Die Französisch-polnischen Beziehungen lassen sich um mehrere Jahrhunderte zurückverfolgen und weisen einen besonderen Charakter auf. Ab dem 16. Jahrhundert versuchten die beiden Länder mehrfach, Bündnisse zu schließen und politisch zusammenzuarbeiten, und das französische und das polnische Herrscherhaus heirateten mehrmals miteinander. Die Beziehungen gewannen während der Herrschaft von Napoleon I. an Bedeutung, als die Polen Verbündete von Napoleon waren und begeistert in den Napoleonischen Kriegen auf Seite der Franzosen kämpften. Während den antirussischen polnischen Aufständen von 1830 und 1863 sympathisierten die Franzosen mit den polnischen Rebellen, griffen aber nicht auf Seite der Polen ein. Zu dieser Zeit ließ sich eine große polnische Gemeinschaft in Frankreich nieder. Nach der Wiedergeburt des unabhängigen Polens nach dem Ersten Weltkrieg waren Polen und Frankreich während der Zwischenkriegszeit und des Zweiten Weltkriegs Verbündete. Frankreich erklärte NS-Deutschland den Krieg, als es 1939 in Polen einmarschierte, aber Frankreich beteiligte sich größtenteils nicht an militärischen Aktionen und wurde daher beschuldigt, nicht entsprechend der Bündnisverpflichtungen mit Polen gehandelt zu haben. Dieses Gefühl eines „westlichen Verrats“ belastete spätere Beziehungen, welche deshalb bis heute eine gewisse Ambivalenz aufweisen. Während des Kalten Krieges waren beide auf entgegengesetzten Seiten des Eisernen Vorhangs, weshalb die diplomatischen Beziehungen zwischen Frankreich und der Volksrepublik Polen nur wenig intensiv waren. Nach dem Zusammenbruch des Ostblocks trat Polen der NATO und der EU bei, wodurch die Beziehungen deutlich an Gewicht gewinnen konnten. Beide Staaten arbeiten zudem seit 1991 eng als Teil des Weimarer Dreiecks mit der Bundesrepublik Deutschland zusammen.

Geschichte

Vor dem 18. Jahrhundert mini|Königskrönung von Heinrich III. in Polen (1573) Durch die gemeinsame katholische Religion bestand eine verbindende Gemeinsamkeit zwischen dem Königreich Polen und dem Königreich Frankreich. Da der Staat Polen-Litauen jedoch nur wenig in die Kriege in Westeuropa eingebunden war, hatten die französisch-polnischen Beziehungen vor dem 18. Jahrhundert eine eher zweitrangige Bedeutung. Französische und polnische Truppen kämpften gemeinsam als Teil einer größeren europäischen Koalition gegen die Osmanen in der Schlacht von Nikopolis im Jahr 1396. Im Jahr 1524 wurde ein erstes französisch-polnisches Bündnis geschlossen, das jedoch scheiterte, nachdem König Franz I. von Frankreich in der Schlacht von Pavia 1525 von Truppen Karls V. von Österreich und Spanien besiegt und gefangen genommen wurde. 1573 wurde Heinrich III. von Frankreich zum König von Polen gewählt, der jedoch im folgenden Jahr heimlich das Land verließ, um König von Frankreich zu werden. Er bezeichnete die Polen als „barbarisch, hochmütig, treulos, prahlerisch und geschwätzig“.

Zwei polnische Könige, Władysław IV. Wasa und Johann II. Kasimir, waren mit der französischen Prinzessin Luisa Maria Gonzaga verheiratet. Nach seiner Abdankung im Jahr 1668 ging Johann II. Kasimir nach Frankreich, wo er den Jesuiten beitrat und Abt der Abtei Saint-Germain-des-Prés in Paris wurde. Sein Herz wurde hier begraben. Ende des 17. Jahrhunderts heiratete König Johann III. Sobieski die französische Prinzessin Marie Casimire Louise de la Grange d’Arquien und versucht erneut, ein französisch-polnisches Bündnis zu schmieden. Im Jahr 1675 wurde ein Bündnisvertrag unterzeichnet, der jedoch aufgrund externer Faktoren nicht umgesetzt wurde. Nachdem Marie Casimire sich von Versailles beleidigt fühlte, schloss ihr Gemahl unter ihrem Einfluss stattdessen 1683 ein Bündnis mit Österreich.Antonius Lux (Hrsg.): Große Frauen der Weltgeschichte. Tausend Biographien in Wort und Bild. Sebastian Lux Verlag, München 1963, S. 323.

18. Jahrhundert mini|Place Stanislas in Nancy In den 1730er Jahren versucht Stanisław I. Leszczyński, König von Polen, Sobieskis frühere Bemühungen fortzusetzen und Polen und Frankreich zu verbünden. Nach der Niederlage im Polnischen Erbfolgekrieg, trotz französischer Unterstützung, zog er sich nach Frankreich zurück, wo er 1737 Herzog von Lothringen wurde. Er war ein großer Förderer von Kunst und Wissenschaft in Lothringen. Er gründete die Académie de Stanislas in Nancy und gab den Bau der Place Stanislas in Auftrag, des beeindruckenden Hauptplatzes von Nancy, der heute zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört. Mitte des 18. Jahrhunderts wurde seine Tochter, Prinzessin Marie Leszczyńska, französische Königin und Gemahlin von Ludwig XV.

Während der antirussischen Konföderation von Bar unterstützte der französische Königshof die polnischen Konföderierten durch die Entsendung französischer Offiziere unter Charles-François Dumouriez. Im späten 18. Jahrhundert erlebten sowohl Polen als auch Frankreich eine revolutionäre Phase, wobei die Französische Revolution einen großen Einfluss auf die Reformen des Vierjährigen Sejm und die erste Einführung einer modernen Verfassung in Polen und Europa hatte. Ein offizielles polnisch-französisches Bündnis gab es jedoch nie. Frankreich wollte sich nämlich nicht mit Polen verbünden, da Polens Nachbarn, Preußen, Österreich und Russland, in Erwartung eines solchen Bündnisses und in Anbetracht der polnischen Reformen und der Bedrohung durch die polnischen Jakobiner mit der Teilung Polens beschäftigt waren und so weniger Ressourcen für die Auseinandersetzung mit den Ereignissen in Frankreich zur Verfügung hatten.

Napoleonische Zeit

mini|Herzogtum Warschau in den Grenzen von 1809 Die Schaffung des Herzogtums Warschau durch Napoleon I. ließ 1807 die polnische Nation wiederauferstehen, die durch die Teilungen von 1795 ausgelöscht worden war. Napoleon wollte mit dem polnischen Staat einen Puffer zwischen Österreich, Preußen und Russland schaffen, der ihm loyal war. Als Herzog setzte er Friedrich August I. von Sachsen ein. Die bleibende Bedeutung des napoleonischen Herzogtums besteht darin, dass es die alte feudale Gesellschaftsordnung abschaffte und zahlreiche modernisierende Reformen eingeführt wurden. Die Leibeigenschaft wurde abgeschafft und ein modernes, an das französische Vorbild angelehntes Rechtssystem eingeführt, welches auf dem Code Napoleon beruhte. Entscheidend war der Beitrag, den die napoleonische Zeit zur Schaffung einer nationalen Legende, die die Polen in den folgenden Jahrzehnten trösten sollte. Unter anderem trug sie zu der Überzeugung bei, dass das übrige Europa ein bleibendes Interesse am Schicksal Polens hatte, da Bonaparte 1797 die Bildung polnischer Legionen unterstützte, die aus Emigranten und anderen in Italien lebenden Exilanten rekrutiert wurden. Die polnische Nationalhymne Mazurek Dąbrowskiego ist eine Hommage an den Kommandanten der Legion, Jan Henryk Dąbrowski, und Napoleon wird dort ebenfalls erwähnt.

Die Polen kämpfen in verschiedenen Konflikten für Napoleon. Nach dem Vertrag von Lunéville im Jahr 1801 wurden die polnische Legion in die Karibik entsandt, um den Sklavenaufstand in der französischen Kolonie Saint-Domingue, dem heutigen Haiti, niederzuschlagen und die Sklaverei wieder einzuführen. Die Intervention scheiterte, allerdings verblieb eine kleine polnische Präsenz in Haiti bis ins 21. Jahrhundert. Von den neuen Truppen, die nach der Gründung des Großherzogtums Warschau aufgestellt wurden, wurden etwa 10.000 in den Kampf gegen die Spanier und Briten im Napoleonische Krieg auf der Iberischen Halbinsel geschickt. Am meisten begeisterten sich die Polen jedoch für den Feldzug von 1812 gegen Russland, bei dem Polen das bei weitem größte ausländische Kontingent der Napoleonischen Armee stellten. Die Polen erhofften sich bei einem Sieg der Franzosen eine Wiedergewinnung Litauens und eine vollständige Revision der polnischen Teilungen nach 1772. Der Feldzug scheiterte jedoch und das Großherzogtum Warschau wurde 1815 aufgelöst, nachdem russische Truppen in Warschau einmarschiert waren.

Große Emigration im 19. Jahrhundert Die polnische nationalistische Entschlossenheit hatte Auswirkungen auf Zar Alexander I., da er akzeptierte, dass es keine Rückkehr zu der Situation von 1795 geben konnte, als Polen aufgelöst worden war. Auf sein Drängen hin wurden die Länder des napoleonischen Herzogtums, einschließlich der Stadt Warschau, Teil von „Kongresspolen“, eines russischen Satellitenstaates, der über einen eigenen politischen Spielraum verfügte und den napoleonischen Kodex bewahrte. Alexander erhoffte sich vermutlich, etwas von der Loyalität, die die Polen seinem großen Rivalen Napoleon entgegenbrachten, auf sich selbst übertragen zu können, aber er hat lediglich einen Mythos aufrechterhalten. Die Hoffnung auf ein liberales Polen, auf das Polen Napoleons, wurde so am Leben erhalten, bis diese durch den gescheiterten Novemberaufstand 1830/31 zerstört wurde. Die letzten polnischen Sonderrechte wurden nach dem Januaraufstand 1863/64 aufgehoben. Napoleon III. von Frankreich weigerte sich den Polen zu Hilfe kommen, setzte jedoch als Reaktion auf die Unterdrückung der Polen ein Bündnis mit Russland aus. mini|Marie Curie (1890) Die Große Emigration war eine Auswanderung der politischen Eliten aus dem geteilten Polen von 1831 bis 1870, insbesondere nach den November- und Januaraufständen. Seit dem Ende des 18. Jahrhunderts spielten Personen, die als Emigranten außerhalb des Landes tätig waren, aus dem Exil heraus eine wichtige Rolle im politischen Leben Polens. Aufgrund der Emigration der politischen Eliten fand ein Großteil der politischen und ideologischen Aktivitäten der polnischen Intelligenz im 18. und 19. Jahrhundert außerhalb des geteilten Polens statt. Die meisten dieser politischen Emigranten lebten in Frankreich, das von den Polen – beeinflusst von Napoleon und dem Mythos einer französisch-polnischen Freundschaft – als Bastion der Freiheit in Europa angesehen wurde. 1834 schrieb Adam Mickiewicz von seinem Pariser Exil aus sein episches Gedicht Pan Tadeusz, in dem er den Einmarsch Napoleons in Litauen im Jahr 1812 folgendermaßen feiert: Alle, die des Sieges sicher sind, weinen mit Tränen in den Augen/Gott ist mit Napoleon, und Napoleon ist mit uns!

In dieser Zeit ließen sich einige berühmte Polen in Frankreich nieder, wie der Komponist Frédéric Chopin, Schriftsteller wie Adam Mickiewicz und Cyprian Norwid oder Unternehmer wie Louis Wolowski und André Citroën und später die Wissenschaftlerin Maria Skłodowska-Curie (Marie Curie). Etwa eine Million Menschen polnischer Abstammung leben im 21. Jahrhundert in Frankreich, vor allem in der Region Nord-Pas de Calais, im Großraum Lille und in der Bergbauregion (bassin minier) um Lens und Valenciennes. Auch in der Auvergne gibt es viele Nachkommen polnischer Einwanderer.

Zwischenkriegszeit