Der Weberplatz ist ein Platz in der nördlichen Innenstadt der Stadt Essen. Sein Name weist auf die einst hier ansässige Zunft der Weber hin. Zwischen dem Anfang des 17. und zum Anfang des 19. Jahrhunderts befand sich hier mit dem Evangelischen Friedhof die erste protestantische Begräbnisstätte in Essen.

Charakter Der Weberplatz im einstigen Essener Weberviertel liegt zwischen der I. Weberstraße im Osten und der II. Weberstraße im Westen. Die II. Weberstraße wurde am 13. Juni 1966 in Gerswidastraße umbenannt. Südlich wird der Platz von der Kreuzeskirchstraße begrenzt, nördlich liegt die Kastanienallee. Östlich steht seit 1896 die unter Denkmalschutz stehende evangelische Kreuzeskirche. Der Platz bildet die Verbindung zwischen dem sich nordwestlich anschließenden Universitätsviertel sowie der Grünen Mitte und der Essener Stadtmitte.

Umgestaltung des Platzes ab 2027 Eine Umgestaltung des gesamten Platzes zu verbesserter Aufenthaltsqualität und Zugänglichkeit soll ab dem Jahr 2027 stattfinden. Die Umgestaltung bezieht sich auf eine Fläche von 6.800 Quadratmetern, wobei es sich um den Weberplatz selbst nebst angrenzender Straßenräume handelt. Laut Beschluss im Ausschuss für Verkehr und Mobilität der Stadt Essen konnten die Planungen zur Umgestaltung im Dezember 2025 beginnen. Die Planungskosten beliefen sich auf rund 660.000 Euro.Planung zur Umgestaltung des Weberplatzes beschlossen; In: Pressemeldung der Stadt Essen vom 5. Dezember 2025 Die Kosten des Gesamtprojekts in mehreren Bauabschnitten werden derzeit (Stand: September 2026) mit etwa 7,19 Millionen Euro beziffert. Der Baubeginn ist für Anfang 2027 und die Fertigstellung für Juli 2028 vorgesehen, so der Ratsbeschluss der Stadt Essen vom 16. September 2026.Weberplatz wird neugestaltet: Baubeginn Anfang 2027; In: Pressemeldung der Stadt Essen vom 16. September 2026

Geschichte Textilgewerbe Namensgebend ist das im Spätmittelalter blühende Textilgewerbe. Dem 1406 gegründeten Wollenamt gehörten in dieser Zeit 25 Meister an. Aus dessen Aufzeichnungen geht allerdings nichts über die Größe der Einzelwerkstätten hervor. Die erlaubte verarbeitete Wollmenge war pro Jahr und Meister auf rund 200 bis 220 Pfund beschränkt. Verboten war die unselbständige Arbeit zu einem bestimmten Auftrag, die Lohnweberei. Jedoch durfte ein Meister für einen anderen noch Wolle verarbeiten, solange dessen Budget noch nicht erschöpft war. Seit dem 14. Jahrhundert war durch die Wollweber eine Walkmühle gepachtet worden. Frauen versahen vorbereitende Arbeiten wie das Spinnen. 1406 war in den Statuten festgelegt worden, dass die Qualitätskontrolle jedes einzelnen Tuchs durch den Werkmeister stattfand, der das Tuch mit Bleiplombe und Gütesiegel versah. Das Vorgehen wurde 1442 nochmals bekräftigt. Im Jahr 1515 wurde ausdrücklich geregelt, dass nur gute Wolle verarbeitet werden durfte. Schneider oder Weber konnten die Tuche zum Veredeln (Scheren) an Tuchscherer weitergeben, was auf eine Produktion für den gehobenen Bedarf spricht.

Bis zur Mitte des 15. Jahrhunderts war die Färberei von den Wollwebern selbst vorgenommen worden, danach erledigten das spezielle Färbereien. Die Weber hatten in Essen das Monopol für Futterstoff, der nur aus Essener Produktion stammen durfte. Auswärtige aber auch Essener Tuche oblagen dem Großhandel durch die Gewandschneider. 1486 wurde das Amt der Leineweberei gegründet. Zur Zeit der Kriege, insbesondere dem Dreißigjährigen Krieg, wurde das bis dahin in Essen wirtschaftlich führende Textilgewerbe stark eingeschränkt und nach und nach durch die Büchsenmacherei in ihrer Führungsposition abgelöst. Im 18. Jahrhundert gab es einen begrenzten Aufschwung durch nur noch eine Tuchfabrik, etwas Wollhandel und die neue Baumwollweberei. Aufgrund der aufkommenden Billigkonkurrenz aus England, die Textilien nun industriell fertigen konnte, wurde das verbliebene Textilgewerbe vollends verdrängt, woraufhin das Weberviertel zusehends verarmte. Die Anlage des Platzes im 19. Jahrhundert sollte der Verarmung entgegenwirken.Marcus Schymiczek: Ein rätselhafter Sarg und ein prominenter Name. In: Westdeutsche Allgemeine Zeitung (WAZ) vom 25. Mai 2024.

Seit der Benennung 1895 Am 16. November 1895 erhielt der im einstigen Essener Weberviertel befindliche Bereich zwischen der I. Weberstraße im Osten und der II. Weberstraße im Westen den Namen Weberplatz. Es sollte ein städtischer Platz entstehen. Dazu war der Erwerb zweier Besitztümer in der II. Weberstraße notwendig, der in der Stadtverordnetensitzung vom 25. April 1896 beschlossen wurde. Es ging dabei um 90 m² des Besitzers Möll für 12.000 Mark und um 141 m² des Besitzers Bendir für 16.000 Mark.In der heutigen Stadtverordnetensitzung [...] In: Essener Volkszeitung vom 25. April 1896 In der Stadtverordnetensitzung vom 7. Januar 1898 wurden Mittel in Höhe von 1400 Mark zur Einfriedung des Platzes bewilligt, da er nicht als öffentlicher Platz zu betrachten ist.Stadtverordnetensitzung in Essen. In: Essener Volkszeitung vom 8. Januar 1898 Am 17. Mai 1898 wurde erstmals ein Wochenmarkt auf dem Weberplatz abgehalten. Dazu waren Teile des bisher auf dem Kopstadtplatz stattfindenden Marktes auf den Weberplatz verlegt worden.Provinzielles. In: Essener Volkszeitung vom 17. Mai 1898 Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war die städtische Polizei in einem Gebäude am Weberplatz ansässig.Stadtverordnetensitzung in Essen. In: Essener Volkszeitung vom 3. Juli 1909

Zu Beginn der 1910er Jahre spitzten sich die lange bekannten, beengten Platzverhältnisse auf dem als Markt genutzten Weberplatz zu. Das betraf die dicht beieinanderliegenden Marktstände ebenso wie die Verkehrswege. Die Fuhrwerke der Händler und Marktbesucher wurden in den umliegenden Straßen teils über die gesamte Marktzeit geparkt und beeinträchtigten dort Anwohner und Geschäftsinhaber. Daraufhin hatten die Stadtverordneten im Jahr 1913 eine Regulierung und damit einen Ausbau des Weberplatzes beschlossen. Zudem wurde vorgeschlagen den Markt durch eine Markthalle bis hin zur Kastanienallee zu erweitern, was bald verworfen wurde. Man dachte darüber nach, die II. Weberstraße (heute Gerswidastraße), die damals die westliche Grenze des Weberplatzes darstellte, nördlich weiter bis zum damaligen Nordbahnhof zu durchstrecken, auch um dort Abstellplätze und Stallungen für die Fuhrwerke einzurichten. Die parallele Turmstraße ließ aufgrund der beengten Verhältnisse keinen Verkehr zu.Der Weberplatz und seine Umgebung. In: Rheinisch-Westfälischer Anzeiger vom 17. Juli 1913

Ledigenheim / Haus der Begegnung mini|2023 abgerissenes Ledigenheim, zuletzt Haus der Begegnung genannt Am 19. Dezember 1909 wurde auf der Generalversammlung des evangelischen Arbeitervereins für die geplante Errichtung eines Ledigenheims ein Kostenaufwand von 500.000 Mark genannt. Dieser wurde teils durch Stiftungsgelder gedeckt.Der evangelische Arbeiterverein. In: Rheinisch-Westfälischer Anzeiger vom 21. Dezember 1909 Auf dem Grundstück des künftigen Ledigenheims stand ein Pfarrhaus des evangelischen Arbeitervereins, das niedergelegt wurde.Aus der evangelischen Gemeinde Essen-Altstadt. In: Rheinisch-Westfälischer Anzeiger vom 4. September 1909 Am 26. Januar 1913 wurde auf dem nördlichen Teil des Weberplatzes durch den evangelischen Arbeiterverein der Grundstein für das Ledigenheim gelegt.Der Weberplatz; In: Essener Volkszeitung vom 26. Januar 1913 Der Verein erhielt die Genehmigung, das rund 200 Personen fassende Gebäude „Kaiser-Wilhelm-Ledigenheim“ zu nennen. Es wurde am Reformationstag, dem 31. Oktober 1913 eröffnet.Der evangelische Arbeiterverein. In: Rheinisch-Westfälischer Anzeiger vom 28. Juli 1913 Ab 1982 wurde es „Haus der Begegnung“ genannt. Das „Haus der Begegnung“ wurde von dem 1971 gegründeten Verein „Arbeitsgemeinschaft Selbsthilfe behinderter Menschen in Essen e. V.“ gegründet, das mehrere Selbsthilfegruppen und Vereine zusammenschließt. Im Jahr 2017 zogen die zehn hier ansässigen Vereine aus.Das "Haus der Begegnung" zieht um!; In: Stadtspiegel Essen-Süd vom 5. Januar 2017 Das Gebäude überdeckte auch das Areal des ehemaligen evangelischen Friedhofsgeländes. Im Zweiten Weltkrieg war es zerstört und danach verändert wieder aufgebaut worden. Zuletzt kaufte es das Essener Wohnungsunternehmen Allbau von der Stadt Essen. Im Jahr 2023 wurde das inzwischen als nicht mehr wirtschaftlich sanierbar eingestufte Gebäude abgerissen, obwohl es seit 1987 unter Denkmalschutz stand.Auszug aus der Denkmalliste der Stadt Essen Das LVR-Amt für Denkmalpflege im Rheinland stimmte zu.

Am 29. April 2024 fand an dessen Stelle der erste Spatenstich für das neue Gebäude mit Wohnungen, Büro-, Gewerbe- und Gastronomieflächen anstelle des Ledigenheims statt. Es wird durch das Wohnungsunternehmen Allbau errichtet und stellt einen Teil der Neugestaltung des Weberplatzes dar.Neugestaltung des Weberplatzes: Oberbürgermeister beim Spatenstich des Projektes "WEBER1"; In: Pressemeldung der Stadt Essen vom 6. Mai 2024 Auch das Essener Standesamt soll darin einen neuen Standort erhalten. Die Grundsteinlegung im Beisein von Oberbürgermeister Thomas Kufen fand am 24. Januar 2025 statt.Oberbürgermeister Thomas Kufen bei der Grundsteinlegung des Allbau-Projekts "WEBER1"; In: Pressemeldung der Stadt Essen vom 28. Januar 2025

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