mini|Kochgeschirr im Marschgepäck eines römischen Legionärs mini|Schwedischer Hordentopf um 1870 Ein Essgeschirr, (auch Kochgeschirr) als Bestandteil der persönlichen Ausrüstung von Soldaten, ist eine Zusammenstellung von verschiedenen Behältern (Töpfe, Schalen, Pfannen), die zum Verzehr und abhängig von der Konstruktion auch zum Transport oder der Zubereitung von Lebensmitteln genutzt werden kann. In diesem Fall wird auch die Bezeichnung Kochgeschirr genutzt. In der Schweiz, in der eine grundlegende Form späterer Ess- bzw. Kochgeschirre entwickelt wurde, ist der Name Gamelle (frz.: Schale) üblich.Vgl. Duden.de: Eintrag "Kochgeschirr", abgerufen am 17. Juni 2024Vgl. Duden.de: Eintrag "Gamelle", abgerufen am 18. Juni 2024

Historische Entwicklung mini|Schweizer Soldaten beim Kochen in Gamellen um 1940 Schon in den antiken Heeren wurden Soldaten mit Essgeschirren ausgestattet. So führten römische Legionäre im Marschgepäck Topf (Situla) und Kasserolle (Patera) nebst Feldflasche und ihre eigenen Verpflegungsvorräte persönlich mit. Die Gegenstände aus Bronze wurden mit dem persönlichen Proviant in einem Sack (Sarcina) getragen. Abhängig von den jeweiligen logistischen Konzepten späterer Heere, wurden Essgeschirre als Privatangelegenheit der Soldaten betrachtet oder „Hordentöpfe“ für die gleichzeitige Verpflegungseinnahme mehrerer Soldaten bereitgestellt. Dieses Konzept stammt insbesondere aus den Söldnerheeren des 16. und 17. Jahrhunderts, in denen die Verpflegung durch privatwirtschaftliche Marketender aus einem Tross erfolgte. Erst in der Mitte des 19. Jahrhunderts wurde mit dem Beginn der Zentralisierung von Verpflegungskonzepten gezielt eine einheitliche Ausstattung der Soldaten eingeführt. Mit der Einführung des Tornister wurden auch die persönlichen Kochgeschirre sichtbar. In der späteren Entwicklung von Essgeschirren im Militär galt es zunächst die Frage zu klären, in welcher Art Truppenverpflegung für die Soldaten bereitzustellen war: Ob bereits zubereitet oder nicht oder ob eine Anpassung an bereitgestellte Rationspackungen zu optimieren war und wie „feldmäßig“ die Verpflegungsversorgung zu erfolgen hatte? Im zivilen Bereich wurden einfache Versionen solcher Geschirre als sogenannter Henkelmann bis in die 1960er Jahre von Arbeitern zum Mitführen der Mittagsverpflegung genutzt. Heute finden Militär-Essgeschirre auch beim Camping und Rucksackreisen Verwendung.Beschreibung und Abbildung des Marschgepäcks eines römischen Legionärs bei: Landschaftsverband Westfalen-Lippe, abgerufen am 18. Juni 2024Vgl. zur Entwicklung der Kochgeschirre in Deutschland vor 1945: Vgl. zur Zentralisierung der Verpflegungsversorgung im preussischen Heer: Carl v. Martens et al., Handbuch der Militärverpflegung im Frieden und Krieg, 2. Aufl., Rieger’sche Verlagsbuchhandlung, Stuttgart, 1862 (books.google.de, abgerufen am 2. Juni 2024)Begriffserklärung Duden.de zu umgangssprachlichen Begriff Henkelmann: Gefäß zum Transportieren einer warmen Mahlzeit, das aus mehreren kleinen zylindrischen Schüsseln besteht, die übereinandergesetzt in ein Traggestell eingehängt werden in Duden.de, abgerufen am 18. Juni 2024

Technische Konzeption mini|Universal-Topf- und Pfannengreifer Obwohl es funktional einem zivilen Ein-Mann-Essgeschirr ähnelt, ist das militärische Essgeschirr noch kompakter gestaltet und auf Volumen- und Gewichtsreduzierung ausgelegt. Die verschiedenen Bestandteile des Essgeschirrs sind vielseitig verwendbar, z.B, als Trinkgefäß, Tellerersatz, Koch- oder Bratgefäß. Im Regelfall sind die einzelnen Komponenten ineinander stapelbar. Bei Nutzung der Einsätze oder Deckel kann ein Topfgreifer vor Verbrennungen schützen. Zur Herstellung der Geschirre wurde bzw. wird im Regelfall Metall, emaillierter, verzinnter, verzinkter oder auch rostfreier Stahl, häufig auch Aluminium und neuerdings Titan genutzt. Für Essgeschirre wird auch Kunststoff genutzt, der sich vor allem durch niedriges Gewicht auszeichnet. Dabei wird die Verwendung von Aluminium in verschiedenen Ländern kontrovers diskutiert und führte teilweise zu Einschränkungen in der Nutzung solcher Geschirre. Abgerundete Formen, wie die aus der Schweizer Gamelle entwickelten Kochgeschirre haben den Vorteil, auf Grund der Rundungen besser gereinigt und in der persönlichen Ausrüstung durch fehlende Kanten bequemer getragen werden zu können. Runde Geschirre neigen jedoch eher zum Verbeulen.Bundesamt für Wehrtechnik und Beschaffung (Hrsg.), Technische Lieferbedingungen TL 7360-0019, Kochgeschirr, dreiteilig, Koblenz, November 2010, abgerufen am 3. Juni 2024VERORDNUNG (EG) Nr. 1935/2004 DES EUROPÄISCHEN PARLAMENTS UND DES RATES vom 27. Oktober 2004 über Materialien und Gegenstände, die dazu bestimmt sind, mit Lebensmitteln in Berührung zu kommen Vgl. zur Nutzung von Aluminium bei Vienna.at: "Bundesheer sperrt Aluminium-Geschirr: Gesundheitsfolgen sind möglich." vom 28. März 2015, abgerufen am 23. Juni 2024

Entwicklungen und Patentierungen Die technische Entwicklung militärischer Ess- und Kochgeschirre ist vor allem in der Optimierung von Form, Gewicht und Handhabung sowie in die Integration der sonstigen persönlichen Ausrüstung zu sehen. Erastus Blakeslee ließ sich 1866 eine ineinanderstapelbare Kombination von Topf und Pfanne patentieren. Es gilt als das älteste Patent zu militärischen Essgeschirren. Im Jahre 1900 ließen sich Adolf Weiss und Franz-Xaver Trademann ein System zur Befestigung des deutschen Kochgeschirrs mittels Stiften und Buchsen am Rucksack patentieren. Mit einer Art Schnellverschluss wurde so der Gebrauch von Riemen überflüssig. Willis R. Nasons Patent aus dem Jahr 1929 zeichnete sich durch eine optimal ineinander zu verschachtelnde Kombination aus Feldflasche, Töpfen und Pfannen samt Griffen zum Schutz gegen Hitze beim Kochen aus. Thomas Roy Thaxton Jr. entwickelte 1954 ebenfalls eine Einheit aus Feldflasche und Essgeschirr. Dieses Mal so dimensioniert, dass es zusammengestapelt und gemeinsam mit dem Feldessbesteck am Koppel und nicht im sowieso überfrachteten Rucksack getragen werden konnte. Ein reines Formdesign aus kombinierbaren Teller und Deckel mit einer Gabel/Löffelkombination umfasst das Patent eines Essgeschirrs von Peter Otano und Colin Quinn aus dem Jahr 2023. Das nicht zum Kochen geeignete Essgeschirr kann aus unterschiedlichen Materialien hergestellt werden und zeichnet sich durch seine flachen Packmaße aus.

Ausstattung in verschiedenen Ländern Vereinigte Staaten 1874 erkannte die U.S. Army zum ersten Mal die Notwendigkeit, Soldaten mit Essgeschirren auszustatten und empfahl eine Meat-Can (Fleischdose). Zuvor wurden lediglich Transportbehältnisse bereitgestellt, die aber nicht als Geschirr zum Verzehren geeignet waren. Bei dem neuen Geschirr handelt es sich um eine tiefere Schale mit Griff und einem flachen Deckel. Mit geringen Modifikationen war das Geschirr noch bis in den Ersten Weltkrieg im Einsatz. Spätere Versionen wurden mit einem größeren Fassungsvermögen durch tiefere Gestaltung der Schale umgesetzt. Das ursprüngliche Fertigungsmaterial, verzinkter Stahl oder auch Edelstahl wurde Ende 1942 durch Aluminium ersetzt.

Im Zweiten Weltkrieg bestimmten folgende logistische Vorstellungen die Verwendung des US-Geschirrs: Erstens galt es, das Personal in einer Essensschlange zu versorgen. Dieses erfolgte aus großen Feldküchen im Garnisonsstil, wenn diese nicht gerade im täglichen Kampfeinsatz waren. Zweitens wurde von US-Soldaten im Feld nie erwartet, dass sie selbst Nahrung suchten oder ihre Rationen vollständig kochten, nicht einmal im Kampfeinsatz abgesetzt von Küchen.

Das flache, eiförmige Essgeschirr der US-Armee, M-1932, aus Kriegszeiten war daher kein Kochgeschirr. Es war, wie bei den anfangs genannten Modellen, ein geteiltes Schalen-Deckel-System. Die Schale, „Fleischdose, Korpus“, konnte mit ihrem ausgeklappten Klappgriff auch als einfache Bratpfanne verwendet werden. Der „Essgeschirrteller“ (Deckel) ist noch flacher und wird so gepresst, dass er zwei Fächer bildet, mit einer Mitteltrennung, die breit genug ist, um den Klappgriff aufzunehmen. Bei der Essensausgabe konnten durch die Zweiteilung verschiedene Bestandteile der Verpflegung getrennt ausgegeben werden.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Begriff Meat-Can (Fleischdose) in Meat-Pan (Fleischpfanne) geändert. Sowohl Aluminium- als auch korrosionsbeständige Geschirre wurden bis in die 1970er Jahre weiter verwendet. Fleischpfannen aus rostfreiem Stahl wurden während des Vietnamkriegs hergestellt und bis zum Ende des 20. Jahrhunderts weiter ausgegeben.U.S. Army Field Mess Gear, in History.Army.Mil, abgerufen am 2. Juni 2024

Schweiz

Das Schweizer Essgeschirr (französisch Gamelle) wurde ursprünglich 1875 in Form eines Topfes aus verzinntem Stahlblech mit Deckel und Griff eingeführt. Dieser erste Entwurf wurde jedoch später als ungeeignet erachtet. So wurde 1882 ein überarbeiteter Entwurf in Form eines Topfes aus verzinntem Stahlblech mit Deckel und Henkel eingeführt. Die heutige Form des Geschirrs in der Schweizer Armee entspricht noch dem damaligen Modell. Durch Aluminium konnte dabei das Gewicht fast halbiert werden. Das Geschirr fasst 2,7 Liter Inhalt und wiegt 450 Gramm. Es besteht aus einem nierenförmigen Topf mit einem Teller-Einsatz und einem Deckel. Teller und Deckel können zu einem zweiteiligen Geschirr verbunden werden. An dem Konstruktionsprinzip des Schweizer Kochgeschirrs orientierten sich u. a. auch Deutschland, Finnland, Russland und Schweden.Die Gamelle hat ausgedient in: SwissInfo.ch Abgerufen am 2. Juni 2024

Deutschland und Österreich Das deutsche Essgeschirr wurde 1908 entworfen und war eine Abwandlung eines Schweizer Designs aus dem Jahr 1882. Ursprünglich fasste der Boden zwei Liter. Das Gefäß war innen mit Teilstrichen zu je einem Viertel, also 500 ccm, gekennzeichnet. Der Deckel enthielt nochmals einen viertel Liter. Das Modell 1908 ersetzte das Kochgeschirr von 1850 in ähnlicher Konstruktion. Auf Grund des preussischen Volumenmaßes war es etwas größer und mit steckbarem Griff. Das neue Essgeschirr war aus Aluminium und nicht zum Kochen gedacht, sondern nur zur Aufnahme von Nahrungsmitteln, die in Feldküchen verteilt wurden. Die frühen Modelle des Modells von 1908 waren in einem markanten Mattschwarz lackiert. 1910 wurde der Aluminiumgriff durch einen aus verzinktem Eisen ersetzt, da Aluminium durch die heiße Verpflegung so heiß wurde, dass es sich nicht greifen ließ. Das Modell 1910 wurde bis 1940 produziert.

1931 wurde ein Modell entwickelt, das später Kochgeschirr 31 genannt wurde. Es war zum Kochen geeignet, war kleiner als das Modell 1908 und fasste 1,7 Liter. Dieses Modell blieb mit nur geringfügigen Änderungen bei der Bundeswehr sowie beim Technischen Hilfswerk (THW) sowie auch in der ehemaligen NVA der DDR in der Nutzung. Die Modifikation des Bundeswehr-Geschirrs und der ehemaligen NVA bestand aus einem weiteren Behälter, der in den großen Hauptbehälter gestreckt wird und das frühere 2-teilige Geschirr zu einem dreiteiligen machte. Das Kochgeschirr wird in Verbindung mit einem zusammenklappbaren Esbitkocher verwendet, der zusammengeklappt Esbitpellets aufnehmen kann und nur sehr wenig Platz einnimmt.

Auch das österreichische Bundesheer verwendete das Kochgeschirr in gleicher Ausführung wie die Bundeswehr.Agustin Sáiz: Der Infanterist des deutschen Heeres. Uniform und Ausrüstung 1939–1945. 1. Auflage. Motorbuchverlag, Stuttgart 2018, ISBN 978-3-613-04121-9, S. 142Essgeschirr in: Alte Armee.de, abgerufen am 2. Juni 2024Bild NVA-Kochgeschirr, dreiteilig, Anzeige in BwShop, abgerufen am 2. Juni 2024Eine gute Beschreibung des NVA-Kochgeschirrs bei Youtube: John Sherwood - The East German Army Mess Kit Revisited, abgerufen am 20. Juni 2024

Frankreich