Methylquecksilberverbindungen, häufig kurz als Methylquecksilber bezeichnet (Abk. MM von , MeHg), sind eine Gruppe von metallorganischen Verbindungen aus Quecksilber (quecksilberorganische Verbindungen) mit einer Methylgruppe. Sie liegen als einfach positiv geladene Ionen vor (CH3Hg+) und können Verbindungen mit negativ geladenen Ionen wie dem Hydroxid- oder Chloridion eingehen. Methylquecksilber bildet sich in der Natur durch Biomethylierung, wirkt giftig und reichert sich in der Nahrungskette an. Die Vergiftung mit Methylquecksilber äußert sich beispielsweise in der Minamata-Krankheit.
Einzelverbindungen Zu den Methylquecksilberverbindungen werden vor allem Methylquecksilberchlorid und Methylquecksilberhydroxid gezählt.
Methylquecksilberverbindungen Name Methylquecksilberchlorid Methylquecksilberhydroxid Strukturformel 200px|Strukturformel von Methylquecksilber Andere Namen MM-Cl MM-OH CAS-Nummer EG-Nummer 204-064-2 214-667-2 ECHA-Infocard PubChem Wikidata Q21010649 Q27277443 Molare Masse 251,09 g·mol−1 232,6 g·mol−1 GHS-Kennzeichnung Gefahr Gefahr H- und P-Sätze Toxikologische Daten
Eigenschaften Methylquecksilber zeichnet sich durch eine hohe Affinität zu Schwefel, insbesondere Sulfhydrylgruppen, aus, wie sie zum Beispiel bei der Aminosäure Cystein vorkommen. Mit diesen ist es in der Lage, kovalente Bindungen zu knüpfen. In Fischen liegt Methylquecksilber – durch die hohe Affinität zu Schwefel – als Cysteinkomplex vor.
Methylquecksilberchlorid ist fettlöslich und hautgängig und kann so in den Körper gelangen.
Sicherheitshinweise Organische Quecksilberverbindungen sind sehr giftig und als umweltgefährlich eingestuft. Sie haben die Wassergefährdungsklasse 3 und gelten somit als stark wassergefährdend. Sie wirken toxisch auf das zentrale und periphere Nervensystem und schädigen in höheren Dosen zusätzlich Leber und Nieren sowie die Herzmuskulatur. Sie stören weiterhin die Immunantwort des Körpers. Bei der Arbeit sollten unbedingt spezielle beschichtete Schutzhandschuhe getragen werden, da z. B. Nitril-Handschuhe als Schutz nicht ausreichend sind.
Nachweis Die analytische Bestimmung des Methylquecksilbergehalts in Umwelt- und Lebensmittelproben erfolgt üblicherweise mittels ICP-MS-Spektroskopie.Umweltprobenbank des Bundes: Bestimmung von Methylquecksilberverbindungen in Umweltproben durch ICP-MS, März 2011, abgerufen am 2. September 2016.
Einer vergleichenden Studie aus dem Jahr 2008 des Niedersächsischen Landesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit zufolge können einzelne Fische exponierter Arten, wie Hai, Schwertfisch, „Schillerlocken“ und Thunfisch, die Höchstmenge von 1 mg/kg überschreiten.Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR): Exposition mit Methylquecksilber durch Fischverzehr und Etablierung analytischer Methoden zur Bestimmung von Methylquecksilber in Fischereierzeugnissen, 2008, abgerufen am 2. September 2016. Basierend auf der Wasserrahmenrichtlinie wurde unter Berücksichtigung der Sekundärtoxizität für Vögel und Säugetiere eine Umweltqualitätsnorm für gelöstes Methylquecksilber von 0,004 ng/l abgeleitet. Dieser Wert wird häufig überschritten.Derivation of a water-based quality standard for secondary poisoning of mercury
In südeuropäischen Ländern lag die durchschnittliche Konzentration von Methylquecksilber in Muttermilch bei 0,17–0,68 μg·kg−1.Scientific Opinion on the risk for public health related to the presence of mercury and methylmercury in food. In: EFSA Journal. 10, 2012, S. 2985, doi:10.2903/j.efsa.2012.2985.
Globales Programm der Vereinten Nationen Die Vereinten Nationen haben in ihrem United Nations Environmental Program Governing Council Quecksilber seit 2001 auf der Liste der regulierten Substanzen der globalen Umweltverschmutzungen.DS Kim, K Choi: Global trends in mercury management. In: J Prev Med Public Health, 2012, 45(6), S. 364–373, PMID 23230466. 2013 wurde das Minamata-Übereinkommen zur Eindämmung der Quecksilberemissionen unterzeichnet.
Siehe auch Dimethylquecksilber (CH3HgCH3)
Literatur Parvinder Kaur: Cellular and Molecular Mechanisms Behind Methylmercury-Induced Neurotoxicity. (PDF; 1,8 MB) 2008, hdl:11250/264003, . Reinhard Kruse, Edda Bartelt: Exposition mit Methylquecksilber durch Fischverzehr. (PDF; 461 kB) Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR), Februar 2008. Scientific Opinion on the risk for public health related to the presence of mercury and methylmercury in food. In: EFSA Journal. 10, 2012, S. 2985, doi:10.2903/j.efsa.2012.2985.
Weblinks Interaction Profiles for Toxic Substances (englisch)
Einzelnachweise
Kategorie:Stoffgruppe Methylquecksilberverbindungen Kategorie:Beschränkter Stoff nach REACH-Anhang XVII, Eintrag 18(a) Methylquecksilberverbindungen