Die Schlieffen-Kaserne war eine Garnison in Lüneburg, in der von 1936 bis 1945 Wehrmachtseinheiten hauptsächlich der Kavallerie und der Aufklärung stationiert waren. Benannt wurde die Anlage nach dem preußischen Generalfeldmarschall Alfred von Schlieffen. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs waren in der Kaserne britische Besatzungstruppen untergebracht. Ab 1958 nutzte die Bundeswehr die Kasernenanlage für Panzer- und Panzergrenadier- und Panzerartillerietruppen. Nach dem Ende des Kalten Krieges erfolgte ab 1992 eine Reduzierung der in der Kaserne stationierten Einheiten, der 2002 schließlich in die Aufgabe der militärischen Nutzung mündete. Zwischen 1999 und 2016 nutzte der Bundesgrenzschutz bzw. die Bundespolizei die Anlage. Zudem entstand auf einer Teilfläche ab 2000 ein Behördenzentrum. Darüber hinaus wird nach Abriss zahlreicher Gebäude schrittweise das Hanseviertel mit Wohngebieten und Gewerbeflächen errichtet.

Geschichte NS-Staat und Zweiter Weltkrieg Im Zuge der Aufrüstung der Wehrmacht ab 1934 benötigte der NS-Staat zusätzliche Truppenunterkünfte. Die Stadt Lüneburg bemühte sich zudem selbst 1935 um die Stationierung von Wehrmachtseinheiten. Am 5. August 1935 einigten sich der Reichsfiskus und die Stadt auf einen Vertrag, der die Bereitstellung von Grundstücken an zwei Standorten für Infanterie-, Kavallerie- und Artillerieverbände mit 5.000 Soldaten und 1.600 Pferden vorsah. Zu diesen Flächen gehörte auch ein Areal an der Bleckeder Landstraße im Osten Lüneburgs. Noch im selben Jahr begann der Bau der späteren Schlieffen-Kaserne. Am 18. Mai 1936 wurde Richtfest gefeiert. Das aus dem 13. Preußischen Reiterregiment gebildete Kavallerieregiment 13 zog am 6. Oktober 1936 mit 3000 Pferden in die fertiggestellte Kaserne ein, die deshalb auch Kavalleriekaserne genannt wurde. Dabei belegte die I. Abteilung den westlichen Teil, die II. Abteilung den östlichen Bereich der Anlage. 1938 erhielt der Bau den Namen „Schlieffen-Kaserne“. Mit der Mobilmachung im August 1939 wurde das Regiment aufgelöst. Es wurde in die Aufklärungs-Abteilungen 22, 30, 152 und 158 eingegliedert, die zum Kriegseinsatz kamen. In der Kaserne entstand am 26. August 1939 die Kavallerie-Ersatz-Abteilung 13. Am 5. September 1942 wurde sie zur Radfahr-Ersatz-Abteilung 13 umgegliedert. Zum 27. April 1943 erfolgte eine weitere Änderung zur Aufklärungs-Ersatz-Abteilung 13. Am 15. Dezember 1943 wurde diese Abteilung aufgelöst und zur Bildung der Kavallerie-Ersatz-Abteilung 100 am Standort verwendet. Die Kavallerie-Ersatz-Abteilung 100 wurde am 18. September 1944 in die Niederlande verlegt. An ihre Stelle trat die am 26. September 1944 neu aufgestellte 100./X, die am 1. Dezember 1944 in Kavallerie-Ersatz-Abteilung 20 umbenannt wurde. Bis zum Kriegsende wurden in der Kaserne noch Wehrmachtseinheiten aufgestellt und versorgt.Georg Tessin: Verbände und Truppen der deutschen Wehrmacht und Waffen-SS im Zweiten Weltkrieg 1939–1945. Dritter Band, Die Landstreitkräfte 6–14, bearbeitet auf Grund der Unterlagen des Bundesarchiv-Militärarchivs, hrsg. mit Unterstützung des Bundesarchivs und des Arbeitskreises für Wehrforschung, Verlag E. S. Mittler & Sohn GmbH, Frankfurt am Main o. J., S. 270Georg Tessin: Verbände und Truppen der deutschen Wehrmacht und Waffen-SS im Zweiten Weltkrieg 1939–1945. Vierter Band, Die Landstreitkräfte 15–30, hrsg. vom Bundesarchiv-Militärarchiv, hrsg. mit Unterstützung des Arbeitskreises Wehrforschung, Verlag E. S. Mittler & Sohn GmbH, Frankfurt am Main o. J., S. 141Georg Tessin: Verbände und Truppen der deutschen Wehrmacht und Waffen-SS im Zweiten Weltkrieg 1939–1945. Sechster Band, Die Landstreitkräfte 71–130, bearbeitet auf Grund der Unterlagen des Bundesarchiv-Militärarchivs, hrsg. mit Unterstützung des Bundesarchivs und des Arbeitskreises für Wehrforschung, Biblio-Verlag, Osnabrück 1972, S. 165Georg Tessin: Verbände und Truppen der deutschen Wehrmacht und Waffen-SS im Zweiten Weltkrieg 1939–1945. Sechzehnter Band, Verzeichnis der Friedensgarnisonen 1932–1939 und Stationierungen im Kriege 1939–1945, bearbeitet von Christian Zweng. Teil 2 Wehrkreise VII–XIII. Biblio-Verlag, Osnabrück 1996, S. 198 f.

Nutzung durch britische Truppen 1945–1958 Nachdem britische Truppen am 18. April 1945 Lüneburg eingenommen hatten, besetzten sie auch die Schlieffen-Kaserne. Die Anlage wurde in Wyvern Barracks umbenannt. 1945/46 wurden die Truppenunterkünfte auch für kurzfristige Unterbringungen von Einheiten genutzt, die entweder in nach Großbritannien zurückverlegt oder gänzlich aufgelöst wurden. Dazu zählten unter anderem im Mai 1945 Teile der Oxfordshire and Buckinghamshire Light Infantry (43rd/52nd Regiment of Foot) und zwischen Juni und September 1946 Teile der 3rd/4th County of London Yeomanry (Sharpshooters). Von Juli 1946 bis März 1952 waren hier die Royal Scots Greys (2nd Dragoons) stationiert, bevor dieser Verband über Aldershot nach Libyen verlegte. Von September 1946 bis April 1948 war zudem das 2nd Royal Tank Regiment in der Kaserne untergebracht. 1952 folgten die 8th King’s Royal Irish Hussars, die aus dem Koreakrieg zur Britischen Rheinarmee kamen und in der Kaserne in Lüneburg stationiert wurden. Im Oktober 1958 ging die Einheit nach ihrer Verlegung nach Bergen-Hohne in The Queen's Own Royal Irish Hussars auf. Schließlich war 24th Regiment Royal Artillery von Januar 1956 bis Januar 1958 hier zusätzlich stationiert, bevor der Verband nach Nienburg/Weser zog.

Bundeswehr Nach der Gründung der Bundeswehr bestand wiederum Bedarf an Kasernen. Am 15. September 1958 wurden die Gebäude der Schlieffen-Kaserne durch ein Vorauskommando des Panzerbataillon 83 übernommen. Die offizielle Übergabe der Lüneburger Kasernen durch die britischen Streitkräfte an die Bundeswehr fand feierlich am 8. November 1958 statt.

Folgende Stäbe, Verbände, Einheiten und Dienststellen der Bundeswehr waren in der Schlieffen-Kaserne stationiert:

Einheit Stationierung ab Herkunft Stationierung bis Verbleib Evangelischer Standortpfarrer Lüneburg I1. Mai 1955neu eingerichtet31. Oktober 2005aufgelöstPanzergrenadierbataillon 821. Oktober 1958neu aufgestellt (4./Grenadierbataillon 3 aus Hamburg, Boehn-Kaserne sowie Abgaben des Grenadierbataillons 23 aus Schwanewede, Lützow-Kaserne)30. September 1992aufgelöstPanzerbataillon 831. Oktober 1958neu aufgestellt31. März 1992umgegliedert zu Geräteeinheit mit Stamm-/Aufwuchsbeziehung zum Panzerbataillon 84Panzerbataillon 841. Oktober 1959verlegt nach Aufstellung am 1. Juli 1959 (4./ ab 8. Oktober 1959) auf dem Fliegerhorst Lüneburg, später Theodor-Körner-Kaserne: Umzug Stab und 1./ am 7. Januar 1960; 2./ und 3./ am 1. Oktober 1959; 4./ am 31. März 196031. Dezember 2002aufgelöst; Abschiedsappell: 20. Dezember 2002Ausbildungskompanie 6/31. Oktober 1960neu aufgestellt30. September 1967aufgelöst; aufgegangen in Panzerjägerkompanie (Rak) 80 (Standort: Theodor-Körner-Kaserne in Lüneburg)Ausbildungsbatterie 5/33. Juli 1961neu aufgestellt30. September 1970als 4./Panzerartilleriebataillon 85 eingegliedertPanzerartilleriebataillon 85/Oberstleutnant Hillmann: 15 Jahre Panzerartilleriebataillon 85 Lüneburg 1959–1974. Tag der offenen Tür. Koblenz/Bonn 1974, S. 12 ff.Verteidigungsbezirkskommando 251963neu aufgestellt2007aufgelöstVerteidigungskreiskommando 252 (GerEinh)1. November 1965neu aufgestellt30. April 1996aufgelöstABC-Abwehrzug 801. April 1965neu aufgestellt15. Oktober 1966Aufwuchs zur ABC-Abwehrkompanie 80 am 16. Oktober 1966ABC-Abwehrkompanie 8016. Oktober 1966neu aufgestellt1972verlegt in Scharnhorst-Kaserne und dort zum 1. Oktober 1972 in ABC-Abwehrkompanie 3 umbenanntMaterialausstattung Sanitätsbereich 25/91. Juli 1972neu aufgestellt30. Juni 1997aufgelöstZahnstation (Terr)H 2371. Oktober 1974neu aufgestellt31. März 1981aufgelöstFeldwebel für Reservisten 2521. April 1978neu eingerichtet30. September 1994aufgelöstZahnstation (Terr)H 2501. Oktober 1978neu aufgestellt31. März 1981in Zahnarztgruppe 214/3 umgegliedertPanzerbataillon 81 (mit Teileinheiten 36 und 37 sowie 2./, 3./ und 4./)1. Oktober 1980neu aufgestellt30. September 1992aufgelöstKasernenfeldwebel Lüneburg 21. April 1981neu eingerichtet30. November 1994aufgelöstZahnarztgruppe 214/31. April 1981aus Zahnstation (Terr)H 25031. Dezember 1999aufgelöstStandortfernmeldeanlage 218/424neu aufgestelltaufgelöstVerkehrskommandantur 722 (teilaktiv)neu aufgestelltaufgelöstPionierdienstgruppe 7252 (GerEinh)neu aufgestelltaufgelöstPionierdienstgruppe Verteidigungsbezirkskommando 25neu aufgestelltaufgelöstWallmeistertrupp 252/1, 252/2, 252/3 und 252/4neu aufgestelltaufgelöstInfrastruktur- und Bauinstandsetzungsgruppe 7025 (GerEinh)1. Januar 1982neu aufgestellt30. September 1994aufgelöstInfrastruktur- und Bauinstandsetzungsgruppe 7252 (GerEinh)1. Januar 1982neu aufgestellt30. Juni 1996aufgelöstFahrschulgruppe Lüneburg 31985neu aufgestellt31. März 1994zur Aufstellung von Kraftfahrausbildungszentrum Lüneburg herangezogenFahrschulgruppe Lüneburg 41985neu aufgestellt31. März 1994zur Aufstellung von Kraftfahrausbildungszentrum Lüneburg herangezogenPanzerbataillon 83 (nichtaktiv)1. April 1992aus Panzerbataillon 8330. September 2002verlegt nach Munster, dort zum 30. Juni 2008 aufgelöst, Außerdienststellungsappell: 25. April 2008; bis 31. Dezember 1993: Stamm-/Aufwuchsbeziehung zum Panzerbataillon 84; ab 1. Januar 1994: Stamm-/Aufwuchsbeziehung zum Panzerlehrbataillon 94Oliver Richter (Red.): Die Panzerlehrbrigade 9 gestern und heute. 1. Auflage, München 2011, S. 312Uwe Walter: Die Strukturen und Verbände des deutschen Heeres Teil 1. I. Korps (1956–1995). Edition AVRA, 1. Auflage, Berlin 2017, S. 117Panzerartilleriebataillon 8512. November 1992verlegt nach Aufstellung am 1. Oktober 1959 im Fliegerhorst Lüneburg, später Theodor-Körner-Kaserne, und Zwischenstationierung ab Mai 1972 in der Scharnhorst-Kaserne, Lüneburg31. März 1997am Standort in Geräteeinheit mit Stamm-/Aufwuchsbeziehung zum Panzerartillerielehrbataillon 95 umgewandeltKraftfahrausbildungszentrum Lüneburg1. April 1994aus bisherigen Fahrschulgruppen Lüneburg aufgestelltneuer Standort: Theodor-Körner-Kaserne; am 1. April 2011 zum Kraftfahrausbildungszentrum Militärkraftfahrer Lüneburg umgegliedertFernmeldesystembezirk der Bundeswehr 102/21. Dezember 1994neu aufgestellt30. September 2001aufgelöstPanzerartilleriebataillon 85 (nichtaktiv)1. April 1997aus Panzerartilleriebataillon 85Juli 2002verlegt nach Kellinghusen, Liliencron-Kaserne; bildete dort eine Stamm-/Aufwuchsbeziehung zum Panzerartilleriebataillon 515, zum 31. Dezember 2008 aufgelöstUwe Walter: Die Strukturen und Verbände des deutschen Heeres Teil 1. I. Korps (1956–1995). Edition AVRA, 1. Auflage, Berlin 2017, S. 117Heimatschutzbataillon 38neu aufgestelltaufgelöst

Obwohl die militärische Nutzung der Kaserne schrittweise bis 2002 aufgegeben wurde, bestand seitens des Bundesinnenministeriums weiterhin ein Bedarf an Teilflächen für die Absicherung der Castor-Transporte durch den Bundesgrenzschutz bzw. die Bundespolizei in das Zwischenlager nach Gorleben. Noch im Februar 2014 erklärte die damalige Bundesregierung auf eine parlamentarische Anfrage im Bundestag, dass die Bundespolizei Teile der Schlieffen-Kaserne benötige. Anfang März 2014 änderte sich diese Einschätzung und es wurde eine 20 Hektar große Restfläche des Kasernenareals freigegeben.

Nachnutzung Behördenzentrum Ost Mit der Umgliederung des Panzerartilleriebataillons 85 in eine Geräteeinheit wurden zunächst ab 1. April 1997 vier Kasernengebäude im Westteil der Garnison frei. Zwischen Juni 2000 und Oktober 2001 zogen nach Sanierungs- und Umbauarbeiten das Gewerbeaufsichtsamt, das Katasteramt Lüneburg, das Verwaltungsgericht Lüneburg, das Arbeitsgericht Lüneburg, das Rechnungsprüfungsamt, der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz sowie das Finanzamt für Fahndung und Strafsachen Lüneburg in die Blöcke ein. Es entstand das Lüneburger „Behördenzentrum Ost“.