Vor den Vätern sterben die Söhne ist ein Erzählband von Thomas Brasch von 1977. Er ist sein bekanntestes Werk und machte ihn in der Bundesrepublik bekannt.

Hintergründe Thomas Brasch war der Sohn des SED-Funktionärs Horst Brasch, der 1966 bis 1969 stellvertretender Kulturminister war, und hatte die jüngeren Geschwister Klaus, Peter und Marion Brasch, die als Schauspieler bzw. Autoren bekannt wurden. Er verfasste mehrere Theaterstücke, die aber in der DDR entweder gar nicht aufgeführt oder kurz nach der Premiere wieder abgesetzt wurden.

Seinen Erzählband Vor den Vätern sterben die Söhne reichte Brasch beim Hinstorff Verlag Rostock ein, der jedoch 28 Änderungen vorschlug, die erhebliche Eingriffe in das Originalmanuskript bedeuten würden und auf die sich der Autor weigerte, einzugehen. Zu einer Ausgabe des Bandes in der Bundesrepublik Deutschland, die er dann anstrebte, verweigerte das Büro für Urheberrechte der DDR seine Zustimmung. Nach der Unterzeichnung der Resolution gegen die Ausbürgerung von Wolf Biermann 1976 siedelte Thomas Brasch Ende des Jahres mit Katharina Thalbach nach West-Berlin über. Dort erschien bereits im Januar 1977 sein Erzählband im linksalternativen Rotbuch Verlag. Dies machte ihn als Autor schnell bekannt; das Buch kam auf Bestsellerlisten. In dem Band sind verschiedene Erzählungen enthalten, die in recht drastischer Sprache Konflikte in der DDR beschrieben.

Das Buch wurde danach mehrmals neu aufgelegt; 1989 erschien es auch im Hinstorff Verlag. Es gab Übersetzungen in die französische, niederländische, norwegische, serbokroatische und wahrscheinlich weitere Sprachen, außerdem eine TV-Inszenierung 1980/1982, zwei Hörspielfassungen (RIAS 1977, WDR), mindestens zwei Theaterinszenierungen (Stuttgart 2007, Dresden 2022) und weitere Bearbeitungen.

Ausgaben Erzählband Vor den Vätern sterben die Söhne, Rotbuch, Berlin (West), 1977, 109 Seiten, Erstausgabe, mehrere Neuauflagen Vor den Vätern sterben die Söhne, Hinstorf, Rostock, 1990, 102 Seiten, erste DDR-Ausgabe Vor den Vätern sterben die Söhne, Faber & Faber, Leipzig, 1998 (Die DDR-Bibliothek), 141 Seiten Vor den Vätern sterben die Söhne, Suhrkamp, Berlin 2018, 133 Seiten, mit einem Vorwort von Katja Lange-Müller

Einzelne Erzählungen Eulenspiegel. In: Tintenfisch. Jahrbuch für Literatur. 11. 1977, S. 75–76

Rezensionen (Auswahl)

Ingeborg Drewitz: Thomas Brasch: Vor den Vätern sterben die Söhne. In: Neue deutsche Hefte. Beiträge zur europäischen Gegenwart. 25. 1978, 1, S. 146–147 Jörg Bernhard Bilke: Schlichte Wahrheiten. Thomas Braschs Erzählungen "Vor den Vätern sterben die Söhne". In: Der Literat. Fachzeitschrift für Literatur und Kunst. 19. 1977, S. 64 Jörg Bernhard Bilke: Schlichte Wahrheiten. Thomas Brasch. Vor den Vätern sterben die Söhne. In: Frankfurter Hefte. Zeitschrift für Kultur und Politik. 33. 1978, 1, S. 67–68 Peter Geist: "... daß er jeden Tag fällt, doch nicht bricht". Thomas Brasch: "Vor den Vätern sterben die Söhne". In: Was ist das Bleibende? Zwanzig Einmischungen von Schriftstellern und Literaturwissenschaftlern. 1999, S. 107–121

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Einzelnachweise

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