mini|Außenansicht des DA, Kunsthaus Kloster Gravenhorst Das DA, Kunsthaus Kloster Gravenhorst ist ein ehemaliges Zisterzienserinnenkloster, das heute ein Kunst- und Kulturangebot mit Schwerpunkt auf zeitgenössischer Kunst präsentiert. Es befindet sich nahe der Stadt Hörstel, in der Bauernschaft Gravenhorst. Träger des DA, Kunsthaus ist der Kreis Steinfurt.
Inhalte Die inhaltliche Ausrichtung des DA, Kunsthaus verdeutlicht sich bereits in den Initialen „DA“, die als „Denkmal-Atelier“ auf den historischen Ort wie auch auf die Nutzung als künstlerische Produktionsstätte verweisen. Das Programm setzt sich aus Kunstausstellungen und historischen Präsentationen, partizipativen Projektstipendien, Licht-, Klang- und Gartenkunst sowie Kulturfesten, Konzerten und weiteren Veranstaltungen wie dem Klostermarkt „Marktzauber“ und Open-Air-Kino zusammen.
Geschichte
Vorgeschichte Im Jahr 1256 gründeten der Ritter Konrad von Brochterbeck und seine Frau Amalgardis von Budde in „Grauenhorst“ ein Zisterzienserinnenkloster zu Ehren der Gottesmutter Maria. Über 500 Jahre lebte an diesem Ort eine Gemeinschaft von Frauen. Sie konnten hier Selbstheiligung, Gotteslob, Memoria pflegen und beteten für das Seelenheil ihrer Familien, von Stifterinnen und Förderern. Mit der französischen Machtübernahme in Westfalen wurde das Kloster Gravenhorst 1808 aufgelöst.
Nach häufigen Besitzerwechseln im 19. und 20. Jahrhundert erwarb im Jahr 1986 der Trägerverein Kloster Gravenhorst e.V. die Klosteranlage. 1999 überließ er dem Kreis Steinfurt die Anlage in einem Erbbaurechtsvertrag. In den folgenden Jahren kam es mit der Unterstützung des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe zu umfangreichen archäologischen Untersuchungen und Ausgrabungen.
Im Jahr 2001 machte die Skulptur Biennale Münsterland im Kreis Steinfurt Station. Dabei entstanden zwei Werke im Klosterpark, die die weitere Zukunft des Ensembles mitbestimmen sollten: Zum einen die Labyrinth-Installation Waiting for the barbarians des südafrikanischen Künstlers Kendell Geers, zum anderen die Klang- und Lichtinstallation Die Zone von Dagmar Demming. Daraus entstand die Idee, die ehemalige Klosteranlage zu einem Kunsthaus umzugestalten. Im Rahmen der Regionale 2004 erfolgten umfangreiche Sanierungen, bis schließlich das DA, Kunsthaus Kloster Gravenhorst im Sommer desselben Jahres eröffnet wurde.
DA, Kunsthaus Kloster Gravenhorst Zur Eröffnung inszenierte das Theater Titanick aus Münster am 28. und 29. Mai das Stück HIMMEL & ERDE. Im Mittelpunkt stand die Geschichte des Klosters bis in die Gegenwart. Bei der Open-Air-Aufführung kamen u. a. 25 Amateur-Schauspieler aus der Region zum Einsatz. Noch im Eröffnungsjahr 2004 fanden die bereits bestehenden Formate „Jugend gestaltet“ und „Kunst in der Region“, mit denen der Kreis Steinfurt jeweils die regionale Kunstszene fördert, im DA, Kunsthaus ein neues Zuhause. Zudem war aus den vorangegangenen Ausgrabungen der Wunsch entstanden, auch die geschichtliche Facette des Ortes im Denkmal-Atelier (DA) sicht- und erfahrbar zu machen. Die daraus erwachsene historische Präsentation „Geschichte hinterm Giebel“ gibt jährlich, unter wechselnden thematischen Schwerpunkten, Einblick in die Historie des Klosters und seiner Umgebung. Das Format ist im Laufe der Jahre organisch gewachsen und präsentiert sich zunehmend medialer und raumfassender.
2005 erfolgte die erste Ausschreibung des Projektstipendiums KunstKommunikation. Seitdem fördert der Kreis Steinfurt partizipatorische und ortsbezogene Kunstprojekte und -interventionen. Im folgenden Jahr wurden die ersten drei Kunstprojekte vor Ort umgesetzt: „Auf großer Fahrt von Citeaux nach Gravenhorst“ von Frank Bölter, „Villa Hörstel“ von Folke Köbberling und Martin Kaltwasser sowie „My Private Gravenhorst“ von Tom Koesel.
Ebenfalls 2006 jährte sich die Gründung des Klosters Gravenhorsts zum 750. Mal. Aus diesem Anlass entstanden zwei Ausstellungen, die sich dem Jubiläum aus historischer und künstlerischer Perspektive näherten. Die historische Präsentation „Der Ort: 750 Jahre Kloster Gravenhorst“ zeigte das Kloster als einen Ort, an dem Geschichte und Geschicke immer wieder Neues haben entstehen lassen. Die Ausstellung „MEMORIA! – 7 Positionen“ knüpfte hieran an und versammelte sieben künstlerische Positionen, die die Verbindung zwischen der Historie des sanierten Denkmals und der neuen Nutzung als Produktions- und Präsentationsort für zeitgenössische Kunst herstellten.
2007 übernahm Berit Gerd Andersen die Leitung des DA, Kunsthauses. Nachdem die gebürtige Dänin bereits zuvor entscheidend am Aufbau des neuen Kulturstandortes mitgearbeitet und u. a. das Projektstipendium KunstKommunikation konzipiert hatte, erarbeitete sie in den folgenden Jahren die verschiedenen Programmformate und entwickelte diese kontinuierlich weiter. Bereits kurze Zeit später entstanden unter Andersens Einfluss auch die ersten Projekte von internationalem Rang. Zum Jahreswechsel 2008/09 war mit „SACRALIS“ von Arend Zwickerl die erste „Winterlicht“-Ausstellung im Westflügel zu sehen. Seitdem werden in den Wintermonaten international renommierte Lichtkünstler eingeladen, die besonderen Ausstellungsräume zu bespielen. Inmitten der Lichtkunst finden traditionell das Neujahrskonzert und der Ökumenische Gottesdienst Anfang Februar statt. 2009 wurde zudem die Klangkunstreihe „SOUNDSEEING“ im DA, Kunsthaus initiiert, die sich in den folgenden Jahren zu einem münsterlandweiten Festival entwickelte.
2014 feierte das DA, Kunsthaus sein 10-jähriges Jubiläum. Der Kern der Feierlichkeiten war die Ausstellung „Wolkenatem“ des internationalen Kunst-Duos Bettina Bürkle und Klaus Illi. Die mehrteilige Installation bestand aus großen, beweglichen und aufblasbaren Skulpturen, die zusammen mit der Klosterarchitektur einen besonderen Erfahrungsraum bildeten. Der Höhepunkt des offiziellen Festakts zum Jubiläum war die Uraufführung des Musikwerkes Animata von Christoph Haberer. Dieser war beauftragt worden, eigens für diesen besonderen, ehemals sakralen Raum ein Musikwerk zu schaffen.
2019 startete die „Gravenhorster SAISONALE*“. Durch Unterstützung des Landes Nordrhein-Westfalen wurde in den Sommermonaten von 2019 bis 2021 die Freifläche rund um das Kloster als Plattform für temporäre Kunstinterventionen genutzt, die ihr Augenmerk auf den klösterlich geprägten Ort in enger Verbindung zur umgebenden Natur und Landschaft legten. Mit einem Frühlingsfest samt musikalischem Rundgang und großem Picknick gab es 2019 über die Sommermonate hinweg viele Gelegenheiten für Partizipation und Kunst im Außenraum, 2020 nahm die zweite Gravenhorster SAISONALE* das Thema „Heimat-Gärten“ in den Fokus und 2021 erlebte die temporäre Kloster.Garten.Kunst ihre „Blütezeit“.
Im Beisein von Ina Scharrenbach, Ministerin für Heimat, Kommunales, Bau und Digitalisierung des Landes Nordrhein-Westfalen, feierten am 23. Oktober 2022 zwei neue Multimedia-Guides zur Geschichte des Klosters Gravenhorst Premiere. Unter dem Titel „Reisen durch Raum und Zeit“ führt der Multimedia-Guide für Erwachsene interaktiv über das Außengelände und durch verschiedene Innenräume des ehemaligen Klosters. 3D-Rekonstruktionen machen die Entwicklung sichtbar, Hörclips und Filme vermitteln das jeweilige Thema. Die zugehörige Spiele-App lädt Kinder ein, als Müllerstochter Clara, Ritter Konrad oder Prinzessin Oda auf Entdeckungsreise zu gehen und mit einem Rucksack ins Gelände zu ziehen.
Ende 2022 verabschiedete sich Berit Gerd Andersen, Leiterin und Kuratorin des DA, in den Ruhestand. Ihre Nachfolgerin wurde am 1. Dezember Sara Dietrich, die zuvor bereits die Stelle als stellvertretende Leiterin innehatte.
„bepART – 20 Jahre DA“ 2024 feiert das DA, Kunsthaus Kloster Gravenhorst sein 20-jähriges Jubiläum. Aus diesem Anlass ist das ganze Jahr über ein spartenübergreifendes Ausstellungs- und Veranstaltungsprogramm geplant. Überschrieben mit „be pART – 20 Jahre DA“ finden die partizipativen Kernelemente des DA, Kunsthaus Eingang in das Jubiläumsthema: Im Blickpunkt steht die Aufforderung zur kulturellen Teilhabe, zum „Mitmachen und Mitdenken“ und das Nachspüren, was es eigentlich bedeutet, ein Teil von einem Ganzen zu sein.
Inhaltlich setzt sich das DA, Kunsthaus im Jubiläumsjahr mit dem Wechselspiel zwischen dem Umfeld (Architektur-/Sozialer Raum), in dem wir aufwachsen und leben, und unserem Selbstverständnis, unserer Identitätsprägung auseinander. Die historische Präsentation „ZISTERZIENSERINNEN. Das Kloster Gravenhorst 1256 – 1808“ wirft einen Blick auf die Geschichte der Zisterzienserinnen in Gravenhorst. Anhand von Texten, Bildern und Objekten stellt die Ausstellung die Vergangenheit dar. Die Gruppenausstellung „[intimacy] - Von Menschen und Orten“ wiederum geht anhand diverser künstlerischer Positionen der Frage nach, wie Architektur, Stadtstruktur, Natur- und Kulturräume die Menschen prägen und Einfluss nehmen auf die Entwicklung von Identität und Zugehörigkeit.
Räume Innenräume Das DA, Kunsthaus Kloster Gravenhorst befindet sich in einem ehemaligen, nahezu komplett erhaltenen Zisterzienserinnenkloster aus dem 13. Jahrhundert. Die Klosteranlage hat sich im Verlauf der Jahrhunderte verändert und ist organisch gewachsen. Dementsprechend haben verschiedene Kunstepochen von der Gotik, über die Renaissance bis zum Barock ihre Spuren hinterlassen. 2004 wurden die Klostergebäude im Rahmen der Regionale 2004 unter Erhalt der historischen Bausubstanz saniert, gesichert und um moderne Elemente ergänzt. Auf eine historisierende Rekonstruktion wurde verzichtet.
Das Konventsgebäude besteht aus einem West- und einem Südflügel. Der Westflügel gehört zum ältesten erhaltenen Teil der gesamten Anlage und wird dominiert vom großen Saal, einem bis zum Dachstuhl offenen, fast 50 Meter langen Raum, in dem über das Jahr verteilt zahlreiche Veranstaltungen und ein Großteil der Kunstausstellungen stattfinden. Die Südseite des Westflügels beinhaltet ein spätgotisches Fenster. Im Norden des Westflügels liegt der ehemalige Kapitelsaal. Direkt darüber befindet sich der sogenannte „Regieraum“, ein weißer Kubus, der wie der Kapitelsaal als Ausstellungsfläche genutzt wird. Ein neu eingebautes Treppenhaus verbindet die unterschiedlichen Geschosse von West- und Südflügel. Der Südflügel beherbergt im Erdgeschoss das Foyer, den kleinen Saal als weiteren Ausstellungsraum sowie daran anschließend ein Café. Im Obergeschoss sind sieben Ateliers vorhanden, die vor allem im Rahmen des Projektstipendiums KunstKommunikation genutzt werden, sowie Apartmenträume für Künstler. Über den großen Saal gelangt man zudem in den Gewölbekeller, der ebenfalls für Ausstellungen genutzt wird.
Ebenfalls zum DA, Kunsthaus Kloster Gravenhorst gehört das ehemalige Back- und Brauhaus, das heute als Verwaltungsgebäude dient. Die ehemalige Klosterkirche befindet sich in Landesbesitz und wird bis heute als katholische Gemeindekirche genutzt. Die Klostermühle befindet sich in Händen des Fördervereins Kloster Gravenhorst, der sie zu bestimmten Terminen der Öffentlichkeit zugänglich macht.
Außenräume Da von den frühen Nutzgärten der Nonnen keine Relikte mehr vorhanden waren und es auch keine historischen Belege für einen Klostergarten im traditionellen Sinne gibt, wurde der Klosterpark weitestgehend im Zustand von 2004 belassen. Seitdem wird die Grünfläche rund um das Kunsthaus für Veranstaltungen, zeitgenössische Skulpturen und temporäre Installationen genutzt.