Sigismund Wernekinck (vollständiger Name Hermann Wilhelm Edwin Sigismund Wernekinck) (* 18. März 1872 in Bromberg; † 8. November 1921 in Berlin) war ein deutscher Bildhauer.
Leben und Wirken Seine Eltern waren der Regierungs- und Baurat Alexander Wernekinck und dessen Ehefrau Clara Florentine geb. Schultz. Die Familie übersiedelte noch in dessen Geburtsjahr nach Berlin, wo er aufwuchs. Während seiner freien Zeit als Gymnasiast besuchte er beinahe täglich den zoologischen Garten. Dort übte er sich im Zeichnen und Modellieren nach der Natur. Nach Verlassen des Gymnasiums im Frühjahr 1891 besuchte er zwischenzeitlich die Zeichenschule des Malers Adolf Schlabitz. Im gleichen Jahr wurde zu seiner Freude erstmalig eine von ihm erstellte Statue eines jungen Löwen auf der Internationalen Berliner Kunstausstellung ausgestellt. Mit dem Wintersemester des Jahres 1891 begann er sein Studium an der Königlichen Akademischen Hochschule für die bildenden Künste zu Berlin. Zu seinen Lehrern zählten dort Otto Brausewetter, Gerhard Janensch, Ernst Herter, Peter Breuer und der Anatom Hans Virchow. Das Studium dauerte unterbrochen durch zwischenzeitlichen Militärdienst bis 1899 an.
Nach Abschluss des Studiums wurde er in das akademische Meisteratelier für Bildhauerei von Reinhold Begas aufgenommen. Reinhold Begas stand diesem bis Ende März 1903 vor und verließ dieses auf eigenes Ersuchen. Mit einem öffentlichen Gesuch an den Deutschen Kaiser versuchten seine Meisterschüler die Entscheidung von Reinhold Begas noch zu ändern. Ab April 1903 übernahm schließlich Professor Ludwig Manzel die Leitung des Meisterateliers. Neben Sigismund Wernekinck entschieden sich drei weitere der bisherigen Meisterschüler gemeinsam ein eigenes Atelier zu erbauen (Hermann Hosaeus, Walter Hauschild, Walther Schmarje). Bis zum Sommersemester 1903 waren sie noch im Matrikelbuch des Meisterateliers eingeschrieben. Im Berliner Adressbuch von 1904 findet sich die Adresse des neuen Ateliers in der Hundekehlestraße (Ateliergebäude am Roseneck). Im Berliner Adressbuch von 1906 verändert sich die Adresse in der Hundekehlestraße dann zu Atelierhaus Raum, benannt nach dem Bildhauer Alfred Raum.
Er war langjährig Mitglied im Verein Berliner Künstler und wurde bei den jährlichen Wahlen bis 1916 mehrmals zum zweiten Vorsitzenden gewählt. Als Mitglied der Ausstellungs-Kommission war er 1907 zuständig für die Zusammenstellung der Plaketten- und Medaillensonderausstellung auf der Großen Berliner Kunstausstellung. Im Jahr 1910 war er ein weiteres Mal Mitglied der Ausstellungs-Kommission. Mit eigenen Werken war er seit 1899 auf der Ausstellung in Berlin vertreten, stellte aber auch u. a. in München aus.
Mit Beginn des Ersten Weltkriegs trat er als Oberleutnant der Reserve in den Kriegsdienst ein. Er diente anfänglich in einem bayerischen Ersatz-Bataillon und wurde nach verschiedenen Stationen erst Anfang 1920 endgültig aus dem aktiven Dienst entlassen. Nach seiner Rückkehr aus dem Militärdienst verblieb ihm nur noch ein Jahr bis zu seinem frühen Tod.
Er war seit November 1905 verheiratet und hinterließ eine Tochter und einen Sohn.
Bekannt ist Sigismund Wernekinck heutzutage vor allem durch die Fertigung von Büsten sowie Klein-, Tier- und Grabplastiken. Seine Entwürfe wurden zudem erfolgreich von einigen Porzellanfabriken, wie Friedrich Goldscheider, der Königlichen Porzellan-Manufaktur Berlin (KPM), der Ph. Rosenthal AG, Metzler & Ortloff, Galluba & Hofmann aus Ilmenau, Gebrüder Heubach (Lichte) u. a. umgesetzt und sind bis in die Gegenwart bei Sammlern sehr begehrt.
Werk (Auswahl)
Ausstellungen
Ausstellungsbeteiligungen (Auswahl):
Literatur Arthur Schulz: Deutsche Sculpturen der Neuzeit. Serie 2, Tafel 51. Verlag Bruno Hessling, Berlin 1900 (Digitalisat).
Ethos und Pathos : die Berliner Bildhauerschule, 1786–1914. Gebr. Mann, Berlin 1990, ISBN 3-7861-1598-2, S. 576; ., Foto der Ausstellungs-Kommission der Großen Berliner Kunstausstellung 1910 mit Sigismund Wernekinck. In: Die Kunst für alle, 1910, Jg. 25, 1909–1910, S. 504. München; ub.uni-heidelberg.de Viktor Ottmann: Schmuckporzellan. In: Die Woche, 1918, Band 20, Nr. 48, S. 1192; . Rundschau des Kunstgewerbes „Die Leipziger Messe“. Moderner Kunstverlag Dr. Trenckler, Leipzig 1911; ub.uni-frankfurt.de (PDF; 17 MB).
Weblinks
Einzelnachweise Die Internationale Kunstausstellung zu Berlin. Offizieller Ausstellungskatalog. 1891, S. 103; .
Bewerbung um ein Stipendium der Dr. Paul Schultze Stiftung. Preußische Akademie der Künste Berlin, 1899, S. 251–255; archiv.adk.de Matrikelbuch. Meisterateliers von 1900–1910. Preußische Akademie der Künste Berlin, S. 30; archiv.adk.de Norddeutsche Allgemeine Zeitung, 3. September 1907, S. 2; deutsche-digitale-bibliothek.de Große Berliner Kunstausstellung. Ausstellungskatalog. 1911; ub.uni-heidelberg.de Münchener Jahresausstellung im kgl. Glaspalast. Ausstellungskatalog. 1910; bavarikon.de Berliner Börsenzeitung, 1. April 1903, S. 12; dfg-viewer.de
Die Kunst-Halle – Zeitschrift für Kunst und Kunstgewerbe, 1903, S. 132; ub.uni-heidelberg.de Auktionsergebnisse mit Abbildung der Werke. invaluable.com; abgerufen am 22. Mai 2024. Wernekinck de.artprice.com; abgerufen am 22. Mai 2024. Sigismund Wernekinck, Artist. quittenbaum.de; abgerufen am 22. Mai 2024. Westfälische Zeitung – Bielefelder Tageblatt, 12. Oktober 1905, S. 7; zeitpunkt.nrw
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