mini|Heckansicht
Der Lamborghini Countach [] (intern LP 112) ist ein zweitüriger Mittelmotor-Sportwagen des italienischen Fahrzeugherstellers Lamborghini. Er wurde in verschiedenen Varianten von 1974 bis 1990 hergestellt. Er gilt als das wichtigste Modell in der Geschichte der Marke, das eine Reihe späterer Lamborghini-Coupés technisch und stilistisch beeinflusste. Nimmt man alle Varianten des Wagens zusammen, so entstanden ungefähr 2000 Serien-Countachs.
Modellbezeichnung Der Name Countach (ausgesprochen [], kungtatsch) geht nach verbreiteter Darstellung auf einen Ausdruck aus dem Piemontesischen Dialekt zurück. Das orthographisch nicht festgelegte Wort Countach steht danach für einen Ausruf, der Erstaunen und Bewunderung in sich vereint. In der Literatur kursieren unterschiedliche Interpretationen; zu ihnen gehören „fantastisch“, „Boah!“, „Wahnsinn“ oder „Herrjeh“.Anthony Pritchard: Lamborghini. Die Geschichte der Supersportwagen aus Sant'Agata, Heel, Königswinter 2006, ISBN 3-89880-574-3, S. 90. Einigen Quellen zufolge ist Countach ein vulgäres Wort;Hans-Karl Lange: Lamborghini. Alle Sportwagen seit 1963, Verlagsunion Pabel - Moewig, Rastatt 1991, ISBN 3-8118-3063-5, S. 50. einzelne übersetzen es mit „geil“.Matthias Braun, Alexander Franc Storz: Typenkompass Lamborghini: Sportwagen nach 1964, Motorbuch-Verlag, Stuttgart 2006, ISBN 978-3-613-02645-2, S. 90. Hierzu wird üblicherweise die Geschichte verbreitet, ein Bertone-Mitarbeiter habe diesen Ausruf getätigt, als er die Sportwagenstudie zum ersten Mal sah. Ein britischer Autor zweifelt das allerdings an und hält sowohl die Geschichte als auch den Begriff Countach selbst für „frei erfunden“.
Als Zusatzbezeichnung verwendete Lamborghini die Buchstaben LP. Sie stehen für longitudinale posteriore („längsgerichtet hinten“) und beziehen sich auf die Position des Motors.Dieter Günther: Erdgeschoss. Oldtimer Markt, Heft 9/1997, S. 10. Die daran angehängten drei- oder vierstelligen Zahlen nehmen auf den Hubraum des jeweiligen Motors Bezug.
Entstehungsgeschichte
mini|Countach-LP-400-Prototyp (1973) Der 1963 gegründete Automobilhersteller Lamborghini hatte mit dem 1966 eingeführten Miura einen der ersten Mittelmotorsportwagen auf den Markt gebracht. Auf dem Genfer Autosalon im März 1971 stellte das italienische Studio Bertone eine Lamborghini Countach LP500 genannte Designstudie vor, die auf das Marktsegment des Miura zugeschnitten war. Der gelb lackierte Wagen erschien nicht bei Lamborghini, sondern auf Bertones Stand. Ursprünglich war keine Serienfertigung des Coupés geplant;Dieter Günther: Erdgeschoss. Oldtimer Markt, Heft 9/1997, S. 8. die Studie war lediglich als „Leistungsbeweis“Matthias Braun, Alexander Franc Storz: Typenkompass Lamborghini: Sportwagen nach 1964, Motorbuch-Verlag, Stuttgart 2006, ISBN 978-3-613-02645-2, S. 87. gedacht. Der Wagen fand jedoch so starken Anklang, dass Ferruccio Lamborghini den fahrbereiten LP 500 zunächst umfangreich testen ließ. Im Mai 1972 fiel schließlich die Entscheidung für die Serienproduktion des Wagens. Ein grün lackierter Prototyp des Countach, der sich technisch und stilistisch von der Studie LP 500 in einigen Merkmalen unterschied, wurde im März 1973 auf dem Genfer Auto-Salon der Öffentlichkeit präsentiert. Zu dieser Zeit kam es jedoch in den Staaten des Westens zur sogenannten Ölkrise. Lamborghini hielt das Auto für so gut, dass es sich seiner Meinung nach trotzdem gut verkaufen müsste. Die Entwicklung des Countach zog sich allerdings in die Länge, weil Lamborghini zeitgleich den kleineren Sportwagen Urraco zur Serienreife bringen musste und mit der Entwicklung von zwei Autos finanziell und organisatorisch überfordert war.Dieter Günther: Erdgeschoss. Oldtimer Markt, Heft 9/1997, S. 11. Das endgültige Serienmodell debütierte auf dem Pariser Autosalon im Herbst 1973; das erste Kundenfahrzeug wurde allerdings erst am 11. April 1974 ausgeliefert.Anthony Pritchard: Lamborghini. Die Geschichte der Supersportwagen aus Sant'Agata, Heel, Königswinter 2006, ISBN 3-89880-574-3, S. 91. Zu dieser Zeit war die Produktion des Miura bereits ausgelaufen. In den ersten Jahren war der Countach noch nicht ausgereift; Lamborghini führte regelmäßig Verbesserungen während der laufenden Produktion ein.Matthias Braun, Alexander Franc Storz: Typenkompass Lamborghini: Sportwagen nach 1964, Motorbuch-Verlag, Stuttgart 2006, ISBN 978-3-613-02645-2, S. 88.
Der Countach blieb bis 1990 im Programm und überdauerte in dieser Zeit mehrere Krisen und Eigentümerwechsel. Während der Urraco zum Misserfolg wurde und die BMW-M1- und Cheetah-Projekte scheiterten, sicherte der Countach das Überleben Lamborghinis und prägte im Laufe der Jahre das Bild der Marke nachhaltig. Viele spätere Lamborghini-Modelle wie der Diablo, der Murciélago und der Aventador setzten das Designkonzept des Countach fort.
Technik und Karosserie Die technische Entwicklung des Countach verantwortete Lamborghinis Werksleiter Paolo Stanzani; die Weiterentwicklung übernahm ab 1975 der bisherige Maserati-Cheftechniker Giulio Alfieri, teilweise arbeitete auch Gian Paolo Dallara am Countach mit.
Antriebstechnik mini|V12-Motor im Lamborghini Countach Alle Versionen des Countach haben einen längs eingebauten V12-Motor in Mittellage. Der Motor des Countach geht auf eine Konstruktion Giotto Bizzarrinis zurück.Georg Amtmann, Halwart Schrader: Italienische Sportwagen. Motorbuch-Verlag, Stuttgart 1999, ISBN 3-613-01988-4, S. 228. In seiner ursprünglichen Form war dieser bereits 1963 beim Prototyp Lamborghini 350 GTV gezeigt worden. Jedoch haben ihn Gian Paolo Dallara und Bob Wallace für das Produktionsmodell 350 GT zur Serienreife entwickelt. Seitdem setzte Lamborghini diesen Motor in verschiedenen Varianten in Front- und Mittelmotorsportwagen ein.
Der Zylinderbankwinkel beträgt 60 Grad. Der Motorblock und die Zylinderköpfe bestehen aus einer Aluminiumlegierung. Jede der beiden Zylinderreihen hat zwei obenliegende Nockenwellen, die über Rollenketten angetrieben werden.Anthony Pritchard: Lamborghini. Die Geschichte der Supersportwagen aus Sant'Agata. Heel Königswinter 2006, ISBN 3-89880-574-3, S. 15. Die ersten Versionen haben je ein Ein- und ein Auslassventil pro Zylinder; ab 1985 (LP 500 Quattrovalvole) kamen vier Ventile pro Zylinder zum Einsatz. Die Kurbelwelle ist siebenfach gelagert. Die Gemischaufbereitung übernahmen regelmäßig sechs Doppelvergaser von Weber, deren Konfiguration sich im Laufe der Jahre mehrfach änderte; lediglich die in die USA exportierten Fahrzeuge hatten eine elektronische Benzineinspritzung von Bosch. Der Hubraum wurde im Laufe der Jahre von 3929 cm³ beim ersten Serienmodell auf 5167 cm³ vergrößert, die Motorleistung stieg in dieser Zeit von 276 kW (375 PS) auf 335 kW (455 PS).
Anders als beim Vorgängermodell Miura ist der Motor nicht quer zur Fahrtrichtung, sondern längs eingebaut. Ungewöhnlich ist der Hinterradantrieb mit Fünfganggetriebe vor dem Motor und einer Welle durch die Ölwanne zum Differentialgetriebe.
Aufbau Konstruktion mini|One-Box-Design und Scherentüren: Lamborghini Countach (LP 400) mini|Ausgestellte Radläufe: serienmäßig ab dem LP 400 S Tragendes Gerüst aller Serienmodelle ist – anders als beim LP 500, der einen Plattformrahmen hatte – ein Gitterrahmen aus Rohren mit rundem Querschnitt.Internetauftritt von Marchesi & C. s.r.l. (abgerufen am 11. Oktober 2020). Das Cockpit ist von einer Überrollbügelstruktur umgeben.Anthony Pritchard: Lamborghini. Die Geschichte der Supersportwagen aus Sant'Agata, Heel, Königswinter 2006, ISBN 3-89880-574-3, S. 95. Die Karosserie der Serienversionen besteht aus 1 mm starken Aluminiumblechen, die auf dem Rahmen aufgenietet sind.
Design Die Karosserie des Countach ist ein Entwurf des Bertone-Designers Marcello Gandini. Im Wesentlichen entspricht die Karosserieform des Serien-Countach der 1971 vorgestellten Studie LP 500, auch wenn diese in einigen Details deutlich vom LP 500 abweicht. Bei der Gestaltung des Countach griff Gandini einige Designelemente auf, die bereits einige Jahre zuvor bei anderen Studien vorgestellt worden waren. Im Profil folgt der Countach dem One-Box-Design, das Giorgetto Giugiaro 1968 erstmals beim Showcar Bizzarrini Manta gezeigt hatte:Wolfgang Blaube: Ein Fisch namens Manta. Vorstellung des Bizzarrini Manta und Kurzbeschreibung der Geschichte des Bizzarrini P 538 in: Oldtimer Markt, Heft 10/2008, S. 44 ff. Der Vorderwagen geht annähernd stufenlos in die stark geneigte Windschutzscheibe über, die ihrerseits eine Linie mit der flach auslaufende Dachpartie bildet. Erstmals bei einem Serienfahrzeug gab es Scherentüren. Gandini hatte dieses Konzept schon 1968 bei dem Showcar Bertone Carabo realisiert. Das rundlich verlaufende Profil kontrastiert mit Ecken und Winkeln an den Fahrzeugflanken und am Heck. Anders als die Studie LP 500, haben die Serienfahrzeuge NACA-Lufteinlässe in den Flanken und große Lufthutzen auf den hinteren Kotflügeln. Die rechteckigen Rückleuchten kommen auch beim Alfa Romeo Alfetta zum Einsatz. Sie werden in eine rote Reflektorfläche eingepasst. Bei der letzten Baureihe wurde statt dieser Fläche eine in Wagenfarbe lackierte Kunststoffblende verwendet. Die hinteren Radausschnitte sind, wie bei Gandini-Entwürfen üblich, nicht rund, sondern im oberen Bereich schräg angeschnitten. Beginnend mit dem 1978 eingeführten LP 400 S sind die Radläufe durch Anbauteile aus Kunststoff deutlich ausgestellt, um größer dimensionierten Reifen Raum zu geben.
Die Serienmodelle In den Jahren 1974 bis 1990 entstanden etwa 2000 Countachs, die sich auf fünf Serien verteilen.
Countach LP 400 mini|Lamborghini Countach LP 400 In den Jahren 1974 bis 1978 wurde die erste Version des Modells unter der Bezeichnung Lamborghini Countach LP 400 angeboten. In dieser Ausführung hat der V12-Motor einen Hubraum von 3.929 cm³ und leistet 276 kW (375 PS), die bei 8000 Umdrehungen pro Minute anfallen. Der LP 400 war zehn Jahre lang der schnellste Lamborghini überhaupt, nicht zuletzt, weil verschärfte Schadstoffregelungen vor allem in den USA bei späteren Modellen eine Drosselung der Motorleistung notwendig machten. Erst als Lamborghini den LP 500 S mit deutlich mehr Hubraum ausstattete, konnten die Leistungswerte des Modells aus dem Jahr 1974 wieder erreicht werden.
Das erste Serienexemplar des Countach kaufte 1974 der österreichisch-kanadische Unternehmer Walter Wolf, der wenig später einige Modifikationen bei Lamborghini in Auftrag gab, die zunächst zu drei Sondermodellen und 1978 schließlich zum weiterentwickelten LP 400S führten.
1975 bot der Schweizer Importeur den Countach LP 400 für 115.000 Schweizer Franken an. Der Listenpreis des Ferrari 365 GT/4 BB war 4.500 Franken höher, während der Maserati Bora und der Porsche Turbo mit 81.500 bzw. 78.650 Franken jeweils deutlich günstiger waren.Graham Robson: Lamborghini Countach, Foulis Motoring Book, 1986, ISBN 0-85429-589-5, S. 35.
Countach LP 400S mini|Lamborghini Countach LP 400 S