mini|Mongolenreich um ca. 1290
Yuan-Dynastie () ist der chinesische Name des von 1279 bis 1368 über China regierenden mongolischen Kaiserhauses (mongolisch 70px Dai Ön Yeke Mongghul Ulus). Sie wurde von Kublai Khan gegründet, der bis 1279 auch das von der Song-Dynastie regierte Südchina unterwarf. Damit war erstmals einer Fremddynastie die Eroberung ganz Chinas gelungen.
Die Herrscher der Yuan-Dynastie regierten das Land wie eine Militärdiktatur; alle wichtigen politischen Posten wurden mit Mongolen und ihren zentralasiatischen Gefolgsleuten besetzt. Die Chinesen waren stark benachteiligt, u. a. auf dem Gebiet des Rechts, und besaßen nur geringe politische Mitwirkungsmöglichkeiten. Zur Aufrechthaltung ihrer Herrschaft verboten die Mongolen den Chinesen den Waffenbesitz und die Mischehe. Viele Ackerflächen wurden für mongolische Adlige oder Militärgarnisonen konfisziert. Fernverbindungen wurden ausgebaut und zahlreiche Poststationen entlang bedeutender Straßen und Flüsse errichtet. Die Eroberer förderten den Handel auf Kosten der Landwirtschaft; europäische Fernkaufleute wie Marco Polo reisten nach China. Als alleinige Währung diente Papiergeld. Die Mongolen übten auch religiöse Toleranz, so dass zahlreiche Muslime, tibetische Lamas und nestorianische Christen ins Land strömten. Ausbeutung der chinesischen Bauern, Thronfolgestreitigkeiten, steigende Inflation des Papiergelds, verheerende Überschwemmungen des Gelben Flusses u. a. führten nach 1350 zu verschiedenen lokalen Volksaufständen. Die Rebellen der Roten Turbane waren die stärkste militärische Organisation. Der arme Bauernsohn Zhu Yuanzhang setzte sich in Kämpfen gegen die anderen Anführer der Insurgenten allmählich durch, vertrieb die Mongolen bis 1368 aus China und gründete als Kaiser Taizu die Ming-Dynastie.
Konsolidierung der Herrschaft Dem von Dschingis Khan entfesselten Mongolensturm waren die in Nordchina gelegenen Reiche der Westlichen Xia-Dynastie (1227) und Jin-Dynastie (1234) zum Opfer gefallen. Dschingis Khans Enkel Kublai Khan nahm ab 1268 den Krieg gegen die in Südchina residierende Song-Dynastie wieder auf. 1271 proklamierte er die Yuan-Dynastie. Übersetzt bedeutet Yuan „Ur-Anfang“. Es war der erste Dynastiename in China, der nicht an einen alten Staaten- oder Familiennamen oder eine geographische Bezeichnung anknüpfte, sondern eine frei ausgesuchte Wortschöpfung darstellte. Trotz jahrelanger Abwehrkämpfe und dem zunehmenden Einsatz von Feuerwaffen vermochten die Song ihr Reich im anhaltenden Krieg gegen Kublai Khan auf die Dauer nicht zu verteidigen. Mongolenheere unter ihrem Feldherrn Bayan drangen 1276 in die Hauptstadt der Song, Hangzhou, ein, das kapitulieren musste. Der erst fünfjährige Kaiser Song Gong und seine als Regentin fungierende Großmutter Xie Daoqing wurden nach Peking gesandt. Letzte Song-Anhänger verloren 1279 die Schlacht von Yamen, womit die Song-Dynastie zu Ende ging.Herbert Franke, Rolf Trauzettel: Das Chinesische Kaiserreich. (= Fischer Weltgeschichte, Band 19). Fischer-Taschenbuch-Verlag, Frankfurt am Main 1993 (Originalausgabe 1968), ISBN 3-596-60019-7, S. 226 f.
Die Hauptstadt der Yuan-Dynastie war seit 1264 Peking, damals Dadu () oder, von den Mongolen, Khanbalyk (Kambaluc, die Stadt des großen Khan) genannt. Die Städte Shangdu (das Xanadu der Dichtung) als die Sommerresidenz und Stadt Karakorum gaben der Herrschaft Legitimation.
Mit der Mongolenherrschaft wurde China zum ersten Mal in seiner Geschichte Teil eines Weltreiches, das von Russland bis in den Fernen Osten reichte. Anscheinend hat jedoch Kublai China als das Herzstück seines Reiches angesehen und seine Regierung folgte eher chinesischen als mongolischen Traditionen. In diesem Sinne kann man auch die Verlegung der Hauptstadt nach Peking als Abkehr von der Steppe verstehen.Helwig Schmidt-Glintzer: Kleine Geschichte Chinas. 2008, S. 101.
Innen- wie außenpolitisch wurde die Yuan-Dynastie nur formal anerkannt. Es folgten wiederholte Konfrontationen mit den in der Steppe verbliebenen Mongolen (die letzte 1360). Dazu kam, dass die Mongolenregenten im Westen, die Goldene Horde und die Ilchane, ab 1260 beziehungsweise ab 1295 ihre eigene Politik betrieben und den Islam annahmen. Es kam zur Teilung des Mongolischen Reiches, um 1310 bildete sich das bis dahin instabile Tschagatai-Khanat neu, so dass man im 14. Jahrhundert vier voneinander unabhängige Reiche unterscheidet. Deren gemeinsame Interessen traten gegenüber den Einzelinteressen mehr und mehr zurück. Zwar hatte die Yuan-Dynastie das Amt des Khaghan (Großkhan) inne und damit einen Vorrang gegenüber den anderen drei Reichen, dies hatte jedoch praktisch keine Auswirkungen.
Die mongolischen Garnisonen in China konzentrierten sich besonders um die Hauptstadt, während in den reichen Gegenden am Jangtse (Yangzhou, Nanjing, Hangzhou) sehr bald chinesische Truppen unter mongolischen Befehlshabern den Frieden zu wahren versuchten. Die chinesischen Soldaten wurden alle zwei Jahre ausgetauscht und in eine entfernte Provinz verlegt. Auch ihre Offiziere wurden zur Vermeidung von Rebellionen regelmäßig versetzt.
Da die Mongolen nomadische Viehzüchter waren, wurden sie schnell zu Minderheiten in ihrem nun beherrschten Territorium, da sie mit wenigen Menschen ihre vielen Weidetiere auf teilweise wechselnden und sehr großen Arealen versorgen mussten. Dies führte dazu, dass sie auf Angehörige fremder Völker angewiesen waren, um ihre Herrschaftsansprüche zu sichern. Dies ist auch einer der Gründe für die Intensivierung des Kulturaustausches zwischen dem Osten und dem Westen, der während der Yuan-Dynastie stattfand. Dabei spielte besonders der Iran eine wichtige vermittelnde Rolle.Helwig Schmidt-Glintzer: Kleine Geschichte Chinas. 2008, S. 102.
Bevölkerung und Bevölkerungseinteilung mini|Kublai Khan (reg. 1260–1294), Begründer und erster Kaiser der Yuan-Dynastie mini|Liu Guandao: Kublai Khan auf der Jagd, um 1280
Die Bevölkerung Chinas zählte um 1290 offiziell 60 Millionen Südchinesen, 10 Millionen Nordchinesen und 2 Millionen Mongolen sowie Angehörige der Turk- und anderer Fremdvölker. Eine frühere Zählung von 1235 hatte 8,5 Millionen Menschen in Nordchina ergeben, die enormen Zahlen der Heimatlosen und Versklavten abgerechnet. Im Verhältnis zur Zeit der Jin-Dynastie hatte Nordchina also einen dramatischen Bevölkerungsrückgang zu verzeichnen.
Kublai Khan ließ die Bevölkerung Chinas in vier Klassen mit abgestuften Rechten einteilen und dies im Gesetzbuch Yuan-dian-zhang festschreiben, auch wenn es in der Praxis eine schwer einzuhaltende Einteilung war. Chinesen und sinisierte Völker waren von diskriminierenden Regelungen betroffen. Die Hauptquelle für die von den Mongolen unterschiedenen ethnischen Kategorien stellt das 1366 fertiggestellte Werk Chuogenglu („Unterbrochene Landarbeiten“) des in der Spätzeit der Yuan-Dynastie lebenden Gelehrten Tao Zongyi dar.Jacques Gernet: Die chinesische Welt. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1988 (französische Originalausgabe Paris 1972), ISBN 3-518-38005-2, S. 313.
Die höchste, in jeder Hinsicht privilegierte Klasse bildeten die Mongolen. Sie waren in 72 Stammesgruppen unterteilt, innerhalb derer wiederum eine strenge Trennung zwischen Militäradel und einfachem Volk bestand. Nur sie allein durften die höchsten Posten des Reiches besetzen. So stellten sie u. a. die meisten Zivilgouverneure der Verwaltungsbezirke.Herbert Franke, Rolf Trauzettel: Das Chinesische Kaiserreich. 1993, S. 230.
Auf der zweiten Stufe der Hierarchie standen die Angehörigen der „Verschiedenen Ethnien“ (Semu-ren). Sie entstammten jenen zentral- und vorderasiatischen Völkern, welche die Mongolen bei der Eroberung Chinas unterstützt hatten. Dazu zählten verschiedene Turkvölker beziehungsweise die Turko-Tataren, aber auch in China angesiedelte Tibeter, Tanguten, persische Kaufleute aus dem Amudarja-Becken und Russen. Sie durften Handel treiben sowie die mittleren Beamtenebenen besetzen und spielten im Finanzwesen eine wichtige Rolle. Ferner dienten sie als Vermögensverwalter mongolischer Adliger. Sie gründeten als ortoq bezeichnete Zusammenschlüsse, die Gilden ähnelten und wirtschaftliche Unternehmungen, etwa den Karawanenhandel, finanzierten. Als Geldverleiher verlangten die Semu-ren oft Wucherzinsen und zogen sich daher den Hass der Chinesen zu.
Die dritte Gruppe bildeten die Einwohner Nordchinas, Han-ren genannt. Dazu zählten die in Nordchina wohnenden Han-Chinesen, aber auch die Kitan, Jurchen und Koreaner. Die meisten von ihnen waren ehemalige Untertanen der von den Mongolen unterworfenen Jin-Dynastie. Sie durften ein Kleingewerbe betreiben und die niederen Beamtenstellen besetzen, aber keine höheren Offiziersstellen.
Die Südchinesen (Nan-ren) bildeten die vierte und rechtloseste Gruppe. Sie waren die ehemaligen Einwohner des Song-Reichs und setzten sich ebenfalls vor allem aus Han-Chinesen, daneben aus Angehörigen anderen Ethnien Südchinas zusammen. Die Nan-ren standen deshalb hierarchisch unter den Nordchinesen, weil sie sich den Mongolen später ergeben hatten. Sie mussten die höchste Steuerlast tragen und durften überhaupt keine wichtigen Ämter bekleiden. Allerdings hüteten sich die Mongolen davor, in Südchina den privaten Grundbesitz zu konfiszieren und erlangten so die Neutralität der reichen Südchinesen. Stattdessen beschlagnahmten sie das unter dem Song-Kanzler Jia Sidao verstaatlichte Land, was die Lage für die einfachen Bauern nicht verbesserte. Chinesen durften keine Waffen und Pferde besitzen, Berufswechsel und Heiraten zwischen den Gruppen waren verboten. Ferner wurden Chinesen wesentlich härter bestraft als die Mitglieder der höheren Klassen. Falls ein Chinese einen Mongolen umbrachte, musste er die Todesstrafe erleiden, während im umgekehrten Fall für den Mörder nur eine Geldstrafe zu zahlen war. Auf noch tieferer Stufe als die erwähnten vier Bevölkerungsklassen standen schließlich die Sklaven, deren Status sich vererbte.
Verwaltung Die Mongolen schufen in der Hauptstadt Khanbaliq einen ähnlichen Behördenaufbau wie unter der vorangegangenen Jin-Dynastie. Auch die Titel der Verwaltungsbeamten trugen weiterhin überwiegend chinesische Namen. Bisweilen wurden aber mongolische Bezeichnungen verwendet wie z. B. Darughachi (d. h. Statthalter, Kommandant).Herbert Franke, Rolf Trauzettel: Das Chinesische Kaiserreich. 1993, S. 228.
Ein großes Problem der Mongolenherrschaft in China lag in der Prüfung der Staatsbeamten, deren Ablegung früher vielen Chinesen der Oberschicht hohe öffentliche Ämter verschafft hatte. Dieses Verfahren war in China seit der Tang-Dynastie üblich und ein wichtiges Legitimationsmittel einer jeden Dynastie. Die Mongolen hatten sie 1237/1238 auf Anraten Yelü Chucais durchgeführt und sofort wieder abgeschafft. Erst 1315 ließ sie Kaiser Ayurparibatra wiedereinführen. Allerdings wurden Nord- und Südchinesen dabei nur zur Hälfte zugelassen, so dass die Mongolen trotzdem etwa ein Drittel aller Posten besetzten.