Der Abgesandte (Originaltitel: Emissary) ist die Pilotepisode der US-amerikanischen Science-Fiction-Fernsehserie Star Trek: Deep Space Nine. Sie wurde in den Vereinigten Staaten über Syndication vermarktet und erstmals am 3. Januar 1993 auf verschiedenen Fernsehsendern in Spielfilmlänge ausgestrahlt. In Deutschland war sie zum ersten Mal am 28. Januar 1994 in einer synchronisierten Fassung auf Sat.1 zu sehen. Bei Wiederholungen wird die Folge sowohl im US-amerikanischen als auch im deutschen Fernsehen zumeist als Zweiteiler ausgestrahlt.

Handlung Teil I mini|links|Modell der Raumstation Deep Space Nine Im Jahr 2369 bei Sternzeit 46388.2 soll Commander Benjamin Sisko die Leitung der Raumstation Deep Space Nine übernehmen, die sich im Orbit um den Planeten Bajor befindet. Die Bajoraner haben eine jahrzehntelange Besatzung durch die Cardassianer hinter sich, die erst kürzlich beendet wurde. Sie haben deshalb die Föderation gebeten, sie beim Wiederaufbau ihrer Heimatwelt zu unterstützen, und haben eingewilligt, die Raumstation gemeinsam mit der Sternenflotte zu betreiben.

Die ersten Sternenflottenoffiziere sind bereits zwei Tage vor Siskos Ankunft mit der USS Enterprise eingetroffen, darunter auch der neue Chefingenieur Miles O’Brien. Er führt Sisko herum und macht ihn mit der Station vertraut. Diese befindet sich nach dem Abzug der Cardassianer in einem erbärmlichen Zustand. Das Verhältnis zur bajoranischen Verbindungsoffizierin Major Kira ist zunächst distanziert, da sie die Föderation nur als eine neue Besatzungsmacht empfindet. Bei einem Rundgang über das Promenadendeck muss Sisko feststellen, dass dort die meisten Geschäfte verwüstet sind und die verbliebenen Inhaber darüber nachdenken, die Station zu verlassen. Ein junger Ferengi namens Nog wird von Sicherheitschef Odo beim Plündern erwischt und in Gewahrsam genommen. Sein Onkel, der Barbesitzer Quark, will seine Freilassung erwirken, denn auch er möchte der Station schnellstmöglich den Rücken kehren.

Sisko trifft sich mit Jean-Luc-Picard, dem Captain der Enterprise. Die beiden haben sich zuvor nie persönlich getroffen. Dennoch hat Sisko ein schwieriges Verhältnis zu ihm, denn vor rund zweieinhalb Jahren war Picard von den Borg assimiliert worden und wurde von ihnen gezwungen, einen Angriff auf die Erde zu leiten. Sisko diente damals an Bord der USS Saratoga, die Teil einer Flotte war, die sich den Borg bei Wolf 359 entgegenstellte. In der folgenden Schlacht wurde die Saratoga zerstört. Sisko konnte mit seinem Sohn Jake entkommen, doch seine Frau Jennifer wurde getötet. Sisko hegt ernste Zweifel, ob er als alleinerziehender Vater der Richtige ist, um eine Station wie Deep Space Nine zu kommandieren. Er bittet Picard daher, nach einem Ersatz für ihn zu suchen, macht aber klar, dass er in der Zwischenzeit seine Aufgabe bestmöglich erfüllen wird.

Sisko versucht nun, den Streit um Nog beizulegen. Er stellt dessen Freilassung in Aussicht, wenn Quark sich im Gegenzug zum Bleiben entscheidet und eine Art Gemeinschaftsführer wird, der das Promenadendeck als Ganzes am Leben erhält. Danach reist er auf die Oberfläche von Bajor, um sich mit Kai Opaka, der religiösen Führerin des Planeten, zu treffen. Sie macht ihm mit einem Drehkörper vertraut, einem von neun Gegenständen dieser Art, die vor tausenden von Jahren von den Propheten zu den Bajoranern gesandt worden waren. Beim Kontakt mit dem Drehkörper hat Sisko eine Vision, in der er die erste Begegnung mit seiner späteren Frau Jennifer erneut erlebt. Opaka ist überzeugt, dass es Siskos Schicksal ist, den himmlischen Tempel zu finden, in dem die Propheten wohnen und aus dem die Drehkörper stammen. Sie überlässt ihm den Drehkörper für weitere Forschungen.

Zurück auf der Station erfährt Sisko, dass Quark seinen Vorschlag akzeptiert hat. Weiteres Personal trifft ein, darunter der neue Stationsarzt Julian Bashir und die Wissenschaftsoffizierin Jadzia Dax. Dax ist eine vereinigte Trill. Sisko trifft Jadzia hier zum ersten Mal, doch der vorherige, kürzlich verstorbene Wirt des Dax-Symbionten, Curzon, war ihm viele Jahre lang ein väterlicher Freund gewesen. Dax macht sich sogleich an die Untersuchung des Drehkörpers und hat dabei ebenfalls eine Vision. O’Brien macht einen letzten Abstecher auf die Enterprise, auf der er zuvor über fünf Jahre gedient hatte, dann legt das Schiff ab.

Kaum ist die Enterprise verschwunden, nähert sich ein cardassianisches Kriegsschiff, das von Gul Dukat kommandiert wird, dem früheren Präfekten des besetzten Bajor und Kommandanten von Deep Space Nine. Er möchte Sisko vordergründung nur alles Gute für seine neue Aufgabe wünschen, doch eigentlich hat er es auf Informationen über den Drehkörper abgesehen, denn die anderen acht Exemplare haben die Cardassianer an sich gerissen und die Existenz des neunten war ihnen bislang unbekannt. Sisko lehnt einen Informationstausch ab, indem er vorgibt, nichts von einem Drehkörper zu wissen. Dukat kündigt an, ein paar Tage im bajoranischen System bleiben zu wollen. Dax informiert Sisko über ihre ersten Erkenntnisse. Sie hat alte Aufzeichnungen der Bajoraner über das Auftauchen der Drehkörper verglichen und kann alle auf eine bestimmte Region des Weltraums zurückführen: den Denorios-Gürtel in der Nähe von Bajor. Da es sich um ein geladenes Plasmafeld handelt, wird der Gürtel normalerweise von Raumschiffen gemieden. Sisko möchte sich den möglichen Herkunftsort der Drehkörper genauer ansehen, doch die Anwesenheit der Cardassianer stellt dabei ein Problem dar. Er greift daher zu einem Trick: Einige Cardassianer amüsieren sich in Quarks Bar beim Glücksspiel. Da Sicherheitschef Odo ein Formwandler ist, verwandelt er sich in eine Tasche, in der die Cardassianer ihren Gewinn verstauen. So gelangt er heimlich auf ihr Schiff und kann dessen Computer sabotieren. Er wird zurück auf die Station gebeamt, während Sisko und Dax unbemerkt von den Cardassianern in dem Runabout Rio Grande zum Denorios-Gürtel aufbrechen.

Teil II Als Sisko und Dax ihr Ziel erreichen, registrieren sie auffällige Messwerte. Plötzlich öffnet sich vor ihnen ein Wurmloch. Ihr Schiff wird hineingezogen und als es das andere Ende erreicht, stellen die beiden fest, dass sie 70.000 Lichtjahre zurückgelegt haben und sich jetzt im Gamma-Quadranten befinden. Sisko glaubt, dass die Drehkörper durch das Wurmloch nach Bajor gelangt sind. Es könnte sich somit um das erste bekannte stabile Wurmloch in der Galaxie handeln. Er will zurück nach Deep Space Nine fliegen, doch auf dem Rückweg wird die Rio Grande im Wurmloch durch irgendetwas abgebremst und zur Landung auf einer Art Planetenoberfläche gezwungen. Sisko und Dax steigen aus und nehmen den Planeten auf völlig unterschiedliche Weise wahr. Für Sisko erscheint er als dunkles Ödland, für Dax hingegen als blühender Garten. Plötzlich taucht ein weiterer Drehkörper auf. Er hüllt Dax ein und transportiert sie zurück nach Deep Space Nine. Sisko hingegen macht die Bekanntschaft der Propheten. Sie erweisen sich als körperlose Wesen, die Sisko in Gestalt von Personen erscheinen, die ihm vertraut sind. Sie möchten in Kontakt mit anderen Lebewesen treten, sind sich jedoch unsicher, ob körperliche Wesen wie Sisko es wert sind, kontaktiert zu werden.

Nach Dax’ Rückkehr wird sofort eine Rettungsmission für Sisko geplant. Zugleich wird sich Kira aber auch der Tragweite von Siskos und Dax’ Entdeckung bewusst. Durch das Wurmloch könnte Bajor auf einen Schlag zum Knotenpunkt für wichtige neue Handelsrouten werden. Um den Anspruch ihrer Heimatwelt auf das Wurmloch zu unterstreichen, möchte sie die Station aus dem Planetenorbit dorthin verlegen. Da Deep Space Nine nur über Manövriertriebwerke verfügt, würde eine solche Reise Wochen dauern, doch O’Brien entwickelt auf Anregung von Dax eine Methode, um sie mit einigen technischen Tricks erheblich zu verkürzen. Dax bittet die Enterprise um Unterstützung, doch die ist bereits zwei Tagesreisen entfernt. Kira, Dax und Dr. Bashir besteigen das zweite Runabout Yangtzee Kiang, um nach Sisko zu suchen. Odo besteht darauf, sie zu begleiten, denn er wurde einst im Denorios-Gürtel gefunden und er hofft, durch diese Reise vielleicht Hinweise zu seiner Herkunft zu finden.

Sisko versucht, sich mit den Wurmloch-Wesen zu verständigen, was erheblich dadurch verkompliziert wird, dass sie das Konzept der linearen Zeit nicht verstehen. Unterdessen haben die Cardassianer ihr Schiff repariert und Kenntnis über das Wurmloch erlangt. Dukat lässt sofort Kurs darauf setzen, überholt die Yangtzee Kiang und fliegt mit seinem Schiff in den Gamma-Quadranten. Die Wurmloch-Wesen sind über diese unerwarteten weiteren Besucher verärgert. Sie verschließen kurzerhand das Wurmloch, so dass die Yangtzee Kiang es nicht mehr passieren kann. Sie erklären Sisko, dass sie in ihrer Existenz gestört werden, wenn jemand durch das Wurmloch fliegt. Darum haben sie es verschlossen.

Durch das Verschwinden von Dukats Schiff alarmiert, nähern sich drei weitere cardassianische Kriegsschiffe. Kira befiehlt O’Brien vorsorglich, den cardassianischen Sensoren eine stärkere Bewaffnung der Station vorzutäuschen, als tatsächlich vorhanden ist. Der Kommandant der Schiffe, Gul Jasad, glaubt Kira nicht, dass Dukat durch ein Wurmloch geflogen ist, und verlangt die Kapitulation von Deep Space Nine. Als ihre Bedenkzeit verstrichen ist, feuert Kira sechs Photonentorpedos ab – alle, die der Station zur Verfügung stehen. Jasad fällt auf diesen Bluff nicht herein und greift nun seinerseits an, wobei Deep Space Nine schwere Schäden erleidet.

Sisko durchlebt bei den Wurmloch-Wesen verschiedene Szenarien aus seiner Vergangenheit und immer wieder kehrt er dabei zu seinen letzten Stunden auf der Saratoga zurück, als er Jennifer verlor. Die Wesen machen ihm klar, dass nicht sie ihn hierher zurückbringen, sondern er selbst. Sisko wird sich bewusst, dass er den Verlust seiner Frau nie richtig verarbeitet hat, und erst jetzt empfindet er das Gefühl echter Trauer. Die Wurmloch-Wesen werden so mit dem Konzept des Verlusts vertraut. Es besteht nun eine erste Basis des gegenseitigen Verständnisses und die Wesen entscheiden sich, das Wurmloch wieder für Reisende zu öffnen. Sisko kehrt auf die Rio Grande zurück. Mit dem antriebslosen Schiff von Dukat im Schlepp fliegt er zurück nach Deep Space Nine, kurz bevor die Station sich Jasad hätte ergeben müssen. Als schließlich auch die Enterprise zurückkehrt, ziehen sich die Cardassianer in ihren eigenen Raum zurück. Picard beglückwünscht Sisko zur Entdeckung des Wurmlochs. Sisko bittet ihn, seine frühere Anfrage zu vergessen, denn er hat sich inzwischen entschieden, dauerhaft Kommandant von Deep Space Nine bleiben zu wollen.

Verbindungen zu anderen Star-Trek-Produktionen mini|Die Milchstraße, eingeteilt in vier Quadranten Die Handlung von Der Abgesandte und die Serie Star Trek: Deep Space Nine als Ganzes bauen auf mehreren Folgen der Vorgängerserie Raumschiff Enterprise – Das nächste Jahrhundert auf: In Folge 3.08 (Der Barzanhandel) von 1989 wird erstmals etabliert, dass die Milchstraße in vier Quadranten (Alpha, Beta, Gamma und Delta) eingeteilt ist. Weiterhin kommt hier ein vermeintlich stabiles Wurmloch vor, das Reisen in den Gamma-Quadranten erlauben soll, das sich bei genauerer Untersuchung allerdings als instabil erweist. Der Prolog von Der Abgesandte greift die Ereignisse der Doppelfolge 3.26/4.01 (In den Händen der Borg / Angriffsziel Erde) von 1990 wieder auf. Die Cardassianer und ihr nicht lange zurückliegender Krieg gegen die Föderation wurden in Folge 4.12 (Der Rachefeldzug) von 1991 eingeführt. Jadzia Dax gehört dem Volk der Trill an, das in Folge 4.23 (Odan, der Sonderbotschafter) von 1991 seinen ersten und bis zum Start von Star Trek: Deep Space Nine auch einzigen Auftritt hatte. In Folge 5.03 (Fähnrich Ro) von 1991 wurden die Bajoraner eingeführt und als ein von den Cardassianern besiegtes und unterdrücktes Volk dargestellt.