mini|Ein sorgfältig ausgeleuchteter Wohnraum Die Wohnraumbeleuchtung ist ein Bereich der Innenbeleuchtung. Sie umfasst die mit natürlichen und künstlichen Lichtquellen ausgeführte Beleuchtung bewohnter Räume in Wohnungen, insbesondere von Zimmern, Küchen, Bädern und denjenigen Teilen der Erschließung (Eingangsbereiche, Flure, Treppen), die einer individuellen Wohnung exklusiv zugehören.

Für die Wohnraumbeleuchtung gilt grundsätzlich dasselbe wie für jede Innenraumbeleuchtung. Einige Funktionsbereiche in Wohnungen stellen an die Beleuchtung, etwa die Beleuchtung mit künstlichen Lichtquellen, jedoch spezifische Anforderungen. Manche Bereiche erfordern Licht, das speziell für einen bestimmten Nutzungszweck, eine bestimmte Aufgabe oder einen bestimmten Benutzer eingerichtet sein muss (Lesebereiche beispielsweise erfordern Streulicht, häusliche Werkstätten eine Mischung aus Streulicht und gerichtetem Licht, Spielbereiche für kleine Kinder gerichtetes Licht). Andere Funktionsbereiche in einer Wohnung werden vielfältig genutzt und erfordern darum entweder eine vielseitige oder eine variable Beleuchtung. Wieder andere weisen in vielen Wohnungen typische architektonische, bauliche oder technische Probleme auf, die bei der Einrichtung der Beleuchtung berücksichtigt werden müssen.

Spezifische Beleuchtungsanforderungen in Wohnungen Eingangsbereiche Eingangsbereiche und Flure sind in unterschiedlichen Wohnungen ganz unterschiedlich gestaltet und erfordern eine auf die jeweiligen Besonderheiten zugeschnittene Beleuchtung. Für Eingangsbereiche gilt im Allgemeinen, dass sie sorgfältig ausgeleuchtet werden und hell wirken sollten, damit Bewohner und Gäste sich willkommen fühlen.

mini|hochkant|Der Eingangsbereich in Wrights Stanley and Mildred Rosenbaum House (1940) Dies gilt jedoch keineswegs für alle architektonischen Konzepte. Frank Lloyd Wright etwa hat in fast all seinen Bauwerken das Prinzip Compression and Release (deutsch: „Kompression und Befreiung“) umgesetzt. Die Folge der Räume, die man in einem Haus nach und nach durchschreitet, ist dabei durch einen (oft mehrfachen) Wechsel zwischen niedrigen, engen, dunkleren Räumen und hohen, weiten, hellen Räumen geprägt, wobei der Eingangsbereich stets der erstgenannten Gruppe zugehört; die Idee dahinter ist, Bewohnern und Besuchern ein intensiveres Raumerlebnis zu verschaffen, als sie in einem Haus mit lauter ähnlichen Räumen hätten, und die Vorzüge der Haupträume dadurch zu akzentuieren, dass der Zugang zu ihnen durch einen beengenden Vorraum erfolgt. mini|links|Der lichtdurchflutete Eingangsbereich des Château de Miromesnil, Tourville-sur-Arques (1590–1600 erbaut) Wrights herunterskalierte Eingangsbereiche bilden einen Gegenpol zu dem Konzept, das traditionell in solchen Wohngebäuden vertreten wird, deren Eingangssuite auf Repräsentativität zielt, etwa in vielen Palästen und Villen, und modern beispielsweise in nordamerikanischen Millennium Mansions. Die letzteren weisen fast immer ein 1½- bis 2-geschossiges Vestibül auf, dessen Prunk bereits von der Fassade angekündigt wird, und das im Inneren, um Gäste und Bewohner zu beeindrucken, oft mit Kronleuchtern ausgestattet wird.

Flure

Flure sind mit typischen Eigenheiten und Problemen behaftet, die beim Lichtdesign berücksichtigt werden müssen: Oft sind sie gleichzeitig Eingangsbereich der Wohnung, empfangen kein Tageslicht, sind ungünstig proportioniert und haben — insbesondere in älteren Gebäuden – unzureichende elektrische Anschlüsse. Lichtdesigner vermeiden es, Flure – insbesondere deren Boden – mit Downlights oder Ähnlichem gleichmäßig auszuleuchten, und verwenden eher horizontale lineare Lichtquellen, um den Charakter des Raumes als Ort fließender Bewegung zu unterstreichen, oder akzentuieren die Rückwand des Flures, auf die alle Bewegung hin gerichtet ist.

Wenn sie eng und hoch sind, stellen Flure lichtdesignerisch besondere Herausforderungen:

In Fluren, die von ihren Bewohnern während der Nacht benutzt werden, gilt die Zusatzeinrichtung einer Alternativbeleuchtung (stark gedämpft und idealerweise bodennah installiert) als zweckmäßig. U. a. mit dem Ziel der Energieersparnis wird Flurbeleuchtung heute oft mit Bewegungssensoren verbunden.

Treppen Treppen sind umso sturzsicherer, je sorgfältiger die Stufen ausgeleuchtet sind; viel Licht im oberen Bereich des Treppenraumes dagegen ist nicht nur verzichtbar, sondern kann die Sicherheit im Gegenteil beeinträchtigen. Wenn Lichtquellen nicht nahe den Stufen, sondern in gewisser Entfernung davon installiert werden sollen oder müssen, eignet gerichtetes Licht aus blendfrei positionierten Strahlern oder Punktstrahlern sich, weil es Schatten wirft und die Form der Stufen dadurch akzentuiert, besser als Streulicht. Für eine stufennahe Installation dagegen eignen sich insbesondere LED-Treppenleuchten, sowie LED-Bänder und -Lichtleisten. Um Energiekosten zu sparen, werden bei der Treppenbeleuchtung gelegentlich Bewegungssensoren eingesetzt.

Küchen Fünfschichtige Beleuchtung Küchen können – wie jeder andere Innenraum auch – fünfschichtig ausgeleuchtet werden:

Zu den Lichtquellen, die fast ausschließlich in Küchen verwendet werden, zählen LED-Unterschrankleuchten (handelsüblich als Lichtleisten, als Pukks und als Spots) sowie solche Leuchten, die in Elektrogeräten wie etwa Dunstabzugshauben integriert sind. Eine Entwicklung der jüngeren Zeit ist der Gebrauch von Lichtsystemen in Schubladen und Schränken. Da Innenschrankleuchten die meiste Zeit ausgeschaltet bleiben, werden sie oft aus Batterien gespeist.

Vierschichtige Beleuchtung Professionelles fünfschichtiges Lichtdesign ist als Ensemble gedacht, dessen einzelne Komponenten einander ergänzen und darum im Normalfall, sobald künstliche Beleuchtung im Tagesverlauf notwendig wird, sämtlich eingeschaltet werden. In der populären Ratgeberliteratur kursieren daneben insbesondere für Küchen weitere Beleuchtungsideen. So unterscheidet man etwa in den Vereinigten Staaten heute oft zwischen der Grundbeleuchtung, der Arbeitsbeleuchtung, der Akzentbeleuchtung und der Verwendung dekorativer Leuchten. Die Beschäftigung mit Küchenbeleuchtung ist aus einer Reihe von Gründen in den USA besonders intensiv. Dazu zählt, dass Küchen dort Statussymbole sind, für die heute im Durchschnitt 26.790 US-Dollar (gut 25.000 €) ausgegeben werden, was regelmäßig auch neue Elektrifizierung und Beleuchtung einschließt. Die Installation von Lichtquellen ist flexibler als in Europa, weil das Innere der Wände und Decken und oft selbst des Bodens durch die Holzrahmenbauweise leicht zugänglich ist. Eine dritte Besonderheit besteht darin, dass amerikanische Küchen heute meist Teil von offenen Grundrissen und dadurch visuell und funktional sehr viel stärker in den Wohnbereich integriert sind als etwa im deutschsprachigen Raum. In einem amerikanischen Wohnhaus ist die Küche darum heute meist derjenige Bereich, der am sorgfältigsten und am komplexesten ausgeleuchtet wird.

Eine weitaus größere Rolle als beim fünfschichtigen Lichtdesign spielen bei amerikanischen Küchen der Bedarf und die Möglichkeit, diesen Bereich zu unterschiedlichen Tageszeiten und für unterschiedliche Verwendungszwecke auch unterschiedlich auszuleuchten. Die einzelnen Komponenten sind darum nicht nur getrennt schaltbar, sondern meist auch dimmbar:

Die Grundbeleuchtung (engl. ambient lighting) sorgt bei fehlendem oder unzureichendem Tageslicht für eine gleichmäßige Beleuchtung des ganzen Raumes. Ihre Funktion besteht unter anderem darin, dasjenige Licht bereitzustellen, das man braucht, um die Küche zu betreten, sich darin zu orientieren und sie zu verlassen. Idealerweise kommt sie einer Imitation von natürlichem Tageslicht möglichst nahe. Außerordentlich verbreitet ist für diesen Zweck in den USA die Verwendung von Downlights (großen Einbauleuchten, ⌀ 15 cm); je nach Grundriss der Küche werden diese entweder in Reihen oder in Gittermustern angeordnet. Die in Nordamerika oft routinemäßig und stereotyp erfolgende Beleuchtung von Wohnräumen mit Downlights ist von Lichtdesignern als einfallslos und in vielen Fällen unzweckmäßig kritisiert worden. Selbst Sage Russell, Autor des einflussreichen Lehrbuchs The Architecture of Light und dezidierter Kritiker des inflationären Gebrauchs von Downlights, empfiehlt ihren Einsatz jedoch über erhöhten horizontalen Flächen wie z. B. Küchenarbeitsplatten und Tischen.

Als Aufgabenlicht (task lighting) werden in den USA hauptsächlich Unterschrankleuchten, Einbaustrahler, Schienensysteme und Pendelleuchten verwendet.

Die Akzentbeleuchtung (accent lighting) akzentuiert Formen und Elemente, auf die besonders hingewiesen werden soll, und sie dient als Minimalbeleuchtung, die zum Einsatz kommt, wenn niemand sich in der Küche aufhält, der Raum aber nicht vollständig verdunkelt werden soll.

Als dekorative Leuchten (decorative lighting) – also tendenziell auffällige Leuchten, die selbst Produkte von Designprozessen sind – sieht man in amerikanischen Küchen gelegentlich sogar Kronleuchter.

Essbereiche mini|In Frank Lloyd Wrights Boynton House (1908), Rochester, New York sind vier Leuchten in den Esstisch integriert. Essbereiche stellen beleuchterisch nur wenige spezifische Anforderungen und bieten insofern bei der Lichtgestaltung große Freiheit. Unverzichtbar sind lediglich die Ausleuchtung der Wandflächen, der Tischfläche und der Gesichter der Personen, die bei Tisch sitzen. Die Wandflächen müssen deshalb sorgfältig und mit eigenen Lichtquellen ausgeleuchtet werden, weil eine Pendelleuchte allein es nicht vermag, den ganzen Raum blendfrei so auszuleuchten, dass er als hell empfunden wird. Die Grundbeleuchtung bzw. Raumstimmung kann mit den verschiedensten Mitteln gesetzt werden, etwa mit Wandleuchten, die ihr Licht nach oben richten.

Als visueller Ankerpunkt, der im Verein mit einer attraktiv ausleuchteten Rückwand Bewohner und Gäste in den Essbereich einlädt, hat eine dekorative Pendelleuchte im Essbereich allerdings eine unstrittige Funktion. Diese besteht zweitens darin, das zentrale Element des Raumes – die Tischfläche – zu akzentuieren und sorgfältig auszuleuchten. Drittens muss sie blendfrei und ohne im Weg zu hängen die Gesichter der Personen beleuchten, die bei Tisch sitzen, damit diese einander sehen können. Wenn über den Tisch hinaus auch eine Anrichtefläche für Speisen vorhanden ist, gilt es als zweckmäßig, dass auch diese akzentuiert und ausgeleuchtet werden kann.

Einschichtige Beleuchtung (nur Decken- oder Pendelleuchte) reicht in einem Essbereich meist nicht aus, weil die Lichtquelle entweder den Raum oder den Tisch nicht gut ausleuchtet oder weil sie blendet:

Lichtdesigner verwenden darum auch in Essbereichen regelmäßig Grundbeleuchtung (Stimmungs- und Akzentlicht). Die Lichtquelle, die den Tisch ausleuchten soll, braucht dann keine zusätzlichen Funktionen zu übernehmen und kann für ihren eigentlichen Zweck optimiert sein. Sie braucht dann nicht einmal besonders stark zu sein:

Einige Typen von Lichtquellen sind spezifisch für Esstische designt, darunter viele abgeblendete Pendelleuchten sowie in jüngerer Zeit LED-Tischleuchten. Die letzteren sind akkugetrieben und drahtlos, dimm- und einstellbar, und haben in den letzten Jahren, ausgehend von der Gastronomie, auch in Privathaushalten Verbreitung gefunden.

Wohnbereiche Wohnzimmer und Wohnbereiche sind oft Schauplätze einer größeren Bandbreite von Aktivitäten (Geselligkeit, formloses Einnehmen von Speisen oder Getränken, Spielen, Lesen, Fernsehen), die jeweils eigene Anforderungen an die Beleuchtung stellen.