mini|Der neuromanische Kirchenteil der Kirche St. Kilian in Seck. Die Kirche St. Kilian ist eine römisch-katholische Kirche in Seck im Westerwaldkreis. Sie ist dem heiligen Kilian gewidmet und besteht aus einem 1880 errichteten neuromanischen Altbauteil mit Turm sowie einem mit dem historischen Teil verbundenen Anbau aus dem Jahr 1963. Der neuromanische Bau hat den Rang eines Kulturdenkmals.
Eine Besonderheit der Kirche ist, dass der Kirchturm im Eigentum der Zivilgemeinde steht.
Geschichte
Erste Kirche Es ist sehr wahrscheinlich, dass Seck zum Zeitpunkt, als der Niederlahngaugraf Gebhard (832–879) im Jahr 879 den Westteil seiner ausgedehnten Grundherrschaft zur Ausstattung seiner Gemündener Stiftung abteilte, bereits ein Gotteshaus hatte. Vieles spricht dafür, dass Gebhards Enkel, der Würzburger Bischof Rudolf I. (892–908), in Seck eine Kirche auf das Patronat des heiligen Kilians weihte.
Urkundlich ist eine Kirche zu Ehren des heiligen Kilians im Jahr 1422 erwähnt. Vermutlich handelte es sich dabei um eine spätromanische, dreischiffige Pfeilerbasilika aus Basaltlava mit flacher Holzdecke und zwei Chorflankentürmen. Der Südturm war nur in den unteren Geschossen errichtet.
Ein Schiedsspruch aus dem Jahr 1450 verpflichtete die Gläubigen aus Elsoff, weiterhin ihren Beitrag zum Bau der Mutterkirche in Seck zu leisten. Für die Kirche waren zu dieser Zeit zwei Kirchenbaumeister bestellt.
Im Jahr 1637 waren die beiden Seitenschiffe ohne Dach. Da für die Errichtung des Daches nicht ausreichend Mittel bereitstanden, brach man die Seitenschiffe ab und nutzte nur noch das Mittelschiff.
19. Jahrhundert mini|Die Kirche nach dem Wiederaufbau (nach 1878). Im Jahr 1874 wurde die Kirche wie folgt beschrieben (Hervorhebungen im Original):
mini|Die Kirche auf einem Bittbrief des Pfarrers um Spenden für den Wiederaufbau nach dem Brand 1878. Vermutlich hatte die Kirche nie zwei voll ausgebaute Türme.
Brand der Kirche im Juni 1878 und Wiederaufbau In der Nacht vom 28. auf den 29. Juni 1878 wurde die Kirche Opfer eines Brandes, der in einem Nachbarhaus ausgebrochen war und auf fünf weitere Häuser und vier Scheunen übergriff. Das Feuer zerstörte die Glocken, die Kanzel, Altäre, Beichtstühle und den größten Teil der Orgel. Die Monstranz und ein Ziborium konnten vom Pfarrer in einen nahen Kornacker gerettet werden. Von der Ausstattung überstand lediglich der spätromanische Taufbrunnen aus dem 13. Jahrhundert den Brand. Das Pfarrhaus wurde so stark in Mitleidenschaft gezogen, dass es kurze Zeit später abgerissen werden musste. mini|Danktafel für Pfarrer Carl Ferdinand Werner für den Wiederaufbau der Kirche am Turm, 1882; Übersetzung siehe Fotodetails In den Jahren 1878 bis 1880 erfolgte der Wiederaufbau der Kirche im neuromanischen Stil aus Bruchstein-Basaltlava. 1879 wurde das Mittelschiff überdeckt und der Turm ausgebaut. Der Bauplan sah auch den Bau eines zweiten Turmes vor. Dem vorausgegangen war eine mit hohem Aufwand betriebene Sammelaktion des damaligen Pfarrers und späteren Secker Ehrenbürgers Carl Ferdinand Werner, an der sich auch der Deutsche Kaiser Wilhelm I. mit 7.700 Mark sowie die preußische Königin Augusta mit 500 Mark beteiligten. Die Seitenschiffe wurden neu errichtet, wobei von den fünf Arkaden nur die erste, dritte und fünfte als Durchgang geöffnet wurden. Der Turm wurde im Oberschoss fast vollständig erneuert und mit einem quadratischen Spitzhelm versehen, der 1925 ersetzt wurde. Dekan Orth aus Rennerod weihte am 8. Dezember 1880 den vollendeten Bau, der Fuldaer Bischof Georg von Kopp konsekrierte die Kirche am 26. Juni 1884 im Rahmen eines Firmbesuches. Auch das Pfarrhaus wurde 1880 in seiner heutigen Form neu errichtet und 1884 vom preußischen Minister Maximilian von Puttkamer im Rahmen einer Dienstreise in Augenschein genommen; im Jahr 1960, wurde es mit einem Außenputz versehen.
Unter Pfarrer Roos wurde 1910 unter der Orgel ein Fenster und auf der Evangelienseite im Mittelschiff der zweite und vierte Bogen aufgebrochen. Unter Aufsicht des Bezirkskonservators für die preußische Provinz Hessen-Nassau, Ferdinand Luthmer, wurde die Kirche von den Gebrüdern Schmidt aus Seck restauriert.
Erweiterung um einen Saalbau in den Jahren 1960 bis 1963 links|mini|Blick vom Neubauteil in den neuromanischen Teil, um 1991 290x290px|mini|Blick vom neuromanischen Teil in den Neubauteil, um 1991 Um der Zahl der gestiegenen Gottesdienstbesucher Rechnung zu tragen, wurde die Kirche in den Jahren 1960 bis 1963 nach Plänen des Frankfurter Architekten Mühlenhoff Richtung Westen erweitert.
Die westliche Rückwand sowie ein Joch des Kirchenschiffes wurden abgetragen und um einem großen Saalbau erweitert. Der neue Bau mit Paralleldach nimmt in seiner Form das Hauptschiff des älteren Teils der Kirche auf, verlängert es und verdoppelt es links und rechts der Mittelachse. Die Weihe nahm der damalige Limburger Bischof Wilhelm Kempf vor.
Der Altar wurde im Übergang beider Gebäude platziert und die Bänke beider Kirchenteile auf ihn hin ausgerichtet. An der Westwand wurde eine neue Hauptorgel auf einer Tribüne installiert und eine Chororgel und der Spieltisch für beiden Orgeln im neuromanischen Teil aufgestellt.
Die frühere farbige Ausmalung im Altbauteil wurde grau-weiß überstrichen und der Taufbrunnen in den dortigen Chorraum versetzt.
Renovierung in den Jahren 1992 bis 1994 mini|Blick vom Neubauteil in den neuromanischen Teil, 2006 In den Jahren 1992 bis 1994 wurde die Kirche unter Pfarrer Josef Müller renoviert, umgestaltet und die beiden Teilgebäude durch einen transparenten Holzlettner optisch und funktional getrennt. Der Lettner ist bekrönt mit einer barocken Kreuzigungsgruppe von Skulpturen aus der Hadamarer Schule.
Die neue Altarinsel (unter weitgehender Wiederverwendung des vorhandenen Steinmaterials) und der neue Altar mit Ambo wurden in den 1963 erweiterten Teil vorgezogen.
Der Altbauteil erhielt nach Entfernung des Dispersionsanstriches eine Ausmalung mit einer Leimfarbe nach Motiven des Jahres 1910; diese waren von allen historischen Fassungen am besten erhalten. Der Neubauteil wurde mit hellgrau-weißer Farbe versehen und die lebensgroßen historischen Skulpturen auf neu gefertigten Eichenpodesten platziert. Die Bänke im Altbauteil wurden wieder in Richtung des Chorraums und auf den dort neu aufgestellten weiteren Altar hin ausgerichtet, die kleineren historischen Skulpturen an die Mittelschiffpfeiler des Altbaus übertragen, die barocke Madonna von der nördlichen Ostwand des Neubaus an den nördlichen Seitenaltar verlegt und der Fußboden im Rahmen des Einbaus einer neuen Heizungsanlage ersetzt. Der ehemalige Hochaltar fand im südlichen Seitenschiff als Sakramentsaltar eine neue Verwendung. Weiterhin wurden die Fenster im Chor ersetzt.
Weiterhin wurde die Dacheindeckung im Chorbereich überprüft sowie Dachgesims und Stützen im neuen Kirchenraum mit wärmedämmendem Material verkleidet. alternativtext=Neubauteil mit Übergang zum historischen Bau|mini|Neubauteil mit Übergang zum historischen Bau So entstanden in einer Kirche zwei selbstständig nutzbare Gottesdiensträume mit zwei eigenen Zelebrationsaltären.
Während der Arbeiten in der Kirche feierte die Gemeinde alle Gottesdienste im Pfarrheim: die Werktagsgottesdienste im kleinen Raum mit Harmoniumbegleitung, die sonntägliche Eucharistiefeier im großen Pfarrsaal mit Begleitung durch das Klavier. Bis Mai 1993 war die Instandsetzung des neuen Kirchenraumes so weit abgeschlossen, dass ab Pfingsten die Gottesdienste wieder im Neubau, der durch ein hellgraues Tuch im großen Bogen vom historischen Teil abgetrennt war, gefeiert werden konnte.
Die Altarweihe im Neubauteil wurde am 12. Juni 1993 durch Weihbischof Gerhard Pieschl, die im historischen Teil am 1. Juli 1994 durch Domkapitular Helmut Wanka, Limburg, vollzogen.
Gegenwart mini|Blick von der Apsis des neuromanischen Teils in der gegenwärtigen Ausmalung; rechts die Chororgel, gegenüber der zweite Spieltisch 2004 wurde das 1866 errichtete Martinskreuz, das vor der Apsis im Freien aufgestellt ist, renoviert. Es diente u. a. als Missionskreuz.
In den Jahren 2008 bis 2009 wurde der Kirchturm saniert.
Im Februar 2011 musste im neuromanischen Teil die Ausmalung, die in den 1990er Jahren bei der Renovierung aufgebracht wurde, aufgrund von Schimmelbefall größtenteils entfernt werden. Einzelne Flächen konnten erhalten werden. Auch die Chororgel war von Schimmel befallen und musste saniert werden. Gegenwärtig besitzt der Altbauteil daher keine Ausmalung.
In der Nacht vom 18. auf den 19. April 2020 brannte das Pfarrheim, von dem ein Durchgang in den Neubauteil der Kirche bestand, nieder und wurde vollständig zerstört. Die Kirche erlitt keine größeren Schäden. An der Stelle, an dem das Pfarrheim stand, errichtete die Zivilgemeinde in den Jahren 2024 bis 2025 ein Gemeindezentrum, das als Haus des sozialen Austauschs, der Begegnung und der Vereine sowie als Jugend-, Kultur- und Bürgerzentrum dientl. Das am 24. August 2025 eingeweihte Haus wird gemeinsam mit der katholischen Kirchengemeinde genutzt und integriert die katholische öffentliche Bücherei sowie die örtliche Kontaktstelle des Pfarrbüros Rennerod.
Ausstattung
Taufbecken Das den Kirchenbrand überstandene spätromanische Taufbecken stammt aus dem 13. Jahrhundert. 1874 beschrieb Lotz es wie folgt:
Nachdem 1963 der Anbau errichtet worden war, wurde das Taufbecken in der Apsis des neuromanischen Bauteils aufgestellt. Nach der Renovierung der Kirche in den 1990er Jahren fand es im neuromanischen Teil unmittelbar hinter dem Lettner seinen Platz.
Kanzel mini|Blick in den neuromanischen Teil, 2022 Die mit dem Meisterzeichen „B. S.“ gezeichnete Kanzel aus dem Jahr 1644 stammt aus Eibingen und ist mit geschnitzten Evangelistenbildern und Fruchtgehängen versehen. Sie ist im neuromanischen Bau aufgestellt.
Altäre und Ambo Der Altar des Neubauteiles und der Ambo sind aus dem Marmor des Vorgängeraltares gefertigt. Der neue Altar enthält (wie auch der Vorgängeraltar) die Reliquien der Heiligen Fortunata und Casta.
Der neue Altar im Altbauteil enthält die Reliquien der Heiligen Victorianus und Fausta. Sie stammen aus der Hauskapelle des aufgegebenen Katharinenstifts in Seck.
Der frühere Hauptaltar des neuromanischen Baus wurde im Jahr 1995 restauriert, um einen geschnitzten Pelikan ergänzt und wird nun als Sakramentsaltar im rechten Seitenschiff genutzt. Im gleichen Jahr wurden passend zum Sakramentsaltar vier Messing-Leuchter, ein Messing-Kreuz und ein Ewiglicht-Leuchter mit Wandarm in neoromanischem Stil angeschafft. Zwei kniende Engel aus Lärchenholz, aus einem Privatbesitz erworben, wurden im Jahr 1997 auf den seitlichen kleinen Säulen angebracht.
Der nach einem Entwurf von Wilhelm Jungherz, Limburg, unter Beteiligung von Hermann Petersohn, Göppingen, gestaltete Marienaltar konnte am 30. April 1996 auf dem nördlichen Seitenaltar des Altbausangebracht werden. Karl-Heinz Müller, Brühl, hatte die vorhandene Barockmadonna mit einem neugeschnitzten Strahlenkranz umgeben und die fünf Relieftafeln „Marienleben“ aus dem Vorgängeraltar in einem geschnitzten ovalen Kranz aus 50 vergoldeten Rosen mit Blattwerk integriert.
Heiligenfiguren und Statuen Im Anbauteil des Kirchengebäudes sind auf Eichenpodesten lebensgroße Statuen des hl. Kilian (ein Geschenk eines Konvertiten aus dem Jahr 1880), des hl. Karl Borromäus, des hl. Antonius sowie eine Muttergottes aufgestellt.
Im neuromanischen Teil der Kirche finden sich restaurierte Figuren: die des hl. Blasius und der hl. Margarete wurden zwischen den Apsis-Fenstern, die der hl. Elisabeth, des hl. Liborius, der hl. Katharina, des hl. Rochus und des hl. Sebastian auf restaurierten Konsolen an den Pfeilern des Mittelschiffes befestigt.