Der Quai Voltaire ist eine Straße am linken Seineufer im 7. Arrondissement von Paris.

Lage Der Quai ist 308 Meter lang und liegt zwischen den Quais Malaquais und Anatole France. Auf der Höhe der Hausnummer 17, kurz hinter der Pont du Carrousel, teilt sich der Quai Malaquais: Die Rue des Saints-Pères zweigt nach Süden ab und der Quai folgt unter neuem Namen dem Seineufer bis zur Pont Royal. Zwischen der Straße und der Kaimauer verläuft ein Radweg (Place Justin Godart). Auf der Kaimauer befinden sich die Auslagen der Bouquinistes.

Namensursprung Der Quai ist nach dem Schriftsteller und Philosophen Voltaire benannt. Er starb 1778 im Haus des Marquis de Villette.

Geschichte Ursprünglich war der Quai Voltaire nur der westliche Teil des Quai Malaquais.

1595 betrieb Guillaume de Varic hier eine Ziegelei. In alten Schriften von 1636 wird die Straße nur als erwähnt.

Den Namen „Quai des Théatins“ erhielt die Straße, nachdem dort 1644, dank der Großzügigkeit von Kardinal Jules Mazarin, ein Kloster der Theatiner gegründet wurde, das sich an der Stelle der Häuser Nr. 23 und 25 am Quai Voltaire und Nr. 26 in der Rue de Lille befand. Das Kloster wurde 1790 aufgelöst und die Kirche wurde zunächst in einen Veranstaltungssaal und dann in ein Café umgewandelt, bevor sie 1822 abgerissen wurde.

Seinen heutigen Namen erhielt der Quai 1791.

Im Juli 1791 wurde die Überführung der sterblichen Überreste Voltaires in das Pantheon organisiert. Die Prozession kam am Haus Nr. 27, wo der Philosoph starb, vorbei und legte einen langen Stop ein.Antoine de Baecque: « Le corps d’un philosophe », Le quai Voltaire. Alençon, 1990.

Seit Balzac dort das mysteriöse Antiquitätengeschäft La Peau de Chagrin ansiedelte, ist der Quai Voltaire die Heimat zahlreicher Antiquitätenhändler, die heute eher auf das gehobene Preissegment spezialisiert sind.

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts richteten sich die ersten Bouquinistes an der Ufermauer ein.

Sehenswürdigkeiten Entlang der Straße stehen viele ehemaligen Hôtels, in denen berühmte Personen lebten oder starben. Fast an jedem dieser Häuser sind entsprechende Plaketten angebracht.

Nr. 1: Mit seinem Sprung am 19. März 1742 vom Dach dieses Hauses mit dem Ziel, den Tuileriengarten zu erreichen, unternahm Jean-François Boyvin de Bonnetot (1688–1760), Marquis de Bacqueville, einen der ersten menschlichen Flugversuche. Ausgestattet mit Flügeln an Armen und Beinen schwebte er 300 m über der Seine, bevor er auf ein Waschboot stürzte und sich den Oberschenkel brach.Gaston Tissandier: La navigation aérienne : L'aviation et la direction des aérostats dans les temps anciens et modernes. Hachette, Paris 1886, S. 43 (avrosys.nu). Nr. 17, 17 bis: Ingres, der in Nr. 11 wohnte, hatte hier ein Atelier.Dominique Leborgne, Saint-Germain des Prés et son faubourg : évolution d'un paysage urbain. Parigramme, 2005, ISBN 2-84096-189-X. Nachdem er die Rue de l’Université verlassen musste, lebte der Modedesigner Karl Lagerfeld von 2010 bis zu seinem Tod 2019 in Paris in einer von ihm völlig neu gestalteten futuristischen Wohnung von 256 m² im 3. Stockwerk mit Blick auf die Seine. Auch Lucie Delarue-Mardrus (1874–1945), Dichterin und Romanautorin, lebte von 1915 bis 1936 hier, woran eine Gedenktafel erinnert. Nr. 19: In diesem Haus befindet sich seit 1851 das Hôtel du Quai Voltaire, in dem in seiner mehr als 170-jährigen Geschichte zahlreiche Künstler Unterkunft fanden.Informationen zur Geschichte des Hauses auf der Website des Hôtel du Quai Voltaire. Abgerufen am 9. Mai 2026 (französisch). Charles Baudelaire schrieb dort Teile der Fleurs du Mal und Richard Wagner vollendete dort das Libretto der Meistersinger von Nürnberg. Eine Gedenktafel erinnert daran, dass auch Jean Sibelius und Oscar Wilde zu den Gästen des Hotels gehörten. Der Maler Camille Pissarro mietete dort mehrfach ein Zimmer mit Blick auf die Seine, und zu seinen vom Hotelfenster aus gemalten Bildern gehört u. a. das kurz vor seinem Tod 1903 fertiggestellte Gemälde Le Quai Malaquais. Im Jahr 1963 war das Hôtel du Quai Voltaire Drehort einer Szene des Films Das Irrlicht von Louis Malle. Nr. 21: Der Maler Marcel Baschet (1862–1941), Prix de Rome für Malerei 1883, Mitglied der Akademie der Schönen Künste, Professor für Malerei an der Académie Julian und Kommandeur der Ehrenlegion, hatte hier zwischen 1907 und 1941 sein Atelier. Eine Gedenktafel erinnert daran. Nr. 23: Wohnung des Startänzers und Tanzdirektors der Pariser Oper, Rudolf Nurejew. Eine Gedenktafel erinnert daran. Nr. 25: Im Zwischengeschoss dieses Gebäudes lebte (von 1939 bis 1972) der Schriftsteller Henry de Montherlant und starb durch Selbstmord. Davon zeugt eine Gedenktafel. Nr. 27: An der Ecke zur Rue de Beaune steht das Hôtel de Villette. Der Philosoph Voltaire wohnte hier im Jahr 1778, von Februar bis zu seinem Tod am 30. Mai; das Stadthaus war Eigentum des Marquis de Villette. Voltaire starb in einem Zimmer mit Blick auf den Innenhof im zweiten Stock. Nr. 29, 31: Hôtel de Mailly-Nesle: Sein Besitzer, Augustin-Joseph de Mailly, Marschall von Frankreich, Verteidiger des Palais des Tuileries am 10. August 1792, wurde dort während der Französischen Revolution verhaftet. Das Stadthaus aus dem 18. Jahrhundert beherbergt heute die französische Dokumentationsabteilung, die Abteilung des Premierministers. Obwohl es stark verbaut und fast nicht mehr wiederzuerkennen ist, weist es dennoch einige hochwertige Innendekorationen auf. Nr. 35: Das Stadthaus an der Ecke zur Rue du Bac gehörte d’Artagnan. Im Jahr 1714 befand sich an dieser Stelle eine Baustelle. Dort entstand dann ein sehr beliebtes Restaurant, das Café d’Orsay. Später war der Schriftsteller Henry de Montherlant Stammgast in der Brasserie La Frégate.

Der Quai in der Literatur Der fiktive Held Bob Morane hat in der Straße eine Wohnung.

Siehe auch Liste der Pariser Quais

Literatur Bruno Pons, Michel Borjon: Le Faubourg Saint Germain. Le quai Voltaire. Délégation à l'action artistique de la ville de Paris 1990. Romée de La Poëze d’Harambure: Ébauche d’une histoire de la famille La Poëze et La Poëze d’Harambure: au plaisir de durer. 3 Bände, Paris / Wien 2020.

Einzelnachweise

Kategorie:Straße im 7. Arrondissement (Paris) Kategorie:Bauwerk (Seine)