kroaten. Ein 1937 ausgehandeltes Konkordat mit dem Papst zur Integration der katholischen Kroaten scheiterte allerdings am Widerstand der orthodoxen Kirche Serbiens. Die Kroatische Bauernpartei, die nun von Vladko Maček, dem Nachfolger von Radić, geführt wurde, setzte sich weiterhin für eine Föderalisierung Jugoslawiens ein, was nach Verhandlungen im August 1939 zum serbisch-kroatischen Ausgleich durch das Sporazum Cvetković-Maček führte, wobei die Errichtung einer autonomen Banschaft Kroatien als Zugeständnis an die Kroaten verkündet wurde.

Zweiter Weltkrieg mini|Jugoslawien während des Zweiten Weltkriegs (ca. 1943) Im April 1941 wurde Jugoslawien von Deutschland und Italien besetzt, die den Unabhängigem Staat Kroatien als Marionettenstaat schufen, der von der mit den Achsenmächten verbündeten Ustascha regiert wurde. Die Ustascha strebten die Schaffung eines ethnisch homogenen Großkroatiens an, indem sie Serben sowie Juden und Roma aus dem Staatsgebiet vertrieben oder ermordeten. Sie planten ein Drittel der Serben in den kontrollierten Gebieten zu ermordet, ein weiteres Drittel sollte vertrieben und der Rest zum Katholizismus zwangskonvertiert werden. Während des Krieges wurden schätzungsweise 300.000 Serben von ihrem Regime ermordet. Ihre Ustascha errichtete auch eigene Konzentrations- und Vernichtungslager wie das KZ Jasenovac. Hier wurde nicht mit Gas gemordet, sondern zunächst mit Schusswaffen, später vor allem mit Messern, aber auch Hacken, Beilen, Äxten und Hämmern. Zwischen 80.000 und 90.000 Menschen starben laut Schätzungen allein hier.Marija Vulesica: Kroatien. In: Wolfgang Benz, Barbara Distel: Der Ort des Terrors – Geschichte der nationalsozialistischen Konzentrationslager. Band 9, München 2009, ISBN 978-3-406-57238-8, S. 327. Die extreme Brutalität der Ustascha besorgte sogar die italienischen und deutschen Besatzer. Gegen die faschistischen Ustascha formierte sich der Widerstand der Tschetniks und der kommunistischen jugoslawischen Partisanen. Die überwiegend serbischen Tschetniks, eine jugoslawische monarchistische und serbisch-nationalistische Bewegung, verübten Kriegsverbrechen und ethnische Säuberungen an Muslimen und Kroaten, um ein Großserbien zu errichten. Schätzungen über die Anzahl der Muslime und Kroaten, die durch die Tschetniks in Kroatien und Bosnien und Herzegowina getötet wurden, reichen von 47.000 bis 65.000. Mit dem Sieg der jugoslawischen Partisanen, die von dem in Kroatien geborenen Kommunisten Josip Broz Tito angeführt wurden, wurden die Ustascha und die Tschetniks zerschlagen. Die Partisanen rächten sich mit dem Massaker von Bleiburg, in dem geschätzt 45.000 Kroaten ums Leben kamen.

Sozialistisches Jugoslawien mini|Ethnische Karte von Jugoslawien, ca. 1990