Steyr () ist eine Stadt in Oberösterreich, nach Linz und Wels die drittgrößte Stadt des Bundeslandes und die zwölftgrößte Stadt Österreichs. Die Statutarstadt am Zusammenfluss von Enns und Steyr ist Sitz der Bezirkshauptmannschaft des Bezirkes Steyr-Land.

Geografie mini|hochkant=1.3|Ansicht der Steyrmündung mit Blick nach Westen. Links oben liegt die Altstadt, links unten Ennsdorf, rechts oben Steyrdorf und rechts unten der Ortskai Blick auf den Stadtteil Ennsdorf|mini|hochkant=1.3

Lage und Ausdehnung Steyr liegt auf 310 m Höhe im Alpenvorland an der Grenze zu Niederösterreich. Die Ausdehnung beträgt von Nord nach Süd 7 km, von West nach Ost 7,3 km. 2,8 % der Fläche sind bewaldet, 11,1 % der Fläche landwirtschaftlich genutzt.

Stadtgliederung Steyr besteht aus den folgenden acht Katastralgemeinden: Christkindl, Föhrenschacherl, Gleink, Hinterberg, Jägerberg, Sarning, Stein, Steyr.

Für Statistiken wird die Stadt vom Magistrat in statistische Zonen geteilt: Innere Stadt, Steyrdorf, Wehrgraben, Alter Tabor, Tabor/Resthof, Ennsdorf, Fischhub, Waldrandsiedlung, Ennsleite, Neuschönau, Pyrach/Reichenschwall, Christkindl/Schlühslmayr, Gründbergsiedlung, Steyr-Gleink, Winkling/Hausleiten, Münichholz, Hinterberg/Hammer, Schlüsselhof-Ort, Stein.

Nachbargemeinden

Geologie Im Wehrgraben, mit u. a. der Gsanginsel, ist Alluvialboden (Schwemmboden) vorhanden. Darüber folgen Terrassen aus eiszeitlichen Schottern. Die Niederterrasse ist dreistufig und umfasst zuunterst die Altstadt mit dem Stadtplatz, darüber jene mit Schloss Lamberg, Berggasse, Michaelerkirche sowie den Stadtteil Münichholz und darüber Vogelsang mit dem Stadttheater (ehemalige Industriehalle). Der Stadtteil Tabor liegt auf der Hochterrasse.Alois Moser: Zur Geographie der österreichischen Stadt. Eine Eigentümlichkeit des Stadtbildes der Stadt Steyr. In: Jahrbuch des Oberösterreichischen Musealvereines. 92. Band, Linz 1947, S. 339–348 (, abgerufen am 31. Oktober 2023). mini|Hangrutsch in Christkindl/Unterhimmel (Aufnahme vom 12. Juni 2023)

Das Gestein der Schotterterrassen begünstigt Steinschläge und Hangrutschungen. Am 8. Februar 2023 kam es im Stadtteil Christkindl zu einem Hangrutsch von etwa 400 Kubikmetern, als zur Sicherung vor Steinschlägen ein 40 Kubikmeter großer Felsen abgetragen werden sollte.Gerald Winterleitner, Gabriel Egger, Manfred Wolf: Tragödie in Steyr – zwei Tote bei Felssturz. In: Oberösterreichische Nachrichten. 9. Februar 2023, S. 23 (Oberösterreich). Siehe auch: 400 Kubikmeter großer Felsen riss in Steyr zwei Arbeiter in den Tod. In: nachrichten.at. 8. Februar 2023, abgerufen am 19. Dezember 2024.

Klima Steyr und seine nähere Umgebung liegen in einem Ausläufer des pannonischen Klimas, der sich bis in die Welser Heide erstreckt. Aufgrund der schwierigen Topografie mit vielen Wasserflächen und Anhöhen kommt es zu kleinräumigen Abweichungen mit höheren Niederschlägen und tieferen Temperaturen. Das Jahresmittel der Lufttemperatur beträgt 10 °C, das niedrigste Tagesmittel −15 °C, das höchste +33 °C. Die mittlere Sonnenscheindauer beträgt 1500 Stunden, die mittlere Niederschlagsmenge 750 mm. In: wasserwerk.at, abgerufen am 23. Mai 2010. Durch heftige Niederschläge im Quell- und Einzugsgebiet von Enns und Steyr kommt es im Stadtgebiet immer wieder zu Überflutungen.

Bevölkerung Bevölkerungsentwicklung

Agglomeration

Im Ballungsraum Steyr lebten im Jänner 2010 69.766 Menschen. Zum Ballungsraum gehören Steyr und die Gemeinden Dietach (3.200), Wolfern (2.983), St. Ulrich bei Steyr (3.049), Sierning (9.106), Garsten (6.618) und in Niederösterreich die Gemeinden Haidershofen (3.576) und Behamberg (3.239).

Hoheitszeichen Wappen mini|hochkant|Historisches Wappen (Lithographie 1895)

Die Stadtfarben sind Grün-Weiß.

Siegel mini|hochkant|Siegel der Stadt (1304)

Das ursprüngliche Siegel der Bürgerschaft stammt aus dem Jahr 1304. Es zeigt ein Stadttor mit zwei Türmen, darüber den österreichischen Bindenschild und beiderseits des Tores das Stadtwappen. Die Umschrift lautet: .Charter: Urkunden Garsten (1082–1778) 1304. In: monasterium.net, abgerufen am 7. November 2025 (das Siegel Steyrs unten rechts; originäres Repositorium: Urkunden Originalurkunden von Chunrat von Volkenstorf / Otto der Milchtopf / Gut in der Garsten – Oberösterreichisches Landesarchiv AT-OOeLA / GarstenOSB > 1304). In: wien.gv.at.

Geschichte Eisenzeit Zahlreiche Streufunde zeigen, dass die Gegend um Steyr schon in frühester Zeit besiedelt war, wenn sich auch eine vorgeschichtliche Siedlung im Stadtgebiet nicht nachweisen lässt. Um 600 v. Chr. wanderten Kelten ein, die als Erste das Eisen des Erzberges abbauten. Der Name Steyr entstammt der keltischen Sprache (Stiria) und bezeichnet den gleichnamigen Fluss. Der griechische Geograph Klaudios Ptolemaios hat in seinem „Atlas der Oikumene“ (Geographike Hyphegesis) unter Noricum einen Ort „Gesodunum“ vermerkt, der von Wissenschaftlern der TU Berlin anhand von transformierten antiken Koordinaten im „Raum von Steyr“ lokalisiert wird.Andreas Kleineberg, Christian Marx, Eberhard Knobloch, Dieter Lelgemann: Germania und die Insel Thule. Die Entschlüsselung von Ptolemaios’ „Atlas der Oikumene“. Darmstadt 2010, ISBN 978-3-534-23757-9, S. 101.

Römerzeit Die Römer brachten das Eisen, das sie das „norische“ nannten, auf der alten Eisenstraße zu ihrer Schildfabrik nach Lauriacum. Nach der Überlieferung stand auf dem Felsen über dem Zusammenfluss von Steyr und Enns bereits ein römischer Wachturm. So heißt der Bergfried der Styraburg, der in das Barockschloss Lamberg integriert ist, noch heute Römerturm. Bei seiner tatsächlichen Errichtung im Hochmittelalter dürften aber Quader des ehemaligen römischen Legionslagers Lauriacum verwendet worden sein, wodurch der Turm zu seinem Namen kam. Im Jahr 1297 berichten die Annalen des Stiftes St. Florian über einen großen Schatzfund bei Steyr („Maximus Thesaurus“), wobei dies als erste überlieferte Nachricht über archäologische Funde in Österreich gilt..Josef Ofner: Siedler im Raume der Steyr-Mündung. In: Die Eisenstadt Steyr, geschichtlicher und kultureller Überblick. Steyr 1956 (steyr.dahoam.net [PDF; 116 kB; abgerufen am 8. Juli 2018]). Im Laufe der Jahrhunderte kamen noch einige eher unspektakuläre Kleinfunde hinzu.Eva Kuttner, OÖLM: . In: AIS-OOE Archäologisches Informationssystem für Oberösterreicharch (aeologie-ooe.info), abgerufen am 14. November 2017. Die Römerzeitliche Siedlung Münichholz (KG Hinterberg, Stadtteil Münichholz) wurde in den 1990ern bei der Notgrabung im Zuge der Errichtung der Steyrer Nordspange (B122a) befundet; dort wurden Baureste eines Gehöfts ergraben.Eva Kuttner, OÖLM: . In: AIS-OOE, abgerufen am 14. November 2017.

Mittelalter Im 6. Jahrhundert wurde das Gebiet von bairischen Stämmen besiedelt und Teil des Herzogtums. Es gehörte später zum Rodungsbezirk des 777 vom Bayernherzog Tassilo gegründeten Klosters Kremsmünster. Zum Schutze des Reiches gegen die Einfälle der Ungarn wurden um 900 an der Enns zwei wehrhafte Burgen errichtet, die Burg zu Enns und die Styraburg, die 980 erstmals urkundlich erwähnt wurde. Die Erbauer der Burg waren die Grafen von Wels-Lambach, die Besitzungen im Traungau und in der Karantanischen Mark (Obersteiermark) hatten.

1055 traten die aus dem Chiemgau stammenden Otakare deren Erbe unter der Herrschaft der bayerischen Herzöge an. Das Wappentier der Otakare war der weiße Panther. Durch Erbschaften und kluge Heiratspolitik – Otakar II. war mit einer Babenbergerin vermählt – vergrößerten sie ihre Besitzungen in der Steiermark beträchtlich. Hier lag auch der Erzberg, dessen Abbau von den Otakaren intensiv gefördert wurde. Die Machtstellung der Otakare zeigte sich in einer prächtigen Hofhaltung. Die Styraburg war nicht nur der Schauplatz ritterlichen Lebens, sondern auch Ort der Pflege edler Künste. In den beiden mittelhochdeutschen Epen Biterolf und Dietleib und König Laurin wird der Burg zu Steyr ein literarisches Denkmal gesetzt. 1180 wurde Otakar IV., der Letzte seines Geschlechtes, von Kaiser Friedrich Barbarossa in den Herzogsstand erhoben, das Land von Bayern getrennt. 1186 vermachte Otakar IV., krank und kinderlos, in feierlichem Erbvertrag auf dem Georgenberg zu Enns Burg und Herrschaft Steyr den Babenbergern – schon 1170 wird Steyr als Urbs ‚städtische Siedlung‘ bezeichnet, worauf sich das Stadtrecht zurückführt.

Steyr verlor zwar seine Bedeutung als Herzogssitz, seine Rolle als Verarbeitungs- und Handelszentrum für das Innerberger Eisen blieb jedoch erhalten. Das in Innerberg, dem heutigen Eisenerz, geförderte „Schwarze Metall“ nahm schon im frühen Mittelalter seinen Weg durch das Tal der Enns zur Donau und ließ so eine der ältesten Industrielandschaften Europas, die Eisenwurzen, entstehen.

Begünstigt durch seine einmalige verkehrspolitische Lage und seine Bedeutung als Residenz unter den Otakaren, entwickelte sich Steyr zum wirtschaftlichen und kulturellen Zentrum dieses frühmittelalterlichen Industriegebietes. Unter den Babenbergern erfolgte der Aufstieg der Stadt zur Eisenmetropole nördlich der Alpen. Handwerker, vor allem Waffen- und Rüstungsschmiede, hatten am Fuße der Burg Schutz und Lebensraum gefunden.

Nach dem Aussterben der Babenberger 1246 begannen für die Stadt schwere Zeiten. In der Zeit vor den Habsburgern wurde Steyr 1254, als Folge des Friedens von Ofen, von seiner Mark (der Steiermark, die damals an Ungarn fiel) und damit von seiner wirtschaftlichen Basis, dem Erzberg, getrennt und zum Land ob der Enns unter dem Böhmenkönig Ottokar II. Přemysl geschlagen.

Am 23. August 1287 bestätigte Herzog Albrecht I. der Stadt die alten Rechte im Handel und in der Verarbeitung des Innerberger Eisens. In diesem Großen Privileg wurde den Steyrer Bürgern unter anderem das Stapelrecht für Holz und Eisen gewährt. Drei Tage lang mussten diese Rohstoffe den Steyrer Bürgern zu einem bevorzugten Preis angeboten werden, ehe sie ihren Weg zur Donau fortsetzen durften. Das machte Stadt und Bürger reich und versetzte sie in die Lage, bedeutende Künstler aus Deutschland, Böhmen und Italien einzuladen, um zu bauen und Kunstwerke zu schaffen. Handelsbeziehungen Steyrer Eisenhändler mit Deutschland und Osteuropa sind seit 1190 belegt.

mini|Vermutliche Stadtansicht um oder nach 1450.Rudolf Koch, Bernhard Prokisch (Hrsg.): Stadtpfarrkirche Steyr – Baugeschichte und Kunstgeschichte. Wilhelm Ennsthaler Verlag, Steyr 1993, ISBN 3-85068-366-4, S. 25 f. Schedelsche Weltchronik, Bl. CCLXXVI mini|Ansicht von 1554 (Hans Sebald Lautensack)

Eine besondere Rolle spielte der Handel mit Venedig. Steyr gehörte damals zu jenen neun römisch-deutschen Städten, die in Venedig ein eigenes Handelskontor unterhielten. Steyrer Eisenwaren stellten auf dem Venediger Markt begehrte Artikel dar.

Eine große Anzahl von Steyrern bekannte sich im 13. und 14. Jahrhundert zum Waldensertum, einer christlichen Laienbewegung, die von der Inquisition als ketzerisch gebrandmarkt wurde. Steyr war in dieser Zeit der bedeutendste Waldenserort Österreichs. Aus diesem Grund wurde die Stadt mehrmals von der Inquisition heimgesucht. Um zirka 1260 wurden hier erstmals Waldenser entdeckt, Inquisitionsgerichte wurden danach neuerlich 1311 und etwa 1370 abgehalten. Zu den schwersten Verfolgungen kam es zwischen 1391 und 1398 unter dem Inquisitor Petrus Zwicker: Allein im Jahr 1397 wurden nach Angaben des Chronisten Preuenhueber . Im selben Jahr wurden auf dem Ketzerfriedhof zwischen 80 und 100 Personen verbrannt. Hieran erinnert das 1997 in Steyr errichtete Waldenserdenkmal.Martin Windischhofer: Die Waldenser in Österreich. Aufbruch, Verfolgung und Wandel der frühen Bewegung bis 1315. Universitätsschrift. Wien 2006.