Gerhard „Niko“ Nikolaus (* 31. Januar 1948 in Cuxhaven; † 31. März 2023 ebenda) war ein deutscher Ornithologe und Naturschützer.

Leben und Wirken Nikolaus interessierte sich schon früh für die Vogelbeobachtung. Nach dem Studium der Kulturtechnik und Wasserwirtschaft in Suderburg konzentrierte sich sein berufliches Interesse hauptsächlich auf die Ornithologie.

Für seine wissenschaftlichen Untersuchungen nutzte er bevorzugt die Methode der Vogelberingung. So engagierte er sich ab 1971 als Vogelwächter an den Knechtsänden als Beringer für das Institut für Vogelforschung „Vogelwarte Helgoland“. Auch war er für die Vogelwarte Radolfzell tätig. Die meisten Vögel beringte er allerdings außerhalb Deutschlands. Selbst unter schwierigsten Bedingungen gelang es ihm immer wieder, entsprechende Zielarten zu fangen und zu beringen.

Nikolaus unternahm zahlreiche Reisen in verschiedene Regionen der Welt. Zu erwähnen sind insbesondere seine langjährigen Forschungen über die Avifauna Afrikas. Ab 1977 beringte er in größerem Umfang Vögel im Sudan. Seine Publikationen Distribution Atlas of Sudan’s Birds with notes on Habitat and Status (1987) oder gemeinsam mit John Sidney Ash Birds of South Sudan (1989) zeigen sein Engagement zur Erforschung von Vögeln in einem bis dato wenig erforschten Verbreitungsgebiet. Zusätzlich publizierte er mehrere kleinere Artikel zur Avifauna des Landes, z. B. Notes on some birds new to South Sudan (1979), The first record of the Basra reed warbler in the Sudan (1979) oder Palearctic migrants new to the North Sudan (1981).

Später folgten Forschungsreisen, unter anderem nach Guinea, Kenia, Marokko, Nigeria, Oman, Saudi-Arabien, Russland und in die Ukraine. Nikolaus bemühte sich, neben seinen eigenen Beringungen auch Wiederfunde in diesen Gebieten zu sichern. So besuchte er beispielsweise die Vogelmärkte in diesen Ländern und kaufte den Händlern viele beringte Vögel ab. Die Daten ließ er den Beringungszentralen zukommen, wobei er seine Ergebnisse auch Kollegen und anderen Interessierten zur Verfügung stellte.

Neben Vögeln sammelte Nikolaus auch Säugetiere.Olaf Geiter (2023), S. 222. So sind zum Beispiel im Museum Koenig die von ihm gesammelten Exemplare der nach Gordon Barclay Corbet benannten Corbet-Waldspitzmaus (Sylvisorex corbeti), der Westlichen Lamellenzahnratte (Otomys occidentalis) und der Dunklen Weichhaarmaus (Praomys obscurus) zu finden.Rainer Hutterer u. a. (2010), S. 3–27. Im Staatlichen Museum für Naturkunde Stuttgart befinden sich einige seiner Sammlerstücke, darunter zum Beispiel die Hartwigs Weichhaarmaus (Praomys hartwigi , 1968) oder die nach ihm und seiner Frau benannten Mäuse.Fritz Dieterlen u. a. (2013), S. 296, 298, 300 & 301. Im Field Museum of Natural History befindet sich zumindest ein Vogelbalg der Zimtweber-Unterart (Ploceus badius axillaris (, 1867)).FMNH 343180 Ploceus badius axillaris

Nikolaus verstarb infolge einer Krebserkrankung. Seine Asche wurde auf seinen Wunsch hin in der Nordsee verstreut.

Trivia Im Jahr 2014 berichteten Der Spiegel und Die Tageszeitung über einen Zwischenfall im Air-France-Flug AF724 nach Guinea. Nikolaus befand sich als Vertreter Niedersachsens auf dem Weg nach Guinea, um dort Vögel zu zählen. In Paris wurden zwei Abschiebehäftlinge an Bord gebracht. Zunächst bat Nikolaus darum, ihm einen anderen Platz zuzuweisen, da er die Schreie der Afrikaner nicht ertragen konnte. Als dies aus Platzmangel abgelehnt wurde, bat er die Polizisten, den Flüchtlingen zumindest die Handschellen zu lockern. Die Situation eskalierte und Nikolaus wurde mit zwei anderen Passagieren aus dem Flugzeug geleitet. Bei seiner Rückkehr nach Bremen wurde ihm erklärt, dass er sich als Repräsentant des Landes Niedersachsen nicht in die Angelegenheit hätte einmischen dürfen und er somit kein Ersatzticket mehr für das Vogelzählungsprojekt erhalten würde.Thomas Schuhmacher (2014), S. 22.Jürgen Dahlkamp u. a. (2014), S. 90.

Erstbeschreibungen durch Gerhard Nikolaus Nikolaus beschrieb für die Wissenschaft einige neue Unterarten. Dabei publizierte er auch gemeinsam mit John Sidney Ash, David John Pearson und Peter Robert Colston. Zu den Unterarten gehören chronologisch unter anderem.: Nataldrossel (Geokichla guttata maxis , 1982) Teichrohrsänger (Acrocephalus scirpaceus avicenniae , , & , 1989)

Dedikationsnamen Renate van den Elzen und Claus König beschrieben 1983 die Senegalbrillenvogel-Unterart Zosterops senegalensis gerhardi, die sie zu Nikolaus’ Ehren benannten.Renate van den Elzen u. a. (1983), S. 164. 1978 widmeten ihm Fritz Dieterlen und Hans Rupp den wissenschaftlichen Namen der Riesenklettermaus (Megadendromus nikolausi).Fritz Dieterlen u. a. (1978), S. 130. Seine Frau Marlies Minna (geb. Raguschat) wurde im wissenschaftlichen Namen der Äthiopien-Akazienmaus (Grammomys minnae) bedacht.Rainer Hutterer u. a. (1984), S. 10.

Publikationen (Auswahl)

Literatur

Einzelnachweise

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