Die deutsche Invasion von Griechenland (Unternehmen Marita), auch: Überfall auf Griechenland war eine militärische Operation während des Zweiten Weltkrieges. Ende November 1940 kam es zum Krieg zwischen Italien und Griechenland. Im März 1941 konnten die Griechen mit britischer Luft- und Materialunterstützung die Italiener besiegen. Um ein Festsetzen der Alliierten in Griechenland zu verhindern, ordnete Hitler die Eroberung Griechenlands an. Am 6. April starteten deutsche Truppen von Bulgarien aus die Invasion. Die griechische Armee war bei ihren Verteidigungsversuchen zahlenmäßig unterlegen und wurde schnell von den Deutschen besiegt und zur Kapitulation gezwungen.
Vorgeschichte
Am 4. August 1936 führte der Politiker Ioannis Metaxas einen Staatsstreich durch und errichtete eine Diktatur über Griechenland. Obwohl er selbst Faschist war, erklärte er Griechenland bei Ausbruch des Krieges 1939 für neutral. Da Italien jedoch bereits im April 1939 Albanien erobert hatte, akzeptierte Metaxas die britische Garantie für territoriale Unversehrtheit und begann, Waffen von Großbritannien zu kaufen. Mussolinis Interesse am Balkan war sowohl historisch als auch wirtschaftlich begründet. Ein Teil seiner faschistischen Mission zielte darauf ab, Italiens unerreichte Kriegsziele von 1915–1918 entlang der dalmatinischen Küste zu verwirklichen und die Kupfer- und Bauxitminen Jugoslawiens zu erobern. Der Erwerb Nordgriechenlands war Teil der Abrundung des italienischen Reiches im Mittelmeerraum. In den Gesprächen zwischen Deutschland und Italien wurde immer wieder deutlich, dass Jugoslawien und Griechenland an Italien fallen würden, doch die Deutschen zögerten eine endgültige Entscheidung immer wieder hinaus. Am 7. Juli 1940 traf Hitler mit dem italienischen Außenminister Galeazzo Ciano zusammen und stimmte offenbar Italiens Plänen für Jugoslawien und Griechenland zu, lehnte aber ein sofortiges Handeln ab. Er befürchtete, dass die Sowjetunion Jugoslawien zu Hilfe kommen könnte und dass die gemeinsamen Interessen, die sich aus einem italienischen Angriff ergeben würden, Sowjets und Briten zusammenbringen könnten. Mussolini und Ciano wurden immer ungeduldiger und versuchten beharrlich zu beweisen, dass Griechenland ein britischer Stützpunkt war, der zu Italiens „Norwegen“ zu werden drohte. Ende Oktober wartete Mussolini nicht länger und befahl, Griechenland anzugreifen, ohne Hitler zu informieren.Hondros: 1983, S. 13., 33.Liddell Hart: 1993, S. 152. Nach 7 Monaten schwerer Kämpfe und dem Verlust von 90.000 Mann musste sich Italien schließlich im März 1941 aus Griechenland zurückziehen.
Auftakt Bereits im Oktober 1940 hatte Großbritannien Griechenland Hilfe zugesichert und anschließend mit Zustimmung der Regierung in Athen Kreta und Lemnos besetzt. Da Hitler für seinen Angriff auf die Sowjetunion freie Hand brauchte, beabsichtigte er, die Gefahr einer südlichen Front durch die Briten zu verhindern. Er wollte unter allen Umständen verhindern, dass sich die Briten in Griechenland festsetzen konnten, und eine Bedrohung des für Deutschland kriegswichtigen rumänischen Ölgebietes ausschalten; ebenso glaubte er, auf diese Weise Italien in die Lage versetzen zu können, seine Stellungen in Albanien halten zu können. Mitte November gab Hitler schließlich den Befehl zum Angriff auf Griechenland. Der Beginn der Operation mit dem Namen Marita wurde für den 6. April festgesetzt. Den Oberbefehl erhielt Feldmarschall Wilhelm List.Jacobsen: 1965, S. 71., 211.Butler: 1957, S. 366.
Deutscher Angriffsplan
Der deutsche Angriffsplan beruhte auf der Annahme, dass die Griechen aufgrund der durch den Albanienfeldzug verursachten Verluste nicht über genügend Personal verfügen würden, um ihre Grenzen zu Jugoslawien und Bulgarien zu verteidigen. Indem man Panzer durch die schwächsten Glieder der Verteidigungskette trieb, konnte man die für ein tiefes Eindringen in das feindliche Gebiet erforderliche Manövrierfreiheit leichter erlangen, als wenn man die Panzer erst aufrücken ließ, nachdem sich die Infanterie ihren Weg durch die Gebirgstäler und Schluchten gebahnt hatte. Sobald das schwache Verteidigungssystem Südjugoslawiens von deutschen Panzern überrannt worden war, konnte die relativ starke Metaxas-Linie, die eine schnelle Invasion Griechenlands von Bulgarien aus verhinderte, von hochmobilen Kräften, die von Jugoslawien aus nach Süden vorstießen, umgangen werden. Die Einnahme von Monastir und des Vardar-Tals, das nach Saloniki führt, war für ein solches Flankenmanöver unerlässlich. Infolgedessen war geplant, dass die mobilen Einheiten des XXXX. Panzerkorps über die jugoslawische Grenze vorstoßen und Skopje einnehmen sollten, um so die Eisenbahn- und Straßenverbindungen zwischen Jugoslawien und Griechenland zu unterbrechen. Die Einnahme dieses strategischen Punktes würde für den Verlauf des gesamten Feldzuges entscheidend sein. Von Skopje aus sollte der größte Teil des Panzerkorps nach Süden in Richtung Monastir schwenken und einen sofortigen Angriff über die griechische Grenze gegen die feindlichen Stellungen beiderseits der Fiorina starten. Andere Panzereinheiten sollten nach Westen vorstoßen und entlang der albanischen Grenze Kontakt zu den Italienern aufnehmen. Das XVIII. Gebirgskorps sollte seine beiden Gebirgsdivisionen auf dem Westflügel konzentrieren, einen Überraschungsvorstoß über die griechische Grenze machen und die Hupei-Schlucht einnehmen. Die 2. Panzerdivision sollte jugoslawisches Gebiet durchqueren, dem Lauf des Strimon flussaufwärts folgen, nach Süden abbiegen und in Richtung Saloniki vorstoßen. Das XXX. Korps sollte auf dem kürzesten Weg die Ägäisküste erreichen und von Osten her die hinter dem Nestos gelegenen Befestigungen der Metaxas-Linie angreifen. Alle drei Korps sollten sich in Saloniki sammeln. Nach der Einnahme der Hauptstadt sollten drei Panzer- und zwei Gebirgsdivisionen für die weiteren Vorstöße nach Athen und auf den Peloponnes zur Verfügung stehen. Das Hauptquartier der 12. Armee sollte die zunächst divergierenden Vorstöße über Südjugoslawien und durch Bulgarien nach Griechenland koordinieren und in der zweiten Phase des Feldzuges unabhängig von den Ereignissen an der italienischen Front in Albanien nach Athen vorstoßen. Der Operationsplan war von den deutschen Erfahrungen während des Frankreichfeldzugs beeinflusst. Er beruhte auf der Annahme, dass der jugoslawische Widerstand vor dem XXXX. Panzerkorps unter dem deutschen Angriff in kurzer Zeit zusammenbrechen würde. Die motorisierten Elemente würden dann ihren Vorstoß fortsetzen und unter Ausnutzung ihrer hohen Mobilität über die breite Lücke zwischen der Ersten und Zweiten Griechischen Armee vorstoßen, lange bevor die griechische Führung Zeit hätte, ihre Kräfte neu zu gruppieren.Department of the Army: 1953, S. 82. mini|Britische Truppen gehen in Piräus von Bord
Britische Hilfe für Griechenland
Anfang Januar 1941 wurde Winston Churchill erneut durch die Aussicht auf einen unmittelbar bevorstehenden deutschen Vorstoß gegen Griechenland beunruhigt. Er hatte Informationen über die Ansammlung deutscher Truppen in Rumänien und über das Eindringen der Deutschen in Bulgarien erhalten. Die Briten befürchteten, dass bei einem möglichen Vormarsch des Feindes über den Balkan und Syrien in den Nahen Osten die Deutschen beabsichtigen könnten, nach der Besetzung Bulgariens und Griechenlands als Nächstes in das türkische Thrakien vorzustoßen und Brückenköpfe auf der anderen Seite der Meerenge zu errichten. Wenn sie dieses Ziel bis Ende 1940 erreicht hätten, könnten sie als Nächstes ihre Position in Anatolien festigen und nach Syrien vorrücken. Ein feindlicher Vorstoß auf dem Landweg durch Syrien würde jedoch eine lebenswichtige Bedrohung für Ägypten und damit für den Suezkanal darstellen. Der Verteidigungsausschuss beschloss daher am 8. Oktober, dass es von höchster politischer Bedeutung sei, Griechenland sofort die größtmögliche Unterstützung zukommen zu lassen; eine solche Aktion würde sich positiv auf die Türkei und auch auf die Sowjetunion auswirken. Die Stabschefs hielten es für am wahrscheinlichsten, dass die Deutschen eine kleine gepanzerte und motorisierte Truppe, unterstützt von Sturzkampfbombern, durch Westbulgarien gegen Saloniki schicken würden.Butler: 1957, S. 372., 376. Allerdings schätzte er den griechischen Widerstand als sehr wertvoll ein. Sobald Tobruk eingenommen sei, wäre es sinnvoll, mehr Flugzeuge für die Griechen bereitzustellen, die für die geringe Hilfe, die sie bisher erhalten hätten, sehr dankbar gewesen waren. Es wäre möglich, vier oder fünf weitere Geschwader aus dem Nahen Osten zu verlegen, sowie Panzer und einige Artillerieregimenter. Außerdem könnten sie modernere Flugzeuge einbeziehen, wenn die Flugplätze sie aufnehmen könnten. Er war überzeugt, dass die Unterstützung Griechenlands nach der Sicherung der Westflanke Ägyptens Vorrang haben müsse. Wenn die Griechen Valona einnehmen könnten, würden die Italiener aus Albanien vertrieben werden. Jugoslawien würde zur Zusammenarbeit ermutigt werden. Danach könnte die Türkei auf die Seite der Alliierten treten. Der Verteidigungsausschuss stimmte pflichtbewusst zu. Zwei Geschwader Blenheim und drei Geschwader Hurricanes sollten nach Griechenland entsandt werden. Sie hätten bessere Chancen, die Luftwaffe erfolgreich zu bekämpfen, als die Gladiators und die früheren Blenheims, die dort bereits im Einsatz waren. Auch Panzer sollten entsandt werden. Mitte Januar schickte Churchill Feldmarschall Archibald Wavell aus Nordafrika nach Athen, um den Griechen mitzuteilen, dass Großbritannien bereit sei, seine Hilfe zu verstärken, sobald Ägypten gesichert wäre. Die Griechen wollten jedoch keine Hilfe, die über Flugzeuge hinausging. Als Wavell ihnen sagte, sie könnten ein kombiniertes Flugabwehr- und Panzerabwehrregiment sowie eine Kompanie leichter Panzer für die albanische Front haben, lehnte Metaxas ab. Ein kleines britisches Expeditionskorps würde nicht für mehr Sicherheit sorgen, sondern einen deutschen Angriff provozieren. Als Kompromiss schlug er vor, dass ein britisches Kontingent, das stark genug wäre, um in die Offensive zu gehen, zu gegebener Zeit in der Region von Saloniki landen sollte. Alle Vorbereitungen für den Empfang müssten jedoch den Griechen überlassen werden, damit die Briten bis zu ihrer Ankunft nicht als Beteiligte erscheinen und die deutsche Vergeltung aufgeschoben würde. Nachdem die Italiener aus Albanien vertrieben worden seien, würden große griechische Streitkräfte für die Front in Saloniki zur Verfügung stehen, und dann – aber erst dann – sei eine groß angelegte britische Hilfe willkommen. Wavell argumentierte so eindringlich wie möglich für den Plan, sofort britische Truppen zu entsenden, aber es war nutzlos. Doch als eine deutsche Invasion immer sicherer wurde, änderte die griechische Regierung ihre Meinung. Am 22. Februar trafen sich Außenminister Anthony Eden, der griechische König Georg II., Ministerpräsident Alexandros Koryzis – Nachfolger des am 29. Januar 1941 verstorbenen Metaxas – und General Papagos in Athen, wo die Entsendung eines Expeditionskorps nach Griechenland beschlossen wurde.Cruickshank: 1976, S. 78 f., 100. Aufstellung Wehrmacht