mini|Hugh le Despenser dargestellt als Earl of Gloucester; auf diesen Titel erhob er aufgrund seiner Ehe einen Anspruch (Darstellung aus dem 16. Jahrhundert) Sir Hugh le Despenser (Hugh le Despenser the Younger; * 1286; † 24. November 1326 in Hereford) war ein englischer Höfling und Politiker. Er war ein Günstling des englischen Königs Eduard II.

Herkunft Hugh le Despenser war ein Sohn von Hugh le Despenser dem Älteren und von Isabella de Beauchamp, einer Tochter von William de Beauchamp, 9. Earl of Warwick. Sein Großvater Hugh le Despenser, 1. Baron le Despenser war 1265 als Rebell in der Schlacht von Evesham gefallen. Seine Eltern heirateten um 1285, sein Vater hatte 1281 die Besitzungen des Großvaters zurückerhalten und wurde 1295 als 2. Baron le Despenser ins Parlament berufen.

Leben Aufstieg zum Landadligen Am 22. Mai 1306 wurde Hugh gemeinsam mit dem Prince of Wales zum Ritter geschlagen.William Arthur Shaw: The Knights of England. Band 1, Sherratt and Hughes, London 1906, S. 111. Im gleichen Sommer durfte er Eleanor de Clare, eine Enkelin von König Edward I. von England und älteste Schwester von Gilbert de Clare, 7. Earl of Hertford heiraten, was wahrscheinlich ein Ausgleich für Schulden war, die der König bei seinem Vater hatte. Zu diesem Zeitpunkt war Despenser nur der Erbe eines kleineren Barons und hatte selbst keinen eigenen Besitz. Am 14. Mai 1309 übergab ihm der neue König Eduard II., der Onkel seiner Frau, das bisher dem Templerorden gehörende Gut Sutton in Norfolk, wodurch er ein Jahreseinkommen in Höhe von £ 200 bezog. Im folgenden Jahr übereignete ihm sein Vater weitere Güter in Cambridgeshire, Suffolk und Essex, die aus dem Erbe von Hughs Großmutter Aliva Basset stammten. 1313 begleitete Despenser den König auf eine Reise nach Frankreich. Um diese Zeit wurde er Vormund des minderjährigen William Huntingfield. Diese Aufgabe und die damit verbundenen Einkünfte hatte auch Thomas Plantagenet, 2. Earl of Lancaster angestrebt, so dass diese Entscheidung des Königs mit ein Grund für die spätere Feindschaft zwischen Lancaster und Despenser war.

Aufstieg zum Magnaten Als Eleanors Bruder Gilbert de Clare 1314 in der Schlacht von Bannockburn getötet wurde, wurde seine Frau zusammen mit ihren beiden Schwestern eine der drei Erbinnen der reichen Besitzungen der Familie Clare. Gilberts Witwe Maud behauptete jedoch, schwanger zu sein, so dass die Aufteilung des Erbes zunächst verschoben wurde. Als Maud jedoch kein Kind bekam, besetzte der ungeduldige Despenser, der nicht an die Schwangerschaft seiner Schwägerin glaubte,Michael Altschul: A baronial family in medieval England. The Clares. The Johns Hopkins Press, Baltimore 1965, S. 166. im Mai 1315 Tonbridge Castle, das bislang vom Erzbischof von Canterbury verwaltet worden war. Despenser musste die Burg schließlich im Juni räumen und wieder dem Erzbischof übergeben, doch verdeutlicht diese Episode bereits Despensers Gier und Gewaltbereitschaft.

Die Aufteilung des Erbes der Familie Clare verzögerte sich 1316 durch die Rebellion von Llywelyn Bren im walisischen Glamorgan, das zum Erbe gehörte. Dazu mussten für die beiden jüngeren, doch bereits verwitweten Schwestern von Despensers Frau noch geeignete Ehegatten gefunden werden. In dieser Zeit gehörte Despenser zusammen mit Roger Damory und Hugh de Audley zu einer kleinen Gruppe von Höflingen, die hoch in der Gunst des Königs standen. Elizabeth de Clare heiratete schließlich Roger Damory, und Margaret de Clare, die Witwe von Piers Gaveston, wurde mit Hugh de Audley verheiratet. Durch die schließlich im November 1317 erfolgte Aufteilung des Erbes wurde Despenser zu einem bedeutenden Magnaten, dessen Jahreseinkommen aus dem Erbe etwa £ 1500 betrug. Zu seinem Erbteil gehörte Glamorgan, so dass er als Baron der Welsh Marches gegenüber den englischen Baronen Privilegien hatte. Er ließ sich vom König den im Tower of London festgehaltenen Rebellen Llywelyn Bren ausliefern und richtete ihn 1318 ohne ordentliches Gerichtsverfahren hin. Die Besitzungen von Llywelyn Bren beschlagnahmte er. Zugleich begann Despenser damit, seinen Besitz in Südwales auf Kosten der anderen Erbinnen und Nachbarn zu erweitern. Bevor Hugh de Audley formell die an Glamorgan angrenzende Herrschaft Wentloog in Besitz nehmen konnte, hatte sich Despenser der Treue der dortigen Lehnsmänner versichert und konnte gegen den anfänglichen Widerstand des Königs den Besitz über die Baronie halten. Der König bestätigte Despenser schließlich als Herr von Wentloog, während Audley sich mit kleineren Lehen in England zufriedengeben musste. Einen weiteren Streit begann Despenser in Südwestwales, wo er Dryslwyn Castle mit der Herrschaft von Cantref Mawr geerbt hatte. Dort begann er sofort einen Grenzstreit mit John Giffard, dem Baron des westlich angrenzenden Cantref Bychan.

Günstling des Königs Despenser wurde im Oktober 1318 vom Parlament zum Lord Chamberlain of the king’s household ernannt. Als Mitglied des Hofes manövrierte Hugh sich rasch in der Gunst von Eduard II. nach vorne und verdrängte Damory und de Audley aus ihren Stellungen. Die Bevorzugung Despensers erinnerte die Zeitgenossen an Piers Gaveston, den früheren Favoriten des Königs, der 1312 von einer Adelsopposition unter dem Earl of Lancaster hingerichtet worden war. Durch sein Amt hatte Despenser unmittelbaren Zugang zum König, während er gleichzeitig anderen, darunter selbst der Königin Isabella, den Zugang erschwert haben soll. Es gibt nur geringe Anhaltspunkte für den Verdacht, dass zwischen Despenser und dem König, dem bereits ein sexuelles Verhältnis mit Gaveston nachgesagt worden war, ebenfalls eine sexuelle Beziehung bestand. Unzweifelhaft bestand zwischen dem König und seinem Favoriten ein enges, vertrauensvolles Verhältnis.

Despenser War: Exil und Rückkehr

Die Spannungen, die es unter Eduard II. in England zwischen dem König und dem Adel gab, wurden durch die Bevorzugung Despensers, den schmachvollen Fehlschlag des Feldzugs von 1319 gegen Schottland und zuletzt durch Despensers Expansionsbestrebungen in den Welsh Marches verschärft. Als Despenser 1320 die Herrschaft Gower von dem verschuldeten Baron William de Braose kaufen wollte, kam es zum Widerstand der anderen Marcher Lords unter Führung von John Mowbray, dem Schwiegersohn von Braose, der um sein Erbe fürchtete. Dem Bündnis der Marcher Lords gegen Despenser gehörten unter anderem Humphrey de Bohun, 4. Earl of Hereford, Roger Mortimer of Wigmore, Roger Mortimer, 1. Baron Mortimer of Chirk, Maurice de Berkeley und Hugh de Audley an. Im Oktober 1320 besetzte Mowbray Gower. Der König intervenierte und zwang Mowbray bis Ende des Jahres, Gower unter die Verwaltung des Königs zu stellen. Damit fürchteten die Marcher Lords nicht nur die Bestrebungen Despensers, sondern auch um ihre Privilegien in den Welsh Marches. Im sogenannten Despenser War eroberte und plünderte das vereinte Heer der Marcher Lords im Mai 1321 Despensers Besitzungen in Südwales. Der Earl of Lancaster schloss sich der Rebellion an. Im August 1321 marschierten die Rebellen mit ihrem Heer nach London. Im Parlament erhoben sie schwerwiegende Beschuldigungen gegen Despenser und seinen Vater: Beeinträchtigung der königlichen Macht, Verhinderung des Zugangs zum König ohne ihre Anwesenheit, Einsetzung korrupter Beamter und Veruntreuung des Besitzes der Tempelritter. Der jüngere Despenser wurde dazu der widerrechtlichen Ermordung des Rebellen Llywelyn Bren beschuldigt. Der Earl of Pembroke, einer der gemäßigten Barone, riet dem König, den Forderungen der Rebellen nachzugeben, und am 14. August stimmte der König im Parlament der Verbannung der Despensers aus England zu. Die Rebellen wurden dagegen am 20. August für ihre Vergehen während des Kriegs vom Parlament begnadigt.

Während sein Vater in die zu England gehörende Gascogne ging, betätigte sich Despenser als Pirat. Vermutlich durch Vermittlung des Königs stellten ihm die Cinque Ports Schiffe zur Verfügung. Im Ärmelkanal überfiel er ein genuesisches Handelsschiff, ermordete die Besatzung und plünderte die Ladung. Anschließend griff er Southampton an. Der König nahm insgeheim Kontakt mit ihm auf und bereitete einen Vergeltungsschlag gegen die rebellischen Barone vor. Dabei gelang es ihm, die rebellischen Barone zu spalten und nacheinander zu besiegen. Eine kurzfristig auf Geheiß des Königs von Walter Reynolds, dem Erzbischof von Canterbury einberufene Versammlung der englischen Bischöfe, zu der nur fünf von 17 Bischöfen erschienen, erklärte die Verbannung der Despensers für unrechtmäßig, so dass der König die Verbannung am 8. Dezember aufhob. Nachdem der König bis Ende Januar 1322 die Kontrolle über die Welsh Marches zurückerobert hatte, schlossen sich ihm die Despensers am 2. März in Lichfield an. Am 16. März wurde das Heer der verbliebenen Rebellen in der Schlacht bei Boroughbridge entscheidend geschlagen. Der Earl of Hereford fiel, während Lancaster und zahlreiche andere Rebellen in Gefangenschaft gerieten und hingerichtet wurden.

Tyrannei Eduards II. und der Despensers Nach der Zerschlagung der Adelsopposition erreichte Despensers Macht und Reichtum ihren Höhepunkt. Sein Vater war zum Earl of Winchester erhoben worden, mit ihm zusammen beherrschte er den Königshof, und auf seinen Besitzungen herrschte er nahezu unbeschränkt. Der jüngere Despenser schuf ein Netzwerk von Gefolgsleuten, die gleichzeitig als königliche Beamte dienten, womit er gewaltigen Einfluss auf die Regierung erhielt. Gegen seine Entscheidungen hatten seine Gegner und Opfer kaum Einspruchmöglichkeiten, da die königlichen Beamten zugleich seine Gefolgsleute waren. Dieses Vorgehen offenbarte sich vor allem in der Beschlagnahmung und anschließenden Verwaltung der Besitzungen der Angehörigen der Adelsopposition. Durch die königliche Gunst, durch Gesetzesbeugung und durch Gewalt erweiterte Despenser seinen Besitz so, dass er zuletzt ein Jahreseinkommen in Höhe von über £ 7000 hatte. Alice de Lacy, die Witwe von Lancaster, musste ihm Ländereien übergeben, und selbst Marie de Saint-Pol, die Witwe des loyalen Earls of Pembroke, litt unter Despensers Schikanen, mit deren Hilfe er die Besitzungen ihres Mannes in Südwales erwerben wollte. Elizabeth de Clare, die Witwe von Roger Damory, musste 1322 ihre reiche Baronie Usk mit dem ausgeplünderten Gower tauschen. Anschließend brachte Despenser 1324 den vorigen Besitzer von Gower, William de Braose dazu, Gower wieder zurückzufordern. Nachdem Elizabeth ihm die Baronie übergeben musste, reichte sie Braose an Despensers Vater weiter, der sie dann wieder an seinen Sohn übergab.Diane M. Williams: Gower. A Guide to ancient and historic monuments on the Gower peninsula. Cadw, Cardiff 1998, ISBN 1-85760-073-8, S. 17. Dazu erwarb Despenser Striguil, Abergavenny, Cilgerran und Pembroke, so dass ihm Südwales vom Wye bis zum Teifi gehörte.Michael Altschul: A baronial family in medieval England. The Clares. The Johns Hopkins Press, Baltimore 1965, S. 174.

Seinen Reichtum verwendete er für den Ausbau von Caerphilly Castle und die Ausschmückung von Tewkesbury Abbey. In Tewkesbury Abbey sind Glasmalereien erhalten, die unter seiner Witwe und seinem Sohn vollendet wurden. Sie zeigen Despenser zwischen Robert Fitzhamon und Gilbert de Clare, 4. Earl of Hertford, zwei seiner Vorgänger als Herr von Gloucestershire. Weitere Bilder im Chorbogen stellen ihn im Paradies dar.

mini|Die Hinrichtung von Hugh le Despenser dem Jüngeren, aus einem Manuskript von Jean Froissart. Widerstand, Sturz und Tod