mini|Dorfstraße mini|Haus Nr. 15 mini|Kirche des hl. Laurentius

Dolejší Kunčice, bis 1950 Kunčice (deutsch Kunzendorf, auch Kunzendorf an der Steinbach, 1939–1945 Kunzendorf I) ist ein Ortsteil der Stadt Fulnek in Tschechien. Er liegt sechs Kilometer nordwestlich von Fulnek und gehört zum Okres Nový Jičín.

Geographie Der als Hufendorf angelegte Ort erstreckt sich auf einer Länge von zwei Kilometern in der Vítkovská vrchovina (Wigstadtler Bergland) im Tal des Baches Husí potok (Steinbach), dem am unteren Ortsausgang der Bach Červenka zufließt. Nordöstlich erheben sich die Vrchy (Oberhubenberg, 540 m n.m.) und im Südosten der Za Duškem (Viehberg, 473 m n.m.). Das Dorf liegt im Naturpark Oderské vrchy.

Nachbarorte sind Větřkovice (Dittersdorf) und Jančí (Jantsch) im Norden, Gručovice (Groitsch) im Nordosten, Vrchy (Waltersdorf) und die Wüstung Húby (Hubenhof) im Osten, Děrné (Tyrn), Fulnek, Jerlochovice (Gerlsdorf) und Moravské Vlkovice (Mährisch Wolfsdorf) im Südosten, Slezské Vlkovice (Schlesisch Wolfsdorf) im Süden, Véska (Dörfel) und Kamenka (Kamitz) im Südwesten, Klokočov (Groß Glockersdorf) im Westen sowie Vítkov (Wigstadtl), Horní Ves (Oberdorf) und Nové Vrbno (Neu Würben) im Nordwesten.

Geschichte Das Dorf wurde im Jahre 1301 durch die Benediktinerpropstei Brzezow nach Leobschützer Recht gegründet und nach dem durchfließenden Bach mit Steinbach bezeichnet. Zum Gründungszeitpunkt gehörte das Dorf wahrscheinlich zu dem an das Olmützer Domkapitel verpfändeten Teil des Semislavův újezd. Später erhielt das Dorf einen anderen Namen und wurde vermutlich nach seinem Lokator Kunze benannt. Dieser ist bereits in der Gründungsurkunde durch den Propst Lupus namentlich erwähnt. In dem mit der Propstei geschlossenen Lokationsvertrag wurde dem „Kunze“ das Amt des Richters übertragen; zugleich erhielt er für sich und seine Nachkommen eine erbliche und freie Hube mit dem Recht der Ansiedlung je eines Fleischers, Bäckers, Schmiedes und Schusters sowie einer Schänke und zwei Mühlen. Zu späterer Zeit bildete sich zu dem Lokator eine Legende, wonach dieser ein Schildknappe namens „Chunrad“ war, der 1278 einem Ritter Bertold von Füllsteinnach Rolleder soll es der spätere Olmützer Domherr Dietrich von Füllstein gewesen sein in der Schlacht auf dem Marchfeld das Leben gerettet habe und dafür von diesem zum Dank mit einem Waldstück zur Rodung und Ortsgründung sowie einer freien Erbrichterei ausgestattet worden sein soll.

Im Jahre 1412 wurde das Dorf – erstmals unter den Namen Kunczendorff – unter den Besitzungen der Propstei Brzezow aufgeführt. Im selben Jahre überließ der Propst Stephan dem Kunzendorfer Erbrichter die zuvor schon im Besitz seiner Vorfahren befundene Siedlung Goldseyfen für treue Dienste erblich. Beim Einfall der Hussiten nach Nordmähren zu Beginn des Jahres 1427 wurden das Kloster und die Kirche in Brzezow zerstört; die Propstei erlosch. Auch die Siedlung Goldseyfen fiel zu dieser Zeit wüst. Die Güter der Probstei wurden nach 1428 zwischen den Herrschaften Grätz und Fulnek aufgeteilt. Jan (VI.) von Krawarn auf Titschein und Fulnek erwarb dabei neben Groitsch und dem erloschenen Goldseyfen auch Kunzendorf. Später gehörte das Dorf zu den Besitzungen des Latzek von Sternberg auf Odra, der die Herrschaft Fulnek 1441 dem Troppauer Herzog Wenzel II. überließ. Herzog Johann II. verpfändete die Herrschaft Fulnek 1456 an Johann d. Ä. Czapek von Krumsin auf Waltersdorf, der sie wenig später an die Brüder Zdenko und Johann Kostka von Postupitz veräußerte und neben dem größten Teil von Waltersdorf nur das landtäflige Gut Kunczendorff für sich behielt. Danach wechselten sich verschiedene Adelsfamilien und auch Troppauer Patrizier als Besitzer des Gutes ab, das zum Ende des 15. Jahrhunderts ein Mannlehen der mährischen Herrschaft Fulnek wurde.

Als 1493 zur Beilegung des Streites wegen der Einlegung der Herrschaften Fulnek und Odra in die mährische Landtafel eine neue Grenzziehung zwischen Mähren und dem Herzogtum Troppau vorgenommen wurde, verblieb das Gut KunčiceKunzendorf im späteren Kreis_Neustadt_O.S.#Gemeinden|Kreis Neustadt. bei Schlesien; die Grenze zu Mähren verlief anderthalb Kilometer östlich von Kunčice auf den Hügeln über dem Tal der Červenka, sowie nordwestlich des Dorfes zur Exklave Goldseifen. Johann d. Ä. Czapek von Krumsin vererbte 1498 die Güter Waltersdorf und Kunčice seinem Sohn Johann d. J. Czapek von Krumsin, während die Tochter Margarethe Wolfsdorfer von Bernsdorf das Gut Damadrau erhielt. Seit der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts besaß die Familie Teltschiksiehe: Teltschik#Gründung von Kunzendorf. die Kunzendorfer Erbrichterei; ob es sich dabei um Nachfahren des Lokators Kunze handelt, ist nicht nachvollziehbar, da zuvor die jeweiligen Erbrichter nur beim Vornamen genannt wurden. Johann d. J. Czapek verstarb 1527. Seine Tochter Katharina klagte 1528 das ihr zugefallene Gut Kunčice von ihrer Mutter Hedwig von Velevsi beim Landrecht ein und heiratete im selben Jahr Georg Kolesa von Rakau. 1529 nahm sie ihren Mann auf das Gut in Gütergemeinschaft. 1536 bestätigten die Eheleute Kolesa dem Erbrichter Jakob Teltschik d. Ä. dessen alte Rechte und Privilegien. Georg Kolesa verpfändete das Gut nach dem Tod seiner Frau an Heinrich Schip von Branitz auf Stettin und Hrabin.

Auf dem schlesischen Fürstentag von 1541 beschwerten sich die schlesischen Stände bei König Ferdinand I. über Joachim Rosenhain, der sein Gut Kunczendorf in der mährischen Landtafel eingelegt hatte. Aus dieser Beschwerde geht nicht eindeutig hervor, um welchen der zahlreichen Orte dieses Namens es sich handelt, jedoch besteht wegen der Lage im mährisch-schlesischen Grenzgebiet die hohe Wahrscheinlichkeit, dass damit das heutige Dolejší Kunčice gemeint ist. Es wird angenommen, dass Heinrich Schip von Branitz das verpfändete Gut wieder auslöste. Sein Sohn Georg Schip von Branitz verhandelte 1557 mit Johann Thomas von Zwole erfolglos über den Verkauf des Gutes, das dann Georgs Bruder Jaroslaw Schip von Branitz zufiel. Die Stände erneuerten auf dem schlesischen Fürstentag von 1563 ihre Beschwerde an König Maximilian II. wegen der nach ihrer Ansicht weiterhin ungeklärten Einverleibung der Güter Kunczendorf, Hotzenplotz, Katscher und Fulnek in die mährische Landtafel; im Gegensatz zu den anderen erwähnten Gütern blieb Kunczendorf letztendlich bei Schlesien. Im Jahre 1565 geriet der Erbrichter Jakob d. J. Teltschik mit dem Grundherrn Jaroslaw Schip von Branitz auf Stettin wegen der ihm zinspflichtigen zwei Mühlen und der beiden Robotbauern in Streit. Nachdem 1566 ein Verkauf des Gutes an den Besitzer der Herrschaft Odra, Balthasar von Schweinitz und Pilmsdorf, nicht zustande kam, verpfändete Jaroslaw Schip Kunczendorf 1574 zunächst an den Troppauer Bürger Daniel Matzak. Kurz danach veräußerte er das Gut an Georg Tworkowski von Krawarn auf Radun. Die Kunzendorfer Untertanen lehnten sich gegen den neuen Grundherrn auf, verweigerten die Robotdienste und beriefen sich dabei auf die von Georg Kolesa verliehene Handfeste; zudem verweigerten sie auch den bestellten Abschätzern den Zutritt zu den Grundstücken. Zu dieser Zeit war bereits Jakobs Sohn Markus Teltschik Erbrichter von Kunczendorf.

Im Jahre 1577 verhandelte das Troppauer Landrecht über die Kunzendorfer Streitigkeiten. Zum einen bestätigte es das Recht des Erbrichters auf die beiden Robotbauern und die Mühlen. Andererseits wurde entschieden, dass die Kunzendorfer Untertanen keine Befreiung von der Zug- und Fußrobot zum Bauen sowie von Wachdiensten genossen und sie diese Dienstbarkeiten, die sie zuvor unter den Herren Schip auf dem Schloss Stettin abgeleistet hatten, nun auch gegenüber Georg Tworkowski von Krawarn auf dem Schloss Radun zu erbringen hatten. Außerdem wurde Georg Tworkowski das Recht einer Bestrafung der aufrührerischen Untertanen zuerkannt; wie diese ausfiel, ist nicht überliefert, zumindest eine Anhebung der Robot ist nachweisbar. Der Erbrichter Markus Teltschik wurde wegen mehrmaligen Ungehorsams gegenüber dem Grundherrn eingekerkert und es wurde ihm auferlegt, bis zum Georgstag 1577 die Erbrichterei mit einer würdigeren Person zu besetzen. Vermutlich verlor er in diesem Zuge auch die Obermühle, die sich seit dieser Zeit im Besitz des Grundherrn befand.

Wann die Kirche in Kunczendorf errichtet wurde, ist nicht bekannt. Ihre erste Erwähnung erfolgte 1597, als sie neu aufgebaut und vom Olmützer Bischof Stanislaus Pavlovský von Pavlovitz konsekriert wurde. Die dem Märtyrer Laurentius von Rom geweihte Kirche wurde danach von vielen Wallfahrern aufgesucht. Über die Existenz einer Pfarrei ist aus dieser Zeit nichts überliefert. Nach der Wagstädter Dekanatsmatrikel soll jedoch früher ein Pfarrhaus bestanden haben.

Die deutsche Ortsnamensform Kunzendorf ist seit 1604 nachweislich; häufig mit dem Zusatz an der Steinbach. Im Jahre 1605 kaufte der Kunzendorfer Erbrichter Michael Teltschik die Erbrichterei in Zauchtel für seinen Sohn Fabian. Die ersten Kirchenbücher wurde 1619 in Fulnek geführt, ab 1632 war die Kunzendorfer Kirche eine Filialkirche der Pfarrei Briesau. Der protestantische Grundherr Berthold Tworkowski von Krawarn eignete sich während des Dreißigjährigen Krieges eine bedeutende Geldsumme aus dem Vermögen der Kirche an. Seinem Nachfolger Hynek Wenzel Tworkowski von Krawarn verweigerte der Erbrichter Johann Teltschik 1638 die Huldigung; Tworkowski ließ den Erbrichter daraufhin in Troppau einkerkern. Hynek Wenzel Tworkowski verpfändete das Lehngut Kunzendorf zusammen mit einem Freihof bei Troppau nach 1638 an Christoph Ritter von Twardow. Nachdem der neue Pfandherr vom Erbrichter Johann Teltschik eine Schankgebühr erhob, klagte dieser 1649 am Landesgericht erfolgreich gegen diese Beschneidung seiner Schankgerechtigkeit. Um 1650 veräußerte Hynek Wenzel Tworkowski von Krawarn das Gut Kunzendorf für 5000 Taler seiner Schwester Judith Barbara Skrbenska von Hrzistie († 1659). Deren Witwer, Christoph Bernhard Skrbensky von Hrzistie auf Gotschdorf, nahm das Gut nicht selbst in Besitz, sondern überschrieb es noch zu Lebzeiten seinem Sohn Franz Albrecht Skrbensky. Als dieser 1680 verstarb, vererbte er das Gut seinem Sohn Franz Karl, der es 1696 an die Besitzerin der Herrschaft Wagstadt, Beata Elisabeth Sedlnitzky von Choltitz, verkaufte. Diese vererbte das Gut Kunzendorf 1731 ihrem Enkel Franz Wilhelm Sedlnitzky; der Erbherr auf Dluhow und Kuntzendorf ließ 1732 ein Grundbuch für Scholtz, Bauer und Müller in Kuntzendorf an der Steinbach anlegen. Nach 1733 erwarb Johann Heinrich Freiherr Henn von Henneberg auf Zauditz in einer öffentlichen Versteigerung. Zwischen dem neuen Grundherren sowie dem Erbrichter und der Gemeinde kam es zu zahlreichen Streitigkeiten. Die 1735 von den Untertanen gesuchte Ermäßigung der Grundsteuer lehnte Henn von Henneberg ab. 1747 erwarb Wenzel Karl Sedlnitzky von Choltitz auf Wagstadt das Gut und schlug es der Herrschaft Wagstadt zu. Im Jahre 1777 erbte dessen Sohn Karl Johann Nikolaus Sedlnitzky die Herrschaft Wagstadt mit den angeschlossenen Gütern. Weitere Namensformen waren Klein Kunczendorf (1663) und Kunzendorf an der Ottenbach (1790).Adolf Turek s kolektivem: Místopisný rejstřík obcí českého Slezska a severní Moravy Zemský archiv v Opavě, Opava 2004. S. 99 Im Jahre 1785 wurde durch den Religionsfonds in Kunzendorf eine zum Dekanat Odrau gehörige Lokalkaplanei eingerichtet. Karl Johann Nikolaus Sedlnitzky verstarb 1790, seine Witwe verwaltete die Herrschaft Wagstadt bis 1843.