Überblick
Überlieferter Bestand Neben einem spätmittelalterlichen Beispiel finden sich in Schleswig-Holstein in 80 Kirchen insgesamt 92 Emporenbilderzyklen aus dem 16. bis 18. Jahrhundert.Eine Zusammenstellung vieler Standorte von Emporenbildern findet man bei Wutzke 1995, S. 40–45. Besonders im 19. Jahrhundert wurden viele Bilderzyklen wieder entfernt oder übermalt.
In der kreisfreien Stadt Neumünster sowie in den Kreisen Plön und Stormarn haben sich keine Malereien dieser Art erhalten. In Esgrus, Lübeck (3 × Marienkirche, 1 × Petrikirche), Schenefeld, Friedrichstadt, Kellinghusen und auf Helgoland befanden sich Emporen mit Bildern, die jedoch im Laufe der Zeit zerstört wurden.Wutzke 1994, S. 41–44.
Reihenfolge der Bilder In den meisten Zyklen folgt die Anordnung der Bilder der biblischen Reihenfolge der dargestellten Geschichten. In einigen Kirchen erfolgt die Anordnung nach dem lutherischen Katechismus. Dabei werden Szenen aus dem AT und NT als Beispielbilder für die katechetischen Themen unabhängig von der bibelchronologischen Reihenfolge dargestellt. Etwa die Szene: „Die Steinigung des Fluchers“ für das Gebot: „Du sollst nicht töten.“ In einigen Kirchen gibt es eine Reihenfolge nach den Sonntagen des Kirchenjahres. So etwa in Elmshorn und Bergenhusen. Dargestellt wird der jeweilige Predigttext, der in der der historischen Perikopenordnung für jeden Sonntag im Kirchenjahr festgelegt ist. In Elmshorn wird dabei in Überschriften auf den jeweiligen Sonntag verwiesen. In einigen Kirchen findet sich eine Thematische Anordnung der Bilder.So gibt es etwa assoziative Paarungen nach Motiven, wie in Schobüll, oder der Marienkirche in Rendsburg, oder ganze thematische Zyklen, wie etwa in Schlutup zum Thema „Musizieren“. Eine Sortierung als typologische Gegenüberstellung von Themen des AT und des NT, wie sie etwa auf den Doppelstöckigen Emporen in Süddeutschland zu finden sind, finden sich in Schleswig-Holstein nicht.
Themen 24 Zyklen zeigen sowohl alt- als auch neutestamentlichen Szenen, wobei das Alte Testament und das Neue Testament meist typologisch aufeinander bezogen werden.Wutzke 1994, S. 52. 16 Zyklen zeigen ausschließlich neutestamentliche Thematik, wobei oft die Passion Christi im Zentrum steht. Auffällig ist, dass sich bei neutestamentlichen Zyklen oft auf Geburt, Passion und Auferstehung beschränkt wird und Szenen aus dem weiteren Wirken Jesu, oder seine Gleichnisse nicht berücksichtigt werden. Das entspricht dem Abschnitt über Jesus im Apostolischen Glaubensbekenntnis. Nur sechs Zyklen in Schleswig-Holstein führen ausschließlich auf alttestamentliche Bildthemen. 23 Zyklen zeigen Darstellungen von biblischen Figuren, darunter besonders häufig die zwölf Apostel. Während die verwendeten Vorlagen der Bilder zum Teil der Tradition des Apostelcredos folgen, fehlt auf den Emporenbildern in Schleswig-Holstein die spezifische Zuweisung eines Teiles des Apostolisches Glaubensbekenntnis zu den dargestellten Personen. Einige Zyklen haben inhaltliche Gewichtungen. Wie etwa die Darstellungen von Gleichnissen, oder Geschichten zu bestimmte biblische Personen, wie etwa Petrus in Bordelum, oder Johannes der Täufer in Bad Bramstedt. Einige Zyklen, wie etwa in Grundhof oder Bordelum, zeigen Beispielbilder für die Themen des lutherischen Katechismus. Die biblischen Darstellungen der Zyklen in Elmshorn und Bergenhusen sind nach dem Kirchenjahr angeordnet Embleme finden sich in den Zyklen in Bad Bramstedt, Bargum, Enge-Sand, Katharinenheerd, Leck und im Johanniskloster Schleswig. Vereinzelt finden sich auch Darstellungen der Reformatoren, der Seligpreisungen, oder christlicher Tugenden.
Vorlagen mini|Das Passahmahl in Ägypten: Vorlage von Matthäus Merian und Emporenbilder in Eggebek, Heide, Steinbergkirche und Tetenbüll mini|Vorlage von Kager mit einem zugeordneten Satz aus dem apostolischen Glaubensbekenntnis und Emporenbilder in Bargum, Jörl, Langenhorn und Nordhackstedt Die Bilder der Emporenzyklen wurden in der Regel nach Vorlagen gemalt. Verwendet wurden dafür Stiche aus Bibeln oder anderen Büchern. Nur selten wurde, wie etwa in Tetenbüll und Katharinenheerd, für einen ganzen Zyklus nur eine einzige Quelle als Vorlage benutzt.
Die am häufigsten in Schleswig-Holstein verwendeten Vorlagen sind folgende:
Die in vielen Bibelausgaben veröffentlichten Stiche von Matthäus Merian wurden am häufigsten als Vorlage für die Emporenmalerei benutzt, so etwa in den Kirchen von Bredtstedt, Eggebek, Flensburg Adelby, Heide, Husby, Kleinsolt, Medelby, Tetenbüll und Steinbergkirche.
Die emblematischen Kupferstiche aus den Vier Büchern vom wahren Christentum von Johann Arndt wurden in den Emporenbilderzyklen von Bad Bramstedt, und Enge als Vorlage verwendet.
Stiche von Johann Matthias Kager dienten als Vorlage in Bargum, Jörl und Langenhorn und Nordhackstedt.
Stiche von Jacob von Sandrart wurden in den Emporenzyklen in Großenwiehe, Medelby, Bargum und Jevenstedt als Vorlage verwendet.
Stiche aus der von Christoph Weigel dem Älteren herausgegebenen Biblia ectypa wurden in den Kirchen in Gettorf, Glückstadt, Grundhof und Hohn als Vorlage benutzt. Einzelne Bilder wurden auch in den Zyklen in Süderstapel, Husby, Großsolt, Quern und Flensburg Adelby nach Weigel gemalt.
Stiche von Marten de Vos wurden in großer Zahl in der Kirche von Bosau als Vorlage verwendet. Man findet sie aber vereinzelt auch als Vorlage in den Kirchen von Medelby, Großsolt, Sörup, Quern und Bergenhusen.
Die Bilder von Matthias Scheits, die in der Sternsche Bilderbibel veröffentlicht wurden, dienten als Vorlage in Barmstedt, Erfde, Glückstadt und der Lübecker Katharinenkirche.
Emporenmalerei im Kreis Dithmarschen St.-Remigius-Kirche (Albersdorf): Zehn Tafeln mit Szenen aus der Passion Christi an der westlichen Orgelempore, aus der Mitte des 17. Jahrhunderts.Beseler 1989, S. 863; Wutzke 1994, S. 45. Die Tafeln befanden sich bis 1969 am Altar.Hermann Bolle: Die St.-Remigius-Kirche in Albersdorf. Albersdorf o. J., S. 10. St. Clemens (Büsum): An der Nordempore befinden sich 16 Darstellungen von Propheten und Aposteln, aus dem 17. oder 18. Jahrhundert. Die Figuren sind auf einem einfarbigen Hintergrund dargestellt.Beseler 1989, S. 454 datiert Nord- und Westempore ins 18. oder 19. Jahrhundert, ohne auf die Malereien einzugehen. St. Jürgen (Heide): An der Nordempore befinden sich 43 Bilder von verschiedenen Malern mit Szenen zum Alten und Neuen Testament, aus der Mitte des 17. Jahrhunderts.Beseler 1989, S. 459; Wutzke 1994, S. 43. Über den Bildern gibt es deutende Überschriften. Die Malereien folgen den Stichen der Icones biblicae des Matthäus Merian (1627/30);Wutzke 1994, S. 78. die Anbetung der Könige wurde nach dem entsprechenden Tafelbild von Martin Schongauer (um 1475; Berlin, Gemäldegalerie, Inv. Nr. 1629) gemalt.
Emporenmalerei in Flensburg Flensburg – Adelby: 45 Bildtafeln. 12 Bilder zum Alten Testament um 1780 von J. M. Lund. 45 Bilder zum neuen Testament von 1689. 8 Bilder mit Personen. Die Evangelisten und vier weitere. Flensburg – St. Jürgen: Emporenbilder von 1907: 20 Bilder zum Neuen Testament eingerahmt von geschnitzten Figuren, die die christlichen Tugenden und die Lehrer der Evangelischen Kirche darstellen.
Emporenmalerei im Herzogtum Lauenburg mini|Berkenthin, Maria-Magdalenen-Kirche: Renaissancebrüstung der Westempore (Ende 16. Jhd.)
Maria-Magdalenen-Kirche (Berkenthin): Auf der Westempore Spätrenaissancebrüstung vom Ende des 16. Jahrhunderts mit Tafeln von Moses, vier Königen des Alten Testaments, Johannes dem Täufer und einer weiteren Einzelfigur.Beseler 1989, S. 324. Marienkirche (Büchen): Emporenbrüstung aus Franzhagen, um 1600. Bilder aus dem Alten und Neuen Testament.Beseler 1989, S. 328.
St.-Salvatoris-Kirche (Geesthacht): Hufeisenempore mit Brüstung und Emporenbildern von W. Langbein (1938).Beseler 1989, S. 331. mini|Lübeck, Katharinenkirche: Brüstung des Hochchores (17. Jhd.)
Emporenmalerei in Lübeck Aegidienkirche (Lübeck): Serie von elf Gemälden am Singechor/Lettner (1587). Malereien Gregor von Gehrden zugeschrieben, schnitzerisches Renaissancedekor der Empore von Tönnies Evers d. J.Gramatzki 1989. St. Andreas (Lübeck): Reich verzierte Orgelempore mit 16 Bildern. Zwei weitere hängen im Turmraum. Die jetzige Gestaltung der Empore stammt aus dem Jahre 1871. Dabei wurden Bilder aus drei verschiedenen Zyklen von 1645, 1731 und 1735 verwendet. Eine Darstellung eines Propheten, elf Darstellungen zum Leben Jesu und 6 Bilder mit Szenen aus dem AT, die das Musizieren zum Thema haben. Heiligen-Geist-Hospital (Lübeck): Elisabeth-Legende (um 1440)Goege 1954; Saumweber 2004; Uwe Albrecht (Hrsg.): Hansestadt Lübeck. Die Werke im Stadtgebiet (= Corpus der mittelalterlichen Holzskulptur und Tafelmalerei in Schleswig-Holstein. Band 2). Ludwig, Kiel 2012, S. 223–228, Nr. 68. Jakobikirche (Lübeck): Empore unter der großen Orgel mit Bruststücken der Propheten und Apostel, des Evangelisten Lukas, Christus, David und Moses (1639 und 1649), ohne Beschriftungen.Beseler 1989, S. 68. Katharinenkirche (Lübeck): An der Brüstung des Hochchores, dem Langhaus zugewandt, je drei Szenen aus der Passionsgeschichte rechts und links neben der Uhr: Christus in Gethsemane, Judaskuss, Christus vor dem Hohepriester, Geißelung Christi, Ecce Homo und Kreuztragung (Anfang 17. Jahrhundert). Öl auf Holz, ca. 90 × 125 cm.Beseler 1989, S. 80. Alle Bilder wurden nach der Vorlage von Matthias Scheits gemalt.
Emporenmalerei im Kreis Nordfriesland mini|Szenen aus der Geschichte des Elija in Tetenbüll mini|Nordempore in Viöl (Darstellung Jesu im Tempel und seine Taufe) mini|Westempore in Viöl (Apostel) Kirche in Bargum: Westliche Orgelempore mit 16 Bildern. Vier Embleme ohne Überschrift und zwölf Personen aus der Bibel (18. Jahrhundert).Beseler 1989, S. 402. Für die Darstellung der Apostel Petrus, Andreas und Johannes wurden Vorlagen von Johann Matthias Kager benutzt. Andere Darstellungen verwendeten Vorlagen von Jacob von Sandrart St. Nikolai (Bordelum): An der neugotischen Nordempore finden sich 26 größtenteils ältere Bilder von verschiedenen Malern, von denen die ältesten auf 1684 datiert werden.Beseler 1989, S. 403. Dargestellt sind Szenen aus dem Alten und Neuen Testament sowie des evangelischen Gottesdienstes. Die Anordnung erfolgt nicht bibelchronologisch, sondern folgt dem lutherischen Katechismus. Die ersten zehn Bilder sind Beispielszenen für die Zehn Gebote, weitere drei zum Glaubensbekenntnis und sieben zum Vaterunser. St. Nikolai (Bredstedt): acht Tafeln einer früheren Empore zur Offenbarung des Johannes Apostelkirche (Deezbüll): Emporenbilder mit Darstellung der Apostel an der Westempore. Rimbertikirche (Emmelsbüll): 16 Bilder mit Szenen aus dem Leben Jesu an der Westempore St. Katharina in Enge-Sande: 38 Bilder von unterschiedlichen Malern. Drei große Bilder zur Kindheit Jesu; 35 Symbolbilder nach Art der Emblematik mit gedichteten Versen und zum Teil mit biblischen Verweisen, teilweise aus Johann Arndts Vier Bücher vom wahren Christentum (1610) entnommen. St.-Christians-Kirche (Garding): An der reich verzierten Nordempore befindet sich ein Zyklus mit acht Bilder zur Josefsgeschichte von 1620. Sechs dieser Bilder wurden nach der Vorlage der Merianbibel gemalt. Ein weiteres Bild ist an der Westseite der Empore hat ein anderes Format und stellt Jesu Gebet in Gethsemane dar. St. Katharina (Katharinenheerd): An der Westempore finden sich vierzehn zwischen 1635 und 1650 geschaffene spätbarocke emblematische Malereien nach dem 1624 erschienenen Andachtsbuch Pia Desideria des flämischen Jesuiten Herman Hugo (1588–1629).Müller 1971.