mini|hochkant=1.5|Richtzeichen „Zeichen 437: Straßennamensschild“ aus der Bildtafel der Verkehrszeichen in Deutschland Ein Straßenschild (in Deutschland nach Abs. 3 Satz 1 StVO: „Straßennamensschild“) zeigt den Straßennamen einer Straße an. Straßenschilder werden an Straßenkreuzungen oder Einmündungen an Hauswänden oder frei stehenden Pfosten angebracht.

Deutschland miniatur|hochkant=1.5|Diverse Straßenschilder in der Ausstellung des Jüdischen Museums Berlin. Die Straßenschilder sind in Deutschland – aufgrund der Zuständigkeit der nach Landesrecht festgelegten Straßenbaubehörden – regional sehr unterschiedlich gestaltet, üblich sind folgende Typen: weißes Schild mit schwarzer Inschrift weiße Inschrift blaues Schild mit weißer Inschrift (z. B. in München) schwarzes Schild mit weißer Inschrift grünes Schild mit weißer Inschrift rote Schilder mit weißer Inschrift orangefarbenes Schild mit weißer Inschrift (Kielfür den Fußgängerverkehr vorbehaltene Straßen wurden bis zur Änderung der Verordnung am 10. April 2015 derart beschildert, viele dieser Schilder hängen noch, vgl. § 1 Abs. 1 Satz 2 Satzung der Landeshauptstadt Kiel über Straßenschilder und Grundstücksnummern vom 21. März 1969, zuletzt geändert durch die 2. Nachtragssatzung vom 20. Dezember 1984, PDF auf kiel.de mit Satzung der Landeshauptstadt Kiel über Straßenschilder und Grundstücksnummern vom 10. April 2015)

Rechtliche Grundlagen

Straßennamenschilder werden in der Straßenverkehrsordnung als Zeichen 437 bezeichnet, unter laufender Nummer 54 in Anlage 3 steht bei dem nebenstehenden Bild der Text „Das Zeichen hat entweder weiße Schrift auf dunklem Grund oder schwarze Schrift auf hellem Grund. Es kann auch an Bauwerken angebracht sein.“ Daneben enthält die Allgemeine Verwaltungsvorschrift zur Straßenverkehrs-Ordnung speziell zu Straßennamensschilder nur zwei Regeln: „Die auf die gezeigte Weise aufgestellten Straßennamensschilder sind beiderseits zu beschriften“. und „Die Zeichen sollen für alle Kreuzungen und Einmündungen und müssen für solche mit erheblichem Fahrverkehr angeordnet werden.“

Die Schilder sind grundsätzlich doppelseitig mit retroreflektierender Folie RA1 zu beschriften. Die Standardfarben sind Verkehrsblau (RAL 5017) sowie Verkehrsweiß (RAL 9016). Die Beschriftung ist mit der Schrift DIN 1451 vorzunehmen. Die minimale Schrifthöhe ist 84 mm. Die Schildunterkante ist mindestens 2 Meter hoch, über Radwegen 220 cm.VwV – StVO §§39 – 43III Im Verkehrsblatt waren 1972 unter „Abmessungen der Verkehrszeichen nach der StVO einschließlich ihrer Varianten“ zwei Größen vorgesehen: 84 mm Schrifthöhe bei einer Gesamthöhe von 150 mm und 105 mm Schrifthöhe bei einer Gesamthöhe von 200 mm.Verkehrsblatt 1972, S. 494 In der gleichnamigen Bekanntmachung aus dem Jahre 1976 ist nur noch die größere Variante aufgeführt.Verkehrsblatt 1976, S. 789

Nach § 45 Absatz 3 StVO gilt: „Im Übrigen bestimmen die Straßenverkehrsbehörden, wo und welche Verkehrszeichen und Verkehrseinrichtungen anzubringen und zu entfernen sind, bei Straßennamensschildern nur darüber, wo diese so anzubringen sind, wie Zeichen 437 zeigt. Die Straßenbaubehörden legen – vorbehaltlich anderer Anordnungen der Straßenverkehrsbehörden – die Art der Anbringung und der Ausgestaltung, wie Übergröße, Beleuchtung fest“. Absatz 2 legt fest: „die nach Landesrecht für den Straßenbau bestimmten Behörden (Straßenbaubehörde)“. Nach §§ 10 bis 19 des Straßen- und Wegegesetz des Landes Schleswig-Holstein ist dies die jeweilige Gemeinde, außer bei Ortsdurchfahrten von Kreisstraßen und Landesstraße mit weniger als 20.000 Einwohnern.§ 12 Straßen- und Wegegesetz des Landes Schleswig-Holstein

Berlin In Berlin existieren zwei Arten von Straßenschildern: eine West-Berliner und eine Ost-Berliner Variante, was der Deutschen Teilung geschuldet ist. Beide Versionen tragen schwarze Schrift auf weißem Grund, unterscheiden sich jedoch in der Schriftart: Die West-Schilder fallen besonders durch ihre charakteristische ſz-Ligatur (ß) in -straße und der tz-Ligatur in -platz auf. Die Buchstaben der Ost-Schilder sind deutlich schmaler.Die vermutlich in den 1930er Jahren entstandene Schrift der Berliner Straßenschilder wurde nach der Teilung der Stadt nur noch im Westteil verwendet. Der Ostteil bekam in den 1950er Jahren eine schmal-laufende Grotesk mit technischer Ausprägung. Beide Schriften wurden im Jahr 2000 von den Berliner Designern Ole Schäfer und Verena Gerlach dokumentiert, interpretiert, ergänzt und digitalisiert. Erschienen sind die Fonts bei FontShop als FF Cst Berlin West bzw. FF Cst Berlin East.

Die Straßenbaubehörde hat die West- zur Gesamt-Berliner Variante auserkoren und ersetzt die alten Ost-Schilder nach und nach durch Schilder im West-Stil, wo dies aufgrund von Beschädigungen, Baumaßnahmen oder Umbenennungen erforderlich ist. Die West-Berliner Variante ist ebenfalls in manchen westdeutschen Städten zu finden. Neben diesen Standardtypen werden in bestimmten Vierteln Straßenschilder in historischem Stil verwendet, wie in der Spandauer Altstadt. Andererseits sind teilweise die in Kolonien liegenden Privatstraßen mit andersgestalteten und -farbigen Straßenschildern ausgewiesen, wie in den Gartenkolonien im Bezirk Pankow. In den ehemaligen französischen Alliiertensiedlungen (wie der Cité Foch) tragen die Straßen französische Namen und sind nach französischem Vorbild mit einem blauen Schild und weißer Schrift ausgeschildert.

Kaiserslautern

In Kaiserslautern wurde bis in die 1970er Jahre eine Untergliederung der Stadt in Fünftel praktiziert, die farblich unterschieden waren. Die an Hauswänden angebrachten Schilder mit blauer, weißer, gelber, roter oder grüner Grundfarbe sind teilweise noch vorhanden und geben einen ungefähren Eindruck, in welcher Gegend der Stadt man sich gerade befindet. Heute werden überall nur noch weiße Schilder mit schwarzer Schrift aufgestellt.

Mainz

In der Mainzer Innenstadt gibt es seit 1853 Straßenschilder mit weißer Schrift auf blauem oder auf rotem Untergrund. Straßen mit blauen Schildern laufen parallel mit dem Rhein, die mit roten Schildern zum Rhein hin. Dabei steigen die Hausnummern in den Straßen mit roten Schildern in Richtung Rhein an, in den Straßen mit blauen Schildern mit der Flussrichtung des Rheins, jeweils gerade Zahlen rechts und ungerade links.Mainz Online: Straßenschilder Mehr oder weniger Ortskundige sind dabei rasch imstande, die ungefähre Lage einer Hausnummer im Straßenzug abzuschätzen. Die Anregung dazu gab bereits 1849 Josef Anschel durch einen Antrag auf Umänderung der Häusernummern.

Mannheim

Die hufeisenförmige Innenstadt von Mannheim ist als Planstadt nicht in Straßenzügen, sondern in Häuserblöcken, den Quadraten, angelegt. Wenngleich es sich hierbei nicht um Quadrate im Sinne der Geometrie handelt, sind es Vierecke. Die Adressen werden nicht durch Straßen, sondern durch die Quadratbezeichnungen mit zugehörigen Hausnummern gebildet (beispielsweise D 4, 1). Die Hausnummern laufen um das jeweilige Quadrat, sodass beispielsweise D 4, 6 an der gleichen Straße gegenüber von E 4, 1 liegt. An den Ecken der Quadrate sind für die betreffenden Seiten Straßenschilder angebracht, die das Quadrat bezeichnen und zusätzlich angeben, welche Hausnummern an dieser Seite liegen.

München

Mit München verbindet man neben vielem anderen auch die Emailtafeln mit weißer Schrift auf blauem Grund. In ihrer heutigen Form stammen sie aus den 1980er Jahren und ersetzten Schilder mit Münchener Verkehrsschrift beschriftet, die Otl Aicher entworfen hatte. Blaue Schilder auf weißem Grund (die Bayerischen Farben) gibt es schon seit Anfang des 20. Jahrhunderts.

Weitere Formen in Deutschland

Schweiz In der Schweiz sind die Straßenschilder (lokal in der Schreibweise Strassenschilder) zumeist in heller Schrift auf (dunkel-)blauem Grund gestaltet. Die Schrift kann durch einen einfachen, rechteckigen oder einen leicht verzierten Rahmen eingefasst sein. Oftmals werden Schilder mit erhabener Schrift verwendet, es sind jedoch auch gedruckte und emaillierte Schilder im Einsatz.

Bern In der Altstadt von Bern sind die Straßenschilder nicht blau, sondern seit 1798 in den fünf Farben schwarz, weiß, grün, gelb und rot. Nach dem Einmarsch der napoleonischen Truppen 1798 in Bern erteilte der Oberkommandierende der französischen Invasionstruppen, General Schauenburg, den Auftrag, Straßenschilder für die fünf Stadtteile anzufertigen und dies in verschiedenen Farben. Es bildete sich jedoch auch die Legende, dass die Schilder verschiedene Farben hätten, damit die französischen Soldaten nach ihren Trinkgelagen den Weg in ihr Nachtquartier leichter finden konnten.Als die Berner Farbe bekannten. In: Der Bund, 19. Juli 2010

Frankreich In Straßburg, der Hauptstadt des Elsass, sind die in weißer Schrift auf blauem Grund gehaltenen Straßenschilder zweisprachig: auf Französisch und der dortigen lokalen, weit verbreiteten Mundart, dem Elsässischen, einem alemannischen Dialekt des Deutschen. Auch in der an das Saarland angrenzenden Stadt Sarreguemines (Saargemünd) sind die Straßenschilder zweisprachig. Sie stehen jeweils getrennt untereinander; das französischsprachige Schild mit weißer Schrift auf blauem Grund, darunter das in der Mundart der Stadt geschriebene Schild mit blauer Handschrift auf weißer Keramik.

Italien In Italien sind die Straßenschilder vieler Orte weiß mit schwarzer Inschrift und dünnem blauem Rand, in Südtirol meist noch mit Gemeindewappen sowie zweisprachig. Im Zentrum Roms und in den älteren Stadtvierteln außerhalb davon sind die Straßenschilder jedoch üblicherweise gravierte Marmortafeln und enthalten oft neben dem Straßennamen noch einen Verweis auf das Viertel (Rione) sowie einen Hinweis zum Namensgeber der Straße (z. B. „Astronom“ oder „Schriftsteller“).

Luxemburg Zweisprachige Straßenschilder sind französisch und luxemburgisch, früher französisch und deutsch.

Österreich In Österreich gibt es zahlreiche Varianten von Straßenschildern. Die Regelung derselben ist Landessache. So ist dies z. B. für das Bundesland Oberösterreich in § 10 Oö. Straßengesetz 1991 geregelt, wobei hier gemäß Abs. 4 gilt: Die Gemeinde kann durch Verordnung nähere Regelungen über die einheitliche Gestaltung und Ausführung von Straßennamens- und Hausnummerntafeln sowie deren Anbringung festlegen.§ 10 Oö. Straßengesetz 1991

Burgenland

Kärnten

Niederösterreich St. Pölten

Weitere

Oberösterreich Linz In Linz gibt es alte Straßenschilder, welche aus schwarzen Metallschildern mit weißer Schrift auf Holzplatten befestigt sind. Friedrich Neugebauer entwarf 1951 mit seiner Meisterklasse der Kunstschule Linz dafür die Schriftart (digitalisiert CAT Linz),CAT Linz, www.peter-wiegel.de die bis in die 1990er Jahre in Verwendung war. Die neuen Straßen- und Hausnummernschilder sind weiß mit schwarzer Schrift in der Schriftart WeidemannAmtsblatt der Stadt Linz Nr. 1 vom 10. Jänner 2005 und haben oben und unten einen orangen Strich sowie links das Wappen der Stadt Linz. Auf den neuen Tafeln sind meist zusätzlich Erklärungen über die Herkunft des Straßennamens angeführt.

Weitere

Salzburg Salzburg (Stadt)

Weitere

Steiermark Graz In Graz sind die Straßenschilder traditionell in Grün mit weißer Schrift gehalten. Am Kopf mittig befinden sich der Bezirksname und die Bezirksnummer (in römischen Zahlen), darunter steht der Straßenname. In der Welterbezone sind die Schilder weiß mit weinroter Schrift.

Weitere

Tirol Innsbruck Die ältesten Straßenschilder in Innsbruck sind hellgelb mit schwarzer Frakturschrift, haben einen dünnen roten Strich entlang des Randes und waren bis 2008 flächendeckend im Einsatz, meist auf die Fassaden montiert.

Im Innenstadtbereich wurden in den 1900er Jahren zusätzlich schmale weiße Schilder mit schwarzer Schrift und roter Umrahmung an Pfosten angebracht.