Heinrich Toppler (* um 1350 in Rothenburg ob der Tauber; † 13. Juni 1408 ebendaDer Würfler von Rothenburg. Erinnerung an einen ungesühnten Polit-Krimi der Gotik. auf heinrich-toppler.de (= Bayerische Staatszeitung Ausgabe Februar 2003).Ludwig Schnurrer: Heinrich Toppler. auf heinrich-toppler.de.) war ein Ratsherr der Reichsstadt Rothenburg ob der Tauber. Er wurde wiederholt zum Bürgermeister der Stadt gewählt. Unter seiner Führung erwarb die Stadt zahlreiche Burgen und Landgüter in ihrem Umfeld und stieg zu einer wichtigen Regionalmacht in Süddeutschland auf.

Parallel zu dem Ausbau des reichsstädtischen Territoriums erlangte er auch persönlich einen umfangreichen Grundbesitz, der ihn zu einem der reichsten Bürger Rothenburgs werden ließ. Im Taubertal, außerhalb der Stadtmauern, ließ er sich einen repräsentativen Wohnturm errichten, das sogenannte Topplerschlösschen. Zum Verhängnis wurde Toppler schließlich eine Auseinandersetzung mit König Rupprecht und den Nürnberger Burggrafen. In seiner militärischen Bedrängnis wandte sich Toppler dem abgesetzten König Wenzel zu. Nachdem diesbezüglich Briefe Wenzels an die Stadt Rothenburg abgefangen worden waren, leitete Rupprecht einen Hochverratsprozess gegen Toppler ein. Daraufhin wurde er 1408 in das Verlies des Rathauses eingesperrt und verstarb dort wenige Monate später unter ungeklärten Umständen.

Biografie mini|Haus zum Goldenen Greifen, Geburts- und späteres Wohnhaus Heinrich Topplers

Das genaue Geburtsjahr von Heinrich Toppler ist unbekannt. Allerdings gibt ein Rothenburger Landgerichtsbuch ungefähre Anhaltspunkte. Toppler wird in einem Verzeichnis vom September 1364 noch nicht als volljährig geführt. Bis Juli 1365 scheint sich dieser Status gewandelt zu haben. Als volljährig galt zu dieser Zeit nur eine Person ab einem Alter von etwa 14, 15 oder 16 Lebensjahren. Folglich muss Toppler um 1349/1350 geboren sein.Markus Naser: Rothenburg im Spätmittelalter. In: Horst F. Rupp, Karl Borchardt (Hg.), Rothenburg ob der Tauber. Geschichte der Stadt und ihres Umlandes. Theiss, Darmstadt 2016, S. 82–135, hier S. 111.

Entgegen einer oft geäußerten Behauptung stammte Toppler aus einer wohlhabenden Kaufmannsfamilie. Denn es sind Dokumente überliefert, die von kaufmännischen Unternehmungen des Vaters Konrad Toppler und von Stiftungen zum Bau der Kirche St. Johannis berichten. 1352, 1354 und 1358 gehörte Konrad Toppler dem so genannten Inneren Rat, dem engsten Führungskreis der Stadt, an. In diese Stellung wurden zu jener Zeit ausschließlich Mitglieder von Patrizierfamilien gewählt. In Nürnberg sind Angehörige der Toppler-Familie mit demselben Wappen ab 1408 nachgewiesen, ab 1448 besaßen sie das Zeltnerschloß in Gleißhammer, ab 1475 saßen sie im Inneren Rat, siehe: Patriziat (Nürnberg); 1503 erbauten sie in Nürnberg das Toplerhaus; sie sind 1687 erloschen.

Wahl zum Bürgermeister 1373 wurde Heinrich Toppler zum ersten Mal für eine Amtsperiode von zwei Jahren zu einem der beiden Bürgermeister von Rothenburg gewählt. Rasch machte er sich einen Namen durch waghalsige, aber erfolgreiche politische und finanzielle Transaktionen. Die älteste von ihm unterzeichnete Urkunde ist eine Forderung an den fürstengleichen Edelherrn Conrad von Hohenlohe in Höhe von 1000 Mark Silber als Entschädigung für die Festsetzung eines Rothenburger Bürgers – unter den damaligen Umständen eine Herausforderung des mächtigen Regionalfürsten durch eine Reichsstadt mittlerer Größe. Die Urkunden und weitere Quellen aus jenen Jahren sowie später niedergeschriebene Chroniken berichten auch immer wieder von Scharmützeln mit benachbarten Adeligen, zu denen die Rothenburger Bürgerwehr ausrückte. An den sich anschließenden Verhandlungen war Heinrich Toppler oft als Unterhändler der Stadt Rothenburg beteiligt.

Langfristige Maßnahmen Topplers Wichtiger als solche spektakulären Auseinandersetzungen war jedoch eine systematische Politik des Landerwerbs, die Rothenburg etwa ab 1373 verfolgte. Burgen, Mühlen, Wälder, Dörfer und sonstige Güter wurden dem verarmten Landadel abgekauft – bis 1406 im engeren Umkreis der Stadt rund 400 km² der Stadt gehörten, zuzüglich Außenposten im weiteren Umfeld. Hin und wieder kam es vor, dass die Stadt über Mittelsmänner Güter von Adligen erwarb, zu deren Ruin sie vorher maßgeblich beigetragen hatte, so beispielsweise im Falle des Adligen Weiprecht Tanner, der gegen den Städtebund gekämpft und verloren hatte.

Auffällig waren die umfangreichen privaten Mittel, die Toppler – wie auch andere Rothenburger Patrizier – für diese Transaktionen einsetzte – und im späteren Verlauf meist mit erheblichem Zugewinn, sowohl für sich persönlich als auch für die Stadt, zurückerhielt. Die Erbschaft, die ihm sein Vater hinterlassen hatte, war vermutlich recht ansehnlich, aber die Beträge, mit denen er agierte, waren durch sie bei weitem nicht gedeckt.

Mit 17 oder 18 Jahren heiratete Heinrich Toppler Barbara Spengler, die Tochter des Siegfried Spengler, eines Mitglieds des regierenden Rats, Bezieher von grundherrschaftlichen Einkünften (unter anderem in Lohr, Diebach und Wolfsbuch) und Besitzer einer Mühle im Schandtaubertal. Die Ehefrau des Siegfried Spengler, Katharina Reinfrau, war Alleinerbin eines großen, durch Handel erworbenen Vermögens, welches sie selbst weiter vermehrte. In diesen Jahren stand sie in den entsprechenden Listen an der Spitze der Steuerzahler. Einen beträchtlichen Teil dieses Vermögens vermachte sie ihrer Tochter, wovon auch Heinrich Toppler profitierte. In zweiter Ehe heiratete er nicht, wie lange Zeit vermutet wurde, eine Frau aus dem Hause der Patrizierfamilie Wernitzer, sondern 1392 Margareth Meyler aus Nördlingen. Eine dritte Ehe habe es laut Angaben von Ludwig Schnurrer nicht gegeben. Toppler hatte aus erster Ehe mehrere Kinder darunter Barbara, die später Caspar Wernitzers Ehefrau wurde, Jacob und Kathrin. Aus der zweiten Ehe mit Margareth hatte er laut seinem Testament die Kinder Heinrich, Brigitta, Margarethlein und Jose.Abschrift des Testaments Heinrich Topplers auf heinrich-toppler.de

Eine weitere langfristig wichtige Maßnahme war die systematische Förderung der Wiederansiedlung von Juden in der Stadt ab 1374. Im Mittelalter war es allein den Juden erlaubt, das Kreditgewerbe auszuüben. Im Spätmittelalter vollzog sich ein Wandel von der Naturalwirtschaft zur Geldwirtschaft. Kredite spielten eine zunehmende Rolle bei der Finanzierung von Unternehmungen, von Bauten und von Kriegszügen. Der Zuzug der Juden stärkte somit die finanzielle Beweglichkeit des Gemeinwesens. Gleichzeitig trugen die jüdischen Unternehmer mit ihren beträchtlichen Steuerzahlungen erheblich zur Füllung der Stadtkasse bei. Während um 1370 Juden in Rothenburg wirtschaftlich keine Rolle gespielt hatten, so brachten 1388 allein acht jüdische Familien etwa ein Zehntel des Steuerhaushalts der Stadt auf.

Parallel zur wirtschaftlichen Entwicklung trieb Toppler den Ausbau der Rothenburger Stadtbefestigung voran. Die äußere Stadtmauer wurde verstärkt und erweitert, wenngleich sie bereits vor der Topplerzeit weitgehend fertig gewesen sein dürfte. Die Anzahl der Wehrtürme betrug schließlich rund 40. Eine aus historischen Romanen wie Paul Schreckenbach, Der König von Rothenburg, stammende Legende ist das angebliche Grabensystem im Vorfeld der Stadt, das bei Bedarf geflutet und in einen sumpfigen Morast verwandelt werden konnte, um den Einsatz schweren Kriegsgeräts unmöglich zu machen, ebenso der Hundsgraben mit freilaufenden bissigen Hunden. Das hochgelegene Rothenburg besaß ja nicht genügend Wasser, um etwas im großen Stil fluten zu können. Zwischen Klingentor, Turmseelein, Hunnengraben und heutigem Friedhof bestand allerdings im Vorfeld der Stadt eine Art Vorbefestigung mit Wall, dichter Hecke und Graben. Im Kriegsjahr 1407 zeigte sich der Wert dieser Maßnahmen: Rothenburg wurde zwar eingeschlossen, aber nicht berannt, also angegriffen.

Bau des Topplerschlösschens und Wappen mini|Topplerschlösschen Im Taubertal stellte der Bürgermeister mit dem 1388/1389 errichteten sogenannten Topplerschlösschen seinen sozialen Aufstieg zur Schau. Das Gebäude entspricht dem Bautyp eines Weiherhauses. Es handelt sich hierbei um einen spätmittelalterlichen Wohnturm. Diese Anlagen setzen sich aus einem quadratischen Steinsockel und einem mehrgeschossigen Fachwerkaufsatz zusammen. Sie waren meist dem niederen Adel und dem gehobenen Patriziat der Städte vorbehalten. Im fränkischen Raum existierten zahlreiche vergleichbare Bauwerke, etwa das heute noch erhaltene Templerhaus in Amorbach. Das Topplerschlösschen war ursprünglich von einem Wassergraben umgeben und wird von einem Familienwappen verziert. Damit trat Toppler nach außen wie ein Adliger auf, was an sich zu dieser Zeit nicht ungewöhnlich für den Angehörigen einer etablierten Patrizierfamilie war. Nur die Lage des Wohnturms außerhalb der schützenden Stadtmauern kann als Besonderheit gelten.Matthias Untermann: Handbuch der mittelalterlichen Architektur. Darmstadt 2009, S. 175; Markus Naser: Rothenburg im Spätmittelalter. In: Horst F. Rupp, Karl Borchardt (Hg.), Rothenburg ob der Tauber. Geschichte der Stadt und ihres Umlandes. Theiss, Darmstadt 2016, S. 82–135, hier S. 118.

mini|Bauinschrift an der Tafel des Topplerschlösschens: „diz haus mit den graben hot der erber man Heinric Toppler burgermeister zu der zeit zu rotenburg mit sin selbes kost vnd erbeit gebawt in dem jar, do der bestlich krieg war zwischen fursten vnd allen edeln vff einer seit und auch allen stetten, die zv samen verbunden woren vff die ander seit in teutschen landen vnd daz vorgenant haus sol Rosental heißnn anno domini 1388 in dem nesten jar darnach.“Stefanie Rüther: Ratsherren auf Kriegszug? Die Stellung der Hauptleute des Schwäbischen Städtebundes (1376 - 1390) zwischen Kompetenz und Kontrolle. In: Regula Schmid, Klara Hübner, Heinrich Speich (Hg.), Bündnisdynamik. Träger, Ziele und Mittel politischer Bünde im Mittelalter. LIT Verlag, Münster 2019, S. 19–34, hier S. 28. Das Familienwappen zeigt einen Schild mit zwei Würfeln. Oben an den Schild schließt sich ein Helm an, der von einer Krone bedeckt wird. Von der Krone greifen zwei Arme nach oben aus, die wiederum zwei Würfel halten. Somit spielt das Wappen auf die Herkunft des Familiennamens an, denn Toppler leitet sich vom frühhochdeutschen Wort toppeln ab, was so viel wie würfeln bedeutet.Ludwig Schnurrer: Der Fall Hans Wern. Ein spätmittelalterlicher Elitenkonflikt in der Reichsstadt Rothenburg ob der Tauber. Jahrbuch für fränkische Landesforschung 61, Degener & Company, (2001) S. 9–52, hier S. 30. 1392 erreichte Toppler die Anerkennung seines Wappens durch den bayerischen Herzog. Dieser stellte ihm einen sogenannten Wappenbrief aus. Die Aufwertung bedeutete für Toppler jedoch nicht nur Ansehen, sondern steigerte wohl auch, wie Schnurrer vermutet, innerstädtische Konflikte um Hierarchiefragen.Ludwig Schnurrer: Der Fall Hans Wern. Ein spätmittelalterlicher Elitenkonflikt in der Reichsstadt Rothenburg ob der Tauber. Jahrbuch für fränkische Landesforschung 61, Degener & Company, (2001) S. 9–52, hier S. 31.

Politische Entwicklung in Rothenburg gegen Ende des 14. Jahrhunderts mini|Rothenburger Wappen, Topplerwappen, Topplerschlösschen, Totalansicht von Rothenburg, Topplers Wohnhaus in der Schmiedgasse und das Rathaus, Postkarte um 1900