mini|Beispiele für Zeichen der wichtigsten weltweiten Schriftsysteme mini|Verteilung der Schriftsysteme weltweit mini|hochkant|Zeichenschrift mit jahrtausendealter Tradition: die chinesische Schrift mini|Belegung der einzelnen Unicode-Blöcke Typografie im nicht-lateinschriftlichen Raum ist die fachwissenschaftlich korrekte Bezeichnung für die Typografie in jenen globalen Großregionen, deren Schriften nicht auf dem lateinischen Alphabet basieren. Neben Ostasien, dem süd- und südostasiatischen sowie dem nahöstlichen und nordafrikanischen Raum zählen dazu der Verbreitungsraum des kyrillischen Alphabets sowie der einiger weiterer mittlerer und kleinerer Schriftsysteme wie etwa der des hebräischen oder georgischen. Unter praktischen und geografischen Gesichtspunkten ist die Typografie im nicht-lateinschriftlichen Raum weitgehend identisch mit der Typografie in Asien und Nordafrika.

Von der lateinschriftlichen, im europäisch-amerikanischen Raum praktizierten Typografie unterscheidet sich die Typografie in diesen Großregionen durch zwei Aspekte. Erstens: das jeweilige Schriftsystem mit seinen spezifischen Zeichen, zweitens: die typografischen Konventionen und Regeln, die in dem jeweiligen Großraum Gültigkeit haben. In europäisch-amerikanischen Klassifikationssystemen – wie etwa der deutschen DIN-Norm 16518 – werden nicht-lateinische Schriften unter Oberbegriffen wie „Fremde Schriften“ und Ähnliches abgehandelt. Praktisch gilt schriftsystem-übergreifende typografische Gestaltung nach wie vor als Gebiet für entsprechend kundige Spezialisten. Im kleinen gelten die für die großen nicht-lateinschriftlichen Schriftsysteme bestehenden Herausforderungen auch für die kleinen, großteils als Enklaven innerhalb des lateinschriftlichen Raums existierenden wie etwa die Alphabete nord- und lateinamerikanischer Indigener oder auch das griechische Alphabet.

Nicht-lateinschriftliche Schriftsysteme und Typografie Der Gültigkeitsbereich des lateinischen Schriftsystems erstreckt sich grob über etwa drei Fünftel der Erdoberfläche: Europa, den amerikanischen Doppelkontinent, Australien sowie das Gros des südlichen Afrika (siehe abgebildete Karte). Die verbleibenden Staaten und globalen Großregionen werden typografisch von Schriftsystemen geprägt, deren Grundstruktur sich vom lateinischen Schriftsystem essentiell unterscheidet. Zu den nicht-lateinschriftlichen Regionen zählen Nordafrika sowie der größte Teil des asiatischen Kontinents,Schriftsysteme, Stefan Langer, Universität München, 2022, aufgerufen am 22. Mai 2024 (PDF)The World’s Writing Systems, geografisch untergliederte Auflistung der weltweiten Schriftsysteme, www.worldswritingsystems.org, aufgerufen am 22. Mai 2024 (englisch) ebenso das in Russland sowie weiten Teilen Zentralasiens verbreitete kyrillische Alphabet – das mit dem lateinischen Schriftsystem zwar weitläufig verwandt ist, ebenso jedoch mit unübersehbaren Unterschieden aufwartet.Die Schriften der Welt: das kyrillische Alphabet, Christoph Gollub, sprachenlernen24.de, aufgerufen am 22. Mai 2024

Das Nebeneinander unterschiedlicher Schriftsysteme wird durch den Umstand verstärkt, dass diese sich auch im Hinblick auf ihre Grundstruktur sowie formale Anwendungsprinzipien stark unterscheiden. Im Wesentlichen gibt es drei unterschiedliche Grundtypen – Alphabetschriften, Silbenschriften und Wortschriften.Tabelle: die Klassifikation von Schriften nach ISO 15924, anleitung-zum-schreiben.de, aufgerufen am 22. Mai 2024 (PDF) Zur ersten Gruppe gehören außer der lateinischen und kyrillischen Schrift auch das Griechische sowie Hebräisch und Arabisch. Silbenschriften spielen in einigen kleineren Schrifträumen eine Rolle wie zum Beispiel dem äthiopischen; darüber hinaus sind sie Bestandteil der japanischen Schrift, welche Bestandteile aller drei Formen unter einem Dach integriert (siehe Abschnitt Japanische Schrift). Bekannteste Zeichenschrift ist die chinesische. Eine vierte Schriftsystem-Gruppe schließlich bildet eine Art Mischform aus Alphabet- und Silbenschrift: die Schriftsysteme auf dem indischen Subkontinent sowie im südostasiatischen Raum – eine Großregion, die diesbezüglich die höchste Ausdifferenzierung weltweit offeriert.Siehe hierzu Aufstellung bei Unterstützte asiatische Sprachen, helpx.adobe.com, aufgerufen am 22. Mai 2024

Die Fokussierung auf Geschichte und Gegenwart des eigenen typografischen Systems ist auch im lateinschriftlichen Raum die Regel.Siehe Gavin Ambrose, Paul Harris: Grundlagen der Typografie. Stiebner Verlag, München 2007, ISBN 978-3-8307-1332-6; Kapitel: Geschichte der Schrift, S. 12 ff. Die in Deutschland geltende Klassifikations-Norm DIN 16518 etwa offeriert als Obergruppen die drei Schriftgattungen Antiqua-Schriften, Gebrochene Schriften und Nichtrömische Schriften.Schriftgattung, Wolfgang Beinert, typolexikon.de, 28. Oktober 2021, aufgerufen am 28. Mai 2024 Die Gruppe der nichtrömischen Schriften umfasst die oben aufgeführten Schriftsysteme.Nichtrömische Schriften, Wolfgang Beinert, typolexikon.de, 28. Oktober 2021, aufgerufen am 28. Mai 2024 Das Pendant zur DIN-Norm 16518 für das Einsortieren konkreter Schriftarten ist eine ISO-Norm für die Klassifikation von Schriftsystemen: ISO 15924. Über die Sortierung der oben angeführten großen Schriftsysteme hinaus enthält sie Einteilungsklassen für historische Schriftsysteme sowie andere, die sonst schwer einsortierbar wären (wie zum Beispiel die Braille-Schrift). Aus typografisch-grafikdesignerischer Warte sind die Hürden beim Umgang mit fremden Schriftsystemen beträchtlich und erfordern entsprechende Spezialkenntnisse. In zugespitzter Form zeigt sich dies unter anderem bei der Adaption lateinischer Schriftelemente im ostasiatischen Raum. Die Handhabungspraxis lateinschriftlicher Elemente in ostasiatischen Ländern zeigt, dass sich diese Hürden in beide Richtungen auswirken.Multilinguale Typografie — Schriftsysteme im Kontext wachsender Interkulturalität, Andrea Schmidt, designeringermany.de, aufgerufen am 22. Mai 2024 (PDF)

Ungeachtet existierender Hürden gab es im Verlauf der Geschichte mehrere, zum Teil essentielle Adaptionen von Elementen aus anderen Schriftsystemen. Die bedeutendste ist die Übernahme der arabischen Ziffern, die ihrerseits aus dem indischen Raum stammen.Das indisch-arabische Zahlensystem, ETH Zürich, aufgerufen am 22. Mai 2024 Ein vergleichsweise modernes Beispiel ist die Entwicklung des japanischen Schriftsystems, dass – als Endprodukt einer vergleichsweise kurzen Entwicklung – drei unterschiedliche Schriftsysteme unter einem Dach vereint. Historisch unterschiedlich verlief auch die Geschichte des Buchdrucks. Vervielfältigungstechniken waren in Ostasien zwar schon vor Gutenberg bekannt. Als Vorteil erwies sich für die Europäer vor allem den Umstand, dass sich das lateinische Alphabet leichter mit beweglichen Lettern reproduzieren ließ als etwa das chinesische Alphabet mit seinem weitaus größeren Zeichen-Repertoire.Schrift und Image, Makoto Watanabe, mojimoji.de, aufgerufen am 20. Mai 2024

Auf der praktischen Ebene fanden bereits in Renaissance und Aufklärungsepoche Austausche statt. Claude Garamond, Giambattista Bodoni sowie andere Schriftentwerfer der frühen und mittleren Neuzeit fertigten griechische, hebräische, arabische und kyrillische Schriften.Siehe Giambattista Bodoni. Handbuch der Typografie, Stefan Füss, Köln 2016 (Buchbeschreibung) und Garamond, Claude, Wolfgang Beinert, 27. September 2022, beide aufgerufen am 22. Mai 2024 Im Zuge der Etablierung industrieller Fertigungsmethoden stieg die Anzahl verfügbarer Fremdsprachensatz-Schriften weiter an. Ein Quantensprung war der Einstieg in das digital gestützte Publizieren ab den 1980ern. Wesentliche Marksteine dieser Entwicklung waren neue Technologien, welche den Austausch zwischen den unterschiedlichen Schriftsystemen auch praktisch essentiell erleichterten. Ein Teilbereich dieser Entwicklung war die Verfügbarkeit digitaler Fonts, welche die proprietären Satzsysteme der Vergangenheit rasch ersetzten. Eine weitere Innovation war die Ausweitung der in Schriftfonts enthaltenen Zeichensätze. In den Anfängen beschränkt auf einen Bestand von maximal 128 Zeichen (gemäß dem lange Zeit geltenden ASCII-Code)ASCII-Tabelle, Matthias Schöppe, computer-masters.de, 2. Januar 2022, aufgerufen am 22. Mai 2024, offerierten neue, ab dem Ende des 20. Jahrhunderts aufgekommene Fonttechnologien die Möglichkeit, mehrere tausend Zeichen in eine Schriftdatei zu implementieren. Der IT-technische Fortschritt wurde flankiert durch eine neue, auf maximale Universalität angelegte Norm: Unicode – eine neue, bald zum Standard avancierende Norm, die sämtliche Zeichen in allen Schriftsystemen kartiert und in einzelnen Sektionen und Ebenen zusammenfasst.

Folge der technologischen Entwicklung ist, dass sich via Tastaturtreiber und (entsprechend ausgestattetem Schriftfont) fast alle Schriftsysteme bedienen lassen, die es gibt. Die Einbeziehung mitteleuropäischer Spezialzeichen ist in professionellen Satzschriften weithin Standard; Spezial-Spezifikationen wie OpenType Pro implementieren in Einzelfällen auch kyrillische, hebräische oder arabische Schriftzeichen. Darüber hinaus statten die großen Hersteller der Branche – Microsoft, Apple und Adobe – ihre Betriebssysteme und Programme bereits werkseitig mit Fonts aus, welche die meisten Schriftsysteme abdecken.Siehe In macOS Ventura enthaltene Schriften (Apple), Internationale Schriftarten (Microsoft) und OpenType-Schriften, (Ist OpenType auf lateinische Schriften beschränkt?; Adobe); aufgerufen am 22. Mai 2024 Eine Reihe Schriften leistet dies mittlerweile in Form einzelner Fonts – wobei der Zeichenbestand des Fonts selbst bereits große Teile des Unicode-Zeichensprektums beinhaltet und so multilingual einsetzbar ist.Alan Wood’s Unicode Resources, Alan Wood, alanwood.net, 1999–2011, aufgerufen am 22. Mai 2024 (englisch) Ein Beispiel ist Arial Unicode, die mit über 50.000 Zeichen mit die größte Variationsbreite liefert.Arial Unicode MS font family, learnmicrosoft.com, aufgerufen am 22. Mai 2024 (englisch)

Überblick: Eigenheiten, Konventionen und Praxis Chinesisches Schriftsystem mini|Die Verwendung von Elementen unterschiedlicher Schriftsysteme ist in den ostasiatischen Ländern weit verbreitet. mini|hochkant|Moderner chinesischer Schriftfont: Prison Gothic Das chinesische Schriftsystem ist ein Zeichen-Schriftsystem. Es existiert seit circa 3000 Jahren und umfasst rund 100.000 Zeichen. Von der Struktur her eine Bilderschrift, erfuhr es bereits in vorchristlicher Zeit vereinheitlichende Normierungen. Eine wegbildende Veränderung in jüngerer Zeit war die große Schriftreform in den 1950er Jahren.Endlich erklärt: Chinesische Kurzzeichen vs. Langzeichen und Mandarin vs. Kantonesisch, Xuesong Wu, diction.ch, aufgerufen am 22. Mai 2024 Sie visierte unter anderem das Ziel an, den Alphabetisierungsgrad zu erhöhen, und reduzierte zu diesem Zweck auch den Zeichenbestand radikal.Siehe Tausche Seele gegen Alphabetisierung, An Yan, derstandard-at, 17. April 2012, aufgerufen am 22. Mai 2024 Aktuell etabliert haben sich so zwei chinesische Schriftvarianten: die in der VR China, Singapur und Malaysia gebräuchliche Kurzzeichen-Schrift, welche weniger als 10.000 Zeichen beinhaltet, und die klassische chinesische Langzeichen-Schrift, die über einen Bestand von insgesamt rund 100.000 Zeichen verfügt und vor allem auf Taiwan, in Hongkong und auf Macau weiter gebräuchlich ist.Bilingualer Vergleich chinesische und lateinische Typografie, Maggie Blaser, evoq.ch, 18. Juni 2019, aufgerufen am 20. Mai 2024