Hochland (Eigenschreibweise hochland) war eine katholische Kulturzeitschrift, die 1903 von Carl Muth gegründet wurde. Der Kreis der Autoren war überkonfessionell. Hochland bemühte sich, die Widersprüche zwischen katholischem Glauben und modernem Weltbild aufzuheben und der kirchlichen Lehre den Anschluss an die Moderne zu ermöglichen. Das führte 1911 im „Modernismusstreit“ vorübergehend zur Aufnahme in den Index Librorum Prohibitorum. Von 1933 an erachtete es die Zeitschrift als zentrale Aufgabe, die nationalsozialistische Ideologie zurückzuweisen und zu überwinden. Die Zeitschrift wurde im April 1941 verboten. Im November 1946 wurde sie von Franz Josef Schöningh wiedergegründet. Ab 1971 hieß sie Neues Hochland (Eigenschreibweise neues hochland). 1974 stellte sie ihr Erscheinen ein.

Selbstverständnis und Mitarbeiter Hochland verstand sich laut Untertitel als „Monatszeitschrift für alle Gebiete des Wissens, der Literatur und Kunst“.

Hauptschriftleiter waren von 1903 bis 1932 Carl Muth, danach bis 1935 Friedrich Fuchs, von 1935 bis 1939 erneut Carl Muth und von 1939 bis 1941 sowie von 1946 bis 1960 Franz Josef Schöningh. Ihm folgte Karl Schaezler.

Hochlandkreis Zum „Hochlandkreis“, der regelmäßig in der Zeitschrift publizierte, gehörten katholische Philosophen und Schriftsteller wie Franz HerwigAnselm Salzer: Illustrierte Geschichte der Deutschen Literatur von den ältesten Zeiten bis zur Gegenwart, Band 5. AVG, Regensburg 1932, S. 2368., Theodor Haecker, Gertrud von le Fort, Reinhold Schneider, Sigrid Undset, Werner Bergengruen, Max Scheler, Romano Guardini, Peter Wust, Alois Dempf, Philipp Funk, Otto Karrer, Joseph Wittig, Joseph Hengesbach, Heinrich Lützeler, Johannes Mumbauer und Konrad Weiß. Auch der Maler und Schriftsteller Richard Seewald, der zum Katholizismus konvertierte, sowie der zum Katholizismus revertierte Mitbegründer des Dadaismus Hugo Ball sind diesem Kreis zuzurechnen.

Weitere Autoren

Carl Schmitt veröffentlichte bis September 1929 im Hochland, gehörte aber nicht zum Hochlandkreis. Bereits 1925 reagierte Alfred von Martin im Hochland mit seinem Beitrag Romantischer Katholizismus und katholische Romantik auf Schmitts in der gleichen Zeitschrift 1924 als Vorabdruck erschienenes Vorwort zu Politische Romantik. Ab 1932 ging das Hochland mit einem Beitrag von Erich Brock auf deutliche Distanz zu Schmitt.Erich Brock: Der Begriff des Politischen, eine Auseinandersetzung mit Carl Schmitt. In: Hochland 29 (1932), Heft 11, S. 394–404.

Schmitts spätere Kritiker Waldemar Gurian und Alfred von Martin schrieben vor und nach der NS-Zeit im Hochland. Die wegen Schmitts Zuwendung zum Nationalsozialismus zum Zerwürfnis führende Auseinandersetzung zwischen Schmitt und seinem Freund Erik Peterson wurde ebenfalls im Hochland geführt. Petersons Beitrag Kaiser Augustus im Urteil des antiken Christentums erschien 1933.

François Mauriac trat 1937 als Autor in Erscheinung.

Im Nationalsozialismus verfolgte, verbotene oder emigrierte Autoren des Hochland Der Kunsthistoriker Otto von Simson, der 1939 wegen seiner jüdischen Abstammung in die USA emigrierte, war von 1937 bis 1938 Redakteur des Hochland, wo er bis 1938Otto Georg von Simson: Raysky. In: Hochland 34 (1936/37), Heft 12, S. 508–511. publizierte. 1949 und 1956 erschienen weitere Beiträge von ihm im Hochland.Wendland, Ulrike: Biographisches Handbuch deutschsprachiger Kunsthistoriker im Exil: Leben und Werk der unter dem Nationalsozialismus verfolgten und vertriebenen Wissenschaftler. Saur, München 1999 (zuerst Diss., Univ. Hamburg 1996), ISBN 3-598-11339-0, Teil 2, S. 644.

Der Nationalökonom Paul Mombert, der 1933 infolge des Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums seinen Lehrstuhl verlor und 1938 an den Folgen der Misshandlungen in der Reichspogromnacht verstarb, veröffentlichte bis 1937 in der Zeitschrift.Paul Mombert: Neue Länder in Weltwirtschaft und Weltpolitik. In: Hochland 32 (1934/35), S. 554–557.Paul Mombert: Die Zunahme der Lebensdauer. In: Hochland 34 (1936/37), Heft 8, S. 152–156.

Die Friedensaktivistin, Pazifistin und Frauenrechtlerin Klara Marie Faßbinder veröffentlichte vor und nach dem Anschluss des Saarlandes in der Zeitschrift.Klara Marie Faßbinder: Zu den letzten Werken Gertrud Bäumers. In: Hochland 34 (1936/37), Heft 12, S. 494–156.

Im August 1939 schrieb Ludwig Bergsträsser eine Rezension unter dem Titel Frankreich wie es wirklich ist.Ludwig Bergsträsser: Frankreich wie es wirklich ist. In: Hochland 36 (1936/37), Heft 11, S. 431–434.

Noch im Februar 1938 veröffentlichte das Hochland eine Rezension des Buches Wesen und Wandlung des Humanismus von Horst Rüdiger durch Herbert Rüssel, der zu dieser Zeit bereits zum zweiten Mal in Haft saß und sowohl seiner politischen Überzeugung als auch des Vorwurfs der Homosexualität wegen verfolgt wurde. Die Rezension war seine letzte Veröffentlichung zu Lebzeiten. 1940 wurde er im KZ Sachsenhausen umgebracht.Herbert Rüssel: Zur Geschichte des Humanismus. In: Hochland 35 (Feb. 1938), Bd. 1, S. 409–411.

Die jüdischen Publizisten und Mitarbeiter der Weltbühne Elias Hurwicz und Rudolf Friedmann veröffentlichten vor und nach der Machtergreifung im Hochland.

Friedmann ging wohl schon 1929 nach Frankreich, konnte aber nach dem deutschen Einmarsch das Land nicht verlassen. Noch 1935 erschien im Hochland sein Beitrag „Frankreich und die panarabische Bewegung“. Am 28. Februar 1945 starb Rudolf Friedmann im Konzentrationslager Buchenwald.

Der später in der DDR zu akademischen Ehren gelangte Autor, Kommunist und marxistische Literaturwissenschaftler Ewald Erb schrieb in der Vorkriegszeit im Hochland. Er war Vorsitzender der sozialistischen Studentenschaft an den Universitäten Bonn und Köln gewesen, was 1933 seine Relegation von der Hochschule zur Folge hatte. Im Februarheft 1937 schreibt Erb in einer Kritik zu der Publikation Masken der Erde von Ilse Schneider-Lengyel folgende Anspielung auf den rosenbergschen „Mythus“ der Zeit: „An der Wiege der Maske stehen furchtbare Erlebnisse und Vorstellungen der Menschheit […] Indem die Menschheit begann, dies zu formen und zu schnitzen, hat sie sich allmählich befreit. Als sie das Produkt anlegte und das Theater erfand, beherrschte sie ihren eigenen Mythus, statt sich von ihm beherrschen zu lassen“ – auch das ein Beispiel für Hochland-Mimikry.

Autoren nach 1945 Bekannte Autoren der Nachkriegszeit waren Ernst-Wolfgang Böckenförde, Robert Spaemann, Hans Blumenberg, Walter Warnach und Wolfgang Grözinger sowie von 1972 bis 1974 (von neues hochland)Walter Habel (Hrsg.): Wer ist wer? Das deutsche Who’s who. 24. Ausgabe. Schmidt-Römhild, Lübeck 1985, ISBN 3-7950-2005-0, S. 766. Helmut Lindemann.

Hilde Domin veröffentlichte nach der Rückkehr aus dem Exil ihr erstes Gedicht in deutscher Sprache in Hochland und publizierte in den folgenden Jahren mehrfach in der Zeitschrift.

Position Das Hochland zeitigte, so schreibt Ulrich Bröckling, (im katholischen Milieu Deutschlands) seit seiner Gründung die nachhaltigste Wirkung unter allen Öffnungsversuchen (zu den intellektuellen, künstlerischen und ökonomischen Entwicklungen im außerkatholischen Raum).Ulrich Bröckling: Katholische Intellektuelle in der Weimarer Republik. Fink, München 1993, ISBN 3-7705-2808-5, S. 31. Die Zeitschrift gilt als ein bedeutendes Publikationsorgan des deutschen Renouveau catholique.Frank-Lothar Kroll: Intellektueller Widerstand im Dritten Reich. Heinrich Lützeler und der Nationalsozialismus. Duncker & Humblot, Berlin 2011, ISBN 978-3-428-52822-6, S. 55. Sie wollte einerseits ein Spiegelbild der intellektuellen Strömungen im römischen Katholizismus im deutschsprachigen Raum sein und nicht zuletzt diesen Meinungen Gehör verschaffen, andererseits sah sie sich auch als innerkatholisches Organ an, das sich kritisch mit den Positionen der katholischen Lehre auseinandersetzte, ohne dabei den Boden der Katholizität verlassen zu wollen. Im Spektrum dieses Umfeldes, nämlich des katholischen Milieus, vertrat sie bis zu ihrem Verbot 1941 den reformerischen Flügel, auch wenn sie sich konservativen Stimmen nicht verschloss. Rolf Schneider bezeichnete sie in seiner Rezension des Buches Ludwig von Ficker: Briefwechsel 1909–1914 sogar als eine linkskatholische Zeitschrift.Rolf Schneider: Trotzig, Briefe Ludwig von Fickers. In: Die Zeit, 4. Dezember 1987.

In der Weimarer Republik stützte die große Mehrheit ihrer später als Soziologen oder Publizisten bekannt gewordenen Autoren die Republik. Es findet sich kaum einer, der ein Befürworter des Nationalsozialismus war. Carl Schmitt, der von dem langjährigen Hochland-Autor Waldemar Gurian als „Kronjurist des NS“ bezeichnet wurde, wurde seit 1930, etwa von dem Zeitpunkt an, an dem sich seine Hinwendung zum autoritären Staat zeigte, im Hochland nicht mehr veröffentlicht. Gurian veröffentlichte vor und nach 1945 im Hochland. In der theologischen Diskussion stand die Zeitschrift für konfessionelle Verständigung und Brückenbau zum Protestantismus. Thomas Pittrof schrieb 2015: „es ist manchem in der Amtskirche ein Dorn im Auge, dass Karl Muth in dieser Revue nicht nur katholische, sondern eben auch protestantische Stimmen zu Wort kommen lässt.“Thomas Pittrof: Die Zeitschrift ‚Hochland‘ und ihr Gründer im Ersten Weltkrieg und in der Weimarer Republik. Webveröffentlichung als PDF (S. 3–4)

Hochland war ein wichtiges Publikationsorgan Theodor Haeckers. 1927 begann Haecker eine Besprechung des von ihm selbst übersetzten Buches Die Juden von Hilaire Belloc mit der Feststellung: „Der unmittelbare Anlass zu Hilaire Belloc’s ‚Die Juden‘ ist die Befürchtung neuer Judenverfolgungen oder doch neuer Haßgefühle und Feindseligkeiten“, und schloss mit dem Satz: „er (der Übersetzer) hat das Werk für das deutsche Vok und die Juden in Deutschland übersetzt mit keiner anderen Absicht und Gesinnung als eben dieser: Friede sei Israel!“Theodor Haecker: Zur europäischen Judenfrage. In: Hochland 24 (1926/27), S. 607–609. Auch durch die Mitwirkung jüdischer Autoren bzw. von Autoren mit teilweise jüdischer Abkunft vor und nach dem Krieg ist die ablehnende Haltung der Zeitschrift zum Antisemitismus belegbar. Selbst nach 1933 konnten jüdische Autoren im Hochland unter Pseudonym bis kurz vor Ausbruch des Krieges veröffentlichen.

Die Zeitschrift Hochland verband nach 1933 Zeitdiagnose und Zeitkritik und beleuchtete kritisch die Folgen nationalsozialistischer Herrschaft.Peter Steinbach: in: Franz Schnabel, Der Historiker des freiheitlichen Verfassungsstaates, Einladung aus Anlass des 65. Jahrestages des Umsturzversuches vom 20. Juli 1944 (PDF) Im März 1933, als Hitler bereits Reichskanzler war, erschien im Hochland ein Artikel von Elias Hurwicz unter dem Pseudonym Ferdinand Muralt. Der jüdische Autor setzt sich mit verschiedenen Aspekten des Nationalsozialismus kritisch auseinander und kommt am Ende auf die Bildung der sog. Harzburger Front und deren Folgen zu sprechen:

Im Juni 1933 erschien im Hochland der Artikel „Politischer Katholizismus und politische Kultur in Deutschland“. Er kann neben der Anspielung auf Carl Schmitt durchaus als Kritik an der Zustimmung des Zentrums zum Ende März verabschiedeten Ermächtigungsgesetz verstanden werden. Auch dieser Artikel stammt von Elias Hurwicz, dessen Bücher im März 1933 verbrannt worden waren.Liste der verbrannten Bücher Angesichts der Zustimmung zum Ermächtigungsgesetz und der Erklärung der Fuldaer Bischofskonferenz befasste Hurwicz sich mit den Leistungen des Zentrums für die Demokratie in der Weimarer Republik und zitierte im Zusammenhang mit den innenpolitischen Auseinandersetzungen in der Zeit direkt nach dem Ersten Weltkrieg, insbesondere der Ermordung Matthias Erzbergers, aus den Spectator-Briefen von Ernst Troeltsch, wie er sagt, Das folgert Hurwicz aus dem oben Gesagten, um im letzten Kapitel des Artikels die Frage zu stellen, Er fährt fort: