mini|St. Marien, Turmfront mini|Domsakristei und Apsis mini|Apsis mini|Domschule hinter St. Marien mini|Innenraum

Der St.-Marien-Dom (Eigenschreibweise; umgangssprachlich Mariendom, zur Unterscheidung von der historischen Domkirche auch Neuer Mariendom) ist seit 1995 die Kathedralkirche des römisch-katholischen Erzbistums Hamburg. Der 1893 fertiggestellte neuromanische Bau befindet sich im Hamburger Stadtteil St. Georg an dem im Januar 2013 benannten Platz Am Mariendom, vormals Danziger Straße. 2009 wurde der Dom in die Denkmalliste von Hamburg-Mitte eingetragen. Ihre Domgemeinde gehört zum Pastoralen Raum Hamburg-City des Erzbistums Hamburg.https://www.mariendomhamburg.de/wp-content/uploads/sites/2/2020/01/Pastoralkonzept-PaR-Hamburg-City-final.pdf

Geschichte Vorgängerbau Der bis 1893 errichtete neue Mariendom ist Nachfolger der bis 1807 auf dem heutigen Hammaburg-Platz in der Altstadt bestehenden mittelalterlichen Hamburger Domkirche. Diese war bis zur Einführung der Reformation im Jahre 1529 Konkathedrale des Erzbistums Bremen-Hamburg. 1561 wurde der Bremer Vergleich geschlossen, in dem das Domkapitel auf seinen Einfluss auf die Hamburger Stadtkirchen verzichtete, die Hoheit über den Dom und seine Einkünfte sowie die Gerichtsbarkeit über die Domherren jedoch weiterhin bestehen blieb. Der Dom bildete seitdem eine Enklave in Hamburg, die auswärtigen Kirchherren unterstand, zunächst, bis 1648, dem (lutherischen) Erzbischof-Administrator von Bremen. Nach dem Westfälischen Frieden ging der Dom, wie das Erzstift Bremen, zuerst an Schweden über, 1719 an das Kurfürstentum Hannover. Zum Dom gehörte keine Kirchengemeinde. In den Jahren 1804 bis 1807 wurde das Gebäude schließlich abgebrochen.Horst Günter Lange: Die Bischofsgruft und der Domherrenfriedhof im Hamburger Mariendom. In: Ohlsdorf - Zeitschrift für Trauerkultur, Nr. 107, IV, November 2009; fof-ohlsdorf.de abgerufen am 1. Juli 2015.

Neubau 1889 bis 1893 Das Gotteshaus wurde von 1889 bis 1893 als römisch-katholische Pfarrkirche nach Plänen des Paderborner Kirchenbaumeisters Arnold Güldenpfennig im neuromanischen Stil errichtet. Die Gestaltung der doppeltürmigen Westfassade knüpft an den Dom zu Bremen an.

Es ist der erste katholische Kirchenneubau in Hamburg seit der Reformation in der Stadt und die zweite katholische Kirche nach St. Ansgar. Aufgrund der 1529 von Johannes Bugenhagen aufgestellten Hamburger Kirchenordnung waren öffentliche katholische Messfeiern bis zum Jahr 1807 verboten.Metropolitankapitel des Erzbistums Hamburg (Hrsg.): Der St. Marien-Dom Hamburg. Faltblatt Hamburg 2011. Geweiht wurde das Gotteshaus am 28. Juni 1893 durch Bischof Bernhard Höting aus Osnabrück und ist wie auch sein Vorgängerbau der Gottesmutter Maria geweiht. Aus Kostengründen war die Kirche bei der Einweihung noch nicht ausgemalt. mini|Teerspuren des Zweiten Weltkrieges an der Außenfassade und Hinweistafel Während des Zweiten Weltkriegs, insbesondere während der alliierten Bombenangriffe, wurden alle Fenster, darunter die fünf Chorfenster mit Abbildungen aus dem Marienleben,Gretzschel: St. Marien-Dom in Hamburg. 2011, S. 22 zerstört sowie Teile des Daches und der Gewölbe.

Bischofskirche Nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelte sich in St. Marien nach und nach ein reges Gemeindeleben, was schließlich dazu führte, dass der Weihbischof von Osnabrück, Johannes von Rudloff, im Dezember 1957 in Hamburg seinen ständigen Sitz nahm. Damit wurde die Marienkirche zur Bischofskirche, obwohl die hier residierenden Bischöfe keine Diözesanvollmachten hatten. Von Rudloffs Nachfolger Karl-August Siegel war ab 1975 Weihbischof in Osnabrück für die Regionen Bremen und Niedersachsen und ab 1978 Bischofsvikar für Hamburg und Schleswig-Holstein. Das Erzbistum Hamburg wurde von Papst Johannes Paul II. mit Wirkung zum 7. Januar 1995 neu errichtet.Ioannes Paulus II: Const. Apost. Omnium Christifidelium. In: AAS, 1995, 87, Nr. 3, S. 228 ff. Erster Diözesanbischof des neu gegründeten Bistums wurde der bisherige Osnabrücker Bischof Ludwig Averkamp.

Renovierung und Modernisierung 2007 bis 2008 Von Juli 2007 an wurde die Kirche unter der Leitung des Architekturbüros Ewers Dörnen und Partner (Oldenburg/Holstein und Hamburg)Webseite des Büros. archi-stadt.de; abgerufen am 31. Januar 2017 umgestaltet. Die Neuausstattung des Altarraumes (Prinzipalien und Sedilien) erfolgte durch den Kölner Künstler W. Gies. Außerdem wurde eine Domsakristei angebaut, um den Anforderungen an eine Kathedralkirche zu entsprechen. Mit der feierlichen Altarweihe am 23. November 2008 wurde sie als Neuer Mariendom (St.-Marien-Dom Hamburg) wieder eröffnet. Die Baukosten in Höhe von rund 7,8 Millionen Euro wurden durch Spendengelder aufgebracht. Mit den Modernisierungen wurde die Kirche noch mehr zum sichtbaren Mittelpunkt der Katholiken im Norden Deutschlands.

Die wesentlichen Veränderungen sind die künstlerische Gestaltung der Altarinsel mit Ambo und Chorgestühl, Anbau eines Atriums mit Domfriedhof, Sakristei und Funktionsräumen, Neugestaltung der Eingangsbereiche mit neuen Portalen in beiden Türmen und einer Querachse vom neuen Seitenportal zum Atrium,Projekt des Architekturbüros. (PDF; 1,3 MB) Natursteinfußboden, Sanierung der künstlerischen Verglasung, Grundsanierung und Erweiterung der Orgel, Restaurierung der Kirchenbänke, Erneuerung des Putzes und Innenanstriches sowie die Erstellung neuer technischer Anlagen (Heizung, Elektrik, Beleuchtung, Akustik). Unter der Kirche wurde eine neue Krypta angelegt. Teile der Ausmalung aus den 1920er Jahren wurden wieder freigelegt.

Architektur und Ausstattung Architektur Der Mariendom ist eine neuromanische, dreischiffige Emporenbasilika aus Backstein mit Querhaus, Chor und Rundapsis in Nordostausrichtung. Der Grundriss ist kreuzförmig im gebundenen System.Gretzschel: St. Marien-Dom in Hamburg. 2011, S. 20. Die repräsentative Portalfront mit den beiden hohen spitzhelmigen Türmen ist reich mit Doppelfenstern, Bogenfriesen und Lisenen gegliedert und trägt in der Mitte eine Fensterrosette.

Das Innere, bis auf die Apsis und die Querschiffe vollständig weiß gehalten, zeigt klassische Proportionen. Die Triforien sind zu Emporen erweitert. Ihre Arkadenbögen werden von Natursteinsäulen mit Würfelkapitellen getragen. Das Gesimsband oberhalb des Emporengeschosses verbindet das Schiff mit der Apsis. Das Mittelschiff wird durch hohe Obergadenfenster beleuchtet. Die Arkadenbögen des Kirchenschiffs wiederholen sich als Blendarkaden in der Apsis.Gretzschel: St. Marien-Dom in Hamburg. 2011, S. 21

Ausstattung Wandmalereien und Mosaik in der Apsis 1922/1923 schuf Eduard Goldkuhle in der Apsis auf Goldgrund Die Krönung Mariens. Sie wurde 1948 durch ein neobyzantinisches Mosaik der Mayer’schen Hofkunstanstalt in München in Nachbildung des gleichnamigen Apsismosaiks von Jacopo Torriti der Papstbasilika Santa Maria Maggiore in Rom ersetzt. Die lateinische Inschrift lautet Assumpta est Maria in coelum („Aufgenommen ist Maria in den Himmel“). Geplant war die Anbringung des Mosaiks 1943 anlässlich des 50-jährigen Domjubiläums. Wegen der Bombardierungen musste die Ausstattung ausgesetzt werden.

Im Altarbereich malte Goldkuhle 1927 vier großflächige Wandmalereien im Nazarenerstil, Verkündigung Mariens (linke Apsiswand) und Geburt Christi (rechte Apsiswand), die Flucht nach Ägypten (linkes Querschiff) und die Kreuzabnahme (rechtes Querschiff). Diese wurden Mitte der 1960er Jahre infolge der Liturgiereform übermalt und bei der Domsanierung 2008 wieder freigelegt.

Kirchenfenster Die im Zweiten Weltkrieg zerstörten Chorfenster wurden nach dem Vorbild von Glasfenstern mittelalterlicher Kathedralen ersetzt. Die moderne Buntverglasung der unteren Seitenschifffenster ist ein Zyklus von zehn Rundbogenfenstern (240 mal 115 cm) und einem Rundfenster (Durchmesser 11 cm) des Künstlers Johannes Schreiter. Sie stellen Szenen aus dem Leben des Propheten Jesaja dar.

Altarkreuz Das Kreuz, das zur 100-Jahr-Feier der Kirche gestiftet wurde, stammt vom Bildhauer Heinrich Gerhard Bücker und wurde aus 4000 Jahre alter Mooreiche gefertigt. Die Vorderseite zeigt den gekreuzigten Jesus Christus, die Rückseite das Lamm Gottes.Metropolitankapitel Hamburg (Hrsg.): Besucherinformation St. Marien-Dom Hamburg. Faltblatt im St. Ansgar Verlag, Hamburg, im März 2010

Tabernakel Der Tabernakel wurde 1964 durch den Duisburger Goldschmied Claus Pohl gestaltet. Das Relief ist auf der Vorderseite als Lebensbaum gestaltet, auf der Rückseite als brennender Dornbusch. Zunächst stand der Tabernakel auf einer Stele im südlichen Vorjoch und erhielt später einen großen Bronzeaufsatz. Nach der Renovierung und der Entfernung des Bronzeaufsatzes wurde er mit einer neuen Stele versehen und fand im nördlichen Vorjoch einen neuen Platz.

Taufstein Der massive neoromanische Taufstein, der sich seit der Domsanierung 2008 in der Mitte des Domes befindet, wird dem Osnabrücker Bildhauer Heinrich Selig (1843–1912) zugeschrieben. Er ruht auf einem Sockel, der mit neoromanischen Bögen und Säulen und am Beckenrand mit Ranken- und Blätterornamenten verziert ist.

Bilder hochkant|mini|Tafelbild St. Ansgar, Kopie nach der Fassung von 1457 Das Sankt-Ansgar-Bild ist eine 2004 angefertigte Kopie des spätgotischen Originals von Hans Bornemann, welches ab 1457 zunächst im Alten Mariendom hing, der 1805 abgebrochen wurde. Im Jahr 1668 erfuhr das Original eine barockisierende Umgestaltung, bei dem die Inschriften auf dem Bildrand sowie die Widmungsinschrift übermalt wurden. Seit der Niederlegung des Alten Mariendoms befindet sich das Original in der Hauptkirche St. Petri. Die Kopie von 2004 wurde nach der Fassung von 1457 mit den ursprünglichen Inschriften auf dem Bildrand angefertigt und befindet sich seit dem Ansgartag 2004 im Mariendom an der Stirnseite zwischen Apsis und nördlichem Vorjoch.Katholische Verlagsgesellschaft St. Ansgar, Hamburg: Kleines Faltblatt mit der Abbildung beider Versionen des Ansgar-Bildes von ca. 2012.

An einem der hinteren Pfeiler ist eine Kopie der Ikone Unserer Lieben Frau von der immerwährenden Hilfe aus der katholischen Kirche Sant’Alfonso in Rom über einem Opferkerzenständer angebracht.

Reliquien Als Dauerleihgabe befindet sich seit 2011 ein Unterarm-Reliquiar des hl. Ansgar aus dem Domschatz des Hildesheimer Doms im südlichen Seitenschiff. Der Name Ansgar bedeutet übersetzt „Speer Gottes“, daher hat der Goldschmied Klaus Balke das Reliquiar in Form eines Köchers mit Pfeilen gestaltet.

Aus Privatbesitz wurde 2010 eine Kreuzreliquie gestiftet, die seit dem Fest der Kreuzerhöhung (14. September) in der Krypta des Domes verehrt wird.

Südliches Seitenschiff 1979 wurden die steinernen Bildtafeln des ehemaligen Hochaltars von Heinrich Seling im nördlichen Vorjoch angebracht, seit der Instandsetzung des Doms 2008 befinden sie sich in dem südlichen Vorjoch. Allerheiligen 2012 weihte der Erzbischof von Hamburg Werner Thissen die Gedenkstätte für die Lübecker Märtyrer im südlichen Seitenschiff ein.

mini|Prospekt der Beckerath-Orgel Orgel Die ursprüngliche Orgel wurde von dem Hamburger Orgelbauer Rother erbaut. Diese Orgel des Mariendomes wurde 1965/1967 durch einen Neubau von der Firma Rudolf von Beckerath Orgelbau aus Hamburg ersetzt.Hamburger Orgelsommer 2018, Abschnitt St. Marien-Dom. St. Michaelis Musik gGmbH (Redaktion) Dieses Instrument hatte zunächst 50 Register auf drei Manualwerken und Pedal.

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