Die Große Drüsenameise (Tapinoma magnum) ist eine im Mittelmeerraum autochthone Ameisenart; sie gehört zur Gattung Tapinoma in der Unterfamilie Drüsenameisen (Dolichoderinae), bildet Superkolonien und breitet sich als invasive Art in Mitteleuropa einschließlich des deutschsprachigen Raums aus. Durch ihre Lebensweise verursacht sie Schäden an Bauwerken und Infrastruktur.

Merkmale Die Große Drüsenameise ist eine vollständig schwarze und glänzende Ameise. Nur die Mandibeln und die Ränder des Clypeus können orangefarbene oder rötliche Anteile aufweisen. Der Körper und dessen Anhänge sind eher dicht von kurzen Härchen bedeckt.

Von der in Europa eingeschleppten und nur synanthropisch in Gebäuden lebenden Art Tapinoma melanocephalum (, 1793) kann sie durch deren Zweifarbigkeit leicht unterschieden werden. Im Vergleich zu den beiden anderen in Mitteleuropa heimischen Arten haben die Arbeiterinnen der Großen Drüsenameise eine Kerbe im Clypeus, die deutlich tiefer als breit ist. Bei Tapinoma erraticum ist die Kerbe ebenso tief oder wenig tiefer als breit, bei Tapinoma subboreale ist sie breiter als tief.

Im Feld lässt sich die Große Drüsenameise durch die Größenunterschiede der Arbeiterinnen in einer Kolonie erkennen. Die Spanne reicht von 2,4 bis 5,1 mm Körperlänge, die größten Arbeiterinnen sind größer als die der anderen Arten. Männliche Ameisen lassen sich durch Unterschiede der Geschlechtsorgane bestimmen. Die Artbestimmung der Königinnen ist schwierig.

Die sichere Identifizierung von Arten der Gattung Tapinoma anhand morphologischer Merkmale erfordert genaue Messungen verschiedener Körpermerkmale und die Berechnung von deren Verhältnissen zueinander. Das gilt besonders für die Arten der Tapinoma nigerrimum-Gruppe.

Lebensweise Die Große Drüsenameise ist ein Omnivore. Während einer Feldstudie in ihrer mediterranen Heimat bestand die Nahrung zu mehr als 70 Prozent aus Ameisen und anderen Insekten, Schnecken und Spinnen. 30 Prozent machten nicht identifizierte tierische Überreste aus, darunter ein sehr geringer Anteil (jeweils weniger als ein Prozent) Aas und Kot. Pflanzliche Nahrung wurde nicht aufgenommen, mit Ausnahme der Samen der Flockenblume Centaurea aspera.

Als Nekrophage erscheint die Art gelegentlich in der Leichenfauna. Sie gehört zu den frühen Besiedlern und kann durch nach dem Tod zugefügte Läsionen der Epidermis das Erscheinungsbild der Leiche verändern und durch das Entfernen von Fliegeneiern kriminalbiologische Untersuchungen beeinträchtigen.

Wenn es nicht zu kalt oder zu warm ist, die Höchsttemperatur liegt bei etwa 33 Grad Celsius, und wenn es nicht zu stark regnet, sind die Arbeiterinnen außerhalb des Nestes unterwegs. Im Winter, bei mildem Wetter oder im Sonnenschein bei Temperaturen knapp über dem Frost, sind die Arbeiterinnen ebenfalls draußen aktiv. In den Sommermonaten werden auch die Nachtstunden genutzt.

Die Superkolonien sind an den breiten und stark frequentierten Ameisenstraßen zu erkennen, die zwischen den Öffnungen der unterirdisch miteinander verbundenen Nester und den Nahrungsquellen angelegt werden. Bei der Großen Drüsenameise werden Sandränder um die Öffnungen aufgehäufelt, die für die Art charakteristisch sind und wahrscheinlich der Regulierung von Temperatur und Belüftung dienen.

Fortpflanzung Im Frühjahr und Frühsommer werden die Puppen bei sonnigem Wetter an die Oberfläche des Nestes gebracht, um in der Wärme optimale Entwicklungsbedingungen zu erhalten. Wenige Wochen später sind bei warmem und feuchtem Wetter geflügelte Männchen beim Hochzeitsflug zu beobachten. Zu diesem Zeitpunkt kommen Zehntausende Arbeiterinnen an die Oberfläche und drängen die Männchen zum Hochzeitsflug. Dabei erklimmen sie in der Umgebung des Nestes Pflanzen, Mauern und andere Strukturen.

Die außerhalb des Nestes begattete Königinnen kehren wieder in die Kolonie, aus der sie stammen, zurück. Auf diese Weise entstehen ausgedehnte Superkolonien mit zahlreichen eierlegenden Königinnen. Während alle mitteleuropäischen Arten der Gattung Tapinoma polygyn sind, wird die Sozialstruktur von Tapinoma magnum als Hyperpolygynie bezeichnet. Nicht mehrere, sondern Hunderte Königinnen leben in einer Superkolonie und bringen Nachkommen hervor.

Etwa eine Woche nach der Begattung legen die Königinnen die ersten Eier, aus denen nach wenigen Tagen die Larven schlüpfen. Zehn bis zwölf Wochen später verpuppen sie sich.

Verbreitung und Lebensraum Herkunft Die Große Drüsenameise stammt wahrscheinlich aus Nordafrika. Bereits in der römischen Antike könnte die Art mit Transporten von Pflanzen nach Italien gekommen sein und sich später bis nach Norditalien und Südfrankreich ausgebreitet haben.

Arten der Tapinoma nigerrimum-Gruppe sind im Mittelmeerraum weit verbreitet. Sie gelten dort als einheimische Arten. Nachweise liegen aus Bulgarien, Frankreich (einschließlich Korsika), Gibraltar, Italien (einschließlich Sardinien und Sizilien), Kroatien, Nordmazedonien, Malta, Montenegro, Portugal, Serbien, Spanien (einschließlich der Balearen) und der Türkei vor. In Nordafrika gibt es Fundorte in Marokko, Algerien und Tunesien. Eine Zuordnung sämtlicher Vorkommen zu den einzelnen Arten der Gruppe ist noch nicht erfolgt.

In ihrem herkömmlichen Verbreitungsgebiet besiedelt die Große Drüsenameise bevorzugt deutlich bis sehr stark durch menschliche Einflussnahme geprägte Bereiche, einschließlich Ruderalflächen, mit sandigem Boden und einem geringen Baumbestand. Häufig besiedelt sie Stadtzentren. Sie kann mit ihren Nestern Überschwemmungen widerstehen und ist daher an Wasserläufen, auf sumpfigen Flächen und in Küstennähe ebenfalls anzutreffen.

Biologische Invasion Von den fünf Arten der Tapinoma-nigerrimum-Gruppe haben sich nur drei als fähig erwiesen, neue Lebensräume zu besiedeln und dort Superkolonien zu bilden: Tapinoma darioi, Tapinoma ibericus und die Große Drüsenameise; seit ca. 1990 breitet sich die Große Drüsenameise in West- und Mitteleuropa sowie in Griechenland aus, ein Fundort wurde aus Aserbaidschan gemeldet.

Neue Vorkommen werden häufig erst bekannt, wenn betroffene Bürger sich über Belästigungen und Schäden beklagen, die von etablierten Superkolonien ausgehen. Wiederholt wurden Forschende auch durch Schädlingsbekämpfer auf die Art aufmerksam, die sie um Identifizierung unbekannter Ameisen gebeten hatten.

Es gilt dabei als sicher, dass die Große Drüsenameise mit importierten Pflanzen eingeschleppt wird; Gartencenter, Gärtnereien und botanische Gärten fungieren als wichtigste Einfallstore. DNA-Analysen von Ameisen aus zahlreichen Superkolonien konnten eine Verbindung zwischen den Herkunftspopulationen, dem Zierpflanzenhandel und den eingeschleppten Ameisen herstellen. Eine weitere Erkenntnis bestand darin, dass dem Vordringen der invasiven Großen Drüsenameise in neue Lebensräume nicht ein einzelnes oder einige wenige Ereignisse vorangegangen sind; tatsächlich gab es zahlreiche Einschleppungen.

Als weitere Möglichkeiten wurden in der Vergangenheit der innerhalb Europas zunehmende Warentransport über Straßen und Wasserwege, das unbeabsichtigte Mitführen in Fahrzeugen oder Reisegepäck und das Entkommen aus privaten Formicarien in Betracht gezogen; Kolonien der Großen Drüsenameise wurden auch im Online-Fachhandel angeboten.

In ihren neu gewonnenen Verbreitungsgebieten werden in urbanen Lebensräumen Superkolonien mit bis zu zwei Hektar Fläche, 20 Millionen Arbeiterinnen und 350 Königinnen gebildet, eben in Gartencentern, Wohngebieten, Gärten, Friedhöfen, Parkplätzen, Brachen, Gebäuden und unmittelbar angrenzenden Lebensräumen wie Weinbergen: Deutschland: 2009 erfolgte der erste Nachweis auf dem Gelände einer Baumschule in Ingelheim am Rhein, gefolgt von Gartencentern in Edesheim und Neustadt an der Weinstraße. Bis 2016 gab es fünf Kolonien in verschiedenen Städten. 2017 wurde eine Superkolonie im Kellergeschoss eines Wohnhauses in Frankfurt am Main entdeckt. Die Ameisen legten dort bis zu zehn breite Ameisenstraßen durch die Wohnungen an, die von der Gebäudefront bis zur Terrasse hinter dem Haus reichten. Im Fundament und unter der Terrasse wurden Nester vorgefunden. 2019 wurden in einem Wohnhaus in Hessen und bei einem Gartenbaubetrieb in Langenfeld weitere Superkolonien entdeckt, die in Langenfeld hatte eine Größe von etwa einem Hektar. In Deutschland wurde auch die Art Tapinoma ibericus nachgewiesen. Schweiz: Der erste Nachweis erfolgte 2012 in der Gemeinde Saint-Sulpice im Kanton Waadt. Dort wurden bis 2019 drei weitere Superkolonien in der Umgebung von Lausanne entdeckt, in den Gemeinden Ecublens, Pully und Cully. Weitere Kolonien befanden sich in den Kantonen Zürich und Genf. Aserbaidschan: in einem Stadtpark in Baku wurde eine Superkolonie entdeckt, die mit der Ausbreitung in Europa wahrscheinlich nicht im Zusammenhang steht. Belgien: Im Sommer 2014 wurde in Ostende eine Superkolonie gefunden, die sich an zwei Straßen und insbesondere in deren Kreuzungsbereich unter den Betonsteinen des Fußwegs ausgebreitet hatte. Im Sommer 2015 wurde von der Stadtverwaltung ein erster Versuch der Bekämpfung mit Insektiziden unternommen. Frankreich: Die Mittelmeerküste von Narbonne bis Montpellier gehören zum natürlichen Verbreitungsgebiet. In anderen Regionen gilt die Große Drüsenameise als invasiv. Der erste Nachweis stammt aus dem Südwesten des Landes, der Stadt Villenave-d’Ornon bei Bordeaux, wo die Art 2008 auf dem Parkplatz eines Einkaufszentrums entdeckt wurde. Bis 2017 hatte sich diese Superkolonie kaum ausgebreitet. Es wurde aber bei der Pferderennbahn von Bordeaux eine weitere Kolonie entdeckt. Eine weitere befand sich in einem Wohngebiet in der Umgebung dieses Dorfs, sie war aber 2021 wieder verschwunden, und einheimische Ameisenarten hatten das Gebiet zurückgewonnen. Fundmeldungen gibt es auch aus anderen Départements im Süden Frankreichs, dem gesamten Tal der Loire, der Bretagne. In Lyon besiedelt die Große Drüsenameise die ganzjährig warmen U-Bahn-Eingänge. Erst 2023 wurde eine Superkolonie in Straßburg entdeckt. Die Minderheit der Superkolonien kann heute den neu beschriebenen Arten Taponima darioi und Tapinoma ibericus zugeschrieben werden, detaillierte Überprüfungen stehen noch aus. Griechenland: In Griechenland galt die Große Drüsenameise lange Zeit als autochthon, es handelte sich bei den beschriebenen Vorkommen jedoch um andere Arten. 2022 wurden erstmals Superkolonien nachgewiesen. Die Fundorte liegen auf den Kykladen, in der Provinz Zentralmakedonien und auf Thasos. Niederlande: eine 2013 in Wageningen entdeckte Superkolonie wurde zunächst der Großen Drüsenameise zugeordnet. Tatsächlich war sie von der erst 2016 erstbeschriebenen Art Tapinoma darioi angelegt worden, und auch Tapinoma ibericus ist nachgewiesen worden. Dennoch hat sich die Große Drüsenameise auch in die Niederlande ausgebreitet. 2015 wurden Kolonien in den Dörfern Ulft (Provinz Gelderland) und Vogelenzang (Gemeinde Bloemendaal, Provinz Noord-Holland) gefunden. Im nächsten Jahr folgten Funde in Houten (Provinz Utrecht), Nieuwveen (Gemeinde Nieuwkoop, Provinz Zuid-Holland) und Rotterdam. 2019 wurde in Spijkenisse eine Kolonie der Großen Drüsenameise gemeldet. Bereits zwischen 1987 und 1999 hatte es in derselben Straße Anwohnerbeschwerden über lästige Ameisen gegeben, die seinerzeit falsch bestimmt worden sind. Dieses Vorkommen ist das mit Abstand älteste in Mitteleuropa. Slowenien: Bereits 2008 wurde auf dem Friedhof der Stadt Izola eine Kolonie der Großen Drüsenameise entdeckt. Bis 2019 entwickelte sich eine Superkolonie, die auf etwa zwei Hektar Fläche das gesamte Friedhofsgelände besetzt hat. In einem Park in unmittelbarer Nähe befand sich eine Superkolonie der ebenfalls invasiven Vergessenen Wegameise (Lasius neglectus). Die Vorkommen in Izola sind die ersten der beiden Arten in derart kurzem Abstand voneinander; das wird damit erklärt, dass die Große Drüsenameise auf dem Friedhof und die Vergessene Waldameise im Park jeweils optimale Lebensbedingungen vorgefunden haben.