Der Elch (Alces alces) ist die größte heute vorkommende Art der Hirsche. Sein Lebensraum erstreckt sich über Nordeuropa, Nordasien und Nordamerika. Der Elch wird von der IUCN als „nicht gefährdet“ eingestuft.

Erscheinungsbild mini|Elchbulle mit ausgeprägtem Kinnbart und Schaufelgeweih mini|Elchkuh mini|Elchkalb

Biometrische Daten In Schweden wiegen adulte Bullen 390 bis 480, Kühe 300 bis 370 kg. Die Körpergröße und das Gewicht sind allerdings je nach Unterart, Lebensraum und Lebensbedingungen unterschiedlich. So erreichten männliche Elche, die in den 1950er Jahren am Oberlauf der Petschora im nördlichen, europäischen Teil Russlands geschossen wurden, maximal ein Gewicht von 518 kg. Elchkühe wogen maximale 423 kg.S. 21. Elchbullen sind ab dem dritten Lebensjahr durchschnittlich schwerer als die Kühe. Die Widerristhöhe der Elche aus der Petschora-Taiga betrug maximal 190 Zentimeter. Maximal erreichen Elche eine Kopf-Rumpf-Länge bis 3 Meter, eine Schulterhöhe von 2,3 Meter und ein Gewicht von 800 Kilogramm.Jenni Bruce, Karen McGhee, Christiane Gsänger, Gabriele Lehari: Die Enzyklopädie der Säugetiere. National Geographic, Hamburg 2007, ISBN 978-3-86690-036-3, S. 162.

Körperbau Charakteristisch für den Körperbau des Elches ist der kurze massige Rumpf mit seinen relativ langen Gliedmaßen. Der Brustkorb ist bei erwachsenen Tieren stark entwickelt und die Schulterpartie muskulös. Die Wirbel der Brustwirbelsäule tragen verlängerte Dornfortsätze. Dort setzen die Muskeln und Bänder an, die das Gewicht des Geweihes tragen. Dadurch entsteht ein erhöhter Widerrist, der typische Elchbuckel, der mit langen, abstehenden Haaren bedeckt ist. Der schwächer ausgebildete hintere Teil des Rumpfes fällt nach hinten ab.S. 7. Der mit Haaren bedeckte Schwanz ist mit acht bis zehn Zentimetern eher kurz und erreicht nur ein Drittel der Länge der Ohren; er liegt dicht am Körper an und tritt kaum aus dem Fell hervor. Ein auffälliger Geschlechtsdimorphismus besteht, bezogen auf den Körperbau, nicht. Elchkühe sind lediglich etwas leichter, der Widerrist tritt nicht so stark in Erscheinung und die Schulterpartie ist etwas schwächer bemuskelt.

Die Ohren sind breit, länglich oval und laufen an den Enden etwas spitz zu. Die Augen sind im Verhältnis zum Kopf sehr klein. Die Augenfarbe ist dunkel. Die Voraugendrüse, die sich bei den meisten Hirschen findet, ist beim Elch verhältnismäßig klein oder fehlt.Andrew B. Clifford und Lawrence M. Witmer: Case studies in novel narial anatomy: 2. The enigmatic nose of moose (Artiodactyla: Cervidae: Alces alces). Journal of Zoology 262, 2004, S. 339–360 Charakteristisch für den Elch ist die breite und überhängende Oberlippe. Sie verleiht dem Gesichtsprofil eine gekrümmte Linie. Bei beiden Geschlechtern findet sich ein Kinnbart, der am größten bei Elchen zwischen dem 3. und 5. Lebensjahr ist. Er ist dann durchschnittlich 20 bis 25 Zentimeter lang. Einzelne Individuen weisen aber auch einen deutlich längeren Kinnbart auf. Bei älteren Elchen kann dieser Kinnbart fast verschwunden sein.S. 9.

Je nach Alter und Geschlecht beträgt die Beinlänge bei europäischen Elchen 90 bis 110 Zentimeter, bei Alaska-Elchen sind die Beine etwa zehn Zentimeter länger. Die Vorder- und Hinterhandgelenke sind sehr beweglich, was den Elchen in unebenem Gelände eine sehr schnelle Fortbewegung ermöglicht; die langen Beine machen sie für den Aufenthalt in Sümpfen und Mooren besonders geeignet. Elche besitzen an Vorder- und Hinterbeinen Drüsen, die Zwischenklauensäckchen, mit denen sie Duftspuren legen.

Elche sind Paarhufer und haben somit gespaltene Hufe. Ein Huf besteht jeweils aus innerer und äußerer Hauptklaue (Schale genannt) und einer zugehörigen Afterklaue. Die Hauptklauen sind bis zu 18 Zentimeter lang, laufen spitz aus und sind insbesondere an der Vorderseite hart- und scharfkantig. Die vorderen Hufe sind etwas größer und breiter als die hinteren. Eine Besonderheit ist die Schwimmhaut, eine Verbindungshaut zwischen den großen Schalen, die sich nur beim Elch findet, keine andere Hirschart weist diese Eigenart auf. Die Hufe sind immer etwas gespreizt, auf weichem Grund gehen sie besonders weit auseinander, dabei spannt sich die Schwimmhaut und vermindert das Einsinken im Schnee oder morastigen Boden. Bei weit gespreizten Hufen übernehmen auch die Afterklauen eine Stützfunktion.S. 8.

Fell und Fellfarbe mini|Bei Elchen kontrastieren grauweiße Läufe mit dem dunklen Rumpf mini|Weißer Elch Das Haar ist grob und hart. Die längsten Haare finden sich am Widerrist. Die durchschnittliche Länge der Haare beträgt an dieser Stelle 16 bis 18 Zentimeter, kann aber bei einzelnen Individuen auch eine Länge von 24 bis 25 Zentimeter erreichen.S. 10. Sie stehen sehr dicht, sind etwas nach hinten gerichtet und unterstreichen die für Elche charakteristische buckelige Gestalt. Die Nackenhaare sind etwas kürzer als die Haare am Widerrist und bilden eine kurze Mähne. Am Kopf und an den Beinen sind die Haare sehr kurz. Die Fellfarbe von Rumpf, den oberen Teilen der Läufe, dem Hals und dem Kopf variiert individuell zwischen rotbraun und schwarzbraun. Sie ist am dunkelsten im Sommer, wenn Elche die letzten Reste ihres Winterhaares verloren haben, und am hellsten zu Ende des Winters, wenn sich die dunklen Haarspitzen der Winterhaare abgenutzt haben und die hellen Basalabschnitte der Winterhaare durchschimmern.S. 12. Der Beginn des Haarwechsels vom Winter- ins Sommerfell ist abhängig vom jeweiligen Verbreitungsgebiet. In Mittelrussland beginnt er im April und dauert bis Juli.

Abweichend von vielen anderen Hirschen fehlt beim Elch die helle Fellfärbung (der Spiegel) am Rumpfende. Der Spiegel hat bei vielen Hirscharten eine Sozialfunktion und hilft beispielsweise dem Kalb, der Mutter zu folgen. Bei den Elchen übernehmen die grauweißen Läufe diese Signalfunktion. Die Läufe sind ab etwa der Mitte des Unterschenkels beziehungsweise des Unterarms grauweiß bis fast reinweiß mit einem silbrigen Schimmer und kontrastieren stark mit dem dunklen Rumpf. Sie sind gut sichtbar, wenn Elche sich im Halbdunkel des Waldes bewegen, in dem sich der dunkle Rumpf nur wenig vom Hintergrund abhebt.S. 12 und S. 13.

Frisch geborene Elchkälber weisen keine Fleckung auf, wie sie für die Jungtiere vieler Hirscharten charakteristisch ist. Sie sind einschließlich der Läufe dunkelbraun bis rötlichbraun. Einzelne Individuen weisen gelegentlich auf dem Hinterhals und dem Rücken einen Aalstrich auf.S. 13.

Vereinzelt kommt es zu einer weißen Fellvariation. In Schweden sind etwa 100 der dort lebenden 300.000 Elche weiß. Ein weißer Elchbulle, der seine Scheu vor Menschen verloren hatte, sollte 2017 im Westen Schwedens zum Abschuss frei gegeben werden. Er wurde jedoch durch die Unterschriftenaktion einer Tierschutzorganisation gerettet.Schweden Albino-Elch darf leben Euronews, aufgerufen am 3. Oktober 2021

Geweih mini|Elchbulle Die männlichen Tiere zeichnen sich durch ein verbreitertes Geweih, als Schaufel bezeichnet, mit einer maximalen Spannweite von mehr als zwei Metern aus. Besonders große Schaufelgeweihe weisen die Alaska-Elche auf. Schaufelgeweihe der europäischen Unterart bleiben etwas kleiner und haben eine Spannweite von bis zu 1,35 Meter und wiegen bis zu 20 Kilogramm.S. 17. Das Geweih wird jedes Jahr im Zeitraum Januar bis Februar abgeworfen. Es ist in Größe und Gestalt sehr veränderlich und kann aus verzweigten Stangen oder aus breiten, flächigen Schaufeln sowie einer Mischung dieser zwei Typen bestehen. In der Regel weist es eine horizontal zum Schädel stehende Stange und eine breite, abgeflachte Schaufel auf, deren Fläche seitwärts und etwas nach hinten gerichtet ist. An der Schaufel sitzen Fortsätze, die nach vorn außen und nach hinten gerichtet sind.S. 14.

Junge Elchbullen entwickeln in ihrem zweiten Lebensjahr erstmals einen kurzen, ungegabelten Spieß. Im folgenden Jahr weisen sie eine Gabel mit zwei Enden auf, dann folgt in der Regel ein kleines Geweih mit jeweils drei Enden je Geweihseite. Die weitere Entwicklung unterliegt keiner Gesetzmäßigkeit, so dass eine Altersbestimmung der Elche anhand der Zahl der Geweihenden nicht möglich ist.S. 17 und S. 18. Meist bilden sich jedoch in den folgenden Jahren zunehmend größer werdende Schaufeln aus. Bullen im Alter zwischen fünf und zehn Jahren, dem Zeitraum, in dem sie physisch voll entwickelt sind, haben gewöhnlich die größten Geweihe; bei älteren Elchen geht die Geweihentwicklung wieder zurück.

Verbreitung mini|Elch im schwedischen Ort Kårboda, Ljusterö, Stockholms län, im November 2013 beim Verzehr von Äpfeln. Als Bewohner des nördlichen borealen Waldes kommt der Elch in Europa, Asien und Nordamerika vor. Besiedelt werden in Asien unter anderem die Mongolei und die Mandschurei. Er fehlt auf Sachalin und auf den Kurilen, ansonsten stellt der Pazifik die Ostgrenze des asiatischen Verbreitungsgebietes dar.S. 44. mini| Verbreitungsgebiet des Elchs In Nordamerika kommt der Elch vor allem in Kanada vor, im zentralen und westlichen Alaska, in großen Teilen von Neuengland und New York, in den oberen Rocky Mountains, Nordost-Minnesota, Michigan auf der Oberen Halbinsel und der Isle Royale im Lake Superior. Isolierte Elch-Populationen wurden auch weiter südlich, in den Bergen von UtahUtah Division of Wildlife Resources: Big Increase in Cow Moose Permits, 28. April 2006 (englisch). und Colorado gesichtet.Olaus Murie: The Elk of North Amerika. Wildlife Management Institute, Washington D.C. 1951 in Zusammenarbeit mit The Stackpole Company, Harrisburg (Pennsylvania). Gilt als Klassische Studie.

Größere europäische Elchpopulationen finden sich in Norwegen, Schweden, Finnland und den baltischen Staaten; weit verbreitet sind sie auch in Russland, kleine Ansiedlungen gibt es in Polen, Belarus und Tschechien. In Schweden etwa werden pro Jahr rund 80.000 Elche erlegt, was die dortige Population jedoch nicht gefährdet. In historischer Zeit kam der Elch auch in Westeuropa mit Ausnahme des Südens, des Südostens und Westens vor. Um die Zeitenwende war der Elch in ganz Germanien, das damals ein sehr dünn besiedeltes Waldland war, verbreitet. Überreste der ältesten Jagdfallen für Elche wurden in Nordeuropa bereits auf 3700 vor Christus datiert. Mit dem Verschwinden der Wälder und Ausweitung des Kulturraumes ging der Elchbestand zurück. Bis zum Zweiten Weltkrieg kam der Elch in Deutschland in Mecklenburg, Teilen Ost-Brandenburgs und Schlesiens und vor allem aber in Ostpreußen auf der Kurischen Nehrung und in den Niederungen am Ostufer des Kurischen Haffs vor. Der kleine Bestand in Mecklenburg und Neuvorpommern verschwand mit den Kriegswirren. Der Bestand im ehemaligen Ostpreußen konnte sich jedoch bis heute halten. In jüngster Zeit kehrt neben dem Wolf auch der Elch zurück und breitet sich in Deutschland unter anderem in Brandenburg aus.Der Elch kehrt nach Deutschland zurück. In: nabu.de, nach Ende September 2009, abgerufen am 4. Oktober 2024.Kerstin Viering: Elche : Die Rückkehr der Riesen spektrum.de, 2022,-12 08, abgerufen 2024-10-04.