Rosemarie Wolf-Almanasreh de Carvalho Esteves (geboren als Rosemarie Wolf 19. Februar 1941 in Gießen; gestorben 30. Oktober 2022 in Frankfurt am Main) war eine deutsche Journalistin und Pionierin im Engagement für eine konfliktarme diverse Gesellschaft. Sie war seit 1989 Leiterin des Amtes für multikulturelle Angelegenheiten (AmkA) in Frankfurt am Main, dem ersten seiner Art in der Bundesrepublik und errang damit bald bundesweite Anerkennung für dessen Arbeit.
Leben Ausbildung Wolf wuchs in Alsfeld bei den Großeltern auf und ging nach ihrem Realschulabschluss mit 16 Jahren nach England, wo sie das englische Abitur machte. Sie arbeitete dort als Auslandskorrespondentin in der chemischen Industrie, um Geld für das College zu verdienen. Schließlich ging sie nach Frankreich, um Französisch zu lernen. Zurück in Deutschland war Wolf für Verlage und Medien tätig.
Ihr englisches Abitur wurde in Deutschland nicht anerkannt, daher machte sie schließlich mit 36 Jahren in Marburg das Abitur mit guten Noten – nach nur drei Monaten Vorbereitung. Ihrem eigentlichen Ziel, einem Jurastudium an der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main, stand nun nichts mehr im Wege. Mit 40 Jahren stand sie vor dem ersten Staatsexamen, brach aber das Studium ab, um sich anderen Aktivitäten zu widmen: Sie arbeitete als Journalistin, in der Beratung und in der Erwachsenenbildung.
Engagement für Gleichberechtigung und Diversität 1972 gründete Wolf-Almanasreh in Frankfurt am Main die Interessengemeinschaft der mit Ausländern verheirateten deutschen Frauen (IAF) und war bis 1989 deren Geschäftsführerin. Die IAF wurde 1997 in Verband binationaler Familien und Partnerschaften umbenannt und Wolf-Almanasreh war lange Jahre dessen Bundesvorsitzende.
Entgegen der Aussage des Buches Multi Kulti von Claus Leggewie, das 1990 erschien, betonte Wolf-Almanasreh, dass es bei einem entspannten Zusammenleben von deutscher Bevölkerung und zugewanderten Ausländern aus vielen verschiedenen Ländern nicht in erster Linie um die Integration unterschiedlicher Ethnien und Religionen gehe, sondern vor allem darum, eine gleiche legale Basis zu schaffen, eine adäquate Schulbildung zu erwerben und billiges gutes Wohnen auch für die Ausländer zu gewährleisten. Es gehe darum, eine zeitgemäße Integrationspolitik zu entwickeln, bei der die Migranten ein Mitspracherecht haben.
Zwischen 1980 und 1999 veröffentlichte sie mehrere Bücher zu Themen rund um binationale Partnerschaften.
Amt für multikulturelle Angelegenheiten Auf Beschluss des rot-grünen Magistrats und der Stadtverordnetenversammlung von Frankfurt am Main wurde das Amt für multikulturelle Angelegenheiten 1989 in Frankfurt am Main aufgebaut. Leiterin des damals in der Bundesrepublik einmaligen Amtes war von 1989 bis 2000 Rosi Wolf-Almanasreh. Sie wurde dabei von Daniel Cohn-Bendit unterstützt. Das Amt war damals einzigartig in seiner Art und sollte Symbol werden für einen Paradigmenwechsel der bisherigen Ausländerpolitik, die sich in verschiedenen deutschen Städten höchstens auf die soziale Betreuung von Ausländerbeauftragten mit wesentlich weniger Kompetenzen stützte. Das Amt betrat Neuland mit städteplanerischen Vorschlägen für Viertel mit hohem Ausländeranteil oder bei der Integration von migrantischen Senioren. Wolf-Almanasreh organisierte auch Workshops für Polizisten, um Hilfestellung zu geben und um Verständnis für die Situation von Ausländern zu werben. In der Behörde wurden zunehmend ausländische Mitarbeiter mit vielfältigen Sprachkenntnissen und unterschiedlichen kulturellen Hintergründen eingestellt. Das AmkA startete außerdem die Initiative „Mama lernt Deutsch“, die in ganz Deutschland und auch im Ausland aufgegriffen wurde.
Wolf-Almanasreh trat mit ihrer Behörde ein für Integration und multikulturelles Miteinander und engagierte sich gegen Rassismus und Diskriminierung jeglicher Art. Besonderen Wert legte sie bei ihrer inhaltlichen Arbeit auf Kommunikation und Vernetzung sowie Medien- und Öffentlichkeitsarbeit. Ihre feste Überzeugung war: „Nur wer miteinander redet, hat die Chance sich zu verstehen.“
Privates Wolf heiratete nach ihren Auslandsaufenthalten einen Deutsch-Polen, mit dem sie den Sohn Michael bekam. Ende der 1960er Jahre ließ sie sich scheiden. Anfang der 70er Jahre heiratete den palästinensischen Politologiestudenten Zuhair Almanasreh. Mit ihm bekam sie die Tochter Nadja. Die beiden ließen sich in den 80er Jahren scheiden. Später heiratete Wolf-Almanasreh den Portugiesen Vasco de Carvalho Esteves in Dänemark mit zwei Stern-Reportern als Trauzeugen, die anschließend einen Artikel über binationale Ehen und Heirat im Ausland verfassten.
Auszeichnungen Wolf-Almanasreh erhielt folgende Auszeichnungen:
1978: Elisabeth-Norgall-Preis des International Women’s Club 1985: Fritz-Bauer-Preis der Humanistischen Union 1987: Auszeichnung des Bundespräsidenten, für Verdienste im „Kampf gegen Diskriminierung von Ausländern und der mit ihnen verheirateten deutschen Frauen“ 2004: Verdienstkreuz am Bande
Veröffentlichungen (Auswahl) Die Bücher sind in der Reihenfolge ihrer Ersterscheinung aufgelistet.
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