Der 1. Juli 1916 war der Beginn der Schlacht an der Somme. Er war der blutigste Tag in der Geschichte der britischen Armee und einer der schrecklichsten Tage des Ersten Weltkriegs. Um 7.30 Uhr begannen 14 britische und 6 französische Divisionen mit ihrem Vormarsch. Ziel des Angriffs war es, die erste und zweite deutsche Verteidigungsstellung von Serre südlich bis zur Straße Albert-Bapaume und die erste Stellung von der Straße südlich bis Foucaucourt einzunehmen. Während die Franzosen erfolgreich waren, erlebten die Briten eine Katastrophe. In den meisten Fällen waren sie nicht in der Lage, mit dem Sperrfeuer Schritt zu halten, das sie bis zu den deutschen Schützengräben bringen sollte. Dadurch hatten die Deutschen Zeit, aus ihren Unterständen zu klettern, ihre Gräben zu besetzen und das Feuer zu eröffnen. Unter dem Verlust von fast 60.000 Mann konnten 8 km² erobert werden.

Hintergrund Im Dezember 1915 vereinbarten die alliierten Oberbefehlshaber in Chantilly eine gemeinsame Strategie, welche die gleichzeitigen Angriffe der französischen, russischen, britischen und italienischen Armeen vorsah. Das britische Operationsgebiet umfasste Nordfrankreich und Flandern. Am 14. Februar einigten sich General Joseph Joffre und Douglas Haig auf eine kombinierte Offensive an der Somme Anfang Juli. Im April stimmte das britische Kabinett einer Offensive in Frankreich zu. Nach dem deutschen Angriff auf Verdun am 21. Februar unterbreitete Ferdinand Foch den Vorschlag einer Offensive an einer 45 km langen Front zwischen Lassigny und der Somme, welche mit 42 französischen Divisionen durchgeführt werden sollte. Zudem schlug er einen britischen Angriff an einer 25 km langen Front von der Somme bis Thiepval mit 25 Divisionen vor. Die für die gemeinsame Offensive vorgesehenen französischen Divisionen wurden bald nach Verdun umgeleitet, sodass die Offensive letztlich auf einen Hauptangriff der Briten und einen Unterstützungsangriff der französischen Sechsten Armee reduziert wurde.Philpott: 2009, S. 100., 102.Edmonds: 1993, S. 3f., 10., 13., 29.

Auftakt

Alliierter Schlachtplan Die Umleitung französischer Divisionen nach Verdun und die Übernahme der Leitung in der Offensive durch die Briten führten zu einer Revision des Plans. Der britische Feldmarschall Douglas Haig in Richtung eines Durchbruchs und einer Ermattungsstrategie. Haig wurde angesichts der Erfolge Gorlice-Tarnów 1915 und Verdun Anfang 1916 optimistischer, was zu Beginn einer Offensive erreicht werden konnte, General Henry Rawlinson, Oberbefehlshaber der Britischen 4. Armee, favorisierte einen methodischen Angriff bei dem die Gürtel der deutschen Verteidigungsanlagen, die etwa 1800 m tief waren, von der Artillerie zerstört und dann von der Infanterie besetzt werden sollten. Der Versuch, tiefere Ziele in Richtung der zweiten deutschen Stellung zu erreichen, barg das Risiko, dass die Infanterie jenseits der Deckung durch die Feldartillerie angegriffen wurde, hatte aber den Vorteil, dass man die Zeit ausnutzte, in der die deutsche Artillerie zurückgezogen wurde. Am 28. Juni gab das Hauptquartier der Vierten Armee die Anweisung, dass im Falle eines Zusammenbruchs der Deutschen Linien die Infanterie angreifen sollte, ohne auf die Kavallerie zu warten; die 19. (western) und 49. (west riding) Division sollten entlang der Straße Albert-Bapaume und parallel dazu nach Norden eingesetzt werden. Die Kavallerie, die sich 8 Kilometer westlich von Albert versammelt hatte, sollte erst vorstoßen, wenn die Straßen geräumt waren.Edmonds: 1993, S. 255 f., 260 f.Edmonds: 1932, S. 150 f.

Deutsche Vorbereitungen Viele der deutschen Einheiten standen bereits seit Kriegsbeginn 1914 an der Somme und unternahmen große Anstrengungen, um die Verteidigungslinie mit geringen Kräften zu befestigen. Insbesondere durch Stacheldrahtverhaue jenseits des Frontgrabens. Eisenbahnen, Straßen und Wasserwege verbanden die Front mit dem Ruhrgebiet, der Materialquelle für die minierten Stollen, die alle 46 m gegraben wurden und Platz für 25 Mann boten. Im Februar 1916, nach der Herbstschlacht, wurde eine dritte Verteidigungsstellung an der Somme-Front begonnen, die weitere 2,7 km von der Stützpunktlinie entfernt lag und zu Beginn der Schlacht fast fertiggestellt war. Die deutsche Artillerie war in Sperrfeuerstreifen organisiert; jeder Infanterieoffizier musste wissen, welche Batterien seinen Frontabschnitt abdeckten, und die Batterien mussten in der Lage sein, flüchtige Ziele zu bekämpfen. Ein Telefonsystem mit in 1,8 m Tiefe verlegten Leitungen, die 8,0 km von der Frontlinie entfernt waren, verband die Artillerie. Die Verteidigungsanlagen an der Somme wiesen zwei inhärente Schwächen auf, die durch den Wiederaufbau nicht behoben wurden. Die vordersten Gräben befanden sich an einem Vorderhang, der mit weißer Kreide aus dem Untergrund ausgekleidet und für Beobachter auf der britischen Seite des Niemandslands leicht zu erkennen war. Die Verteidigungsanlagen waren zum vorderen Graben hin dicht gedrängt, wobei ein Regiment zwei Bataillone in der Nähe des vorderen Grabensystems hatte und das Reservebataillon zwischen der Stützpunktlinie und der zweiten Stellung aufgeteilt war, alle innerhalb von 1,8 km von der Frontlinie entfernt. Die meisten Truppen befanden sich innerhalb von 910 m von der Frontlinie in den neuen tiefen Unterständen. Die Konzentration der Truppen im vorderen Bereich verursachte, dass sie den größten Teil des Artilleriebeschusses abbekamen, der von Beobachtern am Boden auf klar markierten Linien geleitet wurde. Im Mai wurde mit dem Ausheben und der Verkabelung einer neuen dritten Stellung begonnen.Wynne: 1976, S. 100–103.Philpott: 2009, S. 157–165.

Die Schlacht

Deutsche 2. Armee Im Mai 1916 hielt die deutsche 2. Armee (General der Infanterie Fritz von Below) mit acht Divisionen die Front von Roye nach Norden bis Arras, drei davon in Reserve. Die deutsche Verteidigung des Südufers der Somme oblag dem XVII. Korps (General Günther von Pannewitz) mit drei Divisionen. Auf dem Nordufer verteidigte das XIV. Reservekorps (Generalleutnant Hermann von Stein) mit zwei Divisionen die Linie von der Somme bis zur Ancre. Am 20. Juni bombardierte die britische schwere Artillerie die deutschen Verbindungswege hinter der Frontlinie bis nach Bapaume und setzte den Beschuss bis zum Abend des 22. Juni mit Unterbrechungen fort. In der Morgendämmerung des 24. Juni begann ein Schrapnellfeuer auf die deutsche Frontstellung und die umliegenden Dörfer. Am Mittag begann ein präziseres Feuer, das sich um Thiepval verstärkte, nachdem schwere Batterien das Feuer eröffneten. Am 25. Juni dominierte schweres Artilleriefeuer, das die Schützengräben zerstörte und die Unterstände verschüttete. Schwankungen in der Intensität des Feuers zeigten an, welche Gebiete angegriffen werden sollten, wobei Mametz, Fricourt und Ovillers am stärksten beschossen wurden. Als Folge bereiteten die deutschen Befehlshaber in der Nacht ihre Verteidigungsanlagen um die Dörfer vor und ordneten die Besetzung der zweiten Linie an. Nach einer nächtlichen Flaute nahm das Bombardement am 26. Juni wieder zu: Um 05.00 Uhr morgens wurde in Richtung Beaumont-Hamel und Serre Kampfgas eingesetzt, bevor der Beschuss in der Nähe von Thiepval an Intensität zunahm und dann plötzlich eingestellt wurde. Die deutsche Garnison ging in Stellung und feuerte rote Leuchtraketen ab, um Artillerieunterstützung anzufordern, die ein Sperrfeuer im Niemandsland begann. Später am Nachmittag zerstörten Mörser, die flacheren Unterstände. Ein überschweres Geschütz begann, die wichtigsten deutschen Stellungen zu befeuern, während kleinere Geschütze die Dörfer in der Nähe der Frontlinie zerschossen, aus denen die Zivilbevölkerung in aller Eile evakuiert wurde.

Die deutschen Truppen, die in den Dörfern untergebracht waren, wichen ins Freie aus, um dem Beschuss zu entgehen. Am 27. und 28. Juni verstärkte heftiger Regen die Verwüstung, während der Beschuss von gleichmäßigem, präzisem Granatfeuer bis hin zu Granatenregen und Phasen der Ruhe reichte. In der Nacht rückten britische Patrouillen ins Niemandsland vor. Von den Deutschen gefangen genommene Soldaten gaben an, dass sie die Schäden begutachteten und nach deutschen Überlebenden suchten. Die deutschen Vernehmungsoffiziere erhielten Informationen, die darauf hindeuteten, dass am 29. Juni um 05.00 Uhr morgens auf beiden Seiten der Somme und der Ancre eine Offensive beginnen würde. Die gesamte deutsche Infanterie stand mit Verstärkung bereit, doch am Nachmittag wurde das Feuer wieder aufgenommen, das sich mehrmals zum Trommelfeuer steigerte. Der Artilleriebeschuss konzentrierte sich zunächst auf kleine Teile der Front, stieß dann aber in die Tiefe der deutschen Verteidigung vor. Regelmäßiger Gasbeschuss und Infanteriesondierungen wurden fortgesetzt. Das Bombardement am 30. Juni wiederholte das Muster der vorangegangenen Tage, mit der ein Großteil der deutschen Verteidigungsanlagen unbrauchbar gemacht worden waren. In der Nacht vom 30. Juni auf den 1. Juli fielen die Bombardements auf die rückwärtigen Verteidigungsanlagen und die Verbindungsgräben. Um 06.30 Uhr stiegen Fesselballons auf, und entlang der gesamten deutschen Front begann ein noch nie dagewesenes Sperrfeuer, das um 07.30 Uhr abrupt endete.Rogers: 2010, S. 59–64.

Französische 6. Armee XXXV Korps mini|338x338px Südlich der Somme begann das XXXV. Korps (General Jacquot) zwei Stunden nach Beginn der Offensive am Nordufer mit seinem Angriff. Ein französischer Angriff größeren Ausmaßes am Südufer wurde von der deutschen Führung für unmöglich gehalten. Nachdem die 10. Königlich Bayerische Infanterie-Division zur Verstärkung des XIV. Reserve-Korps nach Norden verlegt worden war, wurden die Frontlinien der Divisionen auf der Südseite des Flusses noch breiter, wobei die drei verbleibenden Divisionen des XVII. Armee-Korps ihr drittes Regiment einsetzten, um die Lücke zu schließen. Das französische einleitende Bombardement hatte bei den Deutschen viele Verluste verursacht und zahlreiche Maschinengewehre und Mörser zerstört. Als der Angriff verdeckt durch Nebel begann, wurden die deutschen Verteidiger überrascht und überrannt. Die französische Artillerie verfügte über etwa 10 schwere Batterien pro Kilometer. 18 Beobachtungsballons standen allein der deutschen 11. Division gegenüber und französische Artilleriebeobachtungsflugzeuge wurden von ihren Piloten so niedrig über Estrées geflogen, dass die deutschen Soldaten die Gesichter der Besatzungen sehen konnten. Die 11. Division verfügte nur über zwei Feldartillerieregimenter und einen Teil eines als Verstärkung entsandten Regiments und hatte keine schweren Geschütze für das Gegenfeuer, abgesehen von der periodischen Unterstützung durch eine kleine Anzahl schwerer Geschütze, die die gesamte Südseite des Flusses abdeckten. Die deutsche Artilleriegruppe um Estrées, Soyécourt und Fay unternahm am 30. Juni einen systematischen Beschuss der französischen Frontlinie. Bis zum Zeitpunkt des Angriffs am 1. Juli war die deutsche Artillerie am Südufer von 15.000 Granaten getroffen und bis 11:00 Uhr fast zum Schweigen gebracht worden. Um 9:30 Uhr hob sich das französische Sperrfeuer von der deutschen Front ab, und unter einem Schutzwall im Dorf Fay wurden drei Minen gezündet. Trotz Verlusten durch deutsches Feuer von jenseits der südlichen Flanke wurde ein gewisses Maß an Überraschung erzielt. Das Grenadier-Regiment 10 war über Nacht einem „Strom“ von Feuer ausgesetzt, was die deutsche Infanterie zwang, sich in Minenstollen zu schützen. Gleichzeitig mit dem Infanterieangriff und den Minenexplosionen um 10:00 Uhr erfolgte ein Angriff mit Gas, der viele der sich dort verschanzten Truppen tötete. Bis 14:00 Uhr waren die Verteidigungen überrannt und die Deutschen getötet oder gefangen genommen worden. Vorhandene Verstärkungen wurden nach vorne verlegt, um die zweite Position südlich von Assevillers zu besetzen.Sheldon: 2006, S. 170–174.von Stosch: 1927, S. 82.

I. Kolonialkorps