Der Verein für Leibesübungen Bochum 1848 Fußballgemeinschaft e. V., kurz VfL Bochum, entstand 1938 durch die Fusion dreier Bochumer Sportvereine, des Turnvereins Bochum 48, Germania 06 und des TuS Bochum, wobei die Ursprünge des Turnvereins bis in das Jahr 1848 zurückreichen. Am 29. Juli 1949 wurde eine separate Fußballgemeinschaft innerhalb des VfL Bochum 1848 gegründet, der Verein für Leibesübungen Bochum 1848 Fußballgemeinschaft e. V. Der Verein hat 33.500 Mitglieder (Stand: 1. Juli 2026), womit er zu den mitgliederstärkeren Vereinen in Deutschland zählt. Die erste Herrenmannschaft ist zur Saison 2025/26 in die 2. Bundesliga abgestiegen.
Neben Fußball werden beim VfL Bochum die Sportarten Badminton, Basketball, E-Sport, Fechten (bis zur Insolvenz 2020), Handball, Hockey, Leichtathletik, Schwimmen, Tanzsport, Tennis, Tischtennis, Turnen und Volleyball betrieben. Die Abteilungen sind in eigenständigen Vereinen organisiert. Zwischen ihnen und dem VfL Bochum 1848 e. V. besteht eine Vereinsgemeinschaft.
Vereinsgeschichte mini|Zeitungsartikel zur Gründung des „VfL Bochum von 1848“
Stammbaum Der VfL Bochum 1848 e. V. entstand am 14. April 1938. Damals wurden im Zuge der Gleichschaltung auf Anordnung des nationalsozialistischen Fachamtes Fußball in etlichen Städten des Großdeutschen Reichs die konkurrierenden Vereine in einem zentralen Großverein konzentriert. So wurden auch in Bochum der Turnverein 1848, der TuS Bochum 08 und Germania Bochum zum VfL Bochum 1848 zusammengeschlossen. Die Jahreszahl 1848 hat der VfL vom TV 1848 übernommen.
SV Germania 1906 Bochum
Der Verein wurde 1906 als FC 1906 Bochum gegründet und später in Sportverein Germania 1906 Bochum umbenannt. Der Verein zählte zu den ältesten Fußballvereinen Bochums. Von der Ligagründung 1933 an bis zur Fusion gehörte der SV Germania der Gauliga Westfalen an, wo er 1936 hinter dem FC Schalke 04 Vizemeister wurde. Das Fusionsprodukt VfL Bochum 1848 übernahm das Ligamandat des SV Germania.
TuS Bochum 1908
Der Verein wurde 1908 als Spiel- und Sportverein 1908 Bochum gegründet. Am 1. April 1919 fusionierten der SuS Bochum 1908 und der Turnverein zu Bochum von 1848 zum Turn und Sportverein Bochum 1848. Der Fusionsverein spaltete sich jedoch am 1. Februar 1924 im Zuge des Konflikts zwischen Turn- und Spielverbänden per Reinliche Scheidung in den Turnverein zu Bochum von 1848 und den Turn und Sportverein Bochum 1908. Letzterer stieg zur Saison 1935/36 in die Gauliga Westfalen auf und 1937 als Tabellenletzter wieder ab.
Turnverein zu Bochum von 1848 Abweichend von der Jahreszahl im Namen wurde der Bochumer Turnverein erst am 18. Februar 1849 gegründet, infolge eines Aufrufs am Tag zuvor. Einer der Gründerväter und ab 1850 der Vorsitzende war Philipp Anschel (1824–1889).
Im Dezember 1852 wurde der Verein verboten und 1860 unter demselben Namen erneut gegründet. Erst im Mai 1904 wurde die Zahl „1848“ in den Vereinsnamen übernommen. Sie bezieht sich auf einen am 26. Juli 1848 im „Märkischen Sprecher – Kreisblatt für den Kreis Bochum“ veröffentlichten Zeitungsartikel, der die Einführung des Schulsports fordert und zur Vereinsgründung im folgenden Jahr führte.
Am 1. April 1919 fusionierten der SuS Bochum 1908 und der Turnverein zu Bochum von 1848 zum Turn- und Sportverein Bochum 1848. Der Fusionsverein spaltete sich jedoch am 1. Februar 1924 im Zuge des Konflikts zwischen Turn- und Spielverbänden per reinlicher Scheidung in den Turnverein zu Bochum von 1848 und den Turn- und Sportverein Bochum 1908. 1925 qualifizierte sich der TV Bochum 1848 für die erstmals ausgespielte deutsche Fußballmeisterschaft der Deutschen Turnerschaft. Die Mannschaft schied in der Vorrunde mit einem 1:3 gegen den Harburger TB 1865 aus.
Fußball Saison Liga Level Platz 1938/39 Gauliga Westfalen I 2. 1939/40 Gauliga Westfalen I 3. 1940/41 Gauliga Westfalen I 8. 1941/42 Gauliga Westfalen I 3. 1942/43 Gauliga Westfalen I 4. 1943/44 Gauliga Westfalen I 6. 1944/45 Gauliga Westfalen I 4. 1945/46 Landesliga Westfalen I 7. 1946/47 Landesliga Westfalen I 7. 1947/48 Landesliga Westfalen II 6. 1948/49 Landesliga Westfalen II 3. 1949/50 2. Oberliga West II 12. 1950/51 2. Oberliga West II 7. 1951/52 2. Oberliga West II 5. 1952/53 2. Oberliga West II 1. 1953/54 Oberliga West I 8. 1954/55 Oberliga West I 16. 1955/56 2. Oberliga West II 1. 1956/57 Oberliga West I 10. 1957/58 Oberliga West I 14. 1958/59 Oberliga West I 4. 1959/60 Oberliga West I 11. 1960/61 Oberliga West I 16. 1961/62 2. Oberliga West II 3. 1962/63 2. Oberliga West II 14. 1963/64 Verbandsliga Westfalen III 2. 1964/65 Verbandsliga Westfalen III 1. 1965/66 Regionalliga West II 12. 1966/67 Regionalliga West II 4. 1967/68 Regionalliga West II 5. 1968/69 Regionalliga West II 3. 1969/70 Regionalliga West II 1. 1970/71 Regionalliga West II 1. 1971/72 Bundesliga I 9. 1972/73 Bundesliga I 12. 1973/74 Bundesliga I 14. 1974/75 Bundesliga I 11. 1975/76 Bundesliga I 14. 1976/77 Bundesliga I 15. 1977/78 Bundesliga I 14. 1978/79 Bundesliga I 8. 1979/80 Bundesliga I 10. 1980/81 Bundesliga I 9. 1981/82 Bundesliga I 10. 1982/83 Bundesliga I 13. 1983/84 Bundesliga I 15. 1984/85 Bundesliga I 9. 1985/86 Bundesliga I 9. 1986/87 Bundesliga I 11. 1987/88 Bundesliga I 12. 1988/89 Bundesliga I 15. 1989/90 Bundesliga I 16. 1990/91 Bundesliga I 14. 1991/92 Bundesliga I 15. 1992/93 Bundesliga I 16. 1993/94 2. Bundesliga II 1. 1994/95 Bundesliga I 16. 1995/96 2. Bundesliga II 1. 1996/97 Bundesliga I 5. 1997/98 Bundesliga I 12. 1998/99 Bundesliga I 17. 1999/00 2. Bundesliga II 2. 2000/01 Bundesliga I 18. 2001/02 2. Bundesliga II 3. 2002/03 Bundesliga I 9. 2003/04 Bundesliga I 5. 2004/05 Bundesliga I 16. 2005/06 2. Bundesliga II 1. 2006/07 Bundesliga I 8. 2007/08 Bundesliga I 12. 2008/09 Bundesliga I 14. 2009/10 Bundesliga I 17. 2010/11 2. Bundesliga II 3. 2011/12 2. Bundesliga II 11. 2012/13 2. Bundesliga II 14. 2013/14 2. Bundesliga II 15. 2014/15 2. Bundesliga II 11. 2015/16 2. Bundesliga II 5. 2016/17 2. Bundesliga II 9. 2017/18 2. Bundesliga II 6. 2018/19 2. Bundesliga II 11. 2019/20 2. Bundesliga II 8. 2020/21 2. Bundesliga II 1. 2021/22 Bundesliga I 13. 2022/23 Bundesliga I 14. 2023/24 Bundesliga I 16. 2024/25 Bundesliga I 18. 2025/26 2. Bundesliga II 9. 2026/27 2. Bundesliga II –
Sportliche Entwicklung 1938–1945: Gauliga Sportlich war der geschaffene Großverein zunächst ein Gewinn. Der VfL blieb bis zur kriegsbedingten Einstellung des Spielbetriebs Gauligist, wurde in der Saison 1938/39 erneut Vizemeister Westfalens und belegte 1939/40 und 1941/42 den dritten Platz. Ab 1943 bildete der VfL mit den Vereinigten Preußen Bochum eine so genannte Kriegsspielgemeinschaft (KSG), die 1944/45 aber nur noch zwei Spiele austrug.
1945–1965: Nachkriegsjahre Am 29. Juli 1949 wurde die Fußballabteilung in einen eigenständigen Verein ausgegliedert, der am 10. August 1949 ins Vereinsregister eingetragen wurde. In den ersten Nachkriegsjahren spielte der Verein kaum eine Rolle. Erst nach acht Jahren in der Landesliga Westfalen und der 2. Oberliga West gelang 1953 der Aufstieg in die erstklassige Oberliga West. Meist beendete er die Saison in der unteren Tabellenhälfte, 1955 und 1961 stieg er jeweils als Tabellenletzter ab. 1956 stiegen die Bochumer direkt wieder auf, zwei Jahre nach dem zweiten Abstieg mussten sie in die drittklassige Verbandsliga Westfalen.
1965 stiegen die Bochumer in die zwei Jahre zuvor gegründete zweitklassige Regionalliga West auf. In den Spielen um die Westfalenmeisterschaft zwischen den beiden Staffelsiegern der Verbandsliga Westfalen gab es gegen die SpVgg Erkenschwick ein 4:1 in Bochum und ein 2:3 in Erkenschwick. Das Entscheidungsspiel in Recklinghausen endete nach Verlängerung 1:1. Die Statuten sahen zu diesem Zeitpunkt einen Losentscheid durch Münzwurf vor. Ein solcher entschied zugunsten des VfL Bochum.
1965–1971: Regionalliga West Nachdem der VfL Bochum im ersten Jahr nur auf Rang zwölf gelandet war, gehörte die Mannschaft ab 1966 zur Spitzengruppe der Regionalliga West. 1968 stand der VfL im Endspiel um den DFB-Pokal, das er im Südweststadion zu Ludwigshafen gegen den 1. FC Köln mit 1:4 verlor. 1971 schaffte das Team unter Trainer Hermann Eppenhoff nach der zweiten Regionalliga-Meisterschaft in Folge durch eine souveräne Aufstiegsrunde mit sieben Siegen aus acht Spielen den Sprung in die Bundesliga.
1971–1993: Bundesliga In den folgenden 22 Jahren hielt sich der Verein im Oberhaus, wo er keine bessere Platzierung als den achten Tabellenplatz (1978/79) erreichen konnte. Zumeist war der VfL im Mittelfeld platziert und musste sich aus finanziellen Gründen am Saisonende oft von seinen Leistungsträgern trennen. Häufig fand sich die Mannschaft auch im Abstiegskampf wieder.
1990 schloss der VfL die Saison als 16. ab. Er durfte aber in der Bundesliga bleiben, da er sich in zwei Relegationsspielen gegen den 1. FC Saarbrücken durchsetzte. Der VfL gewann das Hinspiel in Saarbrücken durch ein Elfmetertor von Thorsten Legat mit 1:0, im Rückspiel reichte dann ein 1:1, Bochums Torschütze war Uwe Leifeld.
1993–2010: Ab- und Aufstiege und UEFA-Pokal Im Sommer 1992 begannen die Fans des VfL, ihre Mannschaft als „Die Unabsteigbaren“ zu bezeichnen. Ironischerweise stieg der VfL jedoch direkt in der folgenden Saison 1992/93 nach 22 Spielzeiten erstmals aus der Bundesliga ab. Hatte man sich im Sommer 1990 noch in den Relegationsspielen retten können, gab nun ein einziger Punkt den Ausschlag, den die Mannschaft weniger verbuchte als Dynamo Dresden. Nach nur acht Punkten in der Hinrunde wurde die Aufholjagd der Rückserie unter Trainer Jürgen Gelsdorf am Ende nicht mehr belohnt. Da der Kontrollausschuss des DFB die Lizenzvergehen des 1. FC Dynamo Dresden erst zur nächsten Spielzeit mit Punktabzug bestrafte, hielt der Abstieg auch am Grünen Tisch stand.
Es begann ein Auf und Ab, ein Pendeln des VfL in den folgenden vier Jahren zwischen Bundesliga und Zweiter Liga. In ihrer ersten Zweitligasaison feierten die Bochumer einen souveränen Start-Ziel-Sieg, ab dem zweiten Spieltag führte das Team die Tabelle an und gab den ersten Platz bis zum Ende der Spielzeit nicht mehr aus der Hand. Doch 1995 stand bereits der zweite Abstieg fest. Jürgen Gelsdorf trat während der Saison zurück und Klaus Toppmöller wurde als neuer Trainer verpflichtet. Am drittletzten Spieltag verlor der VfL das vorentscheidende Spiel in Uerdingen mit 1:2. Unter Toppmöller gelang erneut der direkte Wiederaufstieg, mit 17 Punkten Vorsprung vor einem Nichtaufstiegsplatz und 12 Punkten Vorsprung auf die zweitplatzierten Bielefelder wurde auch nach dem Umbruch in der Mannschaft abermals die Zweitligameisterschaft gefeiert.
Sogar eine Konsolidierung im Oberhaus gelang Toppmöller, der das Team als Aufsteiger in der Saison 1996/97 zu einem ersten großen Erfolg führte. Zum ersten Mal in seiner Geschichte erreichte der VfL Bochum mit dem 5. Platz in der Abschlusstabelle 1997 einen UEFA-Pokal-Platz. Im folgenden Wettbewerb erreichte die Mannschaft trotz der Hinspielniederlagen bei Trabzonspor und dem FC Brügge durch hohe Heimsiege in den Rückspielen das Achtelfinale. Dann setzte sich der Favorit Ajax Amsterdam durch, obwohl der VfL im Hinspiel in Amsterdam mit 2:0 hatte in Führung gehen können.
In der Bundesliga folgte schon ab 1999 eine erneute Phase der Auf- und Abstiege, an deren Ende im Sommer 2002 der vierte direkte Wiederaufstieg des VfL in die Bundesliga stand. Dieser wurde erst am letzten Spieltag durch einen 3:1-Sieg in Aachen gesichert.
Unter Trainer Peter Neururer spielte die Mannschaft in der Saison 2002/03 zunächst sehr erfolgreich und stand zwischenzeitlich an der Tabellenspitze. Am Ende schloss das Team auf dem neunten Tabellenplatz ab.