Alkenvögel (Alcidae) sind eine Familie der Vogelordnung Regenpfeiferartige, die ausschließlich auf der Nordhalbkugel vorkommen. Es handelt sich um drossel- bis entengroße Meerestauchvögel (der ausgerottete Riesenalk erreichte sogar etwa die Größe einer Gans) mit weit hinten am Körper angesetzten Beinen, so dass sie an Land eine mehr oder weniger aufrechte Körperhaltung zeigen.

Ihr morphologisches Erscheinungsbild ähnelt dem der Pinguine, die fast ausschließlich auf der Südhalbkugel vorkommen. Die Angehörigen beider Familien sind schwarzweiß und stehen aufrecht. Beide haben ein kurzes und eng anliegendes Gefieder und bei beiden Familien sind die Flügel für die Fortbewegung unter Wasser umgebildet. Die Ähnlichkeit beruht allerdings ausschließlich auf konvergenter Evolution. Die beiden Familien sind nicht sehr nahe miteinander verwandt.Kostrzewa, S. 15. Anders als Pinguine haben die meisten Alkenvögel ihre Flugfähigkeit behalten. Die einzige flugunfähige Art aus dieser Familie, der Riesenalk, ist im 19. Jahrhundert durch den Menschen ausgerottet worden.

Alkenvögel leben in den kühlen, borealen bis kalten, arktischen Gewässern des Nordatlantiks und des Nordpazifiks. Sie brüten in der Regel an Steilklippen des Festlands oder auf abgelegenen Inseln. Dort bilden sie häufig gemeinsam mit anderen Seevögeln große Kolonien. Im Nordatlantik teilen sie sich ihre Kolonien beispielsweise mit Eissturmvogel, Basstölpel, Krähenscharbe, Dreizehenmöwe und Sturmschwalbe.

Körperbau Alkenvögel sind gekennzeichnet durch ein dichtes, schwarz-weißes Gefieder und eine aufrechte Sitzhaltung an Land. Mit Ausnahme des ausgestorbenen Riesenalks sind die rezenten Arten alle flugfähig, haben jedoch stark verkürzte Arm- und besonders Handschwingen. Aufgrund ihrer kurzen und schmalen Flügel haben sie beim Fliegen eine hohe Schlagfrequenz. Die Flügel werden jedoch auch beim Tauchen gut eingesetzt. Hans-Günther Bauer, Einhard Bezzel und Wolfgang Fiedler (Hrsg.): Das Kompendium der Vögel Mitteleuropas: Alles über Biologie, Gefährdung und Schutz. Band 1: Nonpasseriformes – Nichtsperlingsvögel, Aula-Verlag Wiebelsheim, Wiesbaden 2005, ISBN 3-89104-647-2, S. 558.

Das Gefieder ist sehr kurz und eng anliegend. Schwarzgraue Daunen bedecken den ganzen Körper und dienen der Wärmeisolation. Ähnlich wie bei den Pinguinen ist die Federdichte sehr hoch. Mit zwölf Federn pro Quadratzentimeter liegt sie doppelt so hoch wie beispielsweise bei Möwen.

Alle Schwungfedern werden gleichzeitig erneuert, daher sind die Vögel in der Mauser vorübergehend flugunfähig. Das Winterkleid weicht häufig erheblich vom Brutkleid ab.

Fortpflanzung Nur zum Brüten bleiben Alkenvögel längere Zeit an Land. Während der Brutperiode leben die meisten in riesigen Kolonien an steilen Felsküsten, auf Felsvorsprüngen und Blockhalden. Das Gelege besteht in der Regel aus nur einem Ei. Lediglich die Arten, deren Nahrungsgründe nahe an ihren Brutgebieten liegen, sind in der Lage, genügend Nahrung heranzuschaffen, um auch zwei Nestlinge groß zu ziehen. So bestehen die Gelege von Gryll-, Brillen- und Taubenteiste, die alle drei zur Gattung Cepphus gezählt werden, gewöhnlich aus zwei Eiern. Der Lummenalk, der zur Gattung Synthliboramphus gehört, legt nicht nur wie alle Alken seiner Gattung zwei Eier, sondern ist auch in der Lage, bei Gelegeverlust ein Nachgelege zu legen. Gaston et al., S. 209. Der Aleutenalk ist jedoch der einzige Alkenvogel, dem es gelegentlich gelingt, zwei Gelege pro Jahr großzuziehen. Gaston et al., S. 232. Die Jungvögel der Synthliboramphus-Arten verbleiben nur ein oder zwei Tage in der Nisthöhle und verlassen dann gemeinsam mit ihren Elternvögeln die Brutkolonie. Sie werden auf hoher See aufgezogen. In Gefangenschaft aufgezogene Lummenalken erfahren 48 Stunden nach dem Schlupf eine deutliche Verhaltensänderung. Während sie etwa bis zu diesem Zeitpunkt ruhig in ihrem Nest bleiben, zeigen sie danach ein sehr agiles Verhalten und laufen aufgeregt in ihren Nistboxen umher. In freier Wildbahn werden sie zu diesem Zeitpunkt von den Elternvögeln auf hohe See geführt. Sie sind dann bereits sehr gute Schwimmer und an Land in der Lage, über Hindernisse zu klettern. Ihre weitere Entwicklung auf hoher See konnte bislang nicht dokumentiert werden. In Gefangenschaft aufgezogene Lummenvögel zeigten eine nur sehr langsame Gewichtszunahme und eine Veränderung ihres Gefieders erst am 17. Lebenstag. Gaston et al. S. 210. mini|Dickschnabellummen Ein für Alkenvögel ungewöhnliches Brutverhalten weisen die drei rezenten Arten der Gattung Brachyramphus auf. Der zu dieser Gattung gehörende Kurzschnabelalk brütet tief im Binnenland und wählt als Niststandort regelmäßig steinige Hänge oberhalb der Baumgrenze. Die einzigen baumbrütenden Arten unter den Alkenvögeln gehören gleichfalls zu dieser Gattung. Wie ihre Schwesterart brüten Kamtschatkamarmelalk und Marmelalk gelegentlich sehr tief im Binnenland und errichten ihre Nester auf starken Ästen alter Bäume. Besonders gut untersucht ist das Brutverhalten des Marmelalks, der in Nordamerika zum Symbolvogel für die Anstrengungen um den Erhalt ursprünglicher Wälder an den Küsten der Vereinigten Staaten wurde. Das Brutgebiet dieser Art ist gewöhnlich im Durchschnitt 16,8 Kilometer von der Küste entfernt. Extreme Niststandorte liegen bis zu 40 Kilometer entfernt. Gaston et al., S. 197. Der typische Niststandort findet sich auf alten Bäumen, die mindestens 200 Jahre alt sind. Typisch für die Wälder, in denen Marmelalken nisten, ist ein geringer Unterwuchs unter den hohen Bäumen, aber ein ausgeprägter Moos- und Epiphytenbewuchs. Die Wipfelhöhe der Bäume befindet sich in durchschnittlich 64 Meter Höhe; die Größe der Wälder, in denen Marmelalken brüten, beträgt im Durchschnitt 206 Hektar. Das Nest befindet sich im oberen Bereich des Nistbaumes etwa einen Meter vom Baumstamm entfernt auf einem starken Ast, der einer Nistplattform von etwa zwanzig mal dreißig Zentimeter Platz bietet. Das Nest ist mit Flechten und Moos gepolstert und auf Grund darüberhängender Äste von oben meistens nicht einsehbar.Gaston et al., S. 198. In Alaska sind auch bodenbrütende Marmelalken beobachtet worden. Brütende Marmelalken weisen jeweils zwei seitliche Brutflecken auf. Die Nestlinge schlüpfen nach einer Brutzeit von 27 bis 30 Tagen. Unmittelbar nach dem Schlupf wird der Nestling zwei Tage lang ununterbrochen gehudert. Die Elternvögel füttern den Nestling mit kleinen Fischen, die sie meist einzeln quer im Schnabel herantragen. Die Nestlingszeit beträgt 27 bis 30 Tage, dann fliegt der Jungvogel gewöhnlich unbegleitet von den Elternvögeln allein zum Meer. Es ist bislang nicht bekannt, wie die Jungvögel den Weg zum Meer finden. Einige Jungvögel können das Meer kurz nachdem sie losfliegen sehen, andere müssen jedoch weite Strecken zurücklegen, bevor sie das Meer sichten. Möglicherweise merken sich Jungvögel die Flugrichtung der Elternvögel und orientieren sich daran. Gaston et al., S. 199.

Evolution Die frühesten Fossilien von Alkenvögeln stammen aus dem Miozän vor 15 Millionen Jahren. Manche Zoologen rechnen noch ältere Fossilien aus dem Eozän in diese Familie. Die meisten und ältesten Funde stammen aus dem nördlichen Pazifik. Allerdings fand man im US-amerikanischen Bundesstaat North Carolina, der an der Atlantikküste liegt, in Schichten des Oberen Miozäns und des Unteren Pliozäns Fossilien von etwa zwölf Alkenarten unterschiedlicher Gattungen, so dass bereits zu dieser Zeit eine komplexe Alkengemeinschaft vorlag.Kostrzewa, S. 20. Da heute im Atlantik nur vier endemische Arten vorkommen, während es im Pazifik sechzehn endemische Arten sind, ist überwiegende Forschungsmeinung, dass Alkenvögel im Pazifik entstanden sind und sich von dort aus ausbreiteten. Dafür spricht auch, dass Trottellummen und Dickschnabellummen überlappend in beiden Ozeanen verbreitet sind. Ein weiteres Indiz für diese These ist, dass von der insgesamt drei rezente Arten umfassenden Gattung Fratercula eine Art, nämlich der Papageitaucher, im Atlantik und zwei weitere, nämlich der Hornlund und der Gelbschopflund, im Pazifik vorkommen.

Anders als bei anderen Seevögeln enthalten die Gattungen jeweils nur wenige Arten. Das hängt sicherlich mit der geringen Ausbreitung dieser Familie zusammen. Heute wie früher leben die Alkenvögel in den kühleren Meeren der Nordhalbkugel. In wärmeren Meeren erreichen die Fische, welche neben dem Krill die Hauptnahrung der Alkenvögel bilden, eine Geschwindigkeit, die eine erfolgreiche Jagd verhindert. Die am weitesten südlich vorkommenden Arten dieser Familie überleben nur aufgrund der kalten Wasserschichten, die bei Kalifornien und Mexiko aufsteigen.

Bestand mini|Schopfalk mit ölverschmutztem Gefieder Wie bei vielen Seevögeln ist die Bestandserfassung von Alkenvögeln schwierig. In der Regel werden Seevögel auf bestimmten Probeflächen gezählt und aus diesen Ergebnissen ein Schätzwert für den gesamten Koloniestandort hochgerechnet. Diese Methode funktioniert jedoch bei Alkenvögeln nur eingeschränkt, da die Zahl der in einer Brutkolonie anwesenden Vögel sowohl mit der Tages- und Jahreszeit als auch mit dem Wetter oder der Tide stark schwanken kann.Kostrzewa, S. 17. Noch größere Probleme gibt es bei der Ermittlung langfristiger Bestandstrends, denn historische Quellen liefern bestenfalls fragmentarische Daten. Grundsätzlich geht man aber davon aus, dass die meisten Arten im 17. und 18. Jahrhundert sehr viel zahlreicher waren und ab dem 19. bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts eine zunehmende Verfolgung durch den Menschen zu erheblichen Bestandsabnahmen führte.

Der Kurzschnabelalk gilt als die am stärksten bedrohte Art der Alkenvögel. Er kommt nur noch an wenigen, weit auseinanderliegenden Stellen in größerer Zahl vor. Die bekanntesten sind der Glacier-Bay-Nationalpark und der Prince William Sound. Der Bestand an Kurzschnabelalken beträgt vermutlich nur noch zwischen 20.000 und 50.000 Individuen. 70 Prozent kommen in Alaska vor. Die IUCN stuft die Art als vom Aussterben bedroht ein, weil die Populationen insbesondere in den letzten 15 Jahren um 80 bis 90 Prozent zurückgegangen sind.Factsheet auf BirdLife International Negativ wirken sich vor allem der Verlust von Brutgebieten durch abschmelzende Gletscher und die Meeresverschmutzung durch Schiffe und Ölförderanlagen aus. Bei der Havarie der Exxon Valdez kamen möglicherweise bis zu 10 Prozent des weltweiten Bestands um.

Inzwischen werden diese Angaben jedoch wissenschaftlich stark angezweifelt und der Kurzschnabelalk wurde 2014 vom IUCN in die erheblich niedrigere Kategorie „near threatened“ herabgestuft. Gaston et al., S. 201.

Bejagung von Alkenvögeln Präindustrielle Nutzung Obwohl Alkenvögel in verhältnismäßig entlegenen Regionen leben, nutzt der Mensch seit langem verschiedene Arten dieser Familie als Nahrungsquelle und Rohstofflieferant für Kleidung. Überreste von Riesenalken wurden in 40 norwegischen Køkkenmøddinger gefunden und ähnliche Funde gibt es für Ausgrabungen in Neufundland, die sich auf 4.000 v. Chr. datieren lassen.Gaston et al., S. 15 und S. 16. In der Nähe aller großen Kolonien von Dickschnabellummen im Osten der kanadischen Arktis lassen sich Spuren von Eskimosiedlungen finden. An der Straße von Georgia, einer Wasserstraße des Pazifischen Ozeans, finden sich Køkkenmøddinger, die unter anderem Überreste von Papageitauchern und Lummen enthalten.Gaston et al., S. 16.

Nutzung als Nahrungsmittel mini|Tordalk mini|Dickschnabellumme