John Bulwer (getauft am 16. Mai 1606 in London; † 16. Oktober 1656 ebenda)Richards, G. ‘Bulwer, John (bap. 1606, died 1656)’, Oxford Dictionary of National Biography, Oxford University Press, Sept 2004; online edition war ein englischer Arzt und früher Naturphilosoph der Baconischen Methode nach Francis Bacon.Wollock, J (1996). John Bulwer and his Italian sources. In Mirko Tavoni (Ed.), Italia ed Europa nella linguisticadel Rinascimento, Atti del convegno internazionale, 20–24 March 1991, Ferrara, p.419 Er verfasste fünf Werke, die sich mit dem Körper und der menschlichen Kommunikation (insbesondere durch Gesten) beschäftigten.Wollock, J. (2002). John Bulwer (1606–1656) and the significance of gesture in 17th-century theories of language and cognition. Gesture. 2 (2), Er war der Erste, der die Ausbildung von gehörlosen Menschen in England vorschlug.Dekesel, K. (1992) John Bulwer: The founding father of BSL research, Signpost, Winter 1992 & Spring 1993 P11-14 & p36- 46 Seine Pläne für eine dazu geeignete Akademie skizzierte er in Philocophus and The Dumbe mans academie.

Leben John Bulwer wurde 1606 in London geboren und lebte dort bis zu seinem Tod im Oktober 1656. Er wurde in St Giles-in-the-Fields begraben.

Bulwer war der einzig überlebende Sohn des Apothekers Thomas Bulwer und von Marie Evans aus St Albans. Nach dem Tod der Eltern 1638 erbte er dort ein Anwesen, aus dem er ein kleines Einkommen erzielte.Wollock, J (1996). John Bulwer and his Italian sources. In Mirko Tavoni (Ed.), Italia ed Europa nella linguisticadel Rinascimento, Atti del convegno internazionale, 20–24 March 1991, Ferrara, p.420

Obwohl es keine genauen Informationen über seine Ausbildung gibt, sind Hinweise vorhanden, dass er wahrscheinlich in den 1620ern als nicht immatrikulierter Student in Oxford ausgebildet wurde. Seine bekannten Freunde waren fast alle dort ausgebildet wurden. Er unterstützte William Laud und die High Church party während des Bürgerkriegs.Wollock, J. (1996a) John Bulwer and his Italian sources. In Mirko Tavoni (Ed.), Italia ed Europa nella linguisticadel Rinascimento (Atti del convegno internazionale, Ferrara, 20–24 March 1991) p419-420 Später erwarb er zwischen 1650 und 1653 einen Medicinae Doctor (M.D.) an einer nicht bekannten europäischen Universität.

1634 heiratete er eine Frau, die nur als „Widow of Middleton“ bekannt ist und vor ihm starb.Wollock, J (1996). John Bulwer’s (1606–1656) place in the history of the deaf. Historiographia Linguistica, 23, 1/2, p2. Aus dieser Ehe sind keine Kinder bekannt. Später adoptierte er ein Mädchen namens Chirothea Johnson und zog sie von Kindheit an wie sein eigenes Kind auf. Sie könnte taub gewesen sein.Wollock, J (1996). John Bulwer’s (1606–1656) place in the history of the deaf. Historiographia Linguistica, 23, 1/2, p34.Dekesel, K (1992). John Bulwer: The founding father of BSL research, Signpost, (Winter 1992 & Spring 1993) P38

Veröffentlichte Werke Während des englischen Bürgerkriegs gab Bulwer seine Tätigkeit als Arzt auf und konzentrierte sich auf sein Studium und das Schreiben. Alle seine Schriften entstanden zwischen 1640 und etwa 1653. Insgesamt veröffentlichte Bulwer fünf Werke, die alle entweder frühe Beispiele oder die ersten ihrer Art waren.Geen, R & Tassinary L G (2002). The mechanization of emotional expression in John Bulwer’s Pathomyotomia (1649), in The American Journal of Psychology, Vol. 115, No. 2, (Summer, 2002), pp. 275-299Greenblatt, S (1995). Towards a universal language of motion: Reflections on a 17th century muscle man. In: Susan Leigh Foster Choreographing History. Bloomington & Indianapolis: Indiana University Press. p25-30Norman, H J (1953). 'John Bulwer and his Anthropometamorphosis'. In Science, Medicine and History: essays on the evolution of scientific thought and medical practice written in honour of Charles Singer, 2, ed. E.A. Underwood, (1953), 82-99.Wollock, J (1996). John Bulwer’s (1606–1656) place in the history of the deaf. Historiographia Linguistica, 23, 1/2, p1–46.Dekesel, K (1992). John Bulwer: The founding father of BSL research, Signpost, (Winter 1992 & Spring 1993) P11-14 & p36- 46

Chirologia und Chironomia links|hochkant|mini|Chirogramm aus Chirologia, 1644. Chirologia: oder the naturall language of the hand. Composed of the speaking motions, and discoursing gestures thereof. Hinzu kommt Chironomia: oder the art of manuall rhetoricke. Consisting of the natural expressions, digested by art in the hand, as the chiefest instrument of eloquence. London: Thomas Harper. 1644.

Chirologia und Chironomia wurden als gemeinsamer Band herausgegeben, obwohl Bulwer sie als getrennte Werke bezeichnete. Francis Bacon hatte Gesten als „vorübergehende Hieroglyphen“ beschrieben und vorgeschlagen, dass Gesten im Mittelpunkt einer neuen wissenschaftlichen Untersuchung stehen sollten. Bulwer war der Erste, der sich dieser Aufgabe annahm. Für Bulwer waren Gesten ein universeller Charakter der Vernunft.

Chirologia wird oft als Bulwers Verbindung zu den späteren Deaf studies zitiert, da es sich auf Handgesten fokussiertWollock, J. (1996b) John Bulwer’s (1606–1656) place in the history of the deaf. Historiographia Linguistica, 23, 1/2, p4, die als Domäne der Gehörlosenkommunikation angesehen werden. Tatsächlich werden Gehörlose in diesem Buch nur am Rande erwähnt.Bulwer, J. (1644). Chirologia: or the naturall language of the hand. Composed of the speaking motions, and discoursing gestures thereof. Whereunto is added Chironomia: or, the art of manuall rhetoricke. Consisting of the naturall expressions, digested by art in the hand, as the chiefest instrument of eloquence. London: Thomas Harper. 1644. p. 5. Er glaubte, es sei eine Gabe der Natur, dass Gehörlose durch Gesten kommunizieren, „jenes notwendiges Wunder, das die Natur in Menschen bewirkt, die taub und stumm geboren sind; die rhetorisch durch Zeichen argumentieren und diskutieren können“ (Seite 5). Die in Chirologia beschriebenen Handformen werden noch immer in der British Sign Language verwendet.Miles. D (1988) A Beginners Guide; BBC British Sign Language, p. 15. Darin wird auch das Fingeralphabet erwähnt und Bulwer beschreibt wie „die die Menschen des Altertums … ein Alphabet auf den Gelenken ihrer Finger anordneten … und diese Buchstaben in einer deutlichen und grammatikalischen Abfolge zeigten“. Zusätzlich zu der Verwendung als Mnemotechnik schlägt Bulwer vor, dass manuelle Alphabete bzw. Handalphabete als „geheime Chiffren für geheime Andeutungen verwendet werden könnten“ (Chironomia, S. 149). Chirologia ist insgesamt ein Gesamtwerk manueller Gesten, deren Bedeutung und Verwendung aus einer Vielzahl von literarischen, religiösen und medizinischen Quellen zitiert wurde. Chironomia ist ein Handbuch für den effektiven Einsatz von Gesten beim öffentlichen Sprechen der damaligen Zeit.

Philocophus und Pathomyotomia mini|links|hochkant|alt=Frontispiece from Philocophus 1648|Frontispiece-Gravur von Philocophus, die einen tauben Mann zeigt, der Musik über Schallweiterleitung (Knochenleitung) über die Zähne „hört“. Philocophus: oder the deafe and dumbe mans friend. Exhibiting the philosophicall verity of that subtile art, which may inable one with an observant eie, to heare what any man speaks by the moving of his lips. Upon the same ground, with the advantage of an historical exemplification, apparently proving, that a man borne deafe and dumbe, may be taught to heare the sound of words with his eie, & thence learne to speake with his tongue. von J. B. mit dem Beinamen Chirosopher, London: Humphrey Moseley 1648.Reprinted by the British Deaf History Society ISBN 1-902427-24-6

Bulwer war die erste Person im Vereinigten Königreich, die es in Betracht zog, Gehörlose zu unterrichten. Die Neuheit dieser Idee zeigte sich, als Bulwer versuchte „einige vernünftige Männer“ zu überzeugen, die Gründung einer „neuen Akademie“ zu unterstützen. Für viele „erschien der Versuch paradox, ungeheuerlich und übertrieben; er amüsierte sie eher, als dass er sie zufriedenstellte“ (aus der Einleitung). Um diese „wissenden Männer“ von der „philosophischen Wahrheit dieser Kunst“ (Ausbildung der Gehörlosen) zu überzeugen, erklärte er in diesem Band die Theorie und die empirischen Beweise zu deren Möglichkeit. Einige Quellen stammten aus dem Bericht von Sir Kenelm Digby über ein Treffen zwischen dem Prince of Wales und dem gehörlosen spanischen Adligen Don Luis Velasco. Bulwer befasst sich nicht nur mit diesem Bericht, sondern sammelt auch Informationen über gehörlose Menschen, die zu dieser Zeit im Vereinigten Königreich leben.Bulwer, J. (1648). Philocophus: or, the deafe and dumbe mans friend. Exhibiting the philosophicall verity of that subtile art, which may inable one with an observant eie, to heare what any man speaks by the moving of his lips. Upon the same ground, with the advantage of an historical exemplification, apparently proving, that a man borne deafe and dumbe, may be taught to heare the sound of words with his eie, & thence learne to speake with his tongue.; By I. B. sirnamed the Chirosopher London: Humphrey Moseley. p106-109 Durch Beobachtungen, dass manche Gehörlose die von Musikinstrumenten erzeugten Vibrationen durch Knochenleitung über die Zähne „hören“ konnten, gelangte er zu der Überzeugung, dass der Körper über eine Vielzahl von Sinnen verfügt, sodass man beispielsweise mit dem Auge durch Lippenlesen Sprache wahrnehmen könnte.Bulwer, J. (1648). Philocophus: or, the deafe and dumbe mans friend. Exhibiting the philosophicall verity of that subtile art, which may inable one with an observant eie, to heare what any man speaks by the moving of his lips. Upon the same ground, with the advantage of an historical exemplification, apparently proving, that a man borne deafe and dumbe, may be taught to heare the sound of words with his eie, & thence learne to speake with his tongue.; By I. B. sirnamed the Chirosopher London: Humphrey Moseley. from the unnumbered introduction

Pathomyotomia oder a Dissection of the significant Muscles of the Affections of the Mind. Being an Essay to a new Method of observing the most important movings of the Muscles of the Head, as they are the neerest and Immediate Organs of the Voluntarie or Impetuous motions of the Mind. With the Proposall of a new Nomenclature of the Muscles. London: Humphrey Moseley. 1649

Pathomyotomia war die erste umfangreiche englischsprachige Arbeit zu den muskulären Grundlagen emotionaler Ausdrücke.Greenblatt, S. (1995). Towards a universal language of motion: Reflections on a 17th century muscle man. In: Susan Leigh Foster Choreographing History. Bloomington & Indianapolis: Indiana University Press p26 Bulwers Ziel war es ein neues und intuitiveres System zur Benennung der Gesichtsmuskeln zu präsentieren. In diesem System wurden die Muskeln nach den Leidenschaften benannt, die sie ausdrücken. Es sollte 200 Jahre dauern, bis ähnliche Ideen in Mecanisme de la Physiognomie Humaine (1862) des französischen Anatomen und Elektrophysiologen Guillaume-Benjamin-Amand Duchenne de Boulogne auftauchten. Die andere Beobachtung von Duchenne war, welche Bulwer bereits vorweg nahm, dass die Kontraktion des orbicularis oculi (Muskels, der das Auge umgibt) echtes Lächeln der Freude begleitet, aber nicht bei trügerischem oder freudlosem Lächeln auftritt.Geen, T.R. & Tassinary, L.G. (2002). The mechanization of emotional expression in John Bulwer’s "Pathomyotomia." American Journal of Psychology, 115(2) pp. 275-299

Anthropometamorphosis Anthropometamorphosis: Man Transform’d oder the Artificial Changeling. Historically presented, in the mad and cruel Gallantry, foolish Bravery, ridiculous Beauty, filthy Fineness, and loathesome Loveliness of most Nations, fashioning & altering their Bodies from the Mould intended by Nature. With a Vindication of the Regular Beauty and Honesty of Nature, and an Appendix of the Pedigree of the English Gallant. London: J. Hardesty. 1650