Lyndsey Walsh (* 1994 in den Vereinigten Staaten) ist eine US-amerikanische nichtbinäre Person. Walsh arbeitet an der Schnittstelle von Kunst, Wissenschaft und Technologie und lebt und arbeitet in Berlin. Leben Ausbildung, Fellowships und Residencies sind bei Walsh eng mit institutionellen Kontexten künstlerischer Forschung verbunden:
Walsh studierte an der Gallatin School of Individualized Studies der New York University und schloss das Studium 2016 mit einem Bachelorabschluss ab. Im Rahmen der Abschlussarbeit (Senior Thesis) absolvierte Walsh eine Residency am Mount Sinai Medical School in New York, die mit Forschungsarbeit zur Anatomie und Morphologie von Cetaceen verbunden war. 2018 folgte ein Masterabschluss (MSc) in „Biological Arts“ am SymbioticA Centre of Excellence in Biological Arts der University of Western Australia.
Seit 2019 ist Walsh als „Artistic Fellow“ am Institut für Biologie der Humboldt-Universität zu Berlin (Department of Experimental Biophysics) tätig und arbeitet dort u. a. im Umfeld des Exzellenzclusters UniSysCat. Walsh’ Arbeiten wurden auch im Kontext von Institutionen und Veranstaltungen wie dem Humboldt Forum, der Berlin Biennale sowie transmediale/CTM und der re:publica gezeigt. Von Januar bis März 2025 nahm Walsh am Research Residency Program von Tokyo Arts and Space (TOKAS) in Tokio teil.
Werk Walsh untersucht, wie Kultur und Gesellschaft Krankheit, Körper und Tod prägen und welche ethisch-politischen Fragen daraus entstehen. Dabei liegt Walshs Schwerpunkt auf der Arbeit mit lebenden biologischen Materialien und praktischen Laborexperimenten.
Walsh hinterfragt die Spannungen die rund um Kreaturen bestehen können, deren bloße Existenz sich kulturellen und anthropozentrischen Binaritäten von Mensch-Nicht-Mensch, krank-gesund und Leben-Maschine widersetzt. Im Zusammenhang mit dem Masterstudium entstand Walshs Masterarbeit Generating Monsters: The Materiality and Aesthetics of Stem Cell Potential (Monster erschaffen: Die Materialität und Ästhetik des Stammzellpotenzials).
Self-Care Self-Care (seit 2021) ist eine lebende, wachsende Multimedia-Installation, die zwei Videoarbeiten enthält und in deren Zentrum ein speziell entworfener, tragbarer Brustbinder steht, der Lyndsey Walshs lebende Brustkrebszellen beherbergt. Walsh wirft die Frage auf, wie Narrative genutzt werden können, um Pflege, Krankheit und Fürsorge neu zu denken und will dabei die Prinzipien der Crip Technoscience materiell umsetzen. Lindey Walsh untersucht in dieser Installation das generationenübergreifende Trauma, sucht nach Spuren im Körper und stellt dabei die Auswirkungen begrenzter, binärer Definitionen sogenannter „weiblicher“ Gesundheitsversorgungssystemen infrage.
Self-Care verkörpert Körper, die ständig die Grenze zwischen krank und gesund überschreiten. Es beleuchtet Hoffnungen, Erfolge und Misserfolge, die aus dem Versuch entstehen, mit einem fehlerhaften Körper zu leben. Die Installation enthält zwei Videoarbeiten, in denen sich Lyndsey Walsh persönlich an die Mutter wendet. Dort verarbeitet Walsh die eigene, vererbte BRCA1-Genmutation, die mit hoher Wahrscheinlichkeit Brustkrebs auslösen wird, und thematisiert die Auswirkungen präventiver medizinischer Maßnahmen auf Körperbild, Identität und Fürsorgekonzepte.
Arbeiten und Projekte (Auswahl) Return of the Teratoma (2018) – multimediales Projekt im Kontext von SymbioticA; Ausstellung u. a. im Moores Building, Fremantle. Self-Care (seit 2021) – multimediale Installation, ausgezeichnet auf der Ars Electronica mit einer „Honorary Mention“ des EU S+T+ARTS Prize 2024. Living Waste (seit 2022) – künstlerisch-wissenschaftliche Arbeit im Kontext der Ausstellung: Nach der Natur im Humboldt Forum. Unbearable (2023) – digitale Arbeit/Animation, vorgestellt im Programm OpenLAB: Weird Futures von Matadero Madrid.
Ausstellungen (Auswahl) 2021: Ural Biennial – Salute, Jekaterinburg. 2022: m/other becomings – SOLU Space, Helsinki. 2022–2025: Nach der Natur – Humboldt Forum, Berlin. 2023: Vorspiel Main Program – silent green, im Rahmen von CTM Festival / transmediale 2023, Berlin. 2023: One Night Between Heaven and Hell – Untitled Space, im Rahmen von Frieze New York 2023, New York City. 2023: MATTER OF FLUX. Artistic Research – Art Laboratory Berlin / Galerie (Prinz(en)allee), Berlin. 2024: Queer Mutants: Modes to Cultivate Genetic Resistance – re:publica 2024, Berlin.
Auszeichnungen 2024: Lobende Erwähnung für Self-Care, EU S+T+ARTS Prize 2019: UniSysCat Award
Publikationen (Auswahl) Walsh, Lyndsey: Young and Healthy and Waiting to Get Cancer. In: Nautilus. 27. Mai 2020 Walsh, Lyndsey: Self-Care: Seeking Queer Liberation from the Medical Gaze and Genetic Fatalism. In: AM Journal of Art and Media Studies. Nr. 32, Oktober 2023. Walsh, Lyndsey: (R)EVOLUTION: Optogenetics and Interspecies Microperformance. In: Proceedings of Politics of the Machines – Rogue Research 2021. September 2021.
Weblinks Website von Lyndsey Walsh Lyndsey Walsh bei Tokyo Arts and Space Lyndsey Walsh auf der Website der Ars Electronica
Einzelnachweise
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