Im Landkreis Hildburghausen gab es im Juni 2024 insgesamt 32 erfasste Geotope.

Geotope

Gesteine

ID Bild Bezeichnung Art Stratigraphie Beschreibung Gemeinde Lage HBN_893 Steinerne Kirche Basalt mit säuliger Ausbildung Trias Die Steinerne Kirche (Ottilienkapelle) befindet sich im Bereich der nördlichen Kuppe des Steinernen Berges, südlich der Werra. Im nordöstlichen Teil des Steinernen Berges wird der Muschelkalk von einem Basaltgang durchsetzt. Er ist vermutlich Teil eines Basaltganges, der vom Ermelsberg bei Dingsleben über den Ottilienberg (Steinerne Kirche) zum Feldstein verläuft. Das basaltische Magma durchdrang im Miozän (Jungtertiär) die Schichten des Muschelkalks. Die Ruine der Ottilienkapelle steht auf dem Basaltfelsen. Noch bis Ende des 19., Anfang 20. Jahrhunderts wurde hier in einem Steinbruch Basalt abgebaut. Die Basaltsäulen sind fächerartig orientiert und bilden die Überreste eines ehemaligen Gangschlotes. Beim Abkühlen der basaltischen Lava bzw. des basaltischen Magmas entstehen bienenwabenartige Schrumpfungsrisse, die dem Basalt eine säulenartige Struktur verleihen. Beim Erkalten des nach oben vordringenden Basalt-Magmas entsteht senkrecht zur (vertikalen) Abkühlungsfläche eine horizontal liegende Basaltsäule. Dagegen erstarrt eine horizontal ausfließende Basalt-Lava zu senkrecht stehenden Basaltsäulen (häufiger zu finden als Schlote). Bei dem Basalt handelt es sich nach neueren Untersuchungen (R. MEYER et al.) um einen Alkali-Basalt. Der Basalt ist grau- bis blauschwarz, führt Plagioklas, Augit, Magnetit, Olivin, Apatit, Nephelin und besitzt eine Glasbasis. Besonders auffällig ist das Auftreten von teilweise großen Olivinknollen (> 5 cm). Außerdem kommen im Basalt noch Xenolithe vor. Das sind Fremdeinschlüsse aus Kalkstein, Granit und Gneis vor, die beim Aufstieg des Magmas mitgerissen wurden. Henfstädt HBN_2012 Steinbrüche am „Hahnritz“ bei Bedheim Unterer Keuper In den alten Steinbrüchen am Hahnritz, nördlich Bedheim, wurden seit dem Mittelalter bis in die 1940er Jahre die etwa 7 m mächtigen Sandsteinbänke aus dem Unteren Keuper abgebaut. Berühmt wurden die Steinbrüche durch Funde von 233 Mio. Jahre alten fossilen Pflanzen und vor allem durch den Fund eines Mastodonsaurus-Schädels durch Dr. Rühle von Lilienstern (Heute im Naturhistorischen Museum Schleusingen). Das geologische Profil der Brüche zeigt mit einem Wurzelboden an der Basis eine trocken gefallene Überflutungsebene mit reichlich Vegetation an. Darüber erfolgten massive und erosive Sandschüttungen in Rinnenausbildung. Reste der überfluteten und mitgerissenen Pflanzen sind in diese Sandsteine eingelagert. Im oberen Bereich fanden sich zusammen mit Tongeröllen ehemaliger Seeablagerungen auch Reste von Amphibien und Fischen. Aus diesem Profilbereich stammt der etwa 70 cm lange Schädel von Mastodonsaurus giganteus. Schließlich folgt nach 1,5 m mächtigen Siltsteinen ein dünnbankiges Bonebed („Knochenschicht“), in dem 20 verschiedene Wirbeltierarten nachgewiesen wurden. Siltsteine mit Pflanzenhäcksel bilden den Abschluss des Profils. Vor 233 Millionen Jahren gab es hier einen größeren See mit etwa 3 m langen Mastodonsauriern, viel kleineren Plagiosauriern (Breitkopfsaurier), Lungenfischen (Ptychoceratodus) und Schmelzschupperfischen. Am Ufer standen bis 8 m hohe Schachtelhalmstängel von Equisetites arenaceus – dem größten krautigen Schachtelhalmgewächs der Erde! Aber auch Farne (Cladophlebis, Bernoullia) , Farnsamer (Taeniopteris, Sagenopteris) , Palmfarne (Dioonitocarpidium) und das nach dem Finder Dr. Hugo RÜHLE VON LILIENSTERN benannte Bärlappgewächs Bedheimia (?Pleuromeia) ruehlei. Es folgte eine Flutkatastrophe! An vielen Stellen wurden die schon verfestigten Seesedimente durch die sich tief einschneidenden Flussrinnen abgetragen und in den Flusssandsteinen selbst erneut abgelagert. Daher finden sich in den Sandsteinen meist nur isolierte Fossilreste. Römhild HBN_895 Silbacher Granit Granit, kontaktmetamorphe Schiefer Stefan Der ehemalige Steinbruch wurde an einem mäßig steilen Hang angelegt. In dem auflässigen Steinbruch ist der Granit von Silbach (Schleusetal-Granit) aufgeschlossen. Es handelt sich um einen biotitarmen Syenogranit mit porphyrischem Gefüge. Der Granit wird als spätpostkinematischer Granit eingestuft. Das Intrusionsalter des Schleusetal-Granits wird mit ca. 285 Mio. Jahren datiert (KEMNITZ et al. (1999)). Schleusingen HBN_2011 „Bunte Mergel“ bei Westhausen Wechsellagerung von rotbraunen bis violetten sowie grüngrauen Tonmergelgesteinen Graue Heldburggipsmergel Der durch gelegentlichen Abbau entstandene Aufschluss der Bunten Mergel besteht aus einer Wechsellagerung von rotbraunen bis violetten sowie überwiegend grüngrauen Tonmergelgesteinen mit eingeschalteten Gipsen und Salzen (Heldburggipsmergel). Die Heldburggipsmergel (kmGOG) sind das oberste Glied des zum Mittleren Keuper gehörenden Oberen Gipskeuper. Diese Mergelgesteine lagerten sich in großen, abflusslosen Binnenseen in einem wechselfeuchten Klima mit ausgeprägten Trockenphasen ab. Die rot-braun-violette Färbung durch Eisenoxid entstand während der Regenzeit und die grüngraue Färbung durch Salze und Gipse in der Trockenzeit. Durch kleinere tektonische Bewegungen entstand eine kleine durch konjugierte Scherbrüche begrenzte eingesunkene Grabenstruktur im Aufschluss, dessen Versatz durch die angesprochene Wechsellagerung besonders gut ersichtlich ist. Westhausen

Lagerungsverhältnisse/Tektonik

ID Bild Bezeichnung Art Stratigraphie Beschreibung Gemeinde Lage HBN_897 Mühlberg/Köpfchen phyllitischer Tonschiefer Altenfeld-Formation Der Mühlberg befindet sich im Grenzbereich von Thüringer Wald und Thüringischem Schiefergebirge. Am Köpfchen ist präkambrischer phyllitischer Tonschiefer aufgeschlossen. Dieser weist intensive Faltenbildung auf. Schleusegrund HBN_1406 Kapellenberg bei Stressenhausen Limburgit-Gang, gefrittete Keuper-Mergel Mittlerer Keuper Der Kapellenberg liegt ca. 1 km westlich von Stressenhausen. Er stellt einen sanften Hügel dar. Am Kapellenberg stehen Schichten der Unteren Gipskeuper-Folge des Mittleren Keupers an. Es handelt sich um bunte Mergel mit Steinmergellagen, Dolomiten, Sandsteinen und Quarzbreccien. Die Ablagerungen des Keupers werden am Kapellenberg von einem basaltischen Gang durchbrochen. Der Gang ist nicht mehr aufgeschlossen, es finden sich aber Lesesteine. Die morphologische Hervorhebung des Objekts ist auf die höhere Verwitterungsbeständigkeit des anstehenden basaltischen Gesteins gegenüber den umgebenden Gesteinen des Keupers zurückzuführen sowie die leichte kontaktmetamorphe Überprägung des Umgebungsgesteins bei Platznahme des Ganges, wodurch die Kompetenz des Umgebungsgesteins erhöht wurde. Im Gestein finden sich Xenolithen. Straufhain Sedimentstrukturen

ID Bild Bezeichnung Art Stratigraphie Beschreibung Gemeinde Lage HBN_1409 Chirotherium-Sandsteinplatte in Hildburghausen Sandstein Thüringischer Chirotherien-Sandstein Der Chirotheriensandstein der Solling-Folge ist der oberste (jüngste) Sandsteinhorizont des Mittleren Buntsandsteins und bildet den Übergang von den terrestrisch-fluviatilen Sedimentationsbedingungen des Mittleren Buntsandsteins zu den salinar-marinen Bedingungen des Oberen Buntsandsteins (Röt). Namensgebend sind die Spuren größerer Reptilien (Chirotherium – „Handtier“). Im Bereich Hildburghausen ist der Chirotheriensandstein als heller, wenig toniger, gleich- und feinkörniger Sandstein ausgebildet. Er ist fast immer braun oder gelb gefleckt (Tigersandstein) und tritt in starken Bänken auf. Im Chirotheriensandstein treten zahlreiche Netzleisten (ausgefüllte, ehemalige Trockenrisse) sowie Wellenfurchen (Wellenrippeln) auf. Eine große Platte mit Wellenrippeln, abgelagert im Flachwasser als limnisches Sediment, stellt das heutige Flächennaturdenkmal dar. Chirotherium-Spuren oder Ähnliches sind am Objekt nicht vorhanden. Etwa 200 weiter am Rande des ehem. Tümpels wurde 1933 beim Bau des Freibades eine ca. 14 m² große Platte mit Fährten von 11 verschiedenen Reptilien entdeckt. Zur Besichtigung von Chirotherium-Spuren sei das Naturhistorische Museum Bertholdsburg oder das Chirotherium-Monument auf dem Marktplatz Hildburghausen empfohlen. Hildburghausen Typlokalitäten/Richtprofile

ID Bild Bezeichnung Art Stratigraphie Beschreibung Gemeinde Lage HBN_2003 Steinbruch „Winzer“ bei Heßberg, Locus typicus heller, wenig toniger, gleich- und feinkörniger Sandstein, braun oder gelb gefleckt (Tigersandstein), zahlreiche Netzleisten (ausgefüllte, ehemalige Trockenrisse) sowie Wellenrippeln Thüringischer Chirotherien-Sandstein Der Chirotheriensandstein der Solling-Folge ist der oberste (jüngste) Sandsteinhorizont des Mittleren Buntsandsteins und bildet den Übergang von den terrestrisch-fluviatilen Sedimentationsbedingungen des Mittleren Buntsandsteins zu den salinar-marinen Bedingungen des Oberen Buntsandsteins (Röt). Namensgebend sind die Spuren größerer Reptilien (Chirotherium – „Handtier“). Aufgeschlossen ist eine ehemals ca. 4,30 m mächtige Schichtenfolge aus einer Wechsellagerung von dominierenden Sandsteinbänken sowie zwischengeschaltete Ton- und Siltsteinschichten. Der Chirotheriensandstein ist als heller, wenig toniger, gleich- und feinkörniger Sandstein ausgebildet. Er ist meist braun oder gelb gefleckt (Tigersandstein) und tritt in starken Bänken auf. Im Chirotheriensandstein treten zahlreiche Netzleisten (ausgefüllte, ehemalige Trockenrisse) sowie Wellenrippeln (entstanden durch vom Wind erzeugte Wasserströmung in Seen) auf. Der ehem. Steinbruch gilt als locus typicus (Typlokalität: erstmaliger Fundort/wissenschaftliche Beschreibung) für Chirotherium barthii (1833 von F. Sickler entdeckt und 1834 von ihm beschrieben). Bei Chirotherium handelt es sich um Fährten von Archosaurier, die den Ahnen der Krokodile, Vögel und Dinosaurier nahe standen. Zur Besichtigung von Chirotherium-Spuren sei das Naturhistorische Museum Bertholdsburg oder das Chirotherium-Monument auf dem Marktplatz Hildburghausen empfohlen. Hildburghausen Fluviatile und gravitative Abtragungs- und Ablagerungsformen