Delaine Le Bas (* 17. Juli 1965 in Worthing) ist eine britische Malerin, Mixed-Media-Künstlerin, Collagenkünstlerin, Kostümbildnerin und Stickerin.
Leben Delaine Le Bas wurde 1965 in Worthing in eine große Roma-Gemeinschaft geboren. Ihre frühen Jahre verlebte sie in Wohnwagen und Trailern. Als älteste von fünf Geschwistern schloss sie als einzige die Schule ab. Einen prägenden Einfluss auf ihre künstlerische Entwicklung hatte ihr Großonkel Eddie, mit dem sie in ihrer Kindheit viel Zeit verbrachte. Er zeichnete mit ihr, unternahm gemeinsame Ausflüge nach Brighton zu Buch- und Second-Hand-Läden und sie kauften Vintage-Kleidung. Delaine Le Bas war schon früh politisch interessiert, schloss sich mit dreizehn Jahren der Kampagne für nukleare Abrüstung an und war ein großer Fan von Punkbands wie X-Ray Spex. Von 1981 bis 1986 studierte sie das Fach Textil am West Sussex College of Art & Design in Worthing. Während dieser Zeit lernte sie Damian Le Bas (1963–2017) kennen. Das Paar heiratete im Winter 1984,What we-wore. In: what-we-wore.com. Abgerufen am 6. Juli 2024 ihr Sohn Damian James Le Bas kam im Mai 1985 zur Welt.Damian James Le Bas. In: RomArchive – Digitales Archiv der Sinti und Roma. Abgerufen am 5. Juli 2024 Als ihr Mann für die Zeit von 1985 bis 1987 einen Studienplatz am Royal College of Art erhielt, ging er nach London.Damian Le Bas. In: RomArchive – Digitales Archiv der Sinti und Roma. Abgerufen am 5. Juli 2024 Mit ihrem eigenen Studienbeginn an der Saint Martins School of Art (heute Central Saint Martins College of Art and Design) 1986 zog Delaine Le Bas ebenfalls nach London. Das Studium im Studiengang Mode und Textilien schloss sie 1988 mit einem Master of Arts ab.Delaine Le Bas. In: Art UK. Abgerufen am 6. Juli 2024Delaine Le Bas. In: Maxim Gorki Theater. Abgerufen am 5. Juli 2024 Danach wurde sie als praktizierende Künstlerin tätig.Delaine Le Bas, Artist. In: Romani Cultural and Arts Company. Abgerufen am 7. Juli 2024 Mit ihrem Mann bezog Delaine Le Bas im Jahr 2000 ein Haus in Worthing.How do you make space? In: Whitechapel Gallery. Abgerufen am 6. Juli 2024Damian Le Bas überraschend gestorben. In: Monopol vom 11. Dezember 2017. Abgerufen am 5. Juli 2024 Sie arbeitet an ihren Projekten zuhause und in ihrem Garten.Marigold Warner: ‘Language is a massive exclusionary tool’: Delaine Le Bas, the Turner prize nominee battling Romany discrimination. In: The Guardian vom 6. Juni 2024. Abgerufen am 6. Juli 224Delaine Le Bas. In: RomArchive – Digitales Archiv der Sinti und Roma. Abgerufen am 5. Juli 2024
Werk Im Mittelpunkt der Kunst von Delaine Le Bas steht ihr Roma-Hintergrund. Neben politischen Themen behandelt sie auch solche mit persönlichem Bezug, wie Feminismus, Stereotypen, eigene Identität, Rassismus und gesellschaftliche Ausgrenzung von Personengruppen, die als „die Anderen“ wahrgenommen werden.Delaine Le Bas. Co-Kurator. In: 2nd Roma Biennale. Abgerufen am 5. Juli 2024 Sie arbeitet interdisziplinär. Ihre Werke umfassen Medieninstallation, Performances, Zeichnungen, Fotografien und Filme sowie Installationen und Skulpturen, die sie mit Malerei, Zeichnung, Texten, Stickereien, Textilien und Kleidung kombiniert.Women in Outsider Art. In: Raw Vision Nr. 103, Herbst 2019, S. 32. Abgerufen am 21. Juni 2024 Sie untersucht die kulturelle, symbolische und identifikatorische Dimension von Kleidung und Textilien in Bezug auf Stereotype und Politik. Kostüme bilden einen wichtigen Bestandteil ihrer performativen Arbeiten und von ihr bestickte, handbemalte und verzierte Stoffe stehen im Zentrum ihrer großen, detailreichen Installationen. Oft verwendet sie für ihre Werke vor Ort vorgefundenes und gesammeltes Material.
Ab 1990 konzentrierte Delaine Le Bas sich auf die Bildgestaltung und fertigte große Collagen und Collagenbücher, in die sie ihre Familiengeschichten und Fotografien einfließen ließ. Mit ihrem Ehemann, 2017 verstorben, arbeitete Delaine Le Bas an ihren Installationen Safe European House? und den Projekten Gypsy Revolution und Gypsy DaDa. Im Jahr 2015 schuf sie Romani Embassy und schrieb mit ihrem Sohn, dem Schriftsteller Damian James Le Bas, Performance-Textwerke. 2017 produzierte sie mit ihrem Mann die Bühnenkunstwerke und Kostüme für die Aufführungen Roma ArmeeDamian Le Bas ist tot. In: Spiegel online vom 11. Dezember 2017. Abgerufen am 5. Juli 2024 und 2019 nach seinem Tod allein für Rewitching Europe am Maxim Gorki Theater in Berlin. Im Auftrag des Gorki Theaters kreierte sie die Installation und Performance Witch Hunt III und die Skulptur Goddess TempleVierter Berliner Herbstsalon. Delaine Le Bas. In: Maxim Gorki Theater. Abgerufen am 7. Juli 2024 für den 4. Berliner Herbstsalon DE-HEIMATIZE IT! 2019.
Neben der Arbeit an eigenen Werken arbeitete Delaine Le Bas mit ihrem Mann an mehreren Projekten und kuratiert Ausstellungen in ganz Europa. 2018 kuratierte sie die erste Roma-Biennale COME OUT NOW! und war Co-Kuratorin bei 198 Contemporary Arts & Learning in London. 2024 war sie für den Turner Prize nominiert.
Ausstellungen (Auswahl) 2024: Ausstellung Turner Prize. Tate Britain, London 2024: Delainia: 17071965 Unfolding. Glasgow International Festival 2023: Incipit vita nova. Wiener Secession 2023: The House of Le Bas. Whitechapel Art Gallery, London 2022: Radical Landscapes. Tate Liverpool 2022: Beware of linguistic engineering, 2019: Witch Hunt III. Installation und Performance, 4. Herbstsalon DE-HEIMATIZE IT!, 2017: Herbstsalon, Maxim Gorki Theater, Berlin 2021: We are here! 2. Roma-Biennale, Berlin 2021: St Sara Kali George. Mixed-Media-Installation, Worthing Museum and Art Gallery 2020: St Sara Kali GeorgeDelaine Le Bas. In: Berlin Biennale for Contemporary Art. Abgerufen am 7. Juli 2024 und The Crack Begins Within. 11. Berlin Biennale für zeitgenössische Kunst 2019: Futuroma. Roma-Pavillon, 2017: Roma-Pavillon, 2007: Paradise Lost. Erster Roma-Pavillon, Biennale di Venezia 2018: Anti. Athens Biennale 2017: Critical Contemplations. Tate Gallery of Modern Art, LondonProf. Delaine Le Bas In: Institut für Kunst im Kontext. Universität der Künste Berlin. Abgerufen am 5. Juli 2024 2015: Project Biennial of Contemporary Art, D-0 ARK Underground, Bosnien-Herzegowina 2015: Göteborg International Biennial for Contemporary Art (GIBCA) 2014: National Gallery of Zimbabwe, Harare 2014: Muzeum Współczesne Wrocław (MWW, Zeitgenössisches Museum Breslau) 2014: Bolton Museum and Art Gallery, Bolton 2013: Galeria Zachęta, Warschau 2012: 9. Gwangju Biennale 2012: Gypsy Revolution, 2006: Second Site. Museum of East Anglian Life, Stowmarket, Suffolk 2011: Safe European Home?. Wiener Festwochen, Wien, Berlin, Kopenhagen, Dublin, Dresden, Colchester 2011: Reconsidering Roma—Aspects of Roma and Sinti Life in Contemporary Art. Kunstquartier Bethanien, Berlin 2008: Biennale Cuvee. Offenes Kulturhaus Oberösterreich, Linz 2007: Refusing Exclusion, 2005: Outsider Art. Prague Biennale, Prag, Tschechien 2006: Outsider Art. Moscow Museum of Outsider Art, Moskau 2006, 2004, 2002, 2000: International Festival d’Art Singulier. Roquevaire, Frankreich 2005: Raw Vision 50. Serpentine Gallery, London 2005: Race, Class, Gender # Character, 1998: Error and Eros: Love Profane and Divine. American Visionary Art Museum, Baltimore, USA 2004: 60 Seconds. Darklight Film Festival, Dublin, Irland 2000: Elvision 2000. Intuit: The Center for Intuitive and Outsider Art, Chicago, USA 1997: International Self Taught/Outsider Art, St Brannocks Gallery, Norfolk
Literatur Annabel Tremlet, Delaine Le Bas: A Gypsy Revolution: The Ongoing Legacy of Delaine and Damian Le Bas. In: The Roma and Their Struggle for Identity in Contemporary Europe. Huub van Baar, Angéla Kóczé (Hrsg.), Berghan Books 2020, ISBN 978-1-78920-642-5, S. 305–327 (eingeschränkte Buchvorschau), doi:10.2307/j.ctv1k3nr1x.18
Weblinks Website Delaine Le Bas
Einzelnachweise
Kategorie:Maler (Vereinigtes Königreich) Kategorie:Medienkünstler (Vereinigtes Königreich) Kategorie:Kostümbildner (Vereinigtes Königreich) Kategorie:Textilkünstler (Vereinigtes Königreich) Kategorie:Teilnehmer einer Biennale di Venezia Kategorie:Roma (Person) Kategorie:Brite Kategorie:Geboren 1965 Kategorie:Frau