Das ThiK Theater im Kornhaus ist ein Kleintheater in Baden im Schweizer Kanton Aargau.
Mit einer Platzkapazität von 132 Plätzen ist es eine überregional bedeutsame Spielstätte, in welcher neben einem vielfältigen Gastspielbetrieb auch Co-Produktionen und verschiedene eigene Formate zur Aufführung kommen. Das Theaterhaus wird vom gemeinnützigen Verein ThiK Theater im Kornhaus betrieben, die operative Verantwortung liegt in den Händen der Theaterleitung.
Name ThiK ist eine Abkürzung für Theater im Kornhaus, welche sich seit der Neugründung 1990 als Ruf- und Eigenname für das Theaterhaus etabliert hat. Die Bezeichnung Kornhaus bezieht sich auf das Gebäude, in welchem das Theater sich befindet. Es handelt sich beim Kornhaus um ein ehemaliges Getreidelager in der unteren Halde, dem der Limmat zugeneigte Teil der Badener Altstadt. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts etablierten sich in diesem Haus sowohl ein Theaterbetrieb als auch ein Jugendzentrum.
Geschichte Das Theater im Kornhaus ist neben dem Kurtheater Baden das zweitgrösste Theater der Stadt und existierte in unterschiedlichen Formen seit den 1950er-Jahren. In der gleichen Zeit wurde auch das Kurtheater in seiner heutigen Form neu eröffnet.
Kornhausbühnenverein (1953–1967) Der Kornhausbühnenverein wurde 1953 gegründet und errichtete zusammen mit der damaligen Altstadtvereinigung Halde eine Bühne und eine Bar in den Keller des Kornhauses. Zur gleichen Zeit entstand um Alfred Bruggmann und Vera Furrer das Cabaret Rüeblisaft, welchem das Theater im Kornhaus mehrere Jahre ein wichtiges künstlerisches Zuhause bot. 1967 beginnt eine neue Ära mit der Eröffnung des Theater im Kornhaus durch Anton Keller und Rosemarie Keller. Schon in diesem ersten Jahr zeigte das Theater an der traditionellen Badenfahrt täglich Vorstellungen. Nur ein Jahr später entstand aus diesem Engagement das städtische Kleintheater "Die Claque", welches das Kellertheater für die nächsten 20 Jahre bespielte.
Die Claque (1968–1992) In den Anfangsjahren gab es bei der Claque kein festes Ensemble. Das Haus arbeitete in jeder Produktion in anderen Konstellationen. Neben erfahrenen Schauspielenden wurden auch immer wieder junge Personen engagiert, welchen der Auftritt im Kleintheater als Einstieg in die Karriere dienen sollte. Der Theaterbetrieb wurde zuerst von Anton und Rosemarie Keller und danach von Reinhard Lang und verschiedenen weiteren Einzelpersonen zeitaufwändig und mit viel Idealismus mehrere Jahre aufrechterhalten. Gesicherte Arbeitsplätze und eine künstlerische Kontinuität über längere Zeit konnte das Theater aber nicht bieten. Der Wunsch nach nachhaltigeren und längerfristigen Arbeitsbedingungen wuchs. Ab 1972 wurde unter der künstlerischen Leitung von Jean Grädel erstmals ein festes Ensemble engagiert, welches sich ein Jahr drauf zu einem Kollektiv weiterentwickelte – alle beteiligten Personen erhielten das gleiche Mitspracherecht in allen Prozessen. Dieses Selbstbestimmungsmodell wurde in den Statuten des Vereins auch rechtlich fixiert, womit die Truppe als das erste offizielle Theaterkollektiv der Schweiz angesehen werden kann. Zu dieser Zeit gehörten neben Jean Grädel auch Lilly Friedrich, Paul Weibel und Albert Freuler zum Ensemble. Später stiessen Hansrudolf Twerenbold, Peter Fischli und Kaspar Lüscher und weitere dazu.
Sowohl strukturell als auch inhaltlich passend zum Geist der 68er forderte das Kollektiv mit seinem Schaffen die Gesellschaft heraus. Beispielsweise standen in Jean Grädels Inszenierung von Peter Hacks Stück Adam und Eva die Darstellenden praktisch nackt auf der Bühne, was als ziemlich provokativ empfunden wurde. In den Statuten des Vereins wurde explizit festgehalten, dass die Theaterarbeit der Claque das gesellschaftliche Leben hinsichtlich kultureller, politischer und ökonomischer Gesichtspunkte reflektieren und beeinflussen sollte. Neben den Theaterproduktionen war dem Kollektiv auch die Arbeit mit Kindern wichtig. Es gab vielseitige Zusammenarbeit mit Schulen und eigene Kursangebote.
1989 zieht die Claque zwei Häuser weiter in einen anderen Gewölbekeller, welcher heute in Erinnerung an das Ensemble Claquekeller heisst. Ab 1992 entwickelte sich unter der Leitung von Jörg Niederberger und Julie Harboe aus der Claque das forum:claque. Dieses als Kunstlabor bezeichnete Konzept, bewegte sich weg vom Ensembletheater hin zu einem Ort der interdisziplinären künstlerischen Forschung. Bis zur Auflösung 2005 entstanden über ein Jahrzehnt lang künstlerische Experimente, die sowohl vom Austausch zwischen verschiedenen Kunstformen als auch jenem mit dem Publikum geprägt waren.
ThiK (ab 1990) mini|Blick in den Theatersaal nach dem Umbau|242x242px mini|363x363px|Eingang des Theaters in der Kronengasse Das Theater im Kornhaus stand nach dem Auszug der Claque 1989 für ein knappes Jahr leer, bis dann durch Andrea Koller-Bill und Anita Rösch Egli die Neueröffnung unter dem heutigen Namen stattfand: ThiK. Theater im Kornhaus. Nach einem knappen Jahrzehnt folgte dann 1999 eine grössere Rennovation des Kellertheaters. Die Künstlergarderoben wurden erneuert, Bühnen- und Zuschauerraum gesenkt und mit einem flexiblen Podestsystem ausgestattet.
Das ThiK entwickelt sich über die Jahre zu einem lebendigen Theater ohne festes Ensemble. Neben einem spartenübergreifenden Gastspielprogramm werden auch immer wieder Co-Produktionen zur Aufführung gebracht, dies oft in Zusammenarbeit mit anderen Schweizer Kleintheatern wie beispielsweise dem Zürcher Sogar Theater. Seit der Neugründung 1990 bis heute ist der Spielplan des ThiK bekannt dafür, neben der Berücksichtigung verschiedener Sparten (Sprechtheater, Musiktheater, Zirkus, Tanz) auch explizit Theater für alle Altersgruppen auf die Bühne zu bringen. In unregelmässigen Abständen sind im Theaterhaus auch Artists in Residence zu Gast, welche eigene Produktionen proben im ThiK (ur-)aufführen. Ergänzt wird das jährliche Programm durch Eigenformate. Wichtig ist dabei wie schon früher bei der Claque der Fokus auf Kinder und Jugendliche oder Schauspielende, die am Anfang ihrer Karriere stehen. Das Theater führt zum Beispiel einen Jugendclub in Kooperation mit dem Kurtheater Baden (Spielclub Baden), organisiert jährlich ein Nachwuchsförderprogramm, und arbeitet mit regionalen Schulen zusammen. Seit dem Jahr 2021 etablierte sich ein regelmässiger kuratorischer Austausch mit dem befreundeten Dresdner Socieataetstheater. Ein langjähriges und regional bekanntes Format ist auch die Matinée "PhiloThiK" – eine philosophische Gesprächsreihe mit einem jährlich wechselnden inhaltlichen Fokus und prominenten Gästen.
Leitung 1968–1972: Anton Keller, Rosemarie Keller 1973–1989: Kollektiv Claque 1990–2002: Andrea Koller-Bill, Anita Rösch Egli 2002–2015: Anita Rösch Egli, Simon Egli 2015–2021: Markus Lerch, Nadine Tobler 2021–2023: Nadine Tobler, Rahel Meyer 2023–heute: Nadine Tobler
Weblinks
Webpräsenz des ThiK Theater im Kornhaus Fotografien von Aufführungen der Claque in den 70er-Jahren von Bernhard Fuchs
Einzelnachweise
Kategorie:Theatergebäude in der Schweiz Kategorie:Theater (Schweiz) Kategorie:Kulturgut von regionaler Bedeutung im Kanton Aargau Baden Kategorie:Umgenutztes Bauwerk im Kanton Aargau Kategorie:Erbaut in den 1950er Jahren Kategorie:Baden AG