mini|400px|Mosaik, Villa Hadrian, 130 n. Chr.: Kentaur setzt an zum Wurf. Gryneus ist ein Kentaur der griechischen Mythologie. Er zermalmt in der Kentauromachie auf der Hochzeit des Peirithoos die Lapithen Broteas und Orius, darauf wird er selbst vom Lapithen Exadius erlegt. Einzige Quelle ist das zwölfte Buch der Metamorphosen des Ovid.
Name Der Name kommt vom griechischen Γρυνεὐς, Gryneús, deutsch und lateinisch mit abweichender Betonung Grýneus. Er ist ein personalisiertes Nomen von γρύνος, grýneus, Feuerbrand. „An die Bewaffnung der Kentauren mit Feuerbränden erinnern ... Namen, die sich möglicherweise aus der Vorstellung von Waldbränden erklären lassen.“Dazu zählen auch die Namen Pyrakmos und Pyretos, Roscher, Kentaurennamen, Seite 426, siehe Literatur. Kentauren kämpfen mit Baustämmen und mit Ästen und manchmal auch mit brennenden.Ovid, Metamorphosen 12, 270–274, 287, 295–296: brennende Holzscheite. Er ist also einer, der mit Feuer kämpft, ein Feuerteufel. In seinem kurzen Kampfauftritt wird er seinem Namen gerecht, er kämpft mit einem glutbeladenen Opferaltar.
Mythos Ovid lässt Nestor vor Troja die Geschichte – sie spielt am Beginn der Kentauromachie – erzählen, war er doch selbst dabei: Auf der Hochzeit werden die betrunkenen Kentauren gegenüber den Lapithenfrauen sexuell übergriffig. Die Gastgeber lassen sich das nicht bieten und sofort beginnt ein blutiger Kampf. Der Hochzeitsgast Theseus tötet den Kentauren Eurytos, der Lapithe Celadon wird vom Kentauren Amycos getötet, letzterer wieder vom Lapithen Pelates. Gryneus, der dabei steht, sieht seine Chance und greift in den Kampf ein. Er hebt einen steinernen Brandaltar samt der Glut hoch und wirft ihn in die Gruppe der Lapithen und zermalmt den Broteas und den Orios. Der Lapithe Exadius schreitet zum tödlichen Racheangriff, ergreift ein Hirschgeweih und stößt es hinein in die Augen des Gryneus.
Text Ovid, Metamorphosen 12, 258–270:
Eigenübersetzung in Prosa:
Der Halbmensch Gryneus, der Feuerkämpfer, hat übermenschliche Kräfte, aber letztlich hat er keine Chance gegen die erbarmungslosen Lapithen. Bevor er selbst zu Fall kommt, kann er noch zwei Gegner mit in den Tod reißen. Seine Geschichte zerfällt in zwei Teile, erst sein erfolgreicher Wurf, dann sein tragischer Untergang.
Literarische Gestaltung Ovid steigert die Darstellung durch den Einsatz der direkten Rede sowohl bei Gryneus (v. 259) als auch bei Exadius (v. 265) zu Beginn der jeweiligen Kampfszene. Diese Dramatisierung wird inhaltlich gesteigert, vom „unblutigen“ Zermalmen der beiden Lapithen bis zum blutigen Ende des Kentauren.„Steigerung und Variation in der Darstellung der Brutalität“; Bömer, Seite 100, siehe Literatur. Diese Klimax wird unterstützt durch einen Tempuswechsel (siehe Prosaübersetzung). Nach dem Perfekt und Plusquamperfekt wechselt der Erzähler im zweiten Teil in das praesens historicum (ab 266: habet, er ergreift, nimmt, auch im Text kursiv), um dem Zuhörer das Ende des Kentauren noch näher zu bringen und den schrecklichen Eindruck zu verstärken.
Quellen Ovid: Metamorphosen 12, 258–270, Übersetzung Suchier, Wikisource.
Literatur Franz Bömer: P. Ovidius Naso, Metamorphosen, Kommentar, Buch XII–XIII.6. Carl Winter Universitätsverlag, Heidelberg 1969. Moriz Haupt (Ed.): Die Metamorphosen (lateinisch), mit Erklärungen (deutsch), Weidmann, Berlin 1862, google.de. Wilhelm Heinrich Roscher: Die Kentaurennamen bei Ovidius’ Metamorphosen 12, 220–499. In: Neue Jahrbücher für Philologie und Pädagogik. Band 105, 1872, Seite 421–428 (Digitalisat).
Einzelnachweise
Kategorie:Kentaur