Hans Karl Ludwig von Steiger (* 19. Januar 1859 in Kiesen; † 20. Dezember 1945 in Bern) war ein Schweizer Kupferstecher, Offizier und Kartograph.

Leben Hans von Steiger aus der Patrizierfamilie von Steiger mit dem weissen Steinbock wurde am 19. Januar 1859 in Kiesen geboren. Er war der Sohn von Johann Wilhelm von Steiger, Offizier der niederländischen und britischen Marine, und der Henriette geborene Pigott, aus Capard (Rosenallis, Irland). Von Steiger war seit 1885 verheiratet mit Marie Elisabeth Thormann (1863–1927), Tochter des Ingenieurs Friedrich Thormann. Sie hatten drei Kinder: Fanny Margaretha (1886–1959), Hans Berchtold (1888–1952) und Eduard Werner (1897–1987).

Von Steiger besuchte die Primarschule und das Progymnasium in Thun und die Literarabteilung des Gymnasiums in Bern bis zur Sekunda. Von 1876 bis 1880 absolvierte er die praktische Lehrzeit als Kartograph bei Müllhaupt & Sohn, Bern. Er war ein Sohn von einem Cousin 4. Grades von Sophia Wilhelmine Elisabeth Steiger, der Frau von Friedrich Müllhaupt.

Während dieser Zeit besuchte er auch Vorlesungen an der Universität Bern. Nach beendigter Lehrzeit verblieb er als Angestellter in der Firma und war hauptsächlich mit dem Stich der Siegfriedkarte im Massstab 1:25'000 beschäftigt. 1884 begab sich von Steiger nach Paris, er war dort im Atelier HelléLaut Auskunft von Aurore Barreau des Département Droit, économie, politique der Bibliothèque nationale de France vom 26. Juni 2024 gab es ein Atelier «Hellé», das 1884 aktiv war. Laut dem Verzeichnis (Didot-Bottin) war es auf «Stahl- und Kupferstich», «Architekturgravur» und «Holzschnitt» spezialisiert und war in der Rue de Seine in Paris tätig. als kartographischer Kupferstecher tätig.

Am 1. Februar 1885 trat von Steiger in das Eidgenössische Topographische Bureau in Bern als Kupferstecher ein. Zu seiner weitern Ausbildung hörte er Vorlesungen an der Berner Universität in geologischer, mineralogischer, kartographischer und geographischer Richtung. Nicht alle Ingenieure waren so begnadete Felszeichner wie Xaver Imfeld, Leonz Held, Fridolin Becker oder Charles Jacot-Guillarmod. So wurde er in den achtziger Jahren des 19. Jahrhunderts bei schlechten Felszeichnungen ins «Feld» geschickt, um die Felsstich-Vorlagen in der Natur selbst zu zeichnen. 1896 wurde er vom Bundesrat zum Chef des Kupferstiches gewählt.

1898 gehörte er dem Denkmalkomitee zur Jahrhundert-Feier vom 5. März 1898 zum Gedenken an die Schlacht bei Neuenegg an. 1902 war er bei der Rettung des 25-jährigen Mitarbeiters Emil Krause nach dessen Bergunfall beim Niederhorn beteiligt.

Am 1. April 1910 wurde er nach der Reorganisation der Eidgenössischen Landestopographie zum Chef der Sektion für Reproduktion gewählt. Zitat: «Die Organisation der bestehenden Sektion für Reproduktion ging aus der ursprünglichen Kupferstichabteilung hervor und erfolgte 1910.» Am 1. April 1921 erfolgte seine Wahl zum Direktor der Abteilung für Landestopographie als Nachfolger von Leonz Held. Unter von Steigers Direktion wurde die Fotogrammetrie definitiv eingeführt sowie Kartenproben für die neuen Kartenwerke (Massstab 1:25'000 und 1:50'000) erstellt.

Im Militär war von Steiger von 1891 bis 1909 Teil des Korps der eingeteilten Generalstabsoffiziere. Er bekleidete seit 1899 den Grad eines Obersten im Generalstab. Während des Aktivdienstes zur Zeit des Ersten Weltkriegs versah er für einige Zeit den Posten des Kommandanten der Hauensteinbefestigungen(siehe Fuhrer, S. 225 + Anmerkungen 40 und 44 auf S. 585). im Gefolge der Obersten-Affäre. Zitat: «Die Oberstenaffäre hatte auf die Fortifikation Hauenstein direkte Auswirkungen. Auf Befehl des Generals übernahm Karl Egli das Kommando, und Divisionär Schiess wurde abgelöst. Diese ‹Wegbeförderung› des umstrittenen Obersten dauerte aber wegen der Zuspitzung des Falles in Bern nur einen Monat, bis zum 20. Januar 1916. Auf den 21. Januar musste Schiess das Kommando wieder übernehmen. Der Generalstabschef hatte ihm grosszügig Urlaub zugesagt, um ihm die Situation zu erleichtern. Da seine Ablösung jedoch beschlossen war, suchte man einen Nachfolger und fand diesen schliesslich im Berner Obersten Hans von Steiger, früherer Kommandant der Infanterie-Brigade 8. Divisionär Schiess wurde unter ‹Verdankung der geleisteten Dienste› entlassen. Diese personellen Turbulenzen gingen auch am Befestigungsbau nicht spurlos vorüber. Egli war zwar sogleich aktiv geworden und hatte am 12. Januar 1916 eine ‹Instruktion über Anlage von Befestigungen am Hauenstein› verfasst. Diese Ideen wurden jedoch zwangsläufig nicht weiter verfolgt. […] Der neue Kommandant, Oberst von Steiger, nahm die Ausbauwünsche seines Vorgängers auf und richtete am 21. Februar ein erstes Gesuch an den Generalstabschef. […]»

Zuvor bekleidete er folgende Grade und Kommandos: Leutnant 1880, Oberleutnant 1883, Hauptmann 1887, Major 1893, Oberstleutnant 1899, Oberst 1905. Von 1895 bis 1897 war er Kommandant des Infanterie-Bataillons 31, von 1898 bis 1902 Stabschef der 3. Division und von 1906 bis 1909 Stabschef des 4. Armeekorps. 1905 war er zudem Kommandant des Infanterie-Regiments 12, 1907 Kommandant der Infanterie-Brigade 7, 1911 Kommandant der Infanterie-Brigade 6, und von 1912 bis 1918 der Infanterie-Brigade 8.

Auf den 1. Mai 1929 gewährte der Schweizerische Bundesrat von Steiger auf sein Gesuch die Entlassung als Direktor der Eidgenössischen Landestopographie unter Verdankung der geleisteten Dienste Zitat: «Herr Oberst Hans von Steiger, Direktor der Abteilung für Landestopographie, wird, gemäss seinem Ansuchen und unter Verdankung der geleisteten Dienste, auf 1. Mai 1929 entlassen.» und wählte am 30. Mai auf den 1. Juni 1929 Dipl.-Ing. Karl Schneider, den bisherigen Chef der Sektion für Topographie dieser Abteilung, als neuen Direktor.Protokoll der 41. Sitzung des schweizerischen Bundesrates vom Donnerstag, 30. Mai 1929. [Nr.] 987: «Als Direktor der Abteilung für Landestopographie wird gewählt, Major Karl Schneider, dipl. Ingenieur, geb. 1886, von Diesbach bei Büren a/A., bisher Chef der Sektion für Topographie […]»

1925 nahm von Steiger als Ehrengabe des Schweizerischen Bundesrats an den Direktor der Eidgenössischen Landestopographie eine Statuette von Adrian von Bubenberg entgegen. Zitat: «1925 wurde abermals ein Abguss ausgeführt, dieses Mal als Ehrengabe des Bundesrats an den Direktor der Eidgenössischen Landestopographie, Oberst Hans von Steiger. In einem Dankesbrief an das Kunstmuseum schrieb der Geehrte, ‹dass anlässlich der Ausstellung der Entwürfe für das Bubenbergdenkmal der an bescheidener Stelle aufgestellte, kleine, jeder ‚Pose‘ bar, aber vornehm und kraftvoll wirkende Entwurf Stauffers mir am besten gefallen, mich ‚gepackt‘ hat›. Letztes Jahr gelangte diese Bronzestatuette nun als Schenkung der Familie von Steiger nach Spiez.» Zitat: «Auch der eherne Adrian von Bubenberg (Geschenk an alt Direktor von Steiger) hat gut präsentiert, doch wäre der Adrian sicher lieber ungestört geblieben. Bestimmt sind diese Ehrungen gut gemeint gewesen.»

1931 widersprach er Albert Heim in der Debatte zur Frage «warum sind Schweizer Karten aus Nordwesten beleuchtet».

Von Steiger gehörte der Gesellschaft zu Ober-Gerwern an, war Mitglied des Offiziersvereins der Stadt Bern, der Geographischen Gesellschaft Bern Zitat: «von Steiger, Hans, Kupferstecher beim Eidg. Topogr. Bureau, Bierhübeliweg 13.» und seit 1897 Mitglied der Bernischen Naturforschenden Gesellschaft. Zitat: «[S. XIX] Aufnahmen im Jahre 1897. v. Steiger, H., Major, Bern.»

Er starb am 20. Dezember 1945 Zitat: «20. [Dezember] […] Bern, Oberst Hans von Steiger-Thormann, gew. Direktor der Landestopographie, geb. 1859.» mit 87 Jahren als ältester Oberst in Bern.

Veröffentlichungen Der Ausbruch des Lammbaches am 31. Mai 1896. Bern 1896. Die Ausbrüche des Lammbaches. In: Mittheilungen der Naturforschenden Gesellschaft in Bern. 1896. Obere Grenze des diluvialen Aaregletschers und Rhone-Inlandeises zur Zeit ihres höchsten nachweislichen Standes (approxim.). Nach den Angaben der Gletscherkarte von A. Favre, aufgefasst als linksseitiges Itinerarium und projicirt auf eine zur Meeresfläche senkrechte Ebene. . In: Armin Baltzer: Der diluviale Aargletscher und seine Ablagerungen in der Gegend von Bern (= Beiträge zur geologischen Karte der Schweiz. Lfg. 30).

Literatur Eine Debatte über das Licht in der Karte. 2023. Dominik Wunderlin: «gefragt, was wir eigentlich tun wollen …». In: Baselbieter Blätter. Band 79, 2014, S. 4. Zitat: «Mit Oberst v. Steiger wurde die von Major Freienmuth abgesteckte Infanterie-Stellung Schellenberg – Ankenballe – Dürstel rekognosziert, über die uns dann vom Regiments-Kommando 45 und Abschn.-Ing. Hauptmann Rüetschi noch nähere Orientierungen gegeben wurden.» Martin Rickenbacher: Die Standorte des Eidgenössischen topographischen Bureaus und der Landestopographie von 1838 bis heute. 2014.

Paul Caminada: Pioniere der Alpentopografie – Die Geschichte der Schweizer Kartenkunst. 2003, S. 210–211. Zitat: «Hans von Steiger aus Bern lebte von 1859–1945. Er besuchte bis 1875 das Progymnasium in Thun und machte anschliessend eine vierjährige Kartographenlehre bei Müllhaupt & Sohn. Zur Weiterbildung hielt er sich in der Folge in Paris auf und bereiste Deutschland. Zwischen 1880 und 1884 arbeitete von Steiger als Kartograph und Kupferstecher bei Müllhaupt & Sohn und ab 1885 als Kupferstecher im Eidgenössischen Topographischen Bureau. Waren Felszeichnungen mangelhaft gezeichnet, so begab sich Hans von Steiger ins ‹Feld› um ‹seine Felsstich-Vorlage in der Natur selbst zu zeichnen›. 1886 wurde er Chef der Sektion für Reproduktion. Von 1921 bis 1929 war von Steiger als Nachfolger von Leonz Held Direktor der Eidgenössischen Landestopographie. Hans von Steiger war während 44 Jahren im Dienst der Militärverwaltung des Bundes im Kartenwesen tätig. Nach 1920 entbrannte in den Sektionen des SAC sowie bei den wissenschaftlichen, technischen und militärischen Stellen eine heftige Diskussion über Zweck und Massstab der neu zu erstellenden Karten. Die von 1922 bis 1927 eingesetzte Militärkartenkommission behandelte die wichtigsten Fragen über die Herstellung neuer Armeekarten. Hans von Steiger wurde 1905 Oberst im Generalstab und in der Folge Brigadier sowie Kommandant der Festungen am Hauenstein.» Klaus Hentschel, Ann Hentschel: An Engraver in nineteenth-century Paris –The Career of Pierre Dulos. In: French History. 15, 2001, Nr. 1, S. 65–102. Zitat: «That the premises at rue de Seine no. 34 must have been ideal for Dulos’s engraving business is underscored by the fact that the basement office and atelier with three and six windows, respectively, continued to be rented out to engravers after Dulos’s death: from 1877 until 1895, Eugène Hellé, graveur sur métaux and a former subcontractor of Dulos for the Atlas des Ports de France […] occupied these workshop rooms, who in turn was succeeded by a Monsieur Cueille, graveur par procédés chimiques en photogravure, resident of Meudon, rue de la Bourgogne, no. 10.» Hans Rudolf Fuhrer: Die Schweizer Armee im Ersten Weltkrieg. Bedrohung, Landesverteidigung und Landesbefestigung. 1999 (enthält: Die Fortifikation Hauenstein. S. 277–326).