Das FFH-Gebiet Dolomiti di Brenta ist ein Natura 2000-Schutzgebiet in der italienischen Provinz Trient. Das über 311 km² große Schutzgebiet umfasst die Brentagruppe westlich von Trient. Das FFH-Gebiet ist seit 2010 ausgewiesen und überschneidet sich in Teilen mit dem 1967 eingerichteten und 620 km² großen Naturpark Adamello-Brenta und mit dem 2007 eingerichteten Europäischen Vogelschutzgebiet Brenta. Der südliche Bereich ist Kernzone des 2015 eingerichteten UNESCO-Biosphärenreservat Ledroalpen und Judikarien. Das Schutzgebiet ist zudem Teil des UNESCO-Welterbe Dolomiten und des Adamello-Brenta UNESCO Global Geopark.
Bedeutung Das Schutzgebiet weist eine artenreiche endemische Flora und eine differenzierte Vegetation in den einzelnen Tälern auf. Es ist aufgrund der Präsenz und der Reproduktion von vom Aussterben bedrohter Tierarten, glazialer Relikte und nur in den Alpen vorkommender Spezies nicht nur von lokalem, sondern auch von nationalem Interesse. Zur Bedeutung tragen auch alte in ihrer Natürlichkeit erhaltene Laubwälder und Wasserläufe von hoher biologischer Qualität bei, die das Habitat von zahlreichen Arten von gemeinschaftlichem Interesse sind. Eine besondere Erwähnung verdienen wegen ihrer Natürlichkeit der Tovelsee und der Bereich der Flavona-Alm.
FFH-Lebensraumtypen Im FFH-Gebiet Dolomiti di Brenta sind nach Anhang I der FFH-Richtlinie 35 schützenswerte Lebensraumtypen verzeichnet. Die flächenmäßig zehn größten sind:
Kalkfelsen mit Felsspaltenvegetation Alpine und subalpine Kalkrasen Waldmeister-Buchenwald (Asperulo-Fagetum) (incl. Waldgersten-Buchenwald) Kalk- und Kalkschieferschutthalden der montanen bis alpinen Stufe (Thlaspietea rotundifolii) Buschvegetation mit Pinus mugo und Rhododendron hirsutum (Mugo-Rhododendretum hirsuti) Montane bis alpine bodensaure Fichtenwälder (Vaccinio-Piceetea) Mitteleuropäischer Orchideen-Kalk-Buchenwald (Cephalanthero-Fagion) Alpiner Lärchen- und/oder Arvenwald Alpine und boreale Heiden Artenreiche montane Borstgrasrasen (und submontan auf dem europäischen Festland) auf Silikatböden
Arten Besonders schützenswerte Arten Vögel Das Schutzgebiet weist zahlreiche Vogelarten auf, darunter auch einige die gemäß Anhang I der EU-Vogelschutzrichtlinie besonders geschützt sind, weil deren Bestand stark gefährdet ist oder sie nur in einem sehr begrenzten Bereich wie in den Alpen vorkommen. Folgende Arten, die im Anhang I der Vogelschutzrichtlinie der EU gelistet sind, sind im FFH-Gebiet Dolomiti di Brenta anzutreffen. Einige Arten rasten oder überwintern nur in dem Schutzgebiet. Die mit einem (b) gekennzeichneten Arten brüten hier:
Alpenschneehuhn Auerhuhn Bartgeier Birkhuhn Buntspecht Grauspecht Habicht Haselhuhn Neuntöter (b) Raufußkauz Sperlingskauz Steinadler Steinhuhn Schwarzmilan (b) Schwarzspecht Uhu Waldohreule Wanderfalke Wespenbussard (b) Ziegenmelker
Arten von gemeinschaftlichem Interesse Des Weiteren kommen folgende Arten vor, die gemäß Anhang II oder Anhang IV der FFH-Richtlinie als von gemeinschaftlichem Interesse gelistet:
Säugetiere Braunbär Große Hufeisennase Kleine Hufeisennase
Fische Forelle
Insekten Quendel-Ameisenbläuling Roter Apollo Russischer Bär Schwarzer Apollo
Krebstiere Dohlenkrebs
Reptilien Äskulapnatter Gelbgrüne Zornnatter
Flora Unter den Pflanzen sind gemäß Anhang II der FFH-Richtlinie folgende Arten als besonders schützenswert verzeichnet: Gelber Frauenschuh Grünes Gabelzahnmoos
Weitere vorkommende Arten Des Weiteren kommen folgende Arten vor, die zum Teil nach der Berner Konvention (Anhang II), der Bonner Konvention (Anhang II), dem Washingtoner Artenschutzübereinkommen, dem Abkommen zur Erhaltung der afrikanisch-eurasischen wandernden Wasservögel geschützt sind und/oder auf der nationalen roten Liste gefährdeter Arten stehen.
Vögel Die mit einem (b) gekennzeichneten Arten brüten hier:
Alpensegler (b) Baumpieper (b) Berglaubsänger (b) Bluthänfling (b) Braunkehlchen (b) Feldlerche (b) Gartengrasmücke (b) Gartenrotschwanz (b) Goldammer (b) Grünspecht| Klappergrasmücke (b) Mäusebussard (b) Mehlschwalbe (b) Ringdrossel Schneefink Sperber (b) Steinrötel (b) Steinschmätzer (b) Tannenhäher Turmfalke Wachtel (b) Waldkauz Wasseramsel (b) Wasserpieper (b) Wiedehopf (b) Zitronengirlitz (b) Zwergohreule (b)
Säugetiere Alpenfledermaus Alpenmurmeltier Alpenspitzmaus Baummarder Braunbrustigel Braunes Langohr Eurasisches Eichhörnchen Europäischer Dachs Gartenschläfer Haselmaus Hermelin Kleine Bartfledermaus Mauswiesel Nordfledermaus Reh Rothirsch Siebenschläfer Steinmarder Waldspitzmaus Wasserspitzmaus Zwergfledermaus Zwergspitzmaus
Amphibien Erdkröte Feuersalamander Grasfrosch
Reptilien Aspisviper Blindschleiche Kreuzotter Mauereidechse Ringelnatter Schlingnatter Waldeidechse Westliche Smaragdeidechse
Fische Bachschmerle Elritze Wandersaibling
Pflanzen Alpen-Edelweiß Armblütige Segge Berchtolds Zwerg-Laichkraut Blattloser Widerbart Brand-Knabenkraut Braunrote Stendelwurz Breitblättrige Stendelwurz Dreizähniges Knabenkraut Echte Bärentraube Eichenfarn Erysimum aurantiacum Unterart der Schöteriche Europäisches Alpenveilchen Fliegen-Ragwurz Fuchs’ Knabenkraut Gelber Enzian Gewöhnliches Kohlröschen Großes Zweiblatt Grüne Hohlzunge Grünliche Waldhyazinthe Helm-Knabenkraut Holunder-Knabenkraut Kleines Zweiblatt Korallenwurz Kriechendes Netzblatt Langblättriges Waldvöglein Lockerblütiges Rispengras Moosglöckchen Mücken-Händelwurz Müllers Stendelwurz Pracht-Primel Pyramiden-Hundswurz Rosa Kugelorchis Rotes Kohlröschen Rotes Waldvöglein Ruprechtsfarn Schopfteufelskralle Schwarzes Kohlröschen Spitzels Knabenkraut Sumpf-Stendelwurz Violetter Dingel Vogel-Nestwurz Weiße Höswurz Weißes Waldvöglein Wohlriechende Händelwurz Zweiblättrige Waldhyazinthe Zwergstendel
Gefährdung und Schutzmaßnahmen Mit Ausnahme von einigen urbanisierten Bereichen ist der natürliche Erhaltungszustand in den Hochlagen optimal. Als bedeutendste Gefährdungspotentiale werden vom zuständigen Amt der Provinz Trient anthropogene Faktoren aufgezählt, wie die landwirtschaftliche Nutzung in den Randgebieten des Schutzgebietes, vor allem durch den Einsatz von Düngemitteln. Negativ wirkt sich auch die natürliche Verbuschung der Rasenflächen aufgrund nicht betriebener Beweidung aus, die den Lebensraum zahlreicher Pflanzenarten bedrohen. Eine Bedrohung wird ebenso in der Sukzession gesehen, die zu einer Veränderung der Artenzusammensetzung führen kann.
Weblinks
Dolomiti di Brenta – NATURA 2000 / ZSC e ZPS in Trentino (italienisch) Dolomiti di Brenta in der Datenbank der European Environment Agency (EEA) (englisch)
Siehe auch Liste der FFH-Gebiete im Trentino
Einzelnachweise
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