mini|Übersichtskarte mit den wesentlichen Bergbauzentren in Sambia mini|Tage- und Untertagebergbau in Kitwe mini|Bergwerksanlagen der Nchanga-Mine bei Chingola (2008) mini|Mechanische Erzaufbereitung der Mopani-Mine mini|Tagebau auf Kupfererz, Mimbula-Mine in Ndola (2023)
Der Bergbau in Sambia bildet den wichtigsten exportwirtschaftlichen Sektor des im Südlichen Afrika liegenden Binnenstaates Sambia. Das Land ist aufgrund der ausgedehnten Erzlagerstätten im Copperbelt einer der bedeutendsten Produzenten für Rohprodukte aus Kupfer und Cobalt in Afrika und zusammen mit der benachbarten kongolesischen Region Katanga eine der weltweit größten Bergbauregionen für diese Rohstoffe.
Der montanhistorischen Entwicklung entsprechend erhielt das im Norden des Landes liegende Industrierevier des Kupferbergbaus die Bezeichnung „Copperbelt“ (deutsch Kupfergürtel). Es dominiert mit seiner Wirtschaftskraft und entsprechenden Infrastruktur das Land. Andere Bergbaustandorte Sambias haben nicht diese Bedeutung erlangt. Ursprünglich lag diese Region in der Western Province, die später in Copperbelt Province umbenannt wurde. Hier befinden sich die Städte Chingola, Chililabombwe, Kalulushi, Kitwe, Luanshya, Mufulira und Ndola. Die Erkundung weiterer Lagerstätten westlich dieser Region erbrachte neue Kenntnisse und es entstanden weitere Bergbaustandorte in der benachbarten Nordwestprovinz, wie die Kansanshi mine in Solwezi sowie die Sentinel Copper Mine und die Enterprise nickel mine. Dieses Gebiet wird mitunter als „New Copperbelt“ bezeichnet.Zambia's Mines. A concentrated mining sector. Bericht in Mining for Zambia vom 24. Juni 2016 auf www.miningforzambia.com (englisch).
Öffentliche und privatrechtliche Strukturen Als zweitgrößter Kupferproduzent Afrikas ist Sambia volkswirtschaftlich erheblich von seinem Bergbausektor abhängig, der im Jahr 2022 72 % der gesamten Exporterlöse und 44 % der Staatseinnahmen erbrachte.EITI: Zambia. Kurzporträt auf www.eiti.org (englisch). Dieser Bergbau hat innerhalb des Landes einen weitverzweigten Einfluss auf andere Sektoren.Clive Mitchell, Elliott Hamilton: Zambia: the copper mining powerhouse looking towards a safer, low-carbon future. Bericht in BGS Press vom 25. Juli 2022, auf www.bgs.ac.uk (englisch).
In der Regierung Sambias ist das Ministry of Mines and Minerals Development (deutsch etwa: „Ministerium für Bergbau und Rohstoffentwicklung“) für den Bergbausektor verantwortlich. Es hat seinen Sitz in der Hauptstadt Lusaka.Webpräsenz. auf www.mmmd.gov.zm (englisch). Das Ministry of Commerce, Trade and Industry (deutsch etwa: „Ministerium für Gewerbe, Handel und Industrie“) führt über den verarbeitenden Sektor die staatliche Aufsicht (Stand 2019). Die gesetzliche Grundlage für den Bergbau bildet der Mines and Mineral Development Act of 2015 (Act No. 11), der das vorherige Berggesetz von 2008 ablöste.
Die sambische Regierung hält über ihre Beteiligungsgesellschaft ZCCM Investments Holdings Plc. (ZCCM-IH; d. h. Zambia Consolidated Copper Mines-IH) in fast allen Bergbauunternehmen Minderheitsanteile und ist dadurch der größte Anteilseigner in der sambischen Bergbauindustrie.
Zu den wichtigsten industriellen Institutionen des Bergbaus im Land zählt die Bergbaukammer von Sambia (Zambia Chamber of Mines). Sie wird von einem Direktorium (Council) unter Vorsitz eines Präsidenten geleitet. Aktuell (Mai 2024) wird diese Funktion von Godwin Mooba Beene (von First Quantum Minerals Ltd.) ausgeübt.Zambia Chamber of Mines: Council. auf www.mines.org.zm (englisch). Die Bergbaukammer wurde 1942 als Northern Rhodesia Chamber of Mines of Zambia gegründet und 1965 in Copper Industry Services Buereau (CISB) umbenannt. Nach dem mehrjährigen Privatisierungsprozess im Bergbausektor wurde die Zambia Chamber of Mines (ZCM) im Jahre 2000 wiedererrichtet.Zambia Chamber of Mines: Our History. auf www.mines.org.zm (englisch).
Sie ist Mitglied der auf Initiative der SADC-Mitgliedsstaaten im Jahre 1998 gegründeten und in Rosebank, Johannesburg (Südafrika) ansässigen Mining Industry Association of Southern Africa / MIASA (deutsch: „Vereinigung der Bergbauindustrie des Südlichen Afrikas“).MIASA: Zambia Chamber of Mines. auf www.miasa.org.za (englisch).MIASA: The Origin of the Mining Industry Association of Southern Africa (MIASA). auf www.miasa.org.za (englisch).
Geopolitische Aspekte des Bergbaus mini|Kupfererzlagerstätten im Copperbelt Die Lage Sambias als Binnenstaat hat zur Folge, dass Exportgüter der Montanwirtschaft über Nachbarstaaten hinaus durch deren Territorium hindurch erfolgen müssen. Das erzeugt logistische und politische Unsicherheiten, denen mit entsprechenden Transitvereinbarungen vorgebeugt wird. Im Falle der Massengüter aus den Bergbauzentren sind leistungsstarke Straßen- und Schienenverbindungen erforderlich, um diese zu den Häfen am Atlantik und Indischen Ozean zu bringen. Das hat bereits in der kolonialgeschichtlichen Periode des Landes unter dem Colonial Office in London eine dahingehende Eisenbahnentwicklung veranlasst.
Der für den Export des Kupferbergbaus erforderliche Schienenverkehr ist über die Nachbarländer Angola, Demokratische Republik Kongo (zuvor Zaire), Simbabwe (zuvor Südrhodesien, Rhodesien), Tansania und Mosambik möglich, jedoch von unterschiedlichen Faktoren in den Ländern beeinflusst.
Die älteste Straßen- und Schienenverkehrslinie für den Transport von Bergbauprodukten aus dem Copperbelt und benachbarten Bergbauregionen verlief von diesen kommend in Richtung Süden über Südrhodesien (Simbabwe) nach Südafrika. Entsprechend den Plänen der British South Africa Company war auf dem Kontinent Afrika eine Nord-Süd-Eisenbahnstrecke geplant (Kap-Kairo-Bahn). Diese von Südafrika und in Südrhodesien über Bulawayo und Wankie verlaufende Strecke auf dem Gebiet von Nordrhodesien (Sambia) ursprünglich bis zum Tanganjikasee geführt werden. Die Ende des 19. Jahrhunderts sich hier häufenden Entdeckungen von Kupfererzen (1899 in Kansanshi) und die zahlreichen Funde zwischen Kabwe und Ndola sowie im angrenzenden belgischen Kolonialgebiet Katanga bewirkten eine Umplanung der Eisenbahnentwicklung. Nun richtete sich der Streckenausbau von der nordrhodesischen Grenze bei Livingstone, der ehemaligen Hauptstadt der britischen Kolonie Nordrhodesien, über Broken Hill (Kabwe) in das sich neu entwickelnde Kupfererzbergbaugebiet an der Grenze zu Belgisch-Kongo. An diesem als „Line of Rail“ bezeichneten Verkehrskorridor entstanden in Nordrhodesien (Sambia) zahlreiche Ortschaften, wozu auch Lusaka zählt. Die sich zum wirtschaftlichen Rückgrat entwickelnde und hier 800 Kilometer lange Eisenbahnstrecke wird seit 1964 von Zambia Railways betrieben.Schultz: Zambia. 1983, S. 100–101, 237.
Kurz nach der staatlichen Unabhängigkeit Sambias (24. Oktober 1964) kam es zu wachsender Einschränkung auf den Transportrouten über Rhodesien nach Mosambik (Hafen in Beira), weil Südrhodesien durch seine einseitige Unabhängigkeitserklärung (1965, nun Rhodesien) den Rhodesienkonflikt auslöste und in eine international angespannte Lage kam. UN-Handelsrestriktionen wirkten sich störend auf die Außenhandelsbeziehungen mit Sambia aus. Ein Export auf Straße und Schiene über Livingstone zu geeigneten Auslandshäfen über Salisbury (heute Harare) nach Mosambik sowie über Bulawayo nach Südafrika war zeitweilig nicht mehr möglich. Daher gewannen der Bau und die Aufrechterhaltung von anderen Transitwegen in der Politik Sambias deutlich an Gewicht. Im Zuge dieser zwangsläufigen Neuorientierung kam es zum Bau der von China finanzierten TAZARA-Eisenbahn (1970–1975) und des Tanzam Highway (1968–1973) nach Tansania zum Hafen in Daressalam.Schultz: Zambia. 1983, S. 36–37. Die Binnenlage von Sambia und das Bedürfnis nach sicheren Transportwegen haben später wieder dazu geführt, dass die Exportgüter des Kupferbergbaus auf den Straßen zum südafrikanischen Hafen in Durban gelangten. Es besteht in jüngerer Zeit der Wunsch, diesen Gütertransport auf die Schiene zu verlegen. Gut ausgebaute Fernstraßen in Sambia hatten den LKW-Transport jedoch erleichtert. Investitionen zur Verbesserung des Eisenbahnnetzes von Sambia wurden seit 2013 in Aussicht gestellt.KPMG International Cooperative: Zambia – Country mining guide. Mining prospects in Zambia. Zug 2013, S. 14.
Wichtige Bodenschätze Schmucksteine Im Jahr 2019 wurden in Sambia 1.104.372 kg Amethyst, 8300 kg Beryll, 15.400 kg Smaragd und etwa 12.000 kg Turmalin gewonnen. Dabei erzielte die Gemfields Group Ltd. aus Guernsey, die Eigentümerin von den Bergwerken Kagem und Mbuva-Chibolele, ein Ergebnis von 8920 kg Smaragd und Beryll. Im selben Jahr konnte durch die Grizzly Mining Ltd. ein 50 kg wiegender Smaragdkristall geborgen werden, der weltweit schwerste bisher bekannte Fund dieses Minerals.James J. Barry: The Mineral Industry of Zambia. In: USGS Minerals Yearbook 2019, Zambia, S. 46.1–46.7. (PDF, englisch).
Amethyst Amethyst wird in den Mwakambwiko Hills unweit des Karibasees gewonnen, wo er als Folge tektonischer Ereignisse in Form von Adern und in Erzkörpern der dort liegenden Karoo-Strukturen vorkommt.Other gemstones. auf www.zambia-mining.com (englisch). Es gibt artisanalen Abbau und ein größeres Bergwerk, die Kariba-Mine im Mapatizya-Gebiet (Kalomo-Distrikt, Südprovinz).
Smaragd Sambia ist für seine weltweit bedeutenden Vorkommen von dunkelgrünen Smaragden (eine Beryll-Varietät) bekannt, die in der Ndola Rural area zu finden sind. Sie werden in Lagerstätten am Südrand des Copperbelt seit 1970 aus den dort auftretenden Pegmatitstrukturen gewonnen.Gemstones. auf www.zambia-mining.com (englisch). Die Lufwanyama-Mine wird von Grizzly Mining Ltd. betrieben und Kagem Mining Ltd. hat zwei Gewinnungsorte.
weitere Schmucksteine Im Osten von Sambia, bei Lundazi und Nyimba, treten Pegmatite auf, aus denen man Aquamarin und Turmaline gewann.
Energierohstoffe Kohle Bedeutende Kohlebergwerke gibt es im Distrikt Sinazongwe der Südprovinz. Die Steinkohlevorkommen sind Bestandteil der Ecca-Serien (Gwembe Coal Formation, PermI. A. Nyambe: Sedimentology of the Gwembe Coal Formation (Permian), Lower Karoo Group, Mid-Zambezi Valley, Southern Zambia. In: Fluvial Sedimentology VI. 1999. ) in der Karoo-Supergruppe und erstrecken sich im Mittellauf des Sambesi (Flözstärke 5 bis 12 m), sowie im Umfeld der Täler des Luangwa und Luano. Zur Erkundung diesbezüglich abbaubarer Lagerstätten wurde 1949 das Northern Rhodesian Coal Syndicate gegründet, das sich aus Vertretern der Kolonialverwaltung Nordrhodesiens, der British South Africa Company und den wesentlichen Kupferbergbausyndikaten zusammensetzte. In den Jahren 1950 bis 1960 wurden umfangreiche Erkundungsmaßnahmen mit geologischer Kartierung in einem Gebiet beginnend westlich von Lusaka bis zur Grenze mit dem damaligen Südrhodesien bei Livingstone sowie in der Luano-Talregion unternommen.Pelletier: Mineral Ressources. 1964, S. 203–204.
Der Kohlebergbau von Sambia erfolgt seit 1967 in kontinuierlicher Förderung. Dabei kommt aktuell (2024) die Hauptmenge aus dem Tagebau Maamba coal mine (Nava-Bharat-Konsortium, 65 %) im „Siankondobo coalfield“ (Distrikt Sinazongwe) unweit des Karibasees.
Uran