mini|hochkant|Demeter Ritter von Tuschinski / Dimitrie Tuşinschi, ca. 1937 Demeter von Tuschinski (),Oskar Becker: In: Czernowitzer Morgenblatt. 13. April 1938, S. 3, abgerufen am 10. Juli 2023. vor 1914 nur Tuschinski und später Ritter von Tuschinski, (* 10. Mai 1870 in Suceava;Rudolf Busch: Dr. Dimitrie v. Tușinschi – Worte des Abschiedes anläßlich des Ruhestandes. In: Czernowitzer Deutsche Tagespost. 10. April 1938, Nr. 4220, S. 4, abgerufen am 10. Juli 2023. † 23. Januar 1952 in BrașovTuschinski, Alexander: „Constantin Ritter von Tuschinski – Biography“, in: Ritter von Tuschinski, Constantin: European Union, State Parties and Political Transformations. Collected Works 1929–1942, Norderstedt: Books on Demand, November 2025, ISBN 978-3-6951-7238-2, S. 29.) war Erster Staatsanwalt, Generalstaatsanwalt sowie anschließend Oberlandesgerichtspräsident in Czernowitz. Sein Wirken begann in Österreichisch-Ungarischer Zeit und setzte sich nach 1918 bis zu seinem Ruhestand 1938 unter rumänischer Regierung fort. Ihm wird eine wichtige Rolle beim Aufbau des Rechtswesens in der ab 1918 rumänischen Bukowina zugeschrieben, und er war Träger mehrerer hoher Auszeichnungen. Von 1926 bis 1938 war Demeter von Tuschinski Erster Präsident des Oberlandesgerichts (Prim-Președinte: Curtea de Apel) in Czernowitz, stand „an der Spitze der Bukowiner Richterschaft“, und war damit der oberste Justizbeamte in der BukowinaDie Auszeichnung des Oberlandesgerichtspräsidenten Dr. v. Tușinschi In: Czernowitzer Morgenblatt. 8. November 1936, Nr. 5457, S. 3, abgerufen am 10. Juli 2023. sowie der höchstrangige Staatsbeamte der Stadt.40jähriges Dienstjubiläum des Primpräsidenten Dr. v. Tuşinschi In: Der Tag. 31. Juli 1932, S. 2. Er galt als „eine der bekanntesten Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens in der Bukowina“.40 Jahre im Dienste der Gerechtigkeit In: Czernowitzer Deutsche Tagespost. 31. Juli 1932, Nr. 2540, S. 4, abgerufen am 10. Juli 2023.

Leben

Vor 1918: Österreich-Ungarn

Erste Jahre und Karriere im Staatsdienst mini|links|hochkant|Demeter Ritter von Tuschinski 1912 als erster Staatsanwalt in Czernowitz. Demeter von Tuschinski wurde am 10. Mai 1870 im damals österreichisch-ungarischen Suceava als einziges Kind des Erzpriesters und Stadtpfarrers Cassian von Tuschinski und dessen Gattin Julia geboren.40jähriges Dienstjubiläum des Prim-Präsidenten des Obergerichtes Dr. Dimitrie von Tușinschi In: Czernowitzer Morgenblatt. 31. Juli 1932, Nr. 1932, S. 2, abgerufen am 10. Juli 2023.Todesfall – Frau Julia von Tuschinski In: Czernowitzer Morgenblatt. 29. März 1923, Nr. 1418, S. 2, abgerufen am 10. Juli 2023. Die Familie war eine „alte und angesehene Rezenschenfamilie aus Mychaltscha (, Rajon Storoschynez)“.Dimitrie von Tuşinschi In: Czernowitzer Morgenblatt. 6. April 1938, S. 5, abgerufen am 10. Juli 2023. Rezeschen waren freie Landbesitzer in der Bukowina, die unabhängig von feudalen Bindungen waren.Ungureanu, Constantin: Parzellengrößen und agrarische Besitzstrukturen in der Bukowina nach den Grundparzellen-Protokollen des Franziszeischen Katasters, in: Scharr, Kurt (Hrsg.), Rumpler, Helmut (Hrsg.): Der Franziszeischen Kataster im Kronland Bukowina Czernowitzer Kreis (1817–1865), Wien/Köln/Weimar 2015, ISBN 978-3-205-79698-5, S. 69–80, hier: S. 69 Der Vater Cassian war Pfarrer an der St. Nicolai-Kirche in Suceava und war 1887 neben u. a. Teodor V. Ștefanelli Mitbegründer des Rumänischen Clubs in Suceava, in welchem zahlreiche rumänische Intellektuelle und Künstler verkehrten.Weitere Details zum Rumänischen Club Suceava, wie das Gründungsjahr 1887, finden sich in: Turczynski, Emanuel: Vereine, Verbände und Parteien in den Karpatenländern / B. Vereine, Interessensverbände und Parteien in der Bukowina, in: Rumpler, Helmut (Hrsg.) – Urbanitsch, Peter (Hrsg.) – Die Habsburgermonarchie 1848–1918, Band 8, Teil 1, S. 859–908, Wien 2006. Demeter von Tuschinski erzählte Jahrzehnte später, dass in seiner Kindheit öfter Mihai Eminescu zu Besuch kam.Ein kurzes Interview mit Demeter von Tuschinski dazu findet sich in: Eminescu la Vasile Bumbac, in: Buletinul Mihai Eminescu, 1940, S. 54/55.

Demeter von Tuschinski besuchte das Gymnasium in Suceava und maturierte 1887. Anschließend studierte er Jura an der Universität Czernowitz und promovierte 1892 als Doktor der Rechte. Als Student trat er der rumänischen Junimea Studentenverbindung bei und war neben Kommilitonen wie Constantin Isopescu-Grecul dort aktiv.Societatea academică "Junimea" din Cernăuți. In: Familia. 8 April 1890. Ab 1. August 1892 trat er beim Kreisgericht Suceava als Rechtspraktikant in den richterlichen Dienst. Er war u. a. mit dem Wiener Universitätsprofessor Stefan Weidenfeld (1870–1917) befreundet, der ebenso in Suceava gebürtig war.

Am 17. Mai 1894 wurde Demeter von Tuschinski zum Auskulanten beim Kreisgericht Suceava ernannt, und am 29. September 1897 zum Richter beim Bezirksgericht Kimpolung. Seine Mitarbeit an der Erstellung der österreichisch-ungarischen Zivilprozessordnung unter Franz Klein brachte ihm 1898 Bekanntheit in Fachkreisen. Ab 21. Oktober 1899 war Demeter Tuschinski Staatsanwaltsvertreter in Czernowitz sowie ab 3. Dezember 1904 Landgerichtsrat beim Landesgericht Czernowitz. 1902 wohnte er in Czernowitz der letzten Hinrichtung in der Stadt unter k.u.k. Herrschaft als Zuschauer bei. Er attestierte zwar der Hinrichtung in der Rückschau eine abschreckende Wirkung, bezeichnete sich aber selbst als Gegner der Todesstrafe.Die letzte Hinrichtung durch den Galgen im Czernowitzer Strafgerichte – Gespräch mit dem Primpräsidenten des Obergerichtes Dr. von Tusinschi In: Czernowitzer Allgemeine Zeitung. 6. November 1932, S. 11, abgerufen am 10. Juli 2023. Ab 10. Dezember 1908 war Tuschinski Erster Staatsanwalt in Suceava, und ab 10. Mai 1910 wurde er in gleicher Position nach Czernowitz berufen. Im Juni 1910 wurde er Mitglied der neu gegründeten Czernowitzer Ortsgruppe der Gesellschaft vom Österreichischen Silbernen Kreuze,Zweigverein Czernowitz der Gesellschaft vom österr. silbernen Kreuze In: Czernowitzer Allgemeine Zeitung. 21. Juni 1910, S. 4–5. und Anfang Mai 1912 in jener des Österreichischen Flottenvereins.Neue Mitglieder der Ortsgruppe Czernowitz In: Die Flagge. Juli 1912, S. 22.

Im Juli 1912 wurde Demeter von Tuschinski der Orden der Eisernen Krone 3. Klasse verliehen. Die Presse hob in ihrer Berichterstattung hervor, dass von Tuschinski die Auszeichnung bereits in relativ jungem Alter erhielt.Czernowitzer Angelegenheiten: Auszeichnung In: Czernowitzer Allgemeine Zeitung. 30. Juli 1912, S. 3, abgerufen am 10. Juli 2023. 1915 wurde er zum Mitglied der judiziellen Staatsprüfungskommission an der Universität Czernowitz ernannt.Ernennung In: Verordnungsblatt für den Dienstbereich des k. k. Ministeriums für Kultus und Unterricht. Jahrgang 1915. S. 42, abgerufen am 10. Juli 2023.

Adelstitel Demeter von Tuschinskis Familie ist Teil der polnischen Wappengemeinschaft Nałęcz, deren Wappen er führte, und wurde ursprünglich „Tuszynski“ geschrieben. Sein Vorfahre Johann Tuszynski war am Hof von König Stanislaus II. August in Warschau und erhielt von diesem 1774 den „Servitoratus Regius“ verliehen. Ende des 18. Jahrhunderts siedelte ein Nachkomme Johanns in die Bukowina um und ließ sich als Großgrundbesitzer in Mihalcze nieder, wo er als Bojar bezeichnet wurden. 1914 wurde Demeter Tuschinski zuerkannt, dass er und seine Nachkommen als altpolnischer Adel das Prädikat „von“ führen durfte. Kurz vor Ende des 1. Weltkriegs wurde zudem der Titel „Ritter von“ zuerkannt.Studien zur Geschichte der Österreichisch-Ungarischen Monarchie, Band III: Die Rumänische Nationalbewegung in der Bukowina und der Dako-Romanismus. Verfasst von Erich Prokopowitsch. Herausgegeben von der Kommission für die Geschichte der österreichisch-ungarischen Monarchie (1848–1918) an der Österreichischen Akademie der Wissenschaften im Jahr 1965, S. 191. Nach 1918 führte er den Titel weiter öffentlich und wurde von der Presse der Bukowina in den 20er/30er Jahren häufig mit seinem kompletten Titel genannt, wobei der Nachname teils in der rumänischen Schreibweise Ritter von Tuşinschi bzw. Ritter von Tuschinschi wiedergegeben wurde.Im Folgenden drei von zahlreichen Beispielen: In: Czernowitzer Allgemeine Zeitung. 26. Juni 1923, S. 1, abgerufen am 8. Juni 2024.Ernennung In: Der Tag - Organ für die Interessen der Stadt Czernowitz. 25. Februar 1935, S. 3, abgerufen am 8. Juni 2024. In: Czernowitzer Morgenblatt. 10. Februar 1937, S. 2, abgerufen am 8. Juni 2024. Gelegentlich wurde auch der Titel wörtlich ins Rumänische übersetzt: Cavaler de Tuşinschi.Ein Beispiel in üblicher Kurzform des Titels:Dr. Dimitrie de Tuşinschi In: Gronich, Isiu: Album von Czernowitz. Aemter, S. 17/18, Czernowitz 1925. Am 12. Juni 1917 wurde Demeter von Tuschinski der Titel Hofrat verliehen.

Militärdienst und Erster Weltkrieg Am 1. Januar 1894 erhielt Demeter Tuschinski den Rang Leutnant der Reserve.Kais. Königl. Militär-Schematismus, Wien 1895, S. 847. Er diente in der Sanitätsabteilung Nr. 3. Am 1. November 1908 wurde Demeter Tuschinski zum Oberleutnant der Reserve befördert.Erwähnung, dass der Rang ab 1. November 1908 bestand In: Schematismus für das k. u. k. Heer und für die k. u. k. Kriegsmarine 1913. Wien 1912, S. 1199, abgerufen am 10. Juli 2023. Er leistete im Ersten Weltkrieg insgesamt drei Jahre lang Kriegsdienst in verschiedenen Eigenschaften in der nicht-kämpfenden Truppe, Zunächst diente er 1914/15 als Instruktionsoffizier im Garnisonsspital I in Wien, wofür er die Bronzene Militärverdienstmedaille „Signum Laudis“ erhielt. Am 1. März 1915 wurde er zum Hauptmann in der Reserve befördert. Anschließend war Demeter von Tuschinski 1915/16 zunächst wieder auf seinem zivilen Posten als Staatsanwalt in Czernowitz. 1916/17 diente er als Hauptmannauditor im Divisionsgericht Wien, und zuletzt 1917/18 als Nachrichtenoffizier der Abwehrstelle Czernowitz. Für letztere Tätigkeit wurde er im August 1918 mit der silbernen Militärverdienstmedaille „Signum Laudis“ ausgezeichnet.

Ab 1918: Rumänien

Umbruchszeit 1918/19 mini|links|Das Oberlandesgericht Czernowitz bei seiner Gründung 1919. Demeter von Tuschinski: 2. von rechts. Demeter von Tuschinski nahm unmittelbar nach dem Ersten Weltkrieg als Redner an Kundgebungen teil, welche die Zugehörigkeit der Bukowina zu Rumänien betonten. Mit dem Zusammenbruch der Österreichisch-Ungarischen Herrschaft mangelte es in der Bukowina an einem Appellationsgericht, da zuvor jenes in Lemberg zuständig gewesen war, das außerhalb der neuen Grenzen lag. Auf Betreiben von Johann von Flondor sowie Ion Nistor wurde am 1. Juni 1919 das Oberlandesgericht Czernowitz (rumänisch: Curtea de Apel) mit einer Sektion und insgesamt zehn Richtern eröffnet.Die Zehnjahresfeier des Czernowitzer Oberlandesgerichts In: Czernowitzer Allgemeine Zeitung. 3. Juli 1929, S. 3–4, abgerufen am 10. Juli 2023. Demeter von Tuschinski wurde bei Eröffnung zum dortigen Generalstaatsanwalt ernannt.Monitorul Oficial, 3. Juli 1919, S. 3382. Er war im Juli 1919 Mitglied einer Kommission, die vorschlug, bei Ernennung sowohl rumänische Richter als auch Richter anderer in der Bukowina vorkommender Nationalitäten gleich zu berücksichtigen.Ernennungen bei Gericht In: Ostjüdische Zeitung. 26. Juli 1919, S. 4, abgerufen am 10. Juli 2023. Von Tuschinski bezeichnete die Errichtung eines eigenen Oberlandesgerichts als Wunsch, den es in der Bevölkerung der Bukowina seit 1851 gab.Die Feierlichkeiten im Justizpalais In: Czernowitzer Morgenblatt. 12. Januar 1926, S. 3–4, abgerufen am 10. Juli 2023.

1920er/30er Jahre mini|hochkant|Demeter von Tuschinski, ca. Anfang 1928.