Privatdetektivin Honey West ist eine US-amerikanische Kriminalserie, nach den Romanen von G. G. Fickling (= Gloria und Forrest „Skip“ Fickling). In der Serie, die 1965 und 1966 lief, spielten Anne Francis und John Ericson die Hauptrollen.
Inhalt Honey West führt eine Detektei in Los Angeles, die sie von ihrem Vater, der bei einem Einsatz starb, geerbt hat. Sie löst ihre Fälle mit der Hilfe von Sam Bolt, der schon der Partner ihres Vaters war. Sie fährt eine Cobra, zur Detektei gehört aber auch ein Lieferwagen mit der Aufschrift „H. W. Bolt and Co., TV Service“, der mit einer Abhöranlage ausgerüstet ist und zumeist von Sam Bolt gefahren wird. Honey West und Sam Bolt verwenden Funkgeräte, die in Brillen, Lippenstiften und verschiedenen weiteren Gegenständen versteckt sind, und verteilen Werbekugelschreiber mit Signalgeräten. Die Detektei ist über eine Geheimtür mit der Wohnung von Honey West, ihrer Tante Meg und des Ozelots Bruce verbunden. Honey West beherrscht zudem Jiu Jitsu und hat einen schwarzen Gürtel in Karate.
Hintergrund Vorgeschichte und Produktion 1956 kam das erste Buch der Reihe über Honey West heraus, geschrieben von Skip und Gloria Fickling unter dem Pseudonym G. G. Fickling. Der Anfang Januar 1963 gestorbene Dick Powell wandte sich an das Autorenehepaar mit dem Vorschlag, eine Fernsehserie über die Buchreihe zu machen. Es folgten längere Verhandlungen. Die Leitung der Serie übernahm Aaron Spelling. Als Hauptdarstellerin war zunächst Honor Blackman vorgesehen, doch die lehnte ab. Daraufhin suchte man eine ähnliche Schauspielerin und wählte Anne Francis.
Im April 1965 lief der Pilotfilm als Folge Who Killed the Jackpot? der Serie Amos Burke. Er war ein Erfolg, bereits vor der Ausstrahlung wurde angekündigt, dass die Serie im Herbst starten würde. Kurz darauf begann Anne Francis Karate bei Gordon Doversola zu lernen. Bis zum Beginn der Serie war sie in der Lage, die Kämpfe selbst darzustellen. Wegen des Verletzungsrisikos wurde das von den Stuntleuten Sharon Lucas und Buddy Van Horn übernommen. Vor Beginn der Serie wurden sechs der Romane neu aufgelegt, zudem wurde ein weiterer Pilotfilm gedreht, der aber nicht im Fernsehen gezeigt wurde. Später wurde daraus die Folge Die graue Lady.
Privatdetektivin Honey West war ein Risiko, daher wurde bei der Produktion gespart. Die Folgen waren 30 Minuten lang statt der damals bereits üblichen 60, und die Serie wurde in Schwarz-Weiß gedreht. Auf der anderen Seite wurden für die Designermode, die Honey West trägt, 50.000 Dollar ausgegeben. Im September lief die Serie an. Laut Anne Francis waren die Dreharbeiten anstrengend. Anfangs wurde eine Folge an drei Tagen in jeweils 14 bis 17 Stunden gedreht. Später waren es vier Tage pro Folge mit jeweils zwölf Stunden. Wegen der Ozelots (es wurden zwei oder drei davon eingesetzt, da sie nicht gut zu trainieren sind) musste sich Anne Francis zudem alle sechs Wochen gegen Tetanus impfen lassen.
Anfangs zielte die Serie zumindest teilweise auf Männer als Publikum. So war zunächst eine Zigarrenfirma der Hauptsponsor. Mit der Zeit änderten sich die Sponsoren hin zu Produkten, die mehr auf Frauen zielten. Mit Beginn der Serie kam zudem eine Honey-West-Puppe auf den Markt. Es heißt, dass während der Laufzeit der Serie davon mehr verkauft wurden als Barbiepuppen.
Für die zweite Staffel war geplant, die Folgen auf 60 Minuten zu verlängern und in Farbe auszustrahlen. Aber dazu kam es nicht mehr, da ABC die Serie nach der ersten Staffel beendete.
Veröffentlichung Die Pilotfolge wurde am 21. April 1965 gezeigt, die Serie lief zwischen dem 17. September 1965 und dem 8. April 1966 jeden Freitag.
1967 wurden 13 Folgen in verschiedenen regionalen Vorabendprogrammen der ARD erstausgestrahlt. Zum Beispiel wurde Es begann im Kabarett am 9. Mai im WDR, und gefälschte Millionen am 10. Mai im HR gezeigt. Am 16. Mai lief Das Trio im SR. Vermutlich waren dies aber nicht die Erstausstrahlungen der jeweiligen Folgen.
Episoden
Rezeption Kritiken und Meinungen Laut Joel Sternberg erhielt Honey West anfangs einigermaßen gute Reviews, und der Serie wurden gute Produktionswerte zugestanden. Variety habe ihr einigen Erfolg vorhergesagt. Von anderer Seite wurde zwar die Idee der Serie gelobt, die Produktion sei aber schlecht und die Geschichten einfallslos gewesen. Andere Kritiker fanden die Folgen dumm, einer soll gesagt haben, dass Honey West zwar viele technische Spielzeuge gehabt habe, den Banalitäten der Geschichten aber nicht entkommen konnte. Außerdem wird kritisiert, dass in manchen Kampfszenen der Serie offensichtlich ein Mann mit blonder Perücke kämpfte.
Zur Veröffentlichung von Honey West auf DVD schrieb Charles Taylor, dass die Serie trotz billiger Produktion immer noch etwas von ihrem Glanz habe. Schon die Titelsequenz bringe alles, was man an Atmosphäre verlangen könne. Anne Francis halte die Serie zusammen, die durch ihre 30 etwas schäbigen Folgen unvollendet wirke.
Obwohl ihre Buchverkäufe durch die Serie stiegen, waren die Ficklings nicht ganz zufrieden mit der Verfilmung ihrer Bücher. Sie störten sich nicht nur an den Gimmicks, sondern vor allem daran, dass die Figur der Honey West in der Serie viel zu oft durch Sam Bolt gerettet wurde, was sie weniger selbständig als die Figur in den Büchern wirken ließe. Mit der Tante waren sie noch weniger zufrieden. Sie mochten dagegen, dass Anne Francis die Detektivin spielte. Auch das Ozelot gefiel ihnen.
Gründe für die Absetzung Honey West hatte eine loyale Anhängerschaft, man plante eine weitere Staffel, deren Folgen in Farbe und eine Stunde lang sein sollten. Es heißt, die Serie habe normalerweise die Ratings für den Timeslot, in dem sie lief, gewonnen. Es heißt aber auch, die Serie Gomer Pyle, die gleichzeitig lief, sei eine erdrückende Konkurrenz gewesen, schließlich war das damals die zweiterfolgreichste US-amerikanische Serie überhaupt. So habe Honey West von Anfang an keine Chance gehabt. Zudem habe es keinen Sinn gemacht, das Risiko, eine Detektivserie mit einer Frau in der Hauptrolle zu zeigen, fortzuführen. ABC hatte aber auch erkannt, dass es billiger sei, die englische Serie Mit Schirm, Charme und Melone zu importieren als Honey West weiter zu produzieren.
Auszeichnungen und Nominierungen 1966 gewann Anne Francis einen Golden Globe Award in der Kategorie Beste Darstellerin in einer Fernsehserie. Im gleichen Jahr war sie in der Kategorie Beste Hauptdarstellerin Dramaserie für einen Emmy nominiert.
Richard Levinson und William Link waren ebenfalls 1966 mit der Folge Die graue Lady für einen Edgar Allan Poe Award in der Kategorie Beste Folge einer Fernsehserie nominiert.
Nachwirkungen In der Serie Burkes Gesetz, einer Neuauflage von Amos Burke, hatte Anne Francis in der Folge Who Killed Nick Hazard? am 21. Januar 1984 einen weiteren Auftritt als Detektivin. Dieses Mal unter dem Namen Honey Best. Gloria Fickling äußerte die Vermutung, die Namensänderung sei zustande gekommen, weil der Produzent Aaron Spelling nicht die Rechte dazu bezahlen wollte.
2001 plante Miramax eine Verfilmung der Serie mit Reese Witherspoon in der Hauptrolle. Als Produzent war Marc Platt vorgesehen, und für das Buch waren Karen McCullah und Kirsten Smith angedacht, die Leute, die kurz zuvor mit Natürlich blond erfolgreich waren. Der Film wurde nicht gedreht.
Honey West und die Rolle der Frau im US-Fernsehen Privatdetektivin Honey West war nicht nur die erste US-amerikanische Detektivserie mit einer Frau in der Hauptrolle, sondern auch die erste länger laufende Dramaserie überhaupt. Laut Aaron Spelling war es eine Regel im Geschäft, dass keine Schauspielerin eine solche Serie tragen könne. In einer Sitcom sei das in Ordnung gewesen, sonst aber nicht. Privatdetektivin Honey West war sein erster Versuch in dieser Richtung, später folgte Drei Engel für Charlie. Nach der Serie habe es neun Jahre gedauert, bis mit Drei Engel für Charlie weibliche Buddies ins US-Fernsehen kamen, und sogar 17, bis mit Cagney & Lacey normale Partnerinnen zu sehen waren. Und die wurden dann als lesbisch bezeichnet. Frauen hatten vor 1965 bereits Ermittlerinnen, FBI-Agentinnen und Ähnliches in Serien gespielt, aber nur in sekundären Rollen. Honey West war dagegen der unbestrittene Star der Serie. Insofern war die Serie bahnbrechend. Julie D’Acci reiht die Serie in eine Entwicklung in den USA ein, die gemeinhin „Sexuelle Revolution“ genannt wird.
D’Acci stellt auch die Frage, in welchen Lebensumständen eine Figur wie Honey West im US-Fernsehen von 1965 eigentlich dargestellt werden könnte. Auf jeden Fall nicht in einer dauerhaften Beziehung, aber auch nicht als eine Frau, die mit vielen Männern Sex hat. Sie könne auch nicht Teil einer funktionierenden Familie sein, und zwei Frauen als Partnerinnen wäre unerträglich gewesen. Sie durfte aber auch nicht als unfähig erscheinen, Bindungen einzugehen. Laut D’Acci berichteten William Link und Richard Levinson, dass ABC diesbezüglich ziemlich nervös agierte. Nur deswegen sei Sam Bold als Co-Star und Beschützer eingeführt worden, einer dem ihr sterbender Vater sie anvertraute. Deswegen durfte Honey West auch nicht alleine mit ihrem Ozelot leben, sondern es musste noch eine Tante bei ihr wohnen, die sogar bei Dates anwesend war. John Ericson meinte nach dem Ende der Serie, dass er und Francis die ganze Serie über dafür gekämpft hatten, sie weiblicher und ihn männlicher erscheinen zu lassen. Keine romantischen Szenen seien erlaubt gewesen, weder zwischen den beiden noch mit anderen. Es sei so gewesen, als seien sie beide geschlechtslos.
Als Julie D’Acci die erste Version ihres Artikels 1992 auf einer Konferenz der Society for Cinema Studies vorstellte, war sie überrascht, wie viele Frauen sie ansprachen und ihr sagten, dass Honey West eines ihrer Idole gewesen sei – und dass sie überhaupt keine Erinnerung daran hatten, dass es in der Serie eine Figur wie Sam Bolt überhaupt gegeben habe. Anne Francis erzählte in einem Interview, man könne nicht glauben, wie viele Briefe sie von Karrierefrauen bekommen habe. Viele davon schrieben, dass sie erst durch Honey West erkannt hätten, dass Ehe und Familie nicht die einzige Möglichkeit für Frauen sei. Francis zeigte sich überrascht, dass die Serie derartige Auswirkungen haben konnte.
Weblinks
Einzelnachweise
Kategorie:Fernsehserie (Vereinigte Staaten) Kategorie:Kriminal-Fernsehserie Kategorie:Fernsehserie der 1960er Jahre Kategorie:American Broadcasting Company