Ernst Klaus Schneider (* 6. Mai 1936 in Hamburg) ist ein deutscher Musikpädagoge und Hochschullehrer. Er gilt als einer der Gründerväter der Ausbildung von professionellen Musikvermittlerinnen und Konzertpädagogen und ist Initiator des Weiterbildungsstudiengangs Musikvermittlung/Musikmanagement der Hochschule für Musik Detmold.
Leben Ernst Klaus Schneider studierte in Hamburg Schulmusik, Klavier und Geographie, legte sein Staatsexamen und eine Promotion zur Hydrogeographie ab. Nach dem Schulmusikstudium und dem Klavierstudium bei Conrad Hansen war er von 1964 bis 1978 in Hannover Musiklehrer an Gymnasien, auch Fachleiter in der Referendarausbildung. In dieser Zeit entwickelte er an seiner Schule einen musikalischen Zweig, ein Modell, das es 1968 in Norddeutschland noch nicht gab. 1978 wurde er als Professor für Musikpädagogik an die Folkwanghochschule Essen berufen. Seit den 1980er Jahren rief Schneider Bundestagungen der AG Fachseminarleiterinnen und Fachleiter in der 2. Phase der Ausbildung von Musiklehrern ins Leben, die der Bundesverband Musikunterricht ausrichtete. Eine solche Zusammenarbeit zwischen den Schularten und eine deutschlandweite Fortbildung für Fachleiterinnen und Fachleiter gab es bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Bei der letzten Tagung 2023 wurde Schneider dafür geehrt.
1988 bis 2001 war er Professor für Musikpädagogik und Musikdidaktik an der Hochschule für Musik Detmold. Von 2001 bis 2008 war er Professor für Musikvermittlung an der Hochschule für Musik.
Er hat eine Reihe von Schulbüchern verfasst oder mit entwickelt. In seiner Zeit als Professor prägte Schneider Generationen von Studierenden und verhalf dem Musiklehrerberuf zu entscheidender Geltung. Aktuelle Problemstellungen und Tendenzen erörterte er bundesweit auf Tagungen und Kongressen.
Viele Jahre wirkte er in den Schulreformkommissionen der Kultusministerien von Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen mit, wo er entscheidende Richtlinien für den Unterricht formulierte. Schneider war Vorstandsmitglied des Verbandes Deutscher Schulmusiker.
1998 entwickelte er gemeinsam mit Hermann Große-Jäger und Joachim Harder den bundesweit einmaligen Studiengang „Musikvermittlung – Konzertpädagogik“ in Detmold. Der heute weit verbreitete Begriff Musikvermittlung wurde zur Kennzeichnung des Studienangebotes und des Berufsfeldes zum ersten Mal als Terminus verwendet. Bis zum Wintersemester 2008/09 leitete er diesen Masterstudiengang.
Seit 1998 umfasst sein Arbeitsfeld Theorie und Praxis der Musikvermittlung mit den Schwerpunkten Familien-, Kinder- und Schulkonzerte, die Realisierung von Kindermusikfestivals (z. B. Schleswig-Holstein-Musik-Festival, Festspielhaus Baden-Baden). Hinzu kommen Konzerteinführungen für Erwachsenen sowie als neue Form der Musikvermittlung Ganztagsseminare für „Kenner und Liebhaber“ als Vorbereitung für den Konzertbesuch. Die von ihm 2003 ins Leben gerufene Konzertreihe „Concertino piccolino“ für 4- bis 6-jährige Kinder, damals eine Novität in Deutschland, wird inzwischen vielerorts angeboten (Hannover, Münster, München, Basel, Wien). Der Schwerpunkt seines wissenschaftlichen Arbeitsfeldes hat sich von der Musikpädagogik (Lebensweltorientierung / Unterrichtsmethodik) verschoben auf das Feld der „Musikvermittlung“. Gemeinsam mit Barbara Stiller und Constanze Wimmer und angeregt durch die Jeunesses musicales Deutschland hat er die Handbücher Spielräume Musikvermittlung – Konzerte für Kinder entwickeln, gestalten, erleben und Hörräume öffnen – Spielräume gestalten. Konzerte für Kinder verfasst.
Ernst Klaus Schneider ist Vorsitzender des Kuratoriums der Peter Gläsel Stiftung Detmold.
Bücher Wasserversorgung und Abwasserbeseitigung in den Grundwasserlandschaften Ostfrieslands. Ein Beitrag zur Hydrogeographie. Hildesheim 1968 (=Veröffentlichungen des Niedersächsischen Instituts für Landeskunde und Landesentwicklung an der Universität Göttingen, Reihe A, Band 88). Original und Bearbeitung. Kursmodelle Musik – Sekundarstufe II. Lehrer- und Schülerband. Frankfurt 1986, ISBN 3-425-03793-5. Vom Umgang mit dem Fremden. Treffpunkte außereuropäischer und europäischer Musik. Anregungen für den Unterricht. Kursmodell Musik Sekundarstufe II. Lehrer- und Schülerband. Frankfurt 1996, ISBN 3-425-09791-1. (mit Ortwin Nimczik): Klangwerkstatt. Hören – Entdecken und untersuchen – Gestalten. Mainz 2000 (= Erlebniswelt Musik. Unterrichtsmaterialien für die Sekundarstufe I; Schülerheft, Lehrerkommentar und Tonträger); (mit Ortwin Nimczik): Schlaglichter auf Neue Musik. In: Von damals bis heute. Mainz 2001 (= Erlebniswelt Musik. Unterrichtsmaterialien für die Sekundarstufe I, Schülerheft, Lehrerkommentar und Tonträger); (als Hrsg. mit Barbara Stiller und Constanze Wimmer): Spielräume Musikvermittlung. Konzerte für Kinder entwickeln – gestalten – erleben. Regensburg 2002, ISBN 3-932581-53-9. (als Hrsg. mit Barbara Stiller und Constanze Wimmer): Hörräume öffnen – Spielräume gestalten. Konzerte für Kinder. Regensburg 2011, ISBN 978-3-940768-29-2. (als Hrsg. mit Christoph Richter): Musikvermittlung – Konzertpädagogik in Detmold. Beiträge zum Symposion „Was lässt uns Zeit vergessen? Präsenzerfahrungen – Chancen der Musikvermittlung“. In: Diskussion Musikpädagogik. Sonderheft, S 2, Hamburg 2009. Klassik? Klassik! Klassische Musik im Unterricht. Unterrichtsmodell EinFach Musik. Braunschweig u. a. 2010, ISBN 978-3-14-018075-7.
Aufsätze (Auswahl) Politisches Programm und ästhetischer Anspruch in den Produktionen politisch engagierter Komponisten. Beispiel: Hanns Eis/er. In: Musik & Bildung, 11/1976, S. 556–561. Zur Problematik der „Einheitlichen Prüfungsanforderungen in der Abiturprüfung Musik“. Anregungen zu einer notwendigen Diskussion. In: Musik & Bildung, 4/1976, S. 205–207. Überlegungen zum Berufsbild des Musiklehrers. In: Musik & Bildung, 5/1977, S. 560–562. Die zweite Phase der Ausbildung: Allgemeine Anforderungen des Studienseminars. In: H. W. Höhnen (Hrsg.): Entwicklung neuer Ausbildungsgänge für Lehrer der Sekundarstufen I und II im Fach Musik. Modellversuch. Regensburg 1977, S. 245–256. Die Bedeutung "didaktischer Modelle" in der Lehrerausbildung. In: W. Loch (Hrsg.): modelle pädagogischen verstehens. Essen 1978, S. 141 ff. (=neue pädagogische bemühungen, Band 77). Unterrichtsmethoden. In: W. Gieseler (Hrsg.): Kritische Stichwörter. Musikunterricht. München 1978, S. 314–319 Werk und Wirkung. Wandel und Kontinuität im Verstehen von Musik (Beispiel V. Sinfonie von Beethoven). Kursphase für die Sekundarstufe II. In: Musik & Bildung, 1/1979, S. 38–43. Die Symphonie Fantastique von Berlioz im Rahmen eines Grundkurses „Werden und Wandel einer musikalischen Gattung. Beispiel Sinfonie“. In: E. Kraus (Hrsg.): Musik in einer humanen Schule. Vorträge der 12. Bundesschulmusikwoche Karlsruhe 1978. Mainz 1979, S. 185–203. Zur Theorie und Praxis der Lehrerfortbildung. Erfahrungen und Überlegungen aus niedersächsischer Sicht. In: Musik & Bildung, 7–8/1979, S. 432–436. Unterrichtsmethoden im Fach Musik. Sachwörter zur Musikpädagogik. In: Musik & Bildung, 4/1980, S. 221–225. Aspekte des Musikunterrichts auf der gymnasialen Oberstufe in der Sekundarstufe II. Hagen 1981 (= Didaktik der Musik II. Kurs, Fernuniversität-Gesamthochschule, Hagen, Kurseinheit 2). Unterrichtsmodelle auf dem Prüfstand. Report über ein an der Folkwang-Hochschule Essen durchgeführtes Seminar zur Analyse und Planung von Musikunterricht (gemeinsam mit Wilhelm Wittenbruch). Teil 1. In: Musik & Bildung, 10/1982, S. 630–641; Teil 2. In: Musik & Bildung, 11/1982, S. 716–726. Original und Bearbeitung. Frankfurt a. M. 1984 (= Kursmodelle Musik Sekundarstufe Il), Schülerbuch, Lehrerbuch und Tonträger. Orientierungsstufe. In: H. Hopfet et al. (Hrsg.): Lexikon der Musikpädagogik. Regensburg 1984, S. 215 f. Musikanalyse im Unterricht und in der Unterrichtsvorbereitung. In: S. Helms et al. (Hrsg.): Handbuch der Schulmusik. Regensburg 1985, S. 115–151. Notwendigkeit und Möglichkeiten der Zusammenarbeit zwischen erster und zweiter Phase der Musiklehrerausbildung. Ein Erfahrungsbericht. In: K. H. Ehrenforth (Hrsg.): Medieninvasion. Die kulturpolitische Verantwortung der Musikerziehung. Kongressbericht 15. Bundesschulmusikwoche Kassel 1984. Mainz 1985, S. 254–269. Handelnder Umgang – Hören – Reflexion im Musikunterricht der Sekundarstufe II. Mauricio Kagels „Exotica“ als Anregung und Bezugsfeld von Unterricht. In: K. H. Ehrenforth (Hrsg.): Arbeit – Freizeit – Fest. Brauchen wir eine andere Schule? Kongressbericht 16. Bundesschulmusikwoche Ludwigs hafen 1986. Mainz 1986, S. 205–215. Was bewirkt musikpädagogische Forschung? In: Chr. Nauck-Börner (Hrsg.): Musikpädagogik zwischen Tradition und Medienzukunft. Laaber 1989, S. 261–264 (= Musikpädagogische Forschung, Band 9). Lebenswirklichkeit und Hochschule. Antrittsvorlesung zur Eröffnung des Studienjahres 1988/89. In: ad notam. Jahrbuch der Hochschule für Musik, Detmold 1989, S. 7–11. Musikräume. Lernwirklichkeiten für Schülerinnen und Schüler. In: Musik & Bildung, 6/1990, S. 336–340. Vom Umgang mit dem Fremden. Skizze einer Unterrichtseinheit und drei Unterrichtseröffnungen zu Isang Yun „Loyang“. In: Musik & Bildung, 1990, 9–10, I, S. 530–553. Gegen – Sätze. Anmerkungen zum Beitrag von Richard Jakoby. In: Musik & Bildung, 4/1991, S. 14–17. In der Strömung sechs Schwellen. Impulse für die Gestaltung von Musik im Unterricht, ausgehend von dem Bild von Paul Klee (unter Mitarbeit von W. Burkhardt et al.). In: K. H. Ehrenforth (Hrsg.): Grenzen – über Grenzen hinaus. Kongressbericht 18. Bundesschulmusikwoche Lübeck 1990. Mainz 1991, S. 106–116; bmu-musik.de (PDF; 7,2 MB). Hast du es läuten hören? Glocken und Glockenmusik im Musikunterricht: Berichte – Materialien – Überlegungen. In: Musik und Unterricht, 11/1991, S. 9–17. Wechselwirkung von erster und zweiter Phase der Musiklehrer- ausbildung. In: U. Günther, S. Helms (Hrsg.): Schülerbild – Lehrerbild – Musiklehrerausbildung. Essen 1992, S. 164–167 (= Gegenwartsfragen der Musikpädagogik, Band 4). „Man kann Musik so oder so hören …“ Der 4. Satz der Symphonie I von Isang Yun aus der Sicht von Zuhörern. In: H. Bergmeier (Hrsg.): Isang Yun. Festschrift zum 75. Geburtstag 1992. Berlin 1992, S. 81–89. Musick für aller Gattung Leute. Ländler im Musikunterricht. In: Musik & Bildung, 2/1992, S. 30–36. Tango? … Tango! Unterrichtsmaterialien zu Musikstücken, die Tango sind oder Tango heißen. In: Musik & Bildung, 4/1992, S. 27–35. Musick für aller Gattung Leute. Ländler von Schubert bis Rihm: Tanzen – Spielen – Hören – Komponieren – Nachdenken im Musikunterricht. In: D. Zimmerschied (Hrsg.): Identität in der Vielfalt. Musikunterricht in den Schulen Deutschlands und Europas. Kongressbericht 19. Bundesschulmusikwoche Augsburg 1992. Mainz 1993, S. 76–85. Lebensweltbezug. Eine Perspektive für den Musikunterricht?. In: Musik & Bildung, 6/1993, S. 5–7. Keine Vorführstunde. In: Musik & Bildung, 6/1994, S. 12–16. Schulmusik – Lebenswelt' – Schulleben. In: W. Wittenbruch (Hrsg.): Schule -gestalteter Lebensraum. Pädagogische Reflexionen und Orientierungen. Münster 1994, S. 66–76 (= Münstersche Gespräche zu Themen der wissenschaftlichen Pädagogik, Heft 11). Das Chaos als Gestaltungsgrund in der Spannung von Innen und Außen (mit M. Karnpermann et al.). In: D. Zimmerschied (Hrsg.): „Lebenswelt“. Chancen für Musikunterricht und Schule. Kongressbericht 20. Bundesschulmusikwoche Gütersloh 1994. Mainz 1995, S. 55–67. Kein Schnee von gestern. Heinz Holligers „Schnee“ aus „Beiseit“ (1990/91) in einem an der Grunderfahrung „Kälte“ orientierten Unterricht. In: Musik & Bildung, 5/1995, S. 26–31. Vom Umgang mit dem Fremden. Treffpunkte außereuropäischer und europäischer Musik. Anregungen für den Unterricht. Kommentare – Analysen – Intentionen – Methoden für Lehrerinnen und Lehrer. Frankfurt a. M. 1996 (= Kursmodelle Musik Sekundarstufe II), Schülerbuch, Lehrerbuch und Tonträger.