mini|hochkant|Wappen derer von Haupt von 1693 (böhmischer Ritterstand für Heinrich Haupt) Haupt ist der Name eines aus Breslau stammenden Briefadelsgeschlechts, das über 30 Jahre im Breslauer Rat vertreten war. Der Stammvater des Geschlechts, Heinrich von Haupt (1633–1702), erlangte im Jahr 1693 den böhmischen Ritterstand. 1774 folgte für zwei seiner Nachfahren, die Brüder Philipp Jakob Christoph und Bernhard von Haupt, die Erhebung in den Reichsadelsstand. 1816 wurde Bernhard von Haupt in die bayerische Adelsmatrikel aufgenommen.

Die Familie ist zu unterscheiden von dem österreichischen Adelsgeschlecht Haupt, auch wenn sich die beiden Familien 1881 durch Heirat miteinander verbanden.

Auch der 1771 nobilitierte kurkölnische pensionierte Hofkammerrat Bernhard Haupt gehörte nicht zur Breslauer Familie Haupt.Ledebur (1854), S. 329.Hefner (1860), S. 119. Aufgrund der Namensübereinstimmung mit dem zur Breslauer Familie zählenden Kurmainzer Hofkammerrat Bernhard Haupt, wurden die 1771er Nobilitierung und das zugehörige Wappen mit Löwenkopf und Pfeilen von Otto Titan von Hefner, Konrad Blažek und Oskar Pusch fälschlicherweise der Breslauer Familie Haupt zugeordnet.Hefner (1856), S. 82.Blažek (1894), S. 84.Pusch (1987), S. 123.

Geschichte Nach Witzendorff-Rehdiger und abschriftlich Rudolf Stein stammt die Familie von einer Wohlauer Pastorenfamilie Haupt, deren Stammlinie mit David Haupt (* 1565) beginnt:

Diese Behauptung wird von Oskar Pusch angezweifelt. Letzterer folgt Konrad Blažek, der, gestützt auf Johann Sinapius und Albrecht von Reichel, angibt, dass Heinrich von Haupt (1633–1702) aus einer Breslauer Familie stammt. Zur Herkunft von Heinrich von Haupt habe sich in der älteren Literatur nichts finden lassen.Pusch (1987), S. 122.

Heinrich von Haupt (* 1633; † 6. Oktober 1702) war oelsnisch-bernstädtischer Regierungsrat. Am 24. März 1693 wurde er in den böhmischen Ritterstand erhoben. Seine Standeserhöhung wurde im Herzogtum Schlesien publiziert. Heinrich heiratete Anna Dorothea, Tochter des Hauptmanns über die gelbe Kompanie in Breslau, Georg von Saebisch, und Anna Maria Henscher. Am 22. Juni 1774 wurde Bernhard Haupt zusammen mit seinem Bruder, dem fürstlich-würzburgischer wirklicher Hofrat und Regierungsrat Philipp Jakob Christoph Haupt, mit Prädikat „von“, Privilegium Denominandi und Lehenartikel erneut in den Reichsadelsstand erhoben.AT-OeStA/AVA Adel RAA 173.26. Nach Gründung des Königreichs Bayern 1806 wurde Bernhard von Haupt, inzwischen königlich-bayerischer Präfekturrat, am 17. März 1816 in die bayerische Adelsmatrikel aufgenommen.GTdaH (1894), S. 231.Kneschke (1864), S. 247. Die genaue Stammfolge ab Heinrich von Haupt (1633–1702) stellt sich wie folgt dar:

Wappen

Blasonierung des Wappens von 1693 (böhmischer Ritterstand für Heinrich Haupt) Gespalten von Rot und Blau. Vorne ein schwarzer Adlerkopf, hinten drei über Kreuz gelegte silberne Pfeile. Die Helmzier ist nicht überliefert.Kneschke (1864), S. 246.Rietstap (1884), S. 902.Rolland (1903), Tfl. 158.

Blasonierung des Wappens von 1774 (Reichsadelsstand für die Brüder Philipp Jakob Christoph und Bernhard Haupt) In Blau mit goldener Bordierung ein goldgekleideter Mann, den rechten Arm erhoben, mit langem Rock bis an die Knöchel, roter Leibbinde, goldenen Schuhen und goldenem Spitzhut (Tartar). Zwei Helmen I. mit blau-goldenen Decken derselbe Mann zwischen zwei blauen Büffelhörnern.II. gekrönt mit schwarz-silbernen Decken ein gekrönter silberner Schwanenhals hinten mit einem Granatapfel besteckt. Rietstap ordnet dieses Wappen den (von) Haupt in Bayern zu.

Bei der Vergabe des Wappens von 1774 orientierte man sich offensichtlich an den Weißackschen Stammwappen der österreichischen Haupt, jedoch ohne dass eine Abstammung nachzuweisen wäre, auch wenn Otto Titan von Hefner und Adolf Matthias Hildebrandt diese mehr als 80 Jahre später, möglicherweise aufgrund des 1774 vergebenen Wappens, postulieren.Hildebrandt (1857), S. 31. Verwirrenderweise wurde dieses 1774er Wappen wiederum 1884 mit leicht abgewandelter Tingierung und Helmzier den zu den österreichischen Haupt gehörenden Haupt-Hohentrenk verliehen, möglicherweise basierend auf den Veröffentlichungen von Hefner und Hildebrandt.

Literatur Siebmachers Wappenbücher: Haupt. In: Konrad Blažek: Der abgestorbene Adel der preußischen Provinz Schlesien, Teil 3. Nürnberg 1894. S. 84; Tfl. 52. (Online: Text; Tafel). Haupt. In: Otto Titan von Hefner: Blühender Adel deutscher Landschaften – Der Adel des Königreichs Bayern, Nürnberg 1856, S. 82 (digitale-sammlungen.de) und Tfl. 95 (digitale-sammlungen.de). Haupt. In: Adolf Matthias Hildebrandt: Blühender Adel deutscher Landschaften – Der Adel des Königreichs Sachsen, Nürnberg 1857, S. 31 (uni-heidelberg.de) und Tfl. 34 (uni-heidelberg.de). Otto Titan von Hefner: Stammbuch des blühenden und abgestorbenen Adels in Deutschland, 1. Band (A–F), Regensburg 1960, S. 119 (Google Bücher). Ernst Heinrich Kneschke: Neues allgemeines deutsches Adels-Lexicon. Friedrich Voigt, Band 5, Leipzig 1864, S. 246 (Google Bücher).

von Haupt in: Oskar Pusch: Die Breslauer Rats- und Stadtgeschlechter in der Zeit von 1241 bis 1741, Band 2 (G–K). 1987. S. 122–124. (PDF). Johann Sinapius: Schlesischer Curiositäten Erste Vorstellung, Darinnen die ansehnlichen Geschlechter Des Schlesischen Adels, Leipzig 1720, S. 672 f. (Google Bücher). Johannes Baptista Rietstap: Armorial général, Band 1 (A–K) 2. éd., refondue et augm. 1884, S. 902 (hhu.de) (französisch). Henri Victor Rolland: Planches de l’Armorial général de J.–B. Rietstap, Vol. 3 (G–K), Paris/Bruxelles 1903, Tfl. 158 (archive.org). Konrad Tyroff: Wappenbuch des gesammten Adels des Königreichs Bayern, Band 5, Nürnberg 1822, S. 96r (hhu.de). von Haupt. In: Genealogisches Taschenbuch der Adeligen Häuser, 19. Jg., Brünn 1894, S. 231–232 (Google Bücher).

Weblinks Österreichisches Staatsarchiv, AT-OeStA/AVA Adel RAA 173.26 Haupt, Philipp Jakob Christoph, fürstlich würzburgischer wirklicher Hofrat und Regierungsrat, Bernard, Brüder, Adelsstand, „von“, privilegium denominandi, Lehenartikel, 1774.06.22.

Einzelnachweise

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